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Hamburger Arbeitsstelle für
deutsche Exilliteratur (HAfdE)


Arbeitsbericht 1992-1994

I.

Die Forschungsanstrengungen der Hamburger Arbeitsstelle für deutsche Exilliteratur (HAfdE) konzentrierten sich in den vergangenen zwei Jahren vornehmlich auf ein zentrales Projekt: das von Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider (alle Berlin) und mir gemeinsam betreute "Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 - 1945". Dieses Handbuch soll in zwei Teilen erscheinen. Dabei wird der erste Teil eine Überblicksdarstellung und Regionalartikel enthalten; sie wurden inzwischen unter Mitarbeit zahlreicher in- und ausländischer Kolleginnen und Kollegen erstellt. Redakteur und Projektleiter dieses Teils ist Dr. Michael Philipp (BAT II a halbe; Vertragsende am 30.9.96). Der zweite Teil des Handbuches wird aus einem biographisches Lexikon der exilierten bzw. vertriebenen Theaterkünstler bestehen. - Die Federführung für das Gesamtprojekt liegt in Hamburg.
Für die Erstellung des Lexikon-Bandes ist es gelungen, von der DFG aufgrund eines von Werner Mittenzwei und mir gemeinsam gestellten Antrages Personalmittel für zwei Mitarbeiter (Dr. Dieter Wenk und Dr. sc. Bärbel Schrader) sowie für studentische Hilfskräfte einzuwerben. Beide Mitarbeiter haben inzwischen die Arbeit aufgenommen.
Als Basis der lexikalischen Recherche ist eine EDV-gestützte Datei zur Theatertätigkeit im Exil 1933 - 1945 erstellt worden. In ihr sind z.Z. ca. 3.500 verfolgte bzw. exilierte Theaterkünstler erfaßt. Ihre Tätigkeit ist nach Aufnahmeländern, Sparten (Sprechtheater, Musiktheater, Kabarett, Theaterprädagogik, Tanztheater, Film, Rundfunk sowie verschiedenen anderen Berufsfeldern) und Ensembles bzw. Bühnen spezifiziert (insgesamt z.Z. ca. 8.000 Datensätze). Die Angaben können über Suchprogramme abgefragt werden.
Zur Vorbereitung des Projektes wurden im Sommer 1993 eine Vortragsreihe "Theater im Exil 1933 - 1945" und im November 1993 eine Tagung durchgeführt. Referenten der Tagung waren Peter Diezel (Berlin), Boguslaw Drewniak (Gdánsk), Jacques Klöters (Amsterdam), Werner Mittenzwei (Berlin), Henning Rischbieter (Berlin), J. M. Ritchie (Aberdeen), Hansjörg Schneider (Berlin) und Claudie Villard (Metz). Alle Veranstaltungen waren öffentlich.
Einzelne Zwischen- bzw. Teilergebnisse der Projektarbeit wurden ebenso wie verschiedene im Archiv vorliegende Zeitzeugenberichte im Verlauf der vergangenen zwei Jahre in der Zeitschrift "Exil" veröffentlicht:

Peter Diezel: Hilda Duty - Zellengefährtin von Carola Neher (1992/H. 2, S. 24-42).
Herbert Freeden: Drinnen im Exil. Das Theater des Jüdischen Kulturbundes 1933 - 1941 (1993/H. 2, S. 46-51).
Herbert Nelson: Theater in der Legalität und der Illegalität - Amsterdam 1933-1945 (1993/H. 2, S. 52-65).
Hansjörg Schneider: Exiltheater in der Tschechoslowakei (1994/H. 1, S. 39 - 69).
Boguslaw Drewniak: Theater zwischen 1933 und 1939 in der Freien Stadt Danzig (1994/H. 1, S. 70-76).

Das Gesamtprojekt soll bis Oktober/November 1996 abgeschlossen werden.
Als Stipendiatin der Herbert und Elsbeth Weichmann Stiftung (Hamburg) ist seit November 1994 Dr. Marita Krauss (München) an der Arbeitsstelle für Exilliteratur tätig. Frau Dr. Krauss untersucht die Remigration nach 1945 anhand eines Städtevergleichs zwischen München, Hamburg und Leipzig.

II.

Wie auch in den vergangenen Jahren wurde während des Berichtszeitraums die Zeitschrift "Exil", eine Halbjahreszeitschrift, betreut (Texterfassung und Redaktion). Die Zeitschrift erscheint 1994 im 14. Jg.
Während der Vorlesungsmonate wurden in regelmäßigem Turnus öffentliche Veranstaltungen zu Themen der Exilforschung (aus aktuellem Anlaß auch der Asylpolitik), häufig mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen als Referenten, im Ossietzky-Lesesaal der Arbeitsstelle für Exilliteratur durchgeführt. Mehrere Male stellte die Arbeitsstelle ihre Projekte der Öffentlichkeit (Tag der offenen Tür der Staatsbibliothek, Universitätsjubiläum) vor.
Für das Archiv der Arbeitsstelle konnten 1993 der Teilnachlaß zweier England-Emigranten: von Erich Freund und Heinz-Wolfgang Litten, sowie ein Privatarchiv zum Thema "Exiltheater in der Tschechoslowakei" erworben werden. Beide Bestände ergänzen die in der HAfdE vorhandene, umfangreiche Sammlung zum deutschsprachigen Exiltheater 1933 - 1945. Die Finanzierung erfolgte im wesentlichen aus Drittmitteln.
Der Ausbau des Personalarchivs und die Erfassung des historischen Zeitungsausschnittarchivs (EDV-gestützte Dateien) wurden während des Berichtszeitraums fortgesetzt. Es sind rd. 25.000 Datensätze erfaßt. Gegenwärtig ist eine Archivbeschreibung in Arbeit, die voraussichtlich 1995 als Broschüre in der "Schriftenreihe des P. Walter Jacob-Archivs" erscheinen wird.
Im Bereich der Bibliothek wurde während der zurückliegenden Jahre der Medienbestand wesentlich erweitert. Er umfaßt gegenwärtig 400 Videofilme. Die aktuell erscheinende (auto-)biographische Literatur wurde ergänzt. Inzwischen ist der Gesamtbestand der Bibliothek auf ca. 17.000 Medieneinheiten angewachsen (darunter 200 Mikrofilme). Allerdings mußte auf antiquarische Ankäufe in zahlreichen Fällen aufgrund des knappen Etats verzichtet werden.

III.

Die Personalausstattung der Hamburger Arbeitsstelle für deutsche Exilliteratur (1 Hochschullehrer, 1 wiss. Mitarbeiter [Halbtagsbeschäftigung], 1 Bibliothekarin [Halbtagsbeschäftigung], 1 Angestellte TVP [Halbtagsbeschäftigung]) ist unverändert. Die Realisierung der seit mehreren Jahren bestehenden Zusage des Institutsrats des Literaturwissenschaftlichen Seminars, die nächste freiwerdende Assistententstelle der Arbeitsstelle für Exilliteratur zuzuweisen, steht noch immer aus.
Der mit der Gründung der HAfdE verbundenen Intention, verstärkt in den Bereich der universitären Ausbildung einzuwirken, sollte unbedingt durch die baldige Zuweisung dieser Assistentenstelle Rechnung getragen werden.
Es ist gegenwärtig außerordentlich schwierig, mit der vorhandenen Personalausstattung Bibliothek, Archiv und Zeitschrift in ausreichender Weise zu betreuen und zusätzlich öffentliche Veranstaltungen durchzuführen.

*

Abschließend wird auf eine Reihe von Publikationen hingewiesen, durch die das im vergangenen Bericht vorgestellte Projekt "Literaturkritik in den Zeitschriften des europäischen Exils" abgeschlossen worden ist:

Zusätzlich sind folgende weitere Publikationen von Mitarbeitern der HAfdE in den vergangenen Jahren entstanden:

Hamburg, November 1994

Prof. Dr. Frithjof Trapp, Leiter der Hamburger Arbeitsstelle