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Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis
Teilfach Niederdeutsche Sprache und Literatur
Winter-Semester 2006/07



Beschluss der SLM-Department-Vorstände zum Umgang mit STiNE

Auf der gemeinsamen Sitzung der SLM I + II Departmentvorstände wurde gestern, am 18. Oktober 2006, der nachfolgende Beschluss einstimmig verabschiedet:

"Die Einführung von STiNE hat sich im WS 2006/07 als besonders schwierig erwiesen. Das WS 06/07 muss deshalb als ein Testsemester verstanden werden. Die endgültige Anmeldung und Platzvergabe der Studierenden zu den Seminaren muss deshalb über die Lehrveranstaltungen und deren DozentInnen erfolgen. Eine rechtliche Anerkennung, ob die Anmeldung gelungen oder misslungen ist, ist deshalb über STiNE nicht möglich. Zum SoSe 2007 muss daher die Datenschutz-Sicherheit des Systems hergestellt und die Praktikabilität für die Fächer von SLM I + II gewährleistet werden. Bis auf weiteres werden im Testverfahren nur die BA-Studiengänge verwaltet."


Um mögliche Missverständnisse zu verhindern:
Der gestern gefasste Beschluss auf der gemeinsamen Departmentssitzung ist so zu verstehen,
dass dieser Beschluss sicherstellen soll, dass diejenigen Studierenden, die sich bisher NICHT über STiNE erfolgreich anmelden konnten, dies in den ersten Sitzungen der Lehrveranstaltungen tun können. Wer sich über STiNE schon erfolgreich angemeldet hat, ist auf jeden Fall zu berücksichtigen.


Bitte beachten: Das Anmeldeverfahren erfolgt ab dem Winter-Semester 2006/2007 für alle Seminare über STiNE.

Infoportal für die BA-Studiengänge der sprach-, literatur- und medienwissenschaftlichen Fächer der Universität Hamburg

ZUR BEACHTUNG: Aktuelle Änderungen werden in blauer Schriftfarbe wiedergegeben.






Der Klammervermerk verweist auf die im Studienplan beschriebenen Studiengebiete.

(IntLit/DaF) =
dem Studienschwerpunkt „Interkulturelle Literaturwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache“ zugeordnet

(CP) =
dem Sudienbereich „Computerphilologie“ zugeordnet

(NdSL) =
dem Studienschwerpunkt „Niederdeutsche Sprache und Literatur“ zugeordnet

(T/M) =
dem Studienschwerpunkt „Theater und Medien“ zugeordnet


Modulbezeichnung:
DSL-E1
Einführung in die Linguistik des Deutschen (Teilfach DS)
DSL-E2
Einführung in die Ältere deutsche Sprache und Literatur
(Teilfach ÄdL)
DSL-E3
Einführung in die Neuere deutsche Literatur (Teilfach NdL)

DSL-A1 Formen und Funktionen des Deutschen

DSL-A3 Deutsche Literatur des Mittelalters in kulturhistorischen Bezügen


Hinweis für Studierende der BA-Studiengänge:
Die im Vorlesungsverzeichnis aufgelisteten Lehrveranstaltungen sind den Modulen über die Modulcodierung [Zusatz in eckigen Klammern] zugeordnet. Bitte informieren Sie sich rechtzeitig in der Studienfachberatung über die Modulstruktur des Studiengangs und die Prüfungsmodalitäten Ihres Haupt- und Nebenfachs.
Im Wahlbereich können alle mit der Sigle [DSL-W] gekennzeichneten Lehrveranstaltungen besucht werden.

Veranstaltungen innerhalb der Einführungsmodule (Vorlesungen, Seminare, ABK „Effektiv Studieren“) sind anmeldepflichtig. Anmeldungen sind frühestens ab 16. Februar 2006, 14 Uhr möglich! Bitte beachten Sie die Aushänge und Ankündigungen im Internet.



V O R L E S U N G


- Ingrid Schröder
Deutsche Sprachgeschichte(n) (NdSL)[DSL-A2] [DSL-A15] [DSL-W]
(s. 07.123)
2st. Do 16-18 Phil B
Beginn: 26.10.2006

Sprachgeschichte soll in der Vorlesung hauptsächlich unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden: (1) Sprachgeschichte als Textsortengeschichte; (2) Sprachgeschichte als Geschichte der Mehrsprachigkeit;.
Die Überlieferung historischer Sprachzeugnisse ist grundsätzlich an das Medium 'Schrift' und somit immer an Texte gebunden, die unterschiedliche kommunikative Aufgaben zu erfüllen haben. Während in der frühen Zeit das Lateinische klar dominiert und nur wenige deutschsprachige Zeugnisse vor allem im Rahmen der Missionierung entstehen, entwickelt sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit das Spektrum volkssprachlicher Gebrauchsschriften entsprechend den Bedürfnissen des politisch und wirtschaftlich erstarkenden Bürgertums. Als Geschichte der Mehrsprachigkeit erweist sich deutsche Sprachgeschichte vor allem im Spannungsfeld Hochdeutsch-Niederdeutsch. Hinzu kommen vielfältige Sprachkontakte, die Einfluss auf die Entwicklung genommen haben, sei es der Kontakt mit dem Englischen in der Gegenwart, mit dem Französischen im 18. Jahrhundert oder mit dem Lateinischen als lingua franca des Mittelalters.


S E M I N A R I a

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S E M I N A R E I b

- Andreas Bieberstedt
Pragmatisches Schrifttum des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit [DSL-A1/A15]
(s. Vorl.-Nr. 07.132 )
2st. Mo 14-16, Phil 732

Ein wesentliches Kennzeichen der spätmittelalterlichen Schriftlichkeit besteht in der wach-senden Zahl an Texten mit pragmatischer Zielsetzung, die der praktischen Lebensbewältigung dienen. „Als pragmatisch verstehen wir dabei alle Formen des Gebrauchs von Schrift und Texten, die unmittelbar zweckhaftem Handeln dienen oder die menschliches Tun durch die Bereitstellung von Wissen anleiten wollen.“ (Keller 1992, 1) Während die Schriftkultur des frühen Mittelalters nur einzelne Lebensbereiche erfaßte und nur Wenigen zugänglich war, entwickelt sich der Schriftgebrauch in Spätmittelalter und früher Neuzeit immer mehr zu ei-nem allgegenwärtigen und zunehmend unverzichtbaren Instrument menschlicher Lebenspraxis und Welterfassung.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit einigen ausgewählten Bereichen pragmatischer Schrift-lichkeit des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Behandelt werden u.a. didaktische Texte, die sich in lehrhafter Absicht an ihr Publikum wenden, christliche Glaubensgrundsätze und ethische Normen vermitteln, aber auch praktische Lebenshilfe anbieten (u.a. Katechismen, Beichtsspiegel, Ars-moriendi-Texte, Ehebücher). Einen zweiten Schwerpunkt bilden wissens-organisierende und wissensvermittelnde Schriften (Gesprächsbücher, Seebücher, Arzneibücher etc.). Ein dritter Bereich umfaßt das spätmittelalterliche Rechts- und Verwaltungsschrifttum (Stadt- und Landrechte, Urkunden, Protokolle etc.). Die behandelten Texte sollen jeweils (in Auszügen) gelesen, übersetzt sowie sprachlich und textlinguistisch analysiert werden. Be-sonderes Augenmerk liegt auf der Ausleuchtung des sozialhistorischen und kulturellen Kontextes, in dem die Texte wirken. Zudem sollen anhand der Lektüretexte Fragen nach den Produzenten, Rezipienten und Erscheinungsformen pragmatischen Schrifttums behandelt werden.
Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind neben einer regelmäßigen Teilnahme die Übernahme eines Referates sowie dessen Verschriftlichung als Seminararbeit. Ein Lektüreordner wird zu Beginn des Semesters bereitgestellt.

Literatur zur Einführung:
Hyldgard-Jensen, K. 1985: Die Textsorten des Mittelniederdeutschen. In: Besch, W. / Reich-mann, O. / Sonderegger, S. (Hgg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2. Teilbd. Berlin / New York, S. 1247-1251. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; 2.2)
Kästner, H. / Schütz, E. / Schwitalla, J. 2000: Die Textsorten des Frühneuhochdeutschen. In: Besch, W. / Betten, A. / Reichmann, O. / Sonderegger, S. (Hgg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2. Teilbd. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl, Berlin / New York, S. 1605-1623. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; 2.2)
Keller, H. (Hg.) 1992: Pragmatische Schriftlichkeit im Mittelalter: Erscheinungsformen und Entwicklungsstufen. Akten des Internationalen Kongresses, 17.-19. Mai 1989. München. (Münstersche Mittelalter-Schriften; 65)
Steger, Hugo 1998: Sprachgeschichte als Geschichte der Textsorten, Kommunikationsberei-che und Semantiktypen. In: Besch, W. / Betten, A. / Reichmann, O. / Sonderegger, S. (Hgg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 1. Teilbd. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl, Berlin / New York, S. 284-300. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; 2.1)


07.177 Birgit Kellner
Baustelle Sprache - Lexikalische Modernisierung in kleinen Sprachen [DSL-A15] [DSL-W]

Blockveranstaltung: 1.+2.12.06 und 19+20.1.07 jeweils 10-18 Phil 259
Beginn: 01.12.2006

Das Niederdeutsche und die an der Westküste Schleswig-Holsteins gesprochenen nordfriesischen Dialekte unterscheiden sich zwar erheblich in der Sprecherzahl (ein paar Millionen gegenüber knapp 10.000), befinden sich jedoch hinsichtlich ihrer soziolinguistischen Bedingungen in einer vergleichbaren Situation:
Als Sprachen des Nahbereichs werden sie eher für informelle als formelle Sprechanlässe verwendet, ihre traditionelle Existenzform ist die Mündlichkeit eher als die Schriftlichkeit, der Wortschatz deckt mit großer Ausdrucksvielfalt den sinnlich-konkreten Bereich ab, während zur Bezeichnung theoretisch-abstrakter Inhalte große Lücken im Lexikon klaffen. Es fehlt an einer überregionalen Schriftsprache und an einer verbindlichen orthographischen Norm.
Sprachförderungsmaßnahmen jüngerer Zeit (Aufnahme in die Charta europäischer Regional- und Minderheitensprachen, „Friesisch-Gesetz“) , aber auch die Präsenz in den Medien - nicht zuletzt im Internet - bedeuten für die sognannten „kleinen Sprachen“ eine Chance für ihr Weiterbestehen, aber auch eine große Herausforderung an die sprachliche Vitalität und Produktivität: die Verwendbarkeit im öffentlichen Raum erfordert innerhalb kürzester Zeit gesteuerte Normierungsprozesse und den systematischen Ausbau des Lexikons, um den neuen Kommunikationsanforderungen gerecht zu werden. Der Einsatz von in der Sprachplanung tätigen Linguisten und Lexikographen ist hier ebenso gefragt wie die Kreativität und Aufgeschlossenheit der Sprechergemeinschaft.
Im Seminar soll anhand des Niederdeutschen und Nordfriesischen beispielhaft der Frage nachgegangen werden, welche Möglichkeiten es zur Schließung lexikalischer Lücken gibt, wie diese genutzt und umgesetzt werden und welche Gründe für Akzeptanz oder Nichtakzeptanz von Sprachausbauprozessen seitens der Sprecher entscheidend sind. Dabei sollen auch andere europäische Kleinsprachen in die Betrachtung mit einbezogen werden.

Literatur:
Gunter Spieß (Hg.): Modernisierung des Wortschatzes europäischer Regional- und Minderheitensprachen, Tübingen 1999


- Ingrid Schröder
Regionalsprache in Norddeutschland; Einführung in das Niederdeutsche
(NdSL) [DSL-A1] [DSL-A15] [DSL-W]
(s. Vorl.-Nr. 07.138 )
2st. Di 16-18 Phil 256/58
Beginn: 24.10.2006

Die sprachliche Situation in Norddeutschland wird geprägt von einer gewachsenen Mehrsprachigkeit mit Niederdeutsch und Hochdeutsch. Dabei sind Übergangsformen auszumachen („Missingsch“), die als sprachliche Varianten regionale (und zum Teil auch soziale) Zugehörigkeit markieren. Die sprachliche Entwicklung hat zu einer klaren Diglossie-Situation geführt, d.h. zu einer funktional begründeten Sprachverwendung, wobei das Hochdeutsche dominiert.
Das Seminar soll einen Überblick über den Bestand und Gebrauch regionalbezogener Sprachformen geben. Neben der arealen Differenzierung des Sprachraums spielen funktionale und situative Aspekte eine wesentliche Rolle bei der Analyse der Sprachverwendung. Zusätzlich sollen auch die aktuellen Konzepte der Förderungsmöglichkeiten von Regionalsprachen (Europäische Charta der Minderheiten- oder Regionalsprachen) kritisch diskutiert werden.

Literatur zur Einführung:
Menke, H.: Niederdeutsch: Eigenständige Sprache oder Varietät einer Sprache? In: Lingua Germanica. Studien zur deutschen Philologie. Jochen Splett zum 60. Geburtstag. Hrsg. von E. Schmitsdorf, N. Hartl u. B. Meurer. Münster/New York/München/Berlin 1998, S. 171-184.
Schröder, Ingrid: Niederdeutsch in der Gegenwart: Sprachgebiet - Grammatisches - Binnendifferenzierung. In: Niederdeutsche Sprache und Literatur der Gegenwart. Hrsg. von Dieter Stellmacher (Germanistische Linguistik; 175-176). Hildesheim 2004, S. 35-97.
Stellmacher, D.: Niederdeutsche Sprache. 2 Aufl. Berlin 2000 s(Germanistische Lehrbuchsammlung; 26).


S E M I N A R I I

- Ingrid Schröder
Stadt und Sprache (NdSL)
(s. Vorl.-Nr. 07.146 )
2st. Mo 16-18 Phil 271

Die soziale Differenzierung der Bevölkerung, die Vielfalt der Kommunikationssituationen, -aspekte und -formen und die daraus resultierende Mehrsprachigkeit der Bevölkerung sind Gegenstände der Stadtsprachenforschung. Ziel des Seminars ist es, den Kommunikationsraum „Stadt“ mit seiner ausgeprägten Heterogenität und die darauf beruhende Komplexität der kommunikativen Verhältnisse zu analysieren.
Nach der gemeinsamen Erarbeitung wichtiger methodischer Grundlagen sollen einzelne Aspekte der Kommunikation in der Stadt und über die Stadt untersucht werden:
Außenansichten: Öffentliche Präsentation und Identitätsstiftung;
Gemeinschaftskommunikation: Kommunikation in Gruppen und Institutionen;
Sprachvariation: Sprachliche Variation und sprachliches Stereotyp;
Ereigniskommunikation: Begegnungen im öffentlichen Raum
Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft zur projektbezogenen Arbeit mit Datenerhebung, Datenanalyse und Datenpräsentation. Bitte melden Sie sich vor Vorlesungsbeginn an: ingrid.schroeder@uni-hamburg.de.

Literatur:
Löffler, Heinrich: Sprachen in der Stadt am Beispiel Basels. In: Sprachkontakt, Sprachvergleich, Sprachvariation. Festschrift für Gottfried Kolde zum 65. Geburtstag. Hrsg. von Kirsten Adamzik und Helen Christen. Tübingen 2001, S. 245-260.
Schönfeld, Helmut: Berlinisch in der zusammenwachsenden Stadt Berlin. In: Zeitschrift für Germanistik N.F. 6. 1996, 1. S. 144-159.
Schwitalla, Johannes: Kommunikation in der Stadt. Bericht aus einem Projekt. In: Germanistik - Forschungsstand und Perspektiven. Vorträge des deutschen Germanistentages 1984. Hrsg. von Georg Stötzel. Berlin/New York 1985, T. 1, S. 193-203.




 

  Impressum   Letzte Änderung: 19. Oktober 2006