Universität Hamburg Institut für Germanistik I
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Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis

Deutsche Sprache (Linguistik)
Sommer-Semester 2002




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VORLESUNGEN


07.180 Klaus Brinker
Einführung in die linguistische Semantik

1st. Do 14-15 Phil F
Beginn: 04.04.2002

Die Vorlesung versteht sich als systematische Einführung in Grundbegriffe und Methoden der neueren Bedeutungsforschung. Es sollen Probleme behandelt werden, die sich einer semantischen Analyse auf verschiedenen sprachlichen Ebenen stellen (Wort-, Satz-, Textebene). Die Verdeutlichung erfolgt zwar hauptsächlich an Text- und Kommunikationsbeispielen aus der deutschen Gegenwartssprache; es werden aber auch sprachhistorische Aspekte berücksichtigt (Etymologie; Bedeutungswandel).

Literatur:
  • Fritz, G.: Historische Semantik. Stuttgart 1998.
  • Lutzeier, P.R.: Linguistische Semantik. Stuttgart 1985.
  • Polenz, P.v.: Deutsche Satzsemantik. Grundbegriffe des Zwischen-den-Zeilen-Lesens. 2. Aufl. Berlin/New York 1988.
  • Schwarz, M. / Chur, J.: Semantik. Ein Arbeitsbuch. 3. Aufl. 2001.
  • Stechow, A. v. / Wunderlich, D. (Hrsg.): Semantik. Ein internationales Handbuch. Berlin/New York 1991.



---- Carola Eschenbach / Frank Schilder
Veranstaltungs-Nr.: 18.227/228
Semantische Sprachverarbeitung
(Informatikum, Vogt-Kölln-Str. 30)
Beginn: 1. Semesterwoche

Diese Vorlesung ist eine Einführung in die formalen und computerlinguistischen Theorien zur Bedeutungsrepräsentation natürlich-sprachlicher Äußerungen. Die folgenden vier Themenbereiche werden in der Vorlesung behandelt:

  • Logische und linguistische Grundlagen (Prädikatenlogik, Syntax-Semantik-Schnittstelle, Lambda-Kalkül, Skopusambiguitäten)

  • Bedeutung und Beweis (Automatisches Beweisen, Tableaubeweiser, Modell-Überprüfer)

  • Theorien zur Diskursverarbeitung und zum Weltwissen (Referenz, Quantifikation, Unterspezifikation, Präsupposition, Semantische Netze, WordNet)

  • Robuste semantische Analyse (Semantisches Tagging, maschinelles Lernen, Markup-Sprachen SGML/XML, NP chunking, Named Entity Recognition, Information Retrieval)
Die einzelnen Phänomenbereiche werden in Zusammenhang mit entsprechenden Formalismen und hierin formalisierten Lösungsansätzen präsentiert, so daß die Grundlagen für den Umgang mit der jeweiligen Literatur gelegt werden. In den Übungen sollen die in der Vorlesung angesprochenen Theorien und Methoden durch die Vorstellung von exemplarischen PROLOG-Programmen wie auch praktischen Programmieraufgaben vertieft werden.

Lernziele:
Kennenlernen der linguistischen Grundlagen zur Bedeutungsrepräsentation natürlichsprachlicher Ausdrücke

Erlernen der Analyse und Darstellung der Bedeutung von natürlich-sprachlichen Äußerungen anhand von verschiedenen Semantikformalismen sowie robuster Analyseverfahren

Implementation formaler Semantiktheorien und angewandter Methoden zur semantischen Analyse

Stell. im Studienplan:
Hauptstudium; Schwerpunkte: Sprachverarbeitung (SV), Wissensverarbeitung (WV), Interaktive Medien (IM); Vertiefungsgebiete P6, P8

Voraussetzungen:
PROLOG Grundkenntnisse

Vorgehen:
Vorlesung mit Übung

Literatur:
  • James Allen. 1995. Natural Language Understanding (2nd ed.). The Benjamin/Cummings Publishing Company. Redwood City, California.
  • Patrick Blackburn & Johan Bos. 1999. Representation and Inference for Natural Language. A First Course in Computational Semantics.
  • Patrick Blackburn & Johan Bos. 1999. Working with Discourse Representation Theory. An advanced Course in Computational Semantics (beide Bücher von Blackburn & Bos sind online verfügbar unter http://www.comsem.org/)
  • Daniel Jurafsky & James H. Martin. 2000. Speech and Language Processing. An Introduction to Natural Language Processing, Computational Linguistics, and Speech Recognition. Prentice Hall Series in Artificial Intelligence. Upper Saddle River, New Jersey.

Periodizität:
jährlich

Eignung:
Für Lehrer und Nebenfächler mit entspechenden Vorkenntnissen geeignet

Stichworte:
Künstliche Intelligenz, Sprachverarbeitung, Bedeutungsrepräsentation, automatisches Beweisen, PROLOG, SGML/XML, Information Retrieval


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07.185 Klaus Brinker
Einführung in das Studium der Linguistik

5st. Fr 9.30-12.00 Phil 1013, AG 12-14 Phil 256/58, 1013
Beginn: 12.04.2002

Das Seminar versteht sich als systematische Einführung in die wissenschaftliche Analyse der sprachlichen Kommunikation - sowohl in ihrer mündlichen als auch in ihrer schriftlichen Form. Wir fragen insbesondere nach den Beziehungen zwischen der kommunikativen Intention und Faktoren der sozialen Situation einerseits und der thematischen Textstruktur sowie der sprachlichen (grammatischen und stilistischen) Textgestaltung andererseits. Die hier bestehenden Zusammenhänge sollen an monologischen und dialogischen Texten studiert und mit Hilfe linguistischer Methoden beschrieben werden.

Das Seminar gliedert sich in folgende thematische Phasen:

Einleitungsphase:
Erarbeitung eines Kommunikationsmodells als Orientierungsgrundlage.

An verschiedenen Text- und Kommunikationsbeispielen (Fernsehinterview, Telefongespräch, Nachricht, Kommentar, Werbeanzeige, Propagandatext, Diskussion usw.) wollen wir zuerst die eigenen Vorstellungen (unser "Alltagswissen") von sprachlicher Kommunikation aufarbeiten, auf dieser Grundlage dann die wichtigsten Komponenten von Kommunikationsprozessen besprechen und die Ergebnisse in einem Kommunikationsmodell zusammenfassen.

Hauptphase:
Grundbegriffe und Methoden der Sprach- und Kommunikationsanalyse.

Ausgehend vom zentralen Begriff der sprachlichen Kommunikationshandlung (der sogenannten Sprechhandlung) werden grundlegende Begriffe und Verfahren der linguistischen Kerndisziplinen (d.h. vor allem der Pragmalinguistik, der Textlinguistik und der Grammatik) behandelt. Ziel dieser Phase ist es, die Teilnehmer zu befähigen, die Struktur (d.h. den grammatischen und thematischen Aufbau) sowie die kommunikative Funktion konkreter Texte und Gespräche zu erkennen und wissenschaftlich zu beschreiben.

Abschlußphase:
Einführung in wichtige linguistische Teildisziplinen.

In der letzten Phase des Seminars wollen wir zentrale linguistische Teildisziplinen kennenlernen und ihre Hauptaufgaben und Methoden an ausgewählten Beispielen studieren. Es geht dabei vor allem um die Soziolinguistik, die Psycholinguistik und die Sprachgeschichtsforschung.

Zu den einzelnen Phasen werden vom Seminarleiter Einführungspaper, Materialien und Analysetexte ausgegeben.

Leistungsnachweis:
schriftliche Aufgabenlösungen (z.T. in Arbeitsgruppen, die von Tutoren betreut werden); Abschlußgespräch

Literatur:
  • Brinker: K.: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 5.Aufl. Berlin 2001.
  • Linke, A./ Nussbaumer, M. / Portmann, P.R.: Studienbuch Linguistik. 2. Aufl. Tübingen 1994.



07.186 Jörg Hennig
Einführung in das Studium der Linguistik

5st. Mo 15-18 Phil 256/58,
AG Di 14-16 Phil 1013, Phil 328, Phil 361, WiWi 3011 (Von-Melle-Park 5), Raum 001 (Binderstr. 34) - ausser 30.04.01
Beginn: 08.04.2002

Ziele:
Ziel des Seminars ist es, einen Überblick über das Gesamtgebiet der modernen germanistischen Sprachwissenschaft zu vermitteln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich Kenntnisse über Fragestellungen und Arbeitsweisen der modernen Sprachwissenschaft erarbeiten. Sie sollen außerdem in Techniken wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt und mit den wichtigsten Hilfsmitteln vertraut gemacht werden.

Inhalte:
Ausgegangen wird von der Frage nach den Bedingungen, die für das Gelingen oder Misslingen von menschlicher Kommunikation verantwortlich sind. Aus Beispieltexten sollen die Elemente eines Kommunikationsmodells abgeleitet werden. Mit Bezug auf dieses Modell sollen folgende Schwerpunkte ausführlicher behandelt werden: Kommunikation in Situationen, Textsorten, Text, Syntax, Wörter, Formen und Laute. - Außerdem sollen wichtige Phänomene der Geschichte der deutschen Sprache thematisiert werden. Parallel sollen arbeitspraktische Fragen besprochen werden (Bibliographieren, schriftliche Formen wissenschaftlicher Arbeiten usw.) Außerdem werden die wichtigsten linguistischen Wörterbücher, Zeitschriften und Handbücher vorgestellt und besprochen.

Didaktisches Vorgehen:
Es werden Arbeitsgruppen (ca. 5 Teilnehmer) gebildet, in denen die wissenschaftliche Literatur bearbeitet wird und die von Tutoren betreut werden. Für die Diskussion im Plenum hat jeweils eine Arbeitsgruppe für ein Schwerpunktthema die Gesprächsleitung. Die arbeitspraktischen Fragen werden im Plenum behandelt.

Zum Erwerb des Seminarscheins ist die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe einschließlich der Anfertigung von zwei Gruppen-Kurzprotokollen und die erfolgreiche Teilnahme an einer Klausur erforderlich.


07.187 Michael Hocke
Einführung in das Studium der Linguistik

5st. Fr 9.00-11.15 Phil 256/58, AG Di 8.30-10.00 Phil 256/58 + Phil 1304,
Beginn: 12.04.2002

Zur Thematik

Sprechen...
... erscheint uns so selbstverständlich wie essen, trinken oder schlafen. Doch bei näherer Betrachtung ahnt man, welch komplizierte Zusammenhänge sich hinter dem Sprechen oder der Sprache verbergen. Dieser komplexe Hintergrund ist Gegenstand der modernen Sprachwissenschaft: der Linguistik.
Hauptthema des Seminars ist die Systemlinguistik. Daneben werden auch die Pragmalinguistik und die Soziolinguistik behandelt. Zur Abrundung gibt es einen Überblick über die diachronische Sprachwissenschaft oder Historiolinguistik.
Die Systemlinguistik beinhaltet die Erforschung der Sprachstruktur, der Grammatik. Diese gliedert sich grob in Phonologie (Lautlehre), Syntax (Satzbau) und Semantik (Bedeutungslehre). Alle wichtigen Theorien über Grammatik werden im Seminar vorgestellt: So die Sprachauffassung de Saussures, der als Begründer der modernen Sprachwissenschaft gilt, die Generative Transformationsgrammatik Chomskys, die Dependenzgrammatik von Tesnière - um nur drei zu nennen. Auch semantisch orientierte Lehren wie die Wortfeldtheorie und die strukturelle Semantik kommen zur Sprache. Die Pragmalinguistik beschäftigt sich mit den Faktoren, die beim sprachlichen Handeln eine Rolle spielen. Dabei geht es um die kommunikative Kompetenz (Fähigkeit) des Menschen - z. B.: Wie erfasst er Situationen? Wie teilt er Intentionen mit? Wie versteht er sie? Wie fügt er sich in Konventionen? Die Sprechakttheorie von Austin bietet hier einen guten Ansatz. In der Soziolinguistik geht es um die Beziehungen zwischen Sprache und gesellschaftlicher Gruppenzugehörigkeit von Sprechern/Hörern. Themen u.a. sind Dialekte, Schichtensprache, Fachsprache, Jugendsprache und Begriffe wie Sprachnorm oder Kommunikationsbarrieren.

Am Ende des Seminars steht ein kurzer Ausflug in die Historiolinguistik. Dabei stehen die Geschichte der deutschen Sprache und ihre gegenwärtige Entwicklung auf dem Programm.

Ziel des Seminars...
... ist, das Wissen über das Phänomen der Sprache zu erweitern und so unser kommunikatives "Werkzeug" bewusster einzusetzen.

Ablauf:
Das Seminar ist fünfstündig. Am Freitag findet die dreistündige Plenumssitzung statt, am Dienstag ist zwei Stunden Arbeitsgruppen-Treffen. Ein "Seminarfahrplan" - der genaue Ablauf der Veranstaltung - und Referatsthemen liegen ab Anfang März/April im Geschäftszimmer.

Scheine:
Voraussetzungen für einen Schein sind regelmäßige Mitarbeit in den Seminarsitzungen und ein Referat (etwa sieben Maschinenseiten). Es kann auch in Gruppen gearbeitet werden.

Literatur:
  • Gross, Harro: Einführung in die germanistische Linguistik München 1988
  • Bünting, Karl Dieter Einführung in die Linguistik Königstein 1984
  • Eine Auswahlbibliographie liegt ab März/April im Geschäftszimmer.



07.188 Jochen Rehbein
Einführung in das Studium der Linguistik (bes. für ausländische Studierende (DaF)(DaZ))

5st. Di 11.00-13.30 + 2 Blockveranstaltungen Phil 1304: 8.6.02 9:30-18 Uhr + 9.6.02 9:30-14 Uhr
Tutorien: 4st Di 16-18 (Thomas Kalb), Phil 1013, Fr 18-20 (Genoveva Martinez), Phil 1013,
Beginn: 09.04.2002

Organisatorisches Konzept:
Wöchentliches Plenum; 2 plenare Blockseminare; 2 Arbeitsgruppen/Tutorien je à 2 Stunden; CIP-Pool-Arbeit für 2 x 2 Zeitstunden. - Im wöchentlichen Plenum wird der Stoff mit den unten angegebenen Inhalten erarbeitet. Im Anschluß an den durchgenommenen Stoff wird in jeder Sitzung jeweils ein Bogen mit Fragen ausgegeben, der individuell oder im Tutorium beantwortet werden kann. Die Fragen werden so gestellt, daß deren Beantwortung eine komplexe Wissensakquisition bewirken sollte; daher stellt die kontrollierte Bearbeitung der Übungsaufgaben das hochschuldidaktische Zentrum der Lehrkonzeption dar. Intermittierend in die Erarbeitung der Sachgebiete der Linguistik werden zwei Blockseminare zu wissenschaftstheoretischen und methodologischen Problemen, zur Sprachphilosophie, zum Sprachbegriff und zur Theoriebildung anhand ausgewählter Grundlagentexte diskutiert. Die Diskussion wird von den Studierenden jeweils durch Kurzreferate eingeleitet. Die gesamte Veranstaltung wird von der exemplarischen Bearbeitung einer Sprachaufnahme umrahmt, die in der ersten Sitzung in einem Kommunikationsexperiment von den TeilnehmerInnen selbst erhoben, sodann parallel zum Verlauf des Seminars mithilfe der Tutoren (sowie eines verfügbaren Manuals) computergestützt transkribiert und deren Transkription in den letzten Sitzungen in Kurzinterpretationen analysiert wird (die Interpretation erfolgt gruppenweise).

Programm:
  1. Kommunikationsexperiment zur empirischen Linguistik
  2. Die Sprachen der Welt I und II
  3. Indogermanische, Germanische Sprachen; Dialekte
  4. Phonetik/Phonologie I und II
  5. Morphologie, Wortbildung, Etymologie
  6. 2 Blockseminare: Textausschnitte zur Wissenschaftstheorie, Sprachtheorie und zum Begriff Sprache: Aristoteles, Humboldt; Hegel, Frege, Wittgenstein; Positivismusstreit: Adorno-Popper; H. Paul; de Saussure; Bühler; Vygotsky u.a.
  7. Wortarten; sprachliche Prozeduren
  8. Syntax I und II
  9. Sprachliches Handeln
  10. Diskursanalyse, Konversationsanlyse
  11. Transkriptanalyse
Grundlegende Literatur:
  • Ludger Hoffmann (Hrsg.)(1996) Sprachwissenschaft. Ein Reader. Berlin, New York: de Gruyter (zur persönlichen Anschaffung empfohlen).
  • Eine Bibliographie, nach Sachgebieten der Linguistik geordnet, wird am Beginn der Veranstaltung ausgegeben.



07.189 S. Schmidt-Knaebel
Einführung in das Studium der Linguistik

3st. Mo 10-13 Phil 271
Beginn: 08.04.2002

Dieser erste Kurs in germanistischer Linguistik will Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Teilbereiche des für die meisten TeilnehmerInnen noch neuen Fachgebietes geben. Die historischen Stufen der modernen Sprachwissenschaft spielen dabei eine große Rolle, weil die Linguistik ein interessantes Beispiel für die Entwicklung der Wissenschaften allgemein in unserem Jahrhundert ist. Die einzelnen Ebenen der modernen Beschäftigung mit deutscher Sprache werden in derjenigen Reihenfolge dargestellt, in der sie geschichtlich auseinander entstanden sind. Dieses chronologische Vorgehen erleichtert das Verständnis für größere forschungsgeschichtliche Zusammenhänge. Wenn man der Entwicklung der Sprachforschung folgt, schreitet man zudem automatisch von der Betrachtung kleinster sprachlicher Einheiten (Laut und Wort) zu größeren Einheiten (Satz, Text und sprachliche Gesamtsituationen) fort.

Nach den mehr formalen Seiten der Sprache (Syntax) lernen Sie in meinem Kurs die Bedingungen kennen, unter denen unser Deutsch unendlich viele verschiedene inhaltliche Aussagen transportieren kann (Semantik). Schließlich werden wir uns ausführlich mit den neueren Arbeitsfeldern auseinander setzen, also der Pragmalinguistik (Sprechakt- und Sprechhandlungstheorie) und verschiedenen Aspekten der Sozio- und Psycholinguistik. Ich interessiere mich vor allem für die linguistische Arbeit mit schizophrener Sprache und psychotherapeutischen Dialogen, auch Arzt-Patienten-Kommunikation allgemein. Ferner gelten meine eigenen Forschungen einer speziellen Textlinguistik, die sich den einfachen literarischen Formen wie Volksmärchen, Volkssage, Volkslegende, auch Fabeln und Mythen zuwendet. Darüber hinaus werden nach Wunsch Einführungen in die Arbeit mit Hilfsmitteln wie Bibliotheken, Computer, Kopiergerät, Karteien usw. angeboten.

Das Plenum ist dreistündig, auf AGs wird hier verzichtet. Sie können im Rahmen eines selbstgewählten Teams die Unterrichtsthemen vor- und nachbereiten, aber auch eigene weitergehende Interessen verfolgen. Den Schein erwerben sie mit einer mündlichen Abschlussprüfung bzw. einem mündlichen oder schriftlichen Referat (beides einzeln oder in der Gruppe).

Literatur:
  • Linke, Angelika u.a.: Studienbuch Linguistik. Niemeyer 1996 (im Buchhandel: 39, -- DM)
  • Imhasly u.a.: Konzepte der Linguistik (nur in Bibliotheken)
  • Funkkolleg Sprache 1 und 2. Fischer Taschenbücher (nur in Bibliotheken)
  • (weitere Titel auf einer Lektüreliste, die am Anfang des Semesters verteilt wird)



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07.191 Clarissa Blomqvist
Informierende Textsorten: Nachrichten in den Massenmedien

2st. Blockunterricht Do 16.15-18.30 Phil 271 Ð 4.4., 11.4., 2.5., 30.5., 20.6., 27.6. fŠllt aus, dafŸr neu 4.7., 11.7. Ð
Beginn: 04.04.2002


Keine andere Textsorte mit dominanter Informationsfunktion ist in der Gegenwartssprache so präsent wie die in den Massenmedien verbreitete Nachricht. Keine andere Textsorte unterliegt so strengen Formulierungsregeln wie sie.
Im Seminar sollen die Charakteristika informierender Textsorten im Allgemeinen und die Charakteristika von Nachrichtentexten in den Massenmedien im Besonderen untersucht werden. Zu diesem Zweck sollen Nachrichten mit anderen informierenden Textsorten wie dem wissenschaftlichen Aufsatz oder dem Lexikoneintrag sowie mit anderen Textsorten in den Massenmedien wie dem Kommentar oder der Glosse verglichen werden. Darüber hinaus werden Nachrichten verschiedener Medien (Presse, Hörfunk, Fernsehen; Abonnementzeitungen, Boulevardzeitungen) miteinander kontrastiert werden. Die Seminarteilnehmer sollen in die Prinzipien der linguistischen Analyse von Nachrichtentexten eingeführt werden, wobei den Aspekten des Nachrichtenaufbaus, der sachbetonten Darstellungsweise, der Verständlichkeitssicherung, des Verhältnisses von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, der Redewiedergabe und der Quellenangabe besondere Aufmerksamkeit gelten wird.

Leistungsnachweis: Kurzreferat und Hausarbeit

Literatur:
  • Brinker, Klaus (2001): Linguistische Textanalyse: eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 5., durchges. u. erg. Aufl. Berlin: Schmidt (Grundlagen der Germanistik; 29).
  • Burger, Harald (2000): Textsorten in den Massenmedien. In: Klaus Brinker/Gerd Antos/Wolfgang Heinemann/Sven F. Sager (Hg.): Text- und Gesprächslinguistik: ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 1. Halbband. Berlin, New York: de Gruyter (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; 16), S. 614-628.
  • Lüger, Heinz-Helmut (1995): Pressesprache. 2., neu bearb. Aufl. Tübingen: Niemeyer (Germanistische Arbeitshefte; 28).



07.192 Clarissa Blomqvist
Einführung in die Schreibforschung

2st. Blockseminar vom 15.7.-19.7. und 22.7.-24.7. jeweils 9-13 Phil 256/58
(Interessenten werden gebeten, sich bis zum 30.6. im Geschäftszi. 304 - 3.St. in eine Liste einzutragen)

Die in den 70er Jahren in den USA aus didaktischen Bemühungen zur Verbesserung der Schreibfertigkeiten von Schülern und Studenten hervorgegangene Schreibforschung ist heute eine eigenständige Forschungsrichtung, die sich um die Erhellung von Schreibprozessen bemüht.
Die mittlerweile auch in Deutschland immer intensiver betriebene Schreibforschung beschäftigt sich heute nicht mehr nur mit dem Schreiben im schulischen und universitären, sondern auch im privaten und beruflichen Bereich. Insbesondere professionelle Schreibsituationen, die sich oft durch die Kooperation mehrerer Personen beim Schreiben auszeichnen, machen deutlich, dass die Vorstellung vom Schreiben als individueller Tätigkeit und vom Text als geistigem Eigentum eines Individuums für viele Bereiche nicht zutrifft. Das Seminar soll einen Überblick über die bisherige Entwicklung und die wichtigsten Schwerpunkte der Schreibforschung vermitteln. Verschiedene Modelle des Schreibprozesses, mit seinen Teilprozessen des Planens, des Formulierens und des Überarbeitens, werden diskutiert. Da die Überarbeitungsphase für die Qualität des endgültigen Textprodukts von besonderer Wichtigkeit ist, wird besondere Aufmerksamkeit auf die während nachträglicher Textbearbeitungen vorgenommenen sprachlichen Veränderungen gerichtet werden, die so genannten Revisionen. Am Beispiel der von Journalisten an Nachrichtentexten vorgenommenen Veränderungen sollen die verschiedenen Arten und Auswirkungen von Revisionen untersucht und mit praktischen Übungen verbunden werden.

Leistungsnachweis: Kurzreferat und Klausur

Literatur:
  • Antos, Gerd/Hans P. Krings (Hg.) (1989): Textproduktion. Ein interdisziplinärer Forschungsüberblick. Tübingen: Niemeyer (Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft; 48).
  • Antos, Gerd/Krings, Hans P. (Hg.) (1992): Textproduktion. Neue Wege der Forschung. Trier: Wissenschaftlicher Verlag (Fokus; 7).
  • Baurmann, Jürgen/Rüdiger Weingarten (Hg.) (1995): Schreiben. Prozesse, Prozeduren und Produkte. Opladen: Westdeutscher Verlag.
  • Eigler, Gunther/Thomas Jechle (Hg.) (1994): Writing: Current Trends in European Research. Freiburg (Breisgau): Hochschulverlag.
  • Hayes, John R./ Linda S. Flower (1980): Identifying the organization of writing processes. In: Lee W. Gregg/Erwin R. Steinberg (Hg.): Cognitive processes in writing. Hillsdale, N.J.: Erlbaum, S. 3-30.
  • Wrobel, Arne (1992): Revisionen und Formulierungsprozeß. In: Manfred Kohrt/Arne Wrobel (Hg.): Schreibprozesse - Schreibprodukte. Festschrift für Gisbert Keseling. Hildesheim u.a.: Olms, S. 361-385.
  • Wrobel, Arne (1995): Schreiben als Handlung: Überlegungen und Untersuchungen zur Theorie der Textproduktion. Tübingen: Niemeyer (Reihe Germanistische Linguistik; 158).



---- Johan Corthals
Althochdeutsch (für Fortgeschrittene)

2st. Do 14-16 IAAS/PhASI 012 (Vorl. Nr. 07.024 IAAS)
Beginn: 04.04.2002

Sprachlich kommentierte Lektüre. Textbuch:
  • Horst Dieter Schlosser (Hg), Althochdeutsche Literatur. Eine Textauswahl mit Übertragungen. Berlin: Erich Schmidt 1998.



07.193 Jörg Hagemann
Seminar Ib (im Anschluss an den Besuch eines Seminars Ia)
Formen der Verständnissicherung
2st. Do 13-15 Phil 271
Beginn: 04.04.2002

Kommunikation ist ein kooperativer Prozess. Was ich sage, soll von anderen verstanden werden; was andere sagen, soll ich verstehen. Um das Verständnis sicherzustellen, verwenden Sprecher und Hörer eine Vielzahl sprachlicher Mittel. Zu diesen gehören auf Seiten eines Sprechers beispielsweise Interpretationshilfen, die die thematische Relevanz einer Äußerung anzeigen (übrigens; aber zurück zum Thema), Gliederungssignale (soviel dazu; bevor ich es vergesse; einerseits - andererseits), Ausdrücke, die kommunikative Gattungen ankündigen (also das war so; kennt ihr den schon?), Vergewisserungsfragen (verstehst du, was ich meine?; nicht wahr?), Reformulierungen usw. Sprachliche Mittel, mit denen Hörer Störungen des Verstehensprozesses beseitigen oder ihr Verständnis überprüfen wollen, sind z.B. Rückfragen im Hinblick auf Inhalt oder Funktion einer Äußerung, Nachfragen in Bezug auf Herkunft und Verlässlichkeit des Sprecherwissens, Wiederholungen des vom Sprecher Gesagten, Paraphrasen des Gemeinten usw.
Im Seminar wird es darum gehen, Formen verständnissichernder Maßnahmen in Gesprächen, aber auch in Texten aus unterschiedlichen Bereichen zu analysieren. Zum einen sollen Klärungssequenzen analysiert werden, in denen manifeste Verständigungsprobleme bearbeitet werden. Zum anderen soll das Inventar sprachlicher Mittel untersucht werden, mit deren Verwendung Sprecher Missverständnissen prophylaktisch entgegenwirken können.
Ziel ist es, den Seminarteilnehmern bewusst zu machen, unter welchen institutionellen Bedingungen und kommunikativen Voraussetzungen die Verwendung verständnissichernder sprachlicher Mittel notwendig und der Gebrauch welcher Formen möglich ist.
Voraussetzung für einen Leistungsnachweis ist neben der regelmäßigen Teilnahme am und engagierten Mitarbeit im Seminar die Gestaltung einer Seminarsitzung sowie die Anfertigung einer Abschlussarbeit.

  • Literaturhinweise werden zu Beginn der Veranstaltung bekanntgegeben.



07.194 Walther von Hahn
Fachsprache

2st. Di 12-14 Phil 256/58
Beginn: 02.04.2002

Inhaltliche Beschreibung: Nach einer Übersicht in den ersten beiden Sitzungen (v. Hahn) werden Vorträge der Seminarteilnehmer zu aktuellen Publikationen aus der Fachsprachenforschung gehalten.
Lernziel: Einschätzung der aktuellen Lage der Fachsprachenforschung. Aufbau einer pragmatischen Fachsprachentheorie.

Methoden: Vorträge und Diskussion, Arbeit an Texten

Literatur:
  • U. a. Ergebnisse der LSP-Konferenz in Vaasa. Wird zu Beginn des Semesters ausgehängt.



07.195 Michael Hocke
Valenz- und Kasusgrammatik

2st. Mi 8.30-10.00 Phil 271
Beginn: 03.04.2002

Thematik:
Die Valenzgrammatik wurde in den 30er Jahren von dem Franzosen Lucien Tesnière begründet. Heute nimmt sie in weiter entwickelter Form in deutscher Grammatikforschung eine zentrale Stellung ein.
Grundlegende Idee der Valenztheorie: Das Verb steht im Mittelpunkt der Grammatik und hat eine Wertigkeit - eine Valenz. Jedes Verb eröffnet sogenannte Leerstellen um sich. Diese werden durch Ergänzungen gefüllt. Das Verb verhelfen z.B. wird als dreiwertig klassifiziert. Sowohl *Oma verhilft (eine Ergänzung: Oma) wie
*Oma verhilft Tesnière (zwei Ergänzungen: Oma, Tesnière)
sind keine wohlgeformten deutschen Sätze, sondern erst
*Oma verhilft Tesnière zu einer Butterfahrt
(drei Ergänzungen: Oma, Tesnière, Butterfahrt).
Von der ursprünglich auf die Syntax (Satzbau) beschränkten Ebene beziehen die Valenzgrammatiker in den letzten Jahren immer mehr semantische (inhaltliche) und pragmatische (situative) Gesichtspunkte ein und erforschen die Beziehung zwischen Syntax, Semantik und Pragmatik.
Die Kasusgrammatik wurde in den späten 60er Jahren von dem US-Linguisten Charles J. Fillmore entwickelt.
Fillmore sieht die Kasus als universal an - d.h., sie existieren in allen Sprachen. Seine sogenannten Tiefenkasus sind inhaltlich bestimmt - im Gegensatz zu den formalen Kasus der traditionellen Grammatik. So nimmt er z.B. einen Kasus Agentiv an (definiert als belebter Urheber einer Tätigkeit). Der Tiefenkasus Agentiv erscheint in dem deutschen Aktivsatz Fillmore malt ein Bäumchen als Oberflächenkasus Nominativ. In der Passivvariante Ein Bäumchen wird von Fillmore gemalt wird der Agentiv zum Oberflächenkasus Präpositionalobjekt. Der Mechanismus, der die Tiefenkasus (inhaltlichen Beziehungen) in die Oberfächenkasus (syntaktischen Beziehungen) einer Sprache transformiert (überträgt), wird Grammatik genannt.
Trotz verschiedener Konzepte und Terminologie gibt es enge Parallelen beider Theorien:
So repräsentieren - syntaktisch gesehen - die Ergänzungen der Valenzgrammatik das gleiche wie die Oberflächenkasus der Kasusgrammatik. Andererseits entsprechen - vom semantischen Standpunkt aus - die Leerstellen des Verbs bei der Valenzgrammatik den Tiefenkasus der Kasusgrammatik

Ablauf des Seminars:
  1. Erarbeitung der theoretischen Konzepte beider Theorien. (Dabei kommen sowohl die traditionelle Grammatik wie die generative Transformationsgrammatik von Noam Chomsky zur Sprache.)
  2. Praktische Anwendung beider Konzepte innerhalb sprachlicher Teilbereiche (z.B. Valenz von Verben der körperlichen Berührung bzw. Welche Tiefenkasus hängen mit diesen Verben zusammen?).
  3. Versuch einer Annäherung von Valenz- und Kasusgrammatik.


Ziel des Seminars:
Das theoretische Wissen über Grammatik, das im Seminar vermittelt wird, soll dabei helfen, mit Sprache bewußter und differenzierter umzugehen. So läßt sich der sprachliche Alltag eventuell besser meistern.
Seminarscheine:
Voraussetzungen für einen Schein sind regelmäßige Mitarbeit in den Seminarsitzungen und ein Referat (etwa 7 Maschinenseiten).

Literaturhinweise:
  • Engel/Schumacher: Kleines Valenzlexikon deutscher Verben (IdS-Forschungsberichte 31, Tübingen 1978)
  • Fillmore : Plädoyer für Kasus. In: Kasustheorie, Schwerpunkte Linguistik u. Kommunikationswissenschaft, Band 2, hrsg. von W. Abraham, Frankfurt/Main 1971, S.1-118
  • Helbig: Valenz - Satzglieder - semantische Kasus - Satzmodelle. Zur Theorie und Praxis des Deutschunterrichts für Ausländer, Leipzig 1982
  • Helbig Probleme der Valenz- und Kasustheorie, Tübingen 1992
  • Helbig/Schenkel: Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben, Tübingen 1991


  • Eine Auswahlbibliographie liegt ab März im Geschäftszimmer!



07.196 Wilhelm Franke
Linguistische Analyse massenmedialer Dialoge

2st. Fr 11-13 Phil 1404
Beginn: 05.04.2002

Dass sich die Bedingungen massenmedialer Kommunikation erheblich von denen der unvermittelten, interpersonalen Kommunikation unterscheiden, gilt auch unter Linguisten als Binsenweisheit. Wie aber diese Unterschiedlichkeit in der Analyse und Beschreibung von Mediendialogen, also z.B. von massenmedial verbreiteten Beratungsgesprächen oder Interviews, zu berücksichtigen ist, wird äußerst kontrovers diskutiert. Im Seminar soll es darum gehen, die inzwischen vorliegenden Modelle zur linguistischen Beschreibung von Mediengesprächen kennen zu lernen und deren Tauglichkeit in der Auseinandersetzung mit authentischem Gesprächsmaterial zu erörtern. Lektüreempfehlung zur ersten Orientierung:

  • Franke, Wilhelm (1995): "Massenmediale Kommunikation und linguistische Gesprächsanalyse." In: Hindelang, G./Rolf, E./Zillig, W. (Hrsg.): Der Gebrauch der Sprache. Münster, S.57-76.



07.197 Karl-Heinz Mulagk
Das Gotische

Einführung in Sprache und soziokulturellen Kontext der gotischen Sprachdenkmäler
2st. Mi 9-11 Phil 328
Beginn: 03.04.2002

Ich biete das Thema an, weil von studentischer Seite der Wunsch nach einer solchen Veranstaltung an mich herangetragen wurde, der Gegenstand traditionell in der Germanistik lokalisiert ist und dort auch gelegentlich behandet werden sollte. Die Veranstaltung ist auch für Interessenten anderer Fachrichtungen und -bereiche zugänglich.

Die sprachliche Einarbeitung soll a) eine elementare Lektürefähigkeit der tradierten Texte unter Heranziehung der gängigen Hilfsmittel ermöglichen und b) sprachgeschichtlich die Bedeutung dieses frühest überlieferten germanischen Dialekts für die anderen germanischen Dialekte verdeutlichen, und zwar hinsichtlich der Sprachstruktur und der Lexik. Schließlich wird c) eine elementare Orientierung darüber angestrebt, was eigentlich "das Gotische" mit Blick auf das Problem Völkerwanderungszeit heißen soll.

Die Organisation der Veranstaltung hängt von der Teilnehmerzahl ab. Die Gewichtung der Inhalte richtet sich nach den Teilnehmerwünschen.


07.198 Roland Pelka
Grammatik des deutschen Wortes

2st. Di 16-18 Phil 271
Beginn: 02.04.2002

Erläuterungen zum Thema und zur Didaktik:
Gegenstand des Seminars ist das deutsche Wort - als morphosyntaktische und semantisch-funktionale Grundeinheit der deutschen Sprache - in seinen vielfältigen grammatischen Implikationen. Ausgehend von einem weiten Begriff von Grammatik werden die Wörter/Wortklassen des Deutschen sowohl in morphostruktureller syntaktischer wie auch - inhaltsbezogen - in semantisch-funktionaler und ansatzweise in lexikologischer Hinsicht beschrieben und erklärt. Im Zentrum der seminaristischen Arbeit stehen die Unterscheidung und die Charakterisierung der einzelnen Wortarten, von den Hauptwortarten ´Verb´, ´Substantiv´ und ´Adjektiv´ bis zu den kommunikativ-pragmatisch bestimmten Wortarten ´Partikel´ und ´Modalwort´. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die grammatischen Arbeitsverfahren gelegt werden. Darüber hinaus können - wortartübergreifend - Aspekte wie ´Temporalität´, ´Modalität´, ´Aktionalität´ und ´Negation´ berücksichtigt und auf ihre wortgrammatischen Reflexe hin untersucht werden. Nicht zuletzt sind auch Bildungsstrukturen und Bildungsverfahren (Wortbildung) in angemessener Weise mit einzubeziehen.

Ziel des Seminars ist es, die Teilnehmer/innen am Beispiel des Wortschatzes zu einem tieferen Verständnis grammatischer Phänomene und Probleme zu führen und damit ihr grammatisches Wissen zu erweitern.

Teilnahmebedingung: persönliche Anmeldung und Referatübernahme. Anmeldetermin: 2. April 2002 (erster Vorlesungstag des SS) von 12-15 Uhr in Raum 312.

Literaturhinweise:
  • G. Helbig: Deutsche Grammatik. Grundfragen und Abriß. München 1991. Darin: S. 14-105.
  • E. Hentschel u. H. Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin, New York 1990. Darin: S. 11-301.
  • P. Eisenberg: Grundriß der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. Stuttgart, Weimar 1998. Darin besonders: Kap. 1: S. 1-38; Kap. 4: S. 99-143; Kap. 5: S. 144-200; Kap. 6: S. 201-236; Kap. 7: S. 237-285.



07.199 Jochen Rehbein
Mehrsprachige Kommunikation, Sprachkontakt, Bilingualimus

(DaF/DaZ) + SBS III Zusatzausbildung für Lehrer von Schülern verschiedener Muttersprache
Mo 2st. Mo 16-18 Hörsaal Phil B, ausser 06.05.02: ERZW H (Von-Melle-Park 8)
Beginn: 08.04.2002

Themenauswahl:
Methodologie, gesellschaftliche Aspekte von Mehrsprachigkeit, Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit, Universalgrammatik/Parametrisierung, Mehrsprachigkeit in der Familie, Texthabitualisierung, Erzählen - einsprachig, mehrsprachig, Konnektivität in zwei Sprachen, Wortschatzerwerb, Code-Switching, Kontaktsprachen, Pidginsprachen, Creolsprachen, Corpora und Transkriptanalyse.

Empfohlene Literatur:
  • Bernd Meyer & Notis Toufexis (Hrsg.) (2000) Text/Diskurs, Oralität/Literalität unter dem Aspekt mehrsprachiger Kommunikation. Beiträge zum Workshop 'Methodologie und Datenanalyse'. Arbeiten zur Mehrsprachigkeit, Folge B (Nr. 11). Uni HH: Sonderforschungsbereich Mehrsprachigkeit
  • Li Wei (ed.)(2000) The Bilingualism Reader. London, New York: Routledge
    • Jochen Rehbein/Wilhelm Grießhaber, L2-Erwerb versus L1-Erwerb: Methodologische Aspekte ihrer Erforschung. DFG-Projekt ENDFAS - Arbeitspapier Nr. 8. In: K. Ehlich (Hg.) Kindliche Sprachentwicklung. Konzepte und Empirie. Opladen: Westdeutscher Verlag, 67-119
  • Katharina Meng und Jochen Rehbein (Hrsg.), Kinderkommunikation - einsprachig und mehrsprachig, mit einer erstmals auf Deutsch publizierten Arbeit von Lew S. Vygotskij, Zur Frage der Mehrsprachigkeit im Kindesalter. Münster: Waxmann (i.D.)



07.200 Svend Sager
Nonverbale Kommunikation in Gesprächen

2st. Mo 10-12 Phil 256/58
Beginn: 08.04.2002

Gespräche sind medial komplexe Phänomene, in denen unterschiedliche kommunikativ relevante Displays zusammenwirken. Ziel des Seminars ist es, diese verschiedenen kommunikativen Displays im Einzelnen kennenzulernen und ihr Zusammenspiel im Gespräch zu betrachten. Nonverbale Kommunikation lässt sich in dem Sinne grob in die Bereiche Mimik, Gestik, Pantomimik, Axialorientierung und Proxemik (Distanzregulierung) aufgliedern. Wir werden im Seminar anhand von Videoaufnahmen natürlicher authentischer Gespräche die einzelnen Verhaltensformen und ihre kommunikative Funktion an exemplarischen Beispielen analysieren und diskutieren.


07.201 Svend Sager
Multimediaprojekte: Theorie und Konzeption

2st. Di 14-16 Phil 256/58
Beginn: 02.04.2002

Multimedia ist ein neues Medium, das in verschiedenen Bereichen (Infotainment, Schule und Hochschule, Museen etc.) eine zunehmende Rolle bei der Wissensvermittlung spielt. Gegenstand des Seminars ist es, solche Multimedia-Anwendungen zum Wissenstransfer zu betrachten. Dabei soll es aber nicht nur um theoretische Konzepte zur Analyse, sondern es soll auch um die praktische Erstellung solcher Medien gehen. Wir werden in dem Sinne versuchen, kleine konkrete Projekte zu konzipieren und zu realisieren.


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07.203 Klaus Brinker
Beziehungskonstitution in Gesprächen

3st. Do 10-13 Phil 271
Beginn: 04.04.2002

Das Seminar untersucht die Kontaktfunktion von Sprache. Es geht insbesondere um die Formen der positiven und negativen Partnerbewertung sowie um ihre Funktionen im Kommunikationsprozeß. Behandelt werden linguistische Forschungsansätze, die dem Beziehungsaspekt sprachlicher Kommunikation gewidmet sind (vor allem Holly, Sager, Adamzik, Werlen, Schwitalla u.a.). Im einzelnen sind folgende Schwerpunkte vorgesehen:
- Anredeformen und Anredemodus
- Formen der Höflichkeit
- Typologie von Kontakthandlungen
- Struktur von Kontaktsequenzen (bestätigende und korrektive Muster)
- Bewertungssequenzen und Beziehungskonstitution
- Formen der Konfliktaustragung
- Beziehungsstile
Alltags- und Mediengespräche bilden die Analysegrundlage.

Die Vergabe von Themen für Referate erfolgt in meinen Sprechstunden in der vorlesungsfreien Zeit (s. Anschlag)

Literaturhinweise:
  • Adamzik, K.: Sprachliches Handeln und sozialer Kontakt. Zur Integration der Kategorie "Beziehungsaspekt" in eine sprechakttheoretische Beschreibung des Deutschen. Tübingen 1984.
  • Adamzik, K.: Beziehungsgestaltung in Dialogen. In: Fritz, G./Hundsnurscher, F. (Hrsg.): Handbuch der Dialoganalyse. Tübingen 1994, S. 357-374.
  • Brinker, K./Sager, S.F.: Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. 3. Aufl. Berlin 2001.
  • Goffman, E.: Interaktionsrituale. Frankfurt 1971.
  • Holly, W.: Imagearbeit in Gesprächen. Tübingen 1979.
  • Holly, W.: Beziehungsmanagement und Imagearbeit. In: Brinker, K. et al. (Hrsg.): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch. Bd. 2. Berlin, New York 2001, S. 1382-1393.
  • Sager, S.F.: Sprache und Beziehung. Linguistische Untersuchungen zum Zusammenhang von sprachlicher Kommunikation und zwischenmenschlicher Beziehung. Tübingen 1981.
  • Schwitalla, J.: Beziehungsdynamik. In: Kallmeyer, W. (Hrsg.): Gesprächsrhetorik. Tübingen 1996, S. 279-349.
  • Werlen, I.: Rituelle Muster in Gesprächen. In: Brinker, K. et al. (Hrsg.): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch. Bd. 2. Berlin, New York 2001, S. 1263-1278.



07.204 Kristin Bührig
Mündlichkeit und Schriftlichkeit im diskursanalytischen Vergleich

3st. Di 9-12 Phil 271
Beginn: 02.04.2002

Das Ziel dieser Lehrveranstaltung liegt darin, Einsichten in die Funktionalität sprachlicher Ausdrucksmittel zu vermitteln, die sich in dem Medium der Schriftlichkeit bzw. im Medium der Mündlichkeit entweder jeweils unterschiedlich entfaltet oder auf eine mediale Ausprägung sprachlichen Handelns beschränkt ist. Das übergreifende Thema soll in phänomenorientierte Blöcke unterteilt werden, die etwa folgende Inhalte aufgreifen:
  1. Diskurs und Text - Schriftlichkeit und Mündlichkeit (Problemaufriss und Einführung in die Thematik anhand ausgewählter authentischer Beispiele)
  2. Text- und diskursstrukturierende Verfahren (Wie werden Texte und Diskurse kommunikativ gegliedert: zur Rolle von Ankündigungen, Einleitungen, Querverweisen, Resümees und dafür prädestinierten sprachlichen und grammatischen Formen in wissenschaftlichen Vorträgen und Artikeln)
  3. Zeigen in Text und Diskurs (Zum Einsatz deiktischer Mittel in Texten und Diskursen)
  4. Konnektivität in Text und Diskurs (Wie werden Zusammenhänge in Text und Diskurs satz- bzw. äußerungsübergreifend hergestellt?)
  5. Kommunikative Gewichtung in Text und Diskurs (Wortstellung und Prosodie im Vergleich)
  6. Information packaging in Text und Diskurs
Themenvorschläge und -wünsche von Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern werden aber gerne für das Programm berücksichtigt.

Literatur:
  • Eine ausführliche Literaturliste wird zu Beginn der Veranstaltung ausgeteilt.
    Zum ersten Einlesen:
  • Ehlich, K. (1994) Funktion und Struktur schriftlicher Kommunikation. In: Günther, H. & Otto, L. (eds.) (1994) Schrift und Schriftlichkeit. Writing and its use. 1. Halbband. Berlin, New York: de Gruyter, 18-41
  • Koch, P. & Österreicher, W. (1985) Sprache der Nähe - Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte. In: Romanistisches Jahrbuch 36 (1985), 15-43
  • Raible, W. (1994) Orality and Literacy. In: Otto, G. & Ludwig, O. (eds.) (1994) Schrift und Schriftlichkeit. Writing and its use. Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung. An Interdisciplinary Handbook of International Research. 1. Halbband Berlin, New York: de Gruyter, 1-17



07.205 Kristin Bührig
Subjektivität, Perspektive, Stance

3st. Mi 8.30-11.00 Phil 1304
Beginn: 03.04.2002

Mit den Begriffen ,Subjektivität', ,Perspektive' und ,stance' wird in der Forschungsliteratur die Beobachtung benannt, dass ein Sprecher zu dem, was er sagt, Stellung bezieht bzw. die Voraussetzungen für das von ihm Gesagte deutlich macht. Die Begriffe sind keineswegs genuin linguistischer Natur, sondern stammen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Sie wurden u.a. dafür fruchtbar gemacht, um grammatische Phänomene wie z.B. Matrix-Konstruktionen, Modalausdrücke u.Ä. einem gemeinsamen Bedeutungs- bzw. Funktionsbereich in der Sprache unterordnen zu können. In dem Seminar sollen sowohl die Begriffe hinsichtlich ihrer Funktionalität als auch die genannten Phänomene anhand authentischen Materials näher betrachtet werden. Von besonderem Interesse ist dabei ein sprachvergleichendes Vorgehen.

Literatur:
  • Eine ausführliche Literaturliste wird zu Beginn der Veranstaltung ausgeteilt.

  • Zum ersten Einlesen:
  • Biber, D. et alii (1999) The grammatical marking of stance. In: Biber, D. et alii (1999) Grammar of Spoken and Written English (§12). London: Longman
  • Nuyts, J. (2001) Subjectivity as an Evidential Dimension in Epistemic Modal Expressions:. In Journal of Pragmatics 22 (2001), 383-340
  • Zifonun, G. (1997) Grammatik der Ereignisperspektivierung. In: Zifonun, G., Hoffmann, L. & Strecker, B. (eds.) (1997)
  • Grammatik der deutschen Sprache (Bd.3). Berlin: de Gruyter, 1859-1881



07.207 Walther v. Hahn
Vagheit

2st. Di 10-12 Phil 256/58
Beginn: 02.04.2002

Inhaltliche Beschreibung:
Vagheit findet in der Linguistik auf der lexikalischen und der Diskurs-Ebene statt. Logische, linguistische und referentielle Argumente spielen dabei eine Rolle. Ausgehend von Pinkals Übersicht sollen neuere Arbeiten behandelt werden.

Lernziel:
Übersicht über die Rolle der Vagheit in der Linguistik

Methoden:
Einführung, Vorträge, Diskussion

Literatur:
Wird zu Beginn des Semesters ausgehängt.


07.208 Wolfgang Heydrich
Kategorialgrammatik und Semantik

3st. Do 15.30-18.00 Phil 1404
Beginn: 04.04.2002

In der Kategorialgrammatik (KG) steht (anders als im mainstream des Generativismus) die Semantik im Mittelpunkt. Die KG stellt nämlich ein Format der syntaktischen Strukturierung natürlicher Sprache bereit, das insbesondere für Fragen der semantischen Kompositionalität maßgeschneidert ist und das Problem der syntaktischen Wohlgeformtheit systematisch aus der Perspektive des Problems der semantischen Kompositionalität betrachtet: wie nämlich die Bedeutung grammatischer Grundeinheiten (Morpheme, Wörter) sich zur Bedeutung von komplexen Einheiten (Phrasen, Sätzen) aufkonstruiert. Dementsprechend vertritt die KG einen Begriff der syntaktischen Kategorien, der die syntaktisch-semantische Fügungspotenz von Ausdrücken in den Vordergrund stellt. Kategorien in diesem Sinne sind zentral, genuin syntaktische, kategorienübergreifende Prinzipien eher marginal.
Die KG orientiert sich stark an logischen Verfahren, die sie freilich so flexibel handhabt, dass sich die logisch-semantische Struktur weitgehend als der natürlichsprachlichen Oberfläche angenähert betrachten läßt. Die KG beschränkt sich dabei nicht auf Anleihen bei der elementaren Prädikatenlogik (1. Stufe), sondern greift auf flexiblere und ausdrucksstärkere höherstufige Logiken (Typenlogik, _-Kalkül) zurück.
Das hier angezeigte Seminar will die Einführung in die Grundlagen des Ansatzes fortsetzen. Es knüpft an eine Veranstaltung des vorangegangenen Semesters an und will nach dem allgemeinen Überblick nun zentrale Einzelprobleme der Semantik aufgreifen: Quantifikation, Pronominalisierung, Intensionalität.
Die Bereitschaft, sich auch mit formal anspruchsvollen Texten rumzuschlagen, muss vorausgesetzt werden.
Der Kurs wird sich an den Kapiteln 7 bis 12 von [1] orientieren. Zur Vorbereitung (insbesondere für neu hinzukommende Teilnehmer/innen) ist ein Studium der ersten sechs Kapitel angezeigt. Einführend kann auch [2] konsultiert werden.

Literatur:
  • Carpenter, Bob [1997]: Type-Logical Semantics, Cambridge (Mass.), London (Engl.): MIT Press.
  • Wood, Mary McGee [1993] Categorial Grammars, London, New York: Routledge.



---- Rolf Krause, Jan Christoph Meister:
Computer + Philologie?

Zur computergestützten Modellierung und Analyse von Erzähltexten
3st. Do 10-13 Phil 1373 (s. IfG II Vorl. Nr. 07.334)
Beginn: 04.04.2002

"Der Reservekorporal Georg Pichler, im Zivilverhältnis zweiter Buchhalter eines Konfektionshauses in der Zelinkagasse, geriet im Oktober 1916 als Feldwachtkommandant verwundet in russische Kriegsgefangenschaft." Alles klar? Ein paar einfache Fragen:
Wann genau wurde Georg Pichler verwundet?
Wann wurde er vom Reservekorporal zum Feldwachtkommandanten befördert?
Wann wurde Georg Pichler zum Kriegsdienst eingezogen?
Wann wurde Georg Pichler geboren?
Beispiel und Fragen zeigen: Beim Lesen narrativer Texte entsteht für uns oft schnell der Eindruck einer zeitlich geordneten Welt. Beim genaueren Hinsehen bemerken wir jedoch, daß viele unserer chronologischen Annahmen eigentlich eine hochkomplexe Rekonstruktionsleistung darstellen. Wir verknüpfen konkrete Zeitinformationen, die durch Textdaten ausgedrückt werden, mit impliziten Hinweisen im Text und unserem 'Weltwissen': also unseren geläufigen Annahmen über die Logik der Geschehnisse.
Was hat das mit 'Computerphilologie' zu tun? Den Computer benutzen wir doch allenfalls zum Schreiben von Texten, bei der Recherche in Bibliotheken und im WWW, vielleicht noch bei Editionsprojekten?
Neuere Forschungsprojekte im Umfeld des sog. "Humanities Computing" (= geisteswissenschaftlicher Computeranwendungen) begreifen den Computer keinesfalls nur als handfestes, pragmatisches 'Tool': Sie untersuchen vielmehr komplexe Zusammenhänge, wie sie z.B. bei der Rekonstruktion der Chronologie in einer erzählten Welt aufgebaut werden.
Damit stellt sich die prinzipielle Frage, ob die Repräsentation, Modellierung und Analyse geisteswissenschaftlicher Gegenstände und Forschungsprobleme nicht auch die Chance für einen grundlegenden konzeptionellen wie methodisch-theoretischen Neuansatz in den Philologien bieten.
Unser Seminar soll in der ersten Phase eine Definition des Arbeitsfeldes 'Computerphilologie' entwickeln. Am Beispiel von Softwaretools sowie eines bereits abgeschlossenen Forschungsprojekts zur computergestützten Modellierung literarischer Handlungsstrukturen werden die folgenden Bereiche erörtert:
Deskription: Wie kann man einzelne Aspekte literaturwissenschaftlicher Gegenstände im digitalen Format repräsentieren?
Modellierung: Wie kann man den Text als ganzes darstellen?
Exploration: Welchen Beitrag kann die CP zur philologischen Heuristik leisten?
Analyse und Interpretation: Wie kann man tradierte philologische Fragestellungen auf dieser neuen methodisch-konzeptionellen Basis untersuchen?
In der zweiten Seminarphase werden wir ein aktuelles Forschungsprojekt zur Modellierung von Zeitstrukturen in literarischen Erzähltexten vorstellen. Im Zuge einer Projektarbeit sollen die SeminarteilnehmerInnen dann spezifische Programmbestandteile konzeptionieren, mit denen sich Aspekte der 'Zeitlichkeit' narrativer Texte modellieren lassen. Als gemeinsamen Beispieltext verwenden wir die Erzählung "Dienstag, der 12. Oktober 1916" von Leo Perutz. "FAQs, Do's and Don'ts"

Voraussetzungen:
Allgemeine Computerkompetenz - dies ist KEINE Einführung in 'Word' oder das WWW!

Vorbereitung:
Lektüre der folgenden Texte:
  • Leo Perutz, "Dienstag, der 12. Oktober 1916". In: ders., "Herr erbarme dich meiner!", Wien, Hamburg 1985;
  • Fotis Jannidis, "Was ist Computerphilologie?"; in: Jahrbuch für Computerphilologie; Paderborn 1999, S. 39-69.

Arbeitsmodus:
Regelmäßige Teilnahme an den Seminarsitzungen und am Wochenendseminar in der zweiten Seminarphase.

Termine:

Seminare: ab 04.04.2002, Do 10-13 Uhr
Wochenend-Kompaktseminar: 2x 4,5 Stunden am 22. und 23.06.2002
Abschlußsitzung: 27.06.2002

Webbasierte Seminarkommunikation und alle relevanten Materialien: siehe Projektraum "CompuPhil 2002" unter http://commsy.uni.de (bei Erstaufruf bitte die Option 'Teilnahme anmelden' wählen.)
Laufend aktualisierte Details und Lektürehinweise zum Seminar können unter
www.narratology.net/seminare2002 aufgerufen werden.


07.209 Gunter Presch
Anredeformen

3st. Do 11-14 Phil 256/58
Beginn: 04.04.2002

Mit Anreden wie "Du", "Sie" oder "Herr"/"Frau"/"Fräulein" (früher) bringen wir unsere sozialen Beziehungen zum Ausdruck. Im Seminar sollen pronominale und hominale Anredeformen untersucht werden. Besonders berücksichtigt werden sollen die Veränderungen im Anredeverhalten, die sich in den letzten 5 Jahren vollzogen haben.

Voraussetzung für den Leistungsnachweis ist neben regelmäßiger Teilnahme am Seminar die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe, die sich ein Teilthema erarbeitet und dies im Seminar vorstellt, sowie die spätere schriftliche Ausarbeitung dieses Teilthemas.

Zu Beginn des Seminars sollte bekannt sein:
  • Bayer, Klaus: Thesen zu einem semantischen Konflikt im Hochschulbereich. In: Deutsche Sprache 7, 1979, S. 212-219



07.210 Gunter Presch
Namen

3st. Fr. 12-15 Phil 271
Beginn: 05.04.2002

Eigennamen sind ganz besondere Wörter. Strittig ist, ob sie Bedeutung haben. Wenn ja, welche? Wenn nein, sind sie dann überhaupt Wörter? Die historisch-etymologische Onomastik leitet z. B. Vornamen aus anderen Wörtern ab. So ist die Ursprungsform von "Fritz" "Friedrich", und Friedrich kommt von althochdeutsch "`Frieden` + ,mächtig, Herrscher`".
Dies Wissen ist aber nicht nötig, um einen Eigennamen zu gebrauchen. In der Pragmalinguistik wird - im Rückgriff auf sprachphilosophische Namentheorie - gefragt, wie der Gebrauch von Eigennamen funktioniert und ob dabei Bedeutung in einem anderen als etymologischen Sinn eine Rolle spielt. Dies ist strittig.
Behandelt werden sollen im Seminar u. a. Personennamen einschließlich "Spitznamen", Markennamen, "jüdische" Namen und Gebrauchstheorien von Eigennamen.
Da uns als Linguisten sprachphilosophische Denkweisen zunächst fremd sind, lade ich Studierende der (Sprach-)philosophie zur Teilnahme am Seminar ein.

Leistungsnachweis: neben regelmäßiger Beteiligung am Seminar Vorstellung eines Teilthemas zusammen mit einer AG und schriftliche Ausarbeitung.

Literatur:
    Bei Beginn des Seminars soll bekannt sein:
  • PRESCH, Gunter (2002): Namen in Konfliktfeldern. Wie Widersprüche in Eigennamen einwandern (Tübinger Beiträge zu Linguistik 460) Tübingen (Erscheint März 2002)



07.211 Svend Sager
Gesprächsethologie

3st. Mo 12-15 Phil 256/58
Beginn: 08.04.2002

Die Gesprächsethologie ist im Gegensatz zu allen bisherigen sozialwissenschaftlich orientierten Konzepten der Gesprächsforschung ein Ansatz, der der aus den Naturwissenschaften und der Anthropologie kommenden Disziplin der Ethologie (vergleichenden Verhaltensforschung) verpflichtet ist. Ziel des Seminares ist es, dieses Konzept der Gesprächsethologie in seinen grundlegenden Zügen, Hypothesen und Methoden vorzustellen und anhand konkreten Gesprächsmaterials zu diskutieren. Dabei werden wir uns mit den verschiedenen Konzepten aus Ethologie und Anthropologie ebenfalls auseinander setzen müssen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf dem Vergleich von menschlichem Gesprächsverhalten und der Sozialinteraktion subhumaner Primaten liegen.


----- Frank Schilder
Veranstaltungs-Nr.: 18.413
Content Management: intelligente Inhaltserschließung von Dokumenten
Ort (Informatikum, Vogt-Kölln-Str. 30)
Beginn: April 2002

Dieses Seminar beschäftigt sich mit neuen Methoden zur automatischen Inhaltserschließung von Dokumenten (z.B. Texte, Tabellen, Graphiken etc). Traditionelle Ansätze im Rahmen des Information Extraction bzw. Information Retrieval setzen meist auf eine sehr flache Verarbeitung. In neueren Arbeiten werden nun zunehmend tiefere semantische Analysen der Textinhalte hinzugenommen.

Die inhaltsbasierte Analyse von Texten wird insbesondere für die folgenden Anwendungsbiete von großer Bedeutung sein:

  • Knowledge Management:
    Erfassung von Arbeitsabläufen in Betrieben und Organisationen

  • Internet-Suche:
    Analyse von Web-Seiten und Nutzung von Meta-Wissen; Semantic Web

  • Automatische Generierung von Ontologien:
    Extraktion von Überbegriff/ Unterbegriff-Relationen in einer speziellen Domäne

  • Automatische Textzusammenfassung:
    Generierung von kurzen Zusammenfassungen einer Text- oder Nachrichtensammlung etc.


Stellung im Studienplan:
Einführendes Seminar im Hauptstudium

Voraussetzungen:
Grundstudium; eine Teilnahme an der Vorlesung und Übung ,Semantische Sprachverarbeitung` wird empfohlen

Vorgehen:
Vorträge der SeminarteilnehmerInnen; Programmierung von Beispielanwendungen

Periodizität:
unregelmäßig

Eignung:
Für Lehrer und Nebenfächler mit entspechenden Vorkenntnissen geeignet


07.212 Susanne Schmidt-Knaebel
Textlinguistik der Einfachen Form. Bechsteins Deutsches Sagenbuch und die inhaltlichen Entsprechungen in Johann Peter Lysers Abendländischer 1001 Nacht

3st. Do 14-17 Phil 256/58
Beginn: 04.04.2002

Es handelt sich um ein Hauptseminar aus dem Arbeitsgebiet der germanistischen Textlinguistik. Johann Peter Theodor Lysers Sammlung kurzer Prosatexte erschien 15bändig in Meißen (bei Goedsche) 1837-1839. (Es gab eine Fortsetzung unter dem Titel Ein Mährchen- und Sagen-Strauß. 4 Bde Meißen 1840.) Ludwig Bechstein kannte dieses Material nachweislich. Sein eigenes Deutsches Sagenbuch erschien in Leipzig (bei Wigand) 1853. Insofern muss die intertextuelle Analyse fragen, ob und inwieweit der Autor der Volkssagen die kunstvoll elaborierten Texte Lysers aus dessen Anthologie übernommen und sprachlich in die einfache Form zurückgeführt hat. Denn Bechstein, der akademisch ausgebildete herzogliche Bibliothekar in Meiningen, war ein belesener Mann, und die Stoffe seiner Volkssagen und Märchen stammen vielfach aus anspruchsvollen schriftlichen Quellen.

Die textlinguistische Analyse kann unter verschiedenen Gesichtspunkten Hilfestellung zur Beantwortung einer solchen Frage geben. Mögliche Parameter für unsere Semesterarbeit sind: die Semantik des Textbeginns, die Untersuchung der Personenbezeichnungen, die Frage nach dem sog. ätiologischen oder Zeugenschluss, der Gebrauch der grammatischen Zeiten (Erzählen und Besprechen), der Zusammenhang zwischen Titel und Thema, die vergleichende Analyse des Lexikons in der einfachen und der Kunstform, der Artikelgebrauch bei der Einführung von Personen bzw. Gegenständen usw.

Das Plenum ist dreistündig; Gruppenarbeit ist möglich, wird aber nicht vorausgesetzt. Der Schein kann nur durch eine schriftliche Leistung (Hausarbeit, auch in der Gruppe, wenn die Einzelleistung ausgewiesen ist) erworben werden. Das Textmaterial wird am Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt (Lyser und Bechstein).

Literatur:
  • Kirsti Brachtel: Die Sprache des Märchens in kontrastiver Beschreibung zur Sprache der Kunstprosa. Diss Göttingen 1979
  • Roland Harweg: Pronomina und Textkonstitution 1968
  • Susanne Holthuis: Intertextualität 1993
  • André Jolles: Einfache Formen 1930
  • Harald Weinrich: Tempus. Erzählte und besprochene Welt 1964 und weitere Auflagen
  • Harald Weinrich: Textgrammatik der deutschen Sprache 1993
  • Susanne Schmidt-Knaebel: Textlinguistik der Einfachen Form 1999




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07.215 Klaus Brinker
Examenskolloquium

1st. 14tgl. Fr 14.00-15.30 Phil 1013
Beginn: 05.04.2002

07.216 Gabriele Diewald
Examenskolloquium

1st. 14tgl. Di 16-18 Phil 357
Beginn: 02.04.2002


07.217 Jörg Hennig
Examenskolloquium

1st. 14tgl. Di 16-18 Phil 357
Beginn: 02.04.2002

07.218 Gunter Presch
Examenskolloquium

1st. Fr 15-16 Phil 1404


Seitenanfang Seitenanfang OBERSEMINARE


07.221 Kristin Bührig/Jochen Rehbein
Pragmatik/Deutsch als Fremdsprache

2st. Mi 18.30-22.00 Phil 1304
Beginn: 03.04.2002


07.222 Gunter Presch
"KZ-Häftlinge: Nummern und Namen"

2st. Do 16-18 Phil 1269,
Beginn: 04.04.2002

KZ-Häftlinge bekamen bei ihrer Registrierung Nummern zugeteilt. Sie wurden auf die Kleidung genäht und teilweise in den Körper eingeätzt ("Tätowierungen"). Erste Recherchen zeigen, dass Nummern teilweise statt Namen verwendet wurden und von den Betroffenen als Raub des individuellen Namens erlitten wurden. Von den beiden Funktionen des Eigennamens, nämlich Identifizieren und Individualisieren, wird die Funktion der Individualisierung zerstört. Die Nummern sind reine Identifier. Den Betroffenen wird die Individualität abgesprochen.

Ausgehend von aufbereitetem Material soll versucht werden, Genaueres über diesen Zusammenhang herauszufinden.

Im Laufe des Semesters soll besprochen werden, inwieweit die erarbeiteten Ergebnisse als Ausgangspunkt für Abschlussthemen geeignet sind.


07.223 Svend Sager
Projekte zur verbalen Kommunikation

2st. 14tgl. Mi 13-15 Phil 256/58
Beginn: 10.04.2002

In diesem Oberseminar wird den verschiedenen Examenskandidaten die Gelegenheit gegeben, ihre gerade laufenden Projekte zur verbalen Kommunikation vorzustellen und zu diskutieren.


07.224 Susanne Schmidt-Knaebel
Syntax des Dialogs und Erzählte Rede. Gespräche in Alltag und Literatur

2st. Mo 14-16 Phil 1304
Beginn: 08.04.2002

Es gibt mündliche Alltagsdialoge und schriftliche Dialoge in der Literatur, die den charakteristischen Kennzeichen der Alltagsrede in fiktiver Auswahl folgen. Dabei entstehen vier verschiedene Varianten, die als direkte, indirekte und erlebte Rede bzw. innerer Monolog bekannt sind. In diesem Oberseminar der germanistischen Linguistik sollen zunächst die Besonderheiten authentischer mündlicher Gespräche studiert werden. Dafür wird Harald Weinrichs Textgrammatik der deutschen Sprache benutzt. Es geht nacheinander um Gliederungssignale, Dialogpartikel, Modalpartikel, Affirmation und Negation und das Muster Frage - Antwort.

In einem zweiten Teil des Semesters wenden wir uns den literarischen Gesprächen zu. Welche sprachlichen Kennzeichen unterscheiden die direkte von der indirekten Rede, die erlebte Rede vom inneren Monolog? Hier kann dann weiter gefragt werden, inwiefern Beobachtungen zur Häufigkeit und Verteilung solcher fiktiver Redewiedergaben (= erzählte Rede) zur Interpretation eines literarischen Textes herangezogen werden können. Dabei können direkte und indirekte Rede an Material aus dem 19., erlebte Rede und innerer Monolog an Texten des 20. Jh. betrachtet werden. Ludwig Bechsteins Novellen Das Hausgesinde (1839) und Jägerzauber (1853) sind Beispiele dafür, dass das Studium der erzählten Reden Rückschlüsse zulässt sowohl auf dichterische Entwicklungen eines Autors als auch auf seinen Grad an Modernität.

Literatur:
  • Harald Weinrich: Textgrammatik der deutschen Sprache 1993. Kap. 8: Syntax des Dialogs (S. 819-911) (ganzer Wortlaut in eigenem Ordner)
  • Susanne Schmidt-Knaebel: Erzählte Rede in zwei Novellen von Ludwig Bechstein. In: Jahrbuch des hennebergisch-fränkischen Geschichtsvereins. 2001 (S. 91-114) (Seminarordner, bitte kopieren)
  • Die beiden Bechstein-Novellen finden Sie im Seminarordner. Bitte kopieren.

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  Impressum   Letzte Änderung: 11. Juni 2002