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WAAR – Wörterbuch der Aspekte und Aktionalitäten des Russischen

Koordination (seit 2001): Julia Mende (M.A., Dresden)
Derzeitige Bearbeitung: Dr. Natalia Brüggemann (Hamburg),
Julia Mende (M.A., Dresden)
Konzeption: Prof. Dr. Volkmar Lehmann (Hamburg)
Koordination von 1995 bis 2000: Eva Born-Rauchenecker
Geplanter Projektabschluss: 2006

Zentrales Anliegen des Wörterbuchs der Aspekte und Aktionalitäten des Russischen (WAAR) ist es, die Partnerstruktur russischer Verben transparent zu machen: Der Wörterbuchbenutzer soll in die Lage versetzt werden, sich von jedem der aufgenommenen Verben aus über dessen Stellenwert innerhalb seiner Aspektpartnerschaft zu orientieren, d.h. zu verstehen, in welchem Verhältnis z.B. citat’, procitat’, procityvat’ und pocitat’ oder smejat’sja und zasmejat’sja zueinander stehen.

Ausgangspunkt des Wörterbuchs bilden die 500 häufigsten Verben des Russischen. Aus der komplexen Partnerschaftsstruktur vieler Verben ergibt sich aber die Lemmatisierung von ca. 2000 Verben (d.h. der 500 häufigsten Verben und sämtlicher möglicher Partner). Die Explikation und genaue Analyse erfolgt unter dem formal unmarkierten Verb. Unter den formal markierten Partnern (Derivaten) findet sich jeweils nur ein Verweis.

Adressaten des Wörterbuchs sind sowohl die russistische (slavistische) Fachwelt als deutsche Lerner (vgl. „Deutsche Äquivalente“). Die Explikationen und theoretischen Angaben sind in russischer Sprache gehalten.

Dem Wörterbuch wird ein theoretischer Apparat (in russischer Sprache) vorangestellt werden, der den theoretischen Hintergrund der Bearbeitung der Verben ausleuchtet. Die Benutzung des Wörterbuchs soll jedoch auch ohne die Lektüre dieser Ausführungen möglich sein.

Die theoretische Grundlage des Wörterbuchs bildet die Aspekttheorie von Volkmar Lehmann (Vgl. u.a. „Die russischen Aspekte als gestufte Kategorien“, in: Rothe, H. (ed.): Beiträge zum 11. Slavistenkongreß in Bratislava, 1993, 265-297; „Aspekt“, in: Jachnow, H. (ed.): Handbuch der sprachwissenschaftlichen Russistik und ihrer Grenzdisziplinen, Wiesbaden 1999, 214-242.). Zentrale Grundsätze dieser Theorie sind:

  1. Ein Verb kann über mehrere Aspektpartner verfügen (der traditionelle Begriff der Paarigkeit wird als inadäquat angesehen. Als Aspektpartner werden auch Verben mit „aktionsartlicher„ Phasenfokussierung (delimitativ, perdurativ, ingressiv, egressiv) anerkannt (z.B. krasit’ 1.a. ('Pokryvat’ ili propityvat’ kraskoj.‘) – pokrasit’ (delim.); prokrasit’ (perdur.) oder goret’ 1.a. ('Poddavat’sja dejstviju ognja, unictozat’sja ognem.‘) – pogoret’ (delim.); otgoret’ (egress.), progoret’ (perdur.)).
  2. Die Aspektpartnerschaft kann u.U. von lexikalischer Bedeutung zu lexikalischer Bedeutung oder auch von Bedeutungsvariante zu Bedeutungsvariante variieren, d.h. ein und dasselbe Verb kann in verschiedenen Bedeutungen je verschiedene Aspektpartner aufweisen (z.B. krasit’ 1.a. 'Pokryvat’ ili propityvat’ kraskoj.‘ – mit den Partnern pokrasit’ (α), vykrasit’ (α), okrasit’ (α), prokrasit’ (α); pokrasit’1 – delim.); prokrasit’1 – perdur.) bzw. krasit’ 1.b. 'Podkrazivat’, podvodit’ (brovi, guby i t.p.).‘ – nakrasit’ (α)). (Zu 'α/β' s.u.)
  3. Die Aktionalität bzw. lexikalisch-aktionale Funktion (LAF) eines Verbs (mit ‘telisch / predel’nyj’ – ‘nicht telisch / neperedel’nyj’ als allgemeinsten Kategorien) wirkt sich einerseits auf den Status des Aspekts aus (vgl. 4.), andererseits auf die grammatische Defaultfunktion des imperfektiven Aspekts im Satz (vgl. „Beispielsätze“).
  4. Der Aspekt ist eine gestufte Kategorie: Das Zentrum sowohl des perfektiven (pf.) als auch des imperfektiven (ipf.) Aspekts bilden die alpha-Verben, die Peripherie dagegen die beta-Verben. Innerhalb einer Aspektpartnerschaft ist dasjenige Verb der alpha-Partner, dessen Aspektsemantik mit der LAF der jeweiligen lexikalischen der Bedeutung übereinstimmt. Dabei wird davon ausgegangen, dass die LAF den pf. bzw. ipf. Aspekt impliziert: bei telischen Verben ist das der pf. Partner, bei nicht telischen der ipf. Partner (stative Lexeme sind partnerlos). (Der alpha-Partner wird in der Regel auch häufiger verwendet und in der Ontogenese früher erworben; er ist morphologisch meist der einfachere, d.h. der nicht abgeleitete). Beta-Partner dagegen gehören dem ipf. oder pf. Aspekt nicht aufgrund von Implikation, sondern im Prinzip aufgrund von funktionaler Rekategorisierung und formaler Derivation an.

Zu den Parametern im einzelnen:

Aspektpartner: Aufgeführt werden sämtliche möglichen Aspektpartner entsprechend der zugrundegelegten Aspekttheorie. Dabei wird nicht nur zwischen alpha- und beta-Partnern unterschieden, sondern unter den beta-Partnern außerdem zwischen Standard- und peripheren Partnern. Außerdem werden syntaktische Partner berücksichtigt (z.B. poljubit’ zu dem partnerlosen ljubit’). Sekundär suffigierte Imperfektiva werden den präfigierten Partnern zugeordnet und hinsichtlich ihres Funktionsbereichs (iterativ, progressiv) markiert.

Status: Jedes Lexem wird als alpha- oder beta-Partner gekennzeichnet.

Funktionsbereich: Jedes Lexem wird hinsichtlich seines Funktionsbereichs (delimitativ, ingressiv, egressiv, durativ, iterativ, progressiv) gekennzeichnet.

Lexikalisch-aktionale Funktion (LAF) [Aktionalität]: Für jede Variante wird die LAF verzeichnet (telisch: (Ereignis-Lexem) : transformativ, konklusiv; nicht telisch: dekursiv, mutativ, stativ; diffus telisch-atelisch.

Explikation: Die formal unmarkierten Verben erhalten für jedes Lexem bzw. jede Variante eine Explikation (in der Regel übernommen aus oder angelehnt an Malyj Akadamiceskij Slovar’).

Beispielsätze: Unter dem explizierten Verb wird für jeden Partner (pro lexikalischer Bedeutung bzw. Bedeutungsvariante) mindestens ein Beispielsatz geliefert. (Die Beispielsätze sind meistens Bildungen von den mitarbeitenden russischen Muttersprachlerinnen, stammen aber teilweise auch aus den zugrundegelegten Wörterbüchern oder anderen Korpora.) Dabei sollen die Beispielsätze (vor allem ipf. Verben) die für die LAF des Lexems bzw. der Variante typische Aspektbedeutung aufzeigen.

Deutsche Äquivalente: Die deutschen Äquivalente sind einerseits abgestimmt auf die LAF der jeweiligen lexikalischen Bedeutung oder sogar auf die von Variante zu Variante alternierende LAF, sie tragen andererseits aber auch einer möglichen unterschiedlichen Übersetzung der Partner-Verben Rechnung.

Beispiel für einen Lexemeintrag

  Impressum   Letzte Änderung: 17.01.2011 nb