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Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL)ArbeitsberichtDie Arbeitsstelle für Graphische Literatur ist eine ebenso ungewöhnliche wie einmalige Einrichtung an der Universität Hamburg. In ihr arbeiten Lehrende mit Studierenden, Doktoranden und promovierten NachwuchswissenschaftlerInnen zusammen. Ihr Forschungsinteresse gilt verschiedenen Aspekten der Graphischen Literatur: Es reicht von der Ästhetik der Comics bis zur Geschichte der Graphischen Literatur im 20. Jahrhundert, von der Vorgeschichte der Comics bis zu einzelnen Werken. Die Basis für diese Forschung wird seit 1990 durch den kontinuierlichen Aufbau einer Spezialbibliothek für Comics und Comicforschung (Bédéthek) geschaffen. Im Berichtszeitraum 1997 bis 2000 hat sich die ArGL im Universitätsbetrieb einen festen Platz als Anlaufstelle für alle das Gebiet der Comics betreffenden Fragen und Forschungsvorhaben seitens Angehöriger der Universität Hamburg wie auch seitens auswärtiger Wissenschaftler und Studierender, Medienvertreter sowie interessierter Privatpersonen erworben. Dank der Unterstützung durch den Fachbereich war es möglich, einen Teil dieser bisher ehrenamtlich geleisteten Arbeit nunmehr bezahlt durchführen zu lassen. Die Mitglieder der Arbeitsstelle konnten sich dadurch stärker auf die Bearbeitung der zahlreichen Fachfragen konzentrieren. Diese Arbeit wurde durch eine langwierige Renovierung der Räume in der Heimhuder Str. 71 erheblich erschwert. Der ursprüngliche Plan, das Büro im Oktober 1998 für ein bis zwei Monate zu schließen, konnte nicht eingehalten werden; die Arbeiten wurden erst im März 1999 beendet. Eine kontinuierliche Arbeit war in diesem Zeitraum unmöglich; der Betrieb beschränkte sich daher auf die Organisation der dringlichsten Verwaltungsarbeiten. Kontakte zu anderen Institutionen, zum Beispiel dem Institut für Kinder- und Jugendbuchforschung in Frankfurt, dem CBDI in Brüssel und der Popular Culture Association (PCA) in Ohio, wurden von den Mitgliedern der ArGL u.a. durch Vorträge auf internationalen Tagungen und die Mitarbeit am International Journal of Comic Art vertieft. Im Frühjahr 2000 ist anläßlich der Tagung "The Graphic Novel" in Leuven zudem eine intensive Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut der Katholischen Universität Leuven zustande gekommen. Die Beteiligung der ArGL an einer im Internet publizierten wissenschaftlichen Zeitschrift zum Gegenstand Image & Narrative soll hier der nächste Schritt sein. Besondere Bedeutung kommt der Zusammenarbeit mit der Universität Lüneburg zu, namentlich mit Prof. Karl Clausberg, der seit 1998 kooptiertes Mitglied der ArGL ist und in Lüneburg in Zusammenarbeit mit der ArGL ein Forschungsprojekt zum Thema "Erzählstrukturen des Comic Strip" beantragt hat. Mitglieder der ArGL bieten weiterhin regelmäßig Seminare an, um das Studium der Graphischen Literatur zu ermöglichen. Während dies aus personellen und finanziellen Gründen (geringe Lehrauftragsmittel) am Fachbereich Sprachwissenschaften nur unregelmäßig möglich ist, konnte an der Universität Lüneburg am Fachbereich Kulturwissenschaften seit 1998 in jedem Semester ein Seminar zu Themen der Ästhetik, Geschichte und Theorie der Comics stattfinden. Die ArGL unterstützt darüberhinaus auch an anderen Universitäten die Anfertigung von Abschluß- und Seminararbeiten in ihrem Gegenstandsbereich. Innerhalb der ArGL ist im Berichtszeitraum an drei Dissertationen zu folgenden Themen gearbeitet worden: Modernismus in frühen nordamerikanischen Zeitungscomics; Repräsentation des Holocaust in Art Spiegelmans Maus; Geschichte der deutschsprachigen Comic-Fachpresse. Die beiden erstgenannten Arbeiten wurden bzw. werden noch vom Evangelischen Studienwerk gefördert und stehen vor dem Abschluß, die letztgenannte konnte bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Die Publikation des Tagungsbandes Ästhetik des Comics hat sich - insbesondere durch Probleme der Finanzierung - verzögert. Inzwischen konnte der Erich Schmidt Verlag (Berlin) für eine Veröffentlichung mit einem geänderten Konzept gewonnen werden, die für 2001 geplant ist. Ebenfalls von einem Mitglied der ArGL ist Heft 51 der Literaturzeitschrift Schreibheft mit dem Themenschwerpunkt "Comics" herausgegeben worden. Seitdem erscheinen dort regelmäßig weitere Artikel zur Ästhetik und Geschichte des amerikanischen Zeitungscomics. Im Verlag Rogner & Bernhard ist der Band Tote Jungs (u.a. mit Übersetzungen neuerer britischer und us-amerikanischer Comicbooks) von einem Mitglied der ArGL herausgegeben worden. Beide Publikationen versuchen, Comics einem neuen Publikum nahezubringen. Hervorzuheben ist schließlich die enge Zusammenarbeit mit dem Herausgeber des "Lexikon der Comics", Markus Czerwionka. Mitarbeiter der ArGL veröffentlichen seit Jahren regelmäßig Artikel in dieser Loseblattpublikation, dem z.Zt. umfassendsten in deutscher Sprache publizierten Nachschlagewerk über Comics. BédéthekDer Aufbau der Comic-Spezialbibliothek der ArGL, der Bédéthek, ist im Berichtszeitraum weiter vorangeschritten. Wichtig dafür war die oben erwähnte bezahlte UT-Stelle, die eine regelmäßige Durchführung der anfallenden Verwaltungsarbeiten in der Bédéthek - insbesondere die arbeitsintensive Inventarisierung und Quittierung der einlaufenden Verlagsspenden gewährleistete. Allerdings ist anzumerken, daß die Beschränkung der Stellenzuweisung auf ein Jahr der dringend erforderlichen Kontinuität bibliothekarischen Arbeitens z.B. hinsichtlich Inventarisierung und Katalogautopsie abträglich ist. Auch den Kontakten zu Verlagen, auf deren regelmäßigen Buchspenden der Aufbau der Bédéthek im wesentlichen basiert, ist das regelmäßige Wechseln des Ansprechpartners seitens der ArGL wenig förderlich. Bestimmte Arbeiten konnten aufgrund der Zuweisung der UT-Stelle in Angriff genommen werden. So ist unter anderem ein Konzept für die Integration der Bédéthek in die Fachbereichsbibliothek erarbeitet worden. Auch für die Systematisierung der Bestände liegt ein Konzept vor, das bisher jedoch nicht umgesetzt werden konnte, weil es dafür zeitlicher Ressourcen in erheblich größerem Umfang bedürfte, als sie im Rahmen der ehrenamtlichen Mitarbeit einzelner ArGL-Mitglieder zur Verfügung stehen. Lähmend für diesen Prozeß war außerdem die für die Integration notwendige Umstellung des Katalogs der Bédéthek. Die ArGL hatte zwischen 1991 und 1996 einen auf die Spezifika der Publikationsform Comics umgearbeitete Version des im damaligen NBV gebräuchlichen Allegro-Katalogs entwickelt. Mit der inzwischen im erweiterten GBV getroffenen Entscheidung für die PICA-Katalogisierung sind der auf Allegro gestützte Bédéthek-Katalog obsolet und die jahrelange Aufnahme von Teilbeständen praktisch wertlos geworden: Einerseits ist der aufgenommene Bestand in Relation zum Gesamtbestand der Bédéthek nicht umfangreich genug, um intern fortgeführt zu werden, andererseits lassen sich die elektronischen Datensätze aus technischen Gründen nicht in das für den PICA-Katalog erforderliche Format konvertieren. Für die Bédéthek bedeutet diese externe Entscheidung daher einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand, angefangen bei der erforderlichen Schulung der Mitarbeiter bis hin zur Erstellung eines neuen, PICA-kompatiblen Schemas zur Erfassung graphischer Literatur. Ende 1997 hatte sich der ursprünglich einzige Kellerraum, in dem die Bédéthek untergebracht war, als so durchfeuchtet erwiesen, daß zur Rettung der Bestände eine Renovierung und Trockenlegung erforderlich wurde. Hierzu mußte der gesamte Bestand aus- und wieder eingelagert werden, was zum einen eine Benutzung der Bédéthek in der Zeit von Oktober 1998 bis März 1999 praktisch unmöglich machte, zum anderen nur durch mehrere ehrenamtliche Arbeitseinsätze von ArGL-Mitgliedern bewerkstelltigt werden konnte. Anfang 2000 hat die ArGL einen weiteren Magazinraum für die Bédéthek zugewiesen bekommen, in dem Archivbestände, Zeitschriften usf. gelagert werden. Die regelmäßig einlaufenden Buchspenden der Verlage, aber auch zahlreiche Privatspenden haben den Bestand der Primärliteratur erfreulich anwachsen lassen. Ausgesprochen positiv hat sich auch die Zuweisung eines Anschaffungsetats für Bücher ausgewirkt, dessen Mittel hauptsächlich für den Erwerb von Forschungsliteratur aufgewendet werden, die durch Verlagsspenden praktisch nicht zu beschaffen ist. Ab dem Erscheinungsjahr 1990 liegt, vor allem durch Privatspenden, ein solider Bestand an grundlegender Forschungsliteratur vor, der mit Hilfe des zugewiesenen Etats durch gezielte Anschaffungen kontinuierlich um weitere Werke vor allem der internationalen Forschung erweitert wird. Dieser Bestand an Sekundärliteratur soll möglichst rasch dem Katalogverbund zugänglich gemacht werden. Er wird im Verbundkatalog als Sonderstandort der Bibliothek des Instituts für Germanistik II ausgewiesen werden. Insgesamt konnte die ArGL durch die Neuanschaffungen ihren schon bestehenden Status als im deutschsprachigen Raum einzige öffentlich zugängliche Sammlung von Primär- und Sekundärliteratur zum Thema Graphische Literatur festigen. Mehr noch: Die Verknüpfung einer Archivbibliothek dieses Umfangs mit einer Forschungseinrichtung ist nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch im europäischen Vergleich einzigartig. Günter Dammann, Ole Frahm, Michael Hüners, Michael Hein, Michael Will |
| Impressum | Letzte Änderung: 28. April 2001 |