Universität Hamburg Institut für Germanistik I
Deutsche Sprache, Ältere Deutsche Literatur, Niederdeutsche Sprache und Literatur, Skandinavistik
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Vorlesung
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Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis
Teilfach Niederdeutsche Sprache & Literatur
Sommer-Semester 2003


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VORLESUNG (KOLLOQUIAL)


---- Hartmut Freytag
Veranst. Nr. 07.236
Totentänze

1st. Do 13-14 Phil 732


SEMINAR Ia


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SEMINAR Ib


---- Andreas Bieberstedt
Einführung in die Übersetzungswissenschaft

2st Mi 11-13 Phil 259
s. Veranst. Nr. 07.205

Beginn: 09.04.2003 (nicht 16.04.2003 !)

Die Übersetzungs- oder Translationswissenschaft stellt eine vergleichsweise junge Disziplin dar, deren Existenz von den linguistischen Nachbardisziplinen noch immer kaum registriert wird. Dieser Befund erstaunt, handelt es sich doch u.a. bei einem Großteil des historischen deutschsprachigen Schrifttums um Übersetzungen bzw. Bearbeitungen und werden im Zuge der zunehmenden Globalisierung jährlich Millionen von Übersetzungstexten allein in Deutschland produziert. Zudem kann die Übersetzungswissenschaft auf eine reiche, mehrhundertjährige Tradition verweisen: Theoretische Überlegungen zum Übersetzen literarischer, philosophischer, religiöser oder fachwissenschaftlicher Texte werden seit der Antike und dort insbesondere im Rahmen der Rhetoriktheorie bzw. in Zusammenhang mit der Übersetzung des biblischen Urtextes angestellt. Im deutschen Sprachraum ist die übersetzungstheoretische Diskussion eng mit Namen wie Martin Luther, Friedrich Schleiermacher, Jacob Grimm, Rudolf Borchardt und Franz Rosenzweig verbunden.
Im Seminar werden die verschiedenen Arbeitsgebiete der Übersetzungswissenschaft (Allgemeine Übersetzungswissenschaft, Sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft, Übersetzungsdidaktik und -kritik etc.) und die verschiedenen von ihr entwickelten Modelle (Übersetzungstypologien, Faktorenmodelle zum Übersetzungsprozeß etc.) vorgestellt und diskutiert. Insbesondere sollen die Berührungspunkte der Übersetzungswissenschaft mit Wissenschaftsdisziplinen wie der Textlinguistik, der Kontrastiven Linguistik, der Kommunikationswissenschaft oder der Fremdsprachendidaktik verdeutlicht werden.
Als zweiten Schwerpunkt vermittelt das Seminar einen Einblick in die Geschichte der Übersetzungen ins Deutsche sowie in die Entwicklung der Übersetzungstheorie im deutschsprachigen Raum. Hierzu werden ausgewählte Texte verschiedener Sprachstufen gelesen und auf Basis der im Vorfeld erworbenen Theoriekenntnisse analysiert, wobei das Spektrum von der historischen Bibelübersetzung bis hin zur Neuübersetzung von J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" reicht. Gelesen werden außerdem ausgewählte, für die übersetzungstheoretische Diskussion relevante Texte wie Martin Luthers "Sendbrief vom Dolmetschen" (1530) und Friedrich Schleiermachers Abhandlung "Ueber die verschiedenen Methoden des Uebersezens" (1813).
Ewartet werden neben einer aktiven Teilnahme die Vorbereitung der jeweils im Seminar besprochenen Texte sowie eines 15-20 minütigen Vortrages. Vorschläge zu den einzelnen Vortragsthemen werden in der ersten Sitzung unterbreitet, Präzisierungen und eigene Vorschläge seitens der Seminarteilnehmer sind möglich und erwünscht.


Literatur zur Einführung:

Apel, F. 1983: Literarische Übersetzung. Stuttgart. (Sammlung Metzler; 206)
Koller, W. 1992: Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Heidelberg / Wiesbaden.
Snell-Hornby, M. / Hönig, H. G. / Schmitt, P. A. (Hgg.) 1998: Handbuch Translation. Tübingen. (Stauffenburg-Handbücher)
Störig, H. J. 1973: Das Problem des Übersetzens. Darmstadt. (Wege der Forschung; 8)
Vermeer, H. J. 1992: Skizzen zu einer Geschichte der Translation. Bd. 1: Anfänge - Von Mesopotamien bis Griechenland, Rom und das frühe Christentum bis Hieronymus. Bd. 2: Altenglisch, Altsächsisch, Alt- und Frühmittelhochdeutsch. Frankfurt a. M.



07.265 Ingrid Schröder
Sprache im Hanseraum. Eine Einführung in das Mittelniederdeutsche

2st. Do 16-18 Phil 259
Beginn: 10.04.2003

Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert wurde das Mittelniederdeutsche als Schriftsprache im norddeutschen Sprachraum und darüber hinaus als Verkehrssprache der Hanse im gesamten Ostseeraum, vor allem in den Niederlassungen der Kaufleute (Bergen, Nowgorod), verwendet. Textzeugnisse aus allen gesellschaftlichen Bereichen vermitteln uns Einblicke in die damalige Gesellschaft: Verordnungen für das bürgerliche Leben in den Städten, Zunfturkunden des Handwerks, Kontorordnungen und Rechnungsbücher der Kaufleute, Rechtstexte und Urkunden, Arznei- und Kochbücher, religiöse Texte aller Art und nicht zuletzt die weltliche Dichtung geben uns ein facettenreiches Bild mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lebens vor allem in den Städten.
Im Seminar sollen Texte aus den verschiedenen Bereichen gemeinsam gelesen und übersetzt werden. Die Struktur des Mittelniederdeutschen wird ebenso thematisiert wie Grundzüge der (nieder)deutschen Sprachgeschichte. Gleichzeitig ist eine Annäherung an die mittelalterliche und frühneuzeitliche Kultur durch die Textinhalte und durch "Realproben" (z. B. Museumsbesuch, Ausprobieren mittelalterlicher Rezepte) Ziel des Seminars.
Leistungsnachweis: Klausur.
Die Lektüretexte werden in der ersten Sitzung ausgegeben.
Literatur zur Einführung:
Meier, Jürgen/Möhn, Dieter: Literatur: Formen und Funktionen. In: Bracker, Jörgen/Henn, Volker/Postel, Rainer (Hrsg.): Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos. Textband zur Hamburger Hanse-Ausstellung von 1989. 2., verb. Aufl. Lübeck 1998, S. 524-534.
Meier, Jürgen/Möhn, Dieter: Die Sprache im Hanseraum. In: Ebd., S. 580-590.


SEMINAR II


07.267 Ingrid Schröder
Regionale Mehrsprachigkeit in Norddeutschland

3st. Di 16-19 Phil 256/58
Beginn: 08.04.2003

In diesem Seminar wollen wir uns mit der aktuellen Sprachsituation in Norddeutschland auseinandersetzen. Sprachwirklichkeit ist nur adäquat beschreibbar, wenn die Vielfalt gleichzeitiger sprachlicher Varietäten berücksichtigt wird. Die Situation in Norddeutschland ist von einer historisch gewachsenen Zweisprachigkeit Hochdeutsch-Niederdeutsch geprägt, wobei heute ein Varietätenspektrum vorliegt, an dem das Niederdeutsche relevanten Anteil hat (Niederdeutsch als Substrat).

Eine Untersuchung dieses Varietätenspektrums kann unter ganz verschiedenen Aspekten erfolgen. Mögliche Bereiche wären eine Erhebung zum Gebrauch des Niederdeutschen in der Region, die Analyse von regional geprägten Fachsprachen (z. B. Fischerei, Handwerk, Landwirtschaft), die Untersuchung individuellen Sprachgebrauchs abhängig von den verschiedenen Kommunikationssituationen oder auch die Untersuchung von Gemeinschafts- und Ereigniskommunikation (z. B. Kommunikation auf dem Wochenmarkt oder bei öffentlichen Veranstaltungen). Möglich sind auch sprachstrukturelle Fragestellungen zur regionalen Ausprägung der Nonstandard-Varietät.

Im Rahmen des Seminars sollen Sprachdaten zu den unterschiedlichen Untersuchungsaspekten erhoben, transkribiert und ausgewertet werden. Eigene Ideen, Engagement und die Bereitschaft zur selbständigen Arbeit mit Sprechern in der Region sind unabdingbar für das Gelingen dieses Seminarkonzepts. Die verschiedenen Arbeitsphasen lassen es sinnvoll erscheinen, einen Teil der Seminarsitzungen als Blockveranstaltungen an zwei Wochenenden durchzuführen. Anmeldung und Themenabsprache vor Semesterbeginn erforderlich (Sprechstunden in der vorlesungsfreien Zeit s. Aushang).


 
  Impressum   Letzte Änderung: 02. April 2003