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Forschung
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"Sprache und Magie"
"Historische Bibelübersetzungen"
„Niederdeutsche Grammatik“

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Sprache und Magie

(Text folgt)



Historische Bibelübersetzungen

Übersetzungen der Bibel in älteren Sprachstufen sind nicht allein als kulturhistorisches Zeugnis von erstrangiger Bedeutung, sondern dokumentieren zugleich den sprachlichen Ausbau des Deutschen auf einzigartige Weise. Sie gehören zu den frühesten Zeugnissen einer volkssprachigen Literatur und bilden im Spätmittelalter einen breiten Überlieferungsstrom an Texten unterschiedlichster sprachlicher Ausprägung, Funktionszuweisung und Übersetzungstechnik. Ab dem Jahre 1522 katalysiert die Bibelübersetzung Martin Luthers zudem die allmähliche Ausprägung einer auf dem Ostmitteldeutschen basierenden, hochdeutschen Standardsprache. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Bibelübersetzungen besitzen somit in mehrfacher Hinsicht einen kaum zu überschätzenden Wert nicht allein für die historische Sprach- und Literaturwissenschaft, sondern ebenso für Kulturgeschichtsforschung und Übersetzungs¬wissenschaft.

In der Abteilung NdSL liegen die Schwerpunkte bei der Erforschung der historischen Bibelübersetzung zum einen auf der Untersuchung und Edition niederdeutscher Bibelübersetzungen des 15. und 16. Jahrhunderts, zum andern auf der Analyse der Übersetzungstechnik spätmittelalterlicher Bibeltexte, insbesondere mit Bezug auf den lexikalischen und syntaktischen Bereich.

In ihrer 1991 erschienenen Dissertationsschrift zur sogenannten Bugenhagenbibel befaßt sich Ingrid Schröder mit der niederdeutschen Übersetzung der Heiligen Schrift durch den Reformator und Luther-Mitstreiter Johannes Bugenhagen, der den Text der Lutherbibel nach eigener Aussage „worde bi worde“ (Wort für Wort) ins Niederdeutsche überträgt. Die Bugenhagenbibel wird erstmals im Jahre 1534 in Lübeck gedruckt und erscheint bis 1622 in 25 zum Teil revidierten Auflagen. Ungeachtet ihrer Bedeutung für die (niederdeutsche) Sprach- und Literaturgeschichte stand die Bugenhagenbibel bislang weitgehend im Schatten der Lutherübersetzung und erfuhr in der Forschungsliteratur weitgehend pauschalisierende Geringschätzung, vor allem aufgrund ihrer engen Anlehnung an den Luthertext.

Die Untersuchung liefert erstmals eine kritische Edition und Kommentierung der Bugenhagenschen Übersetzung sowie Ausführungen zu deren Textgeschichte (Druckauflagen, Abhängigkeitsverhältnisse, Einfluß der Lutherausgaben auf den niederdeutschen Text). Hierbei konzentriert sich die Studie auf den Text des Pentateuch. Zudem werden übersetzungstheoretische und -technische Probleme behandelt, indem die Sprache der Bugenhagenbibel kontrastiv zur hochdeutschen Lutherbibel untersucht wird. Als Ergebnis zeigt sich ein differenzierteres Bild der Übersetzungsleistung Bugenhagens als bislang wahrgenommen, bei der sich trotz weitgehender Übereinstimmung mit dem hochdeutschen Ausgangstext vielfach das Bemühen um eine zielsprachliche Orientierung erkennen läßt.


Abbildung: Johannes Bugenhagen (1485 - 1558)

Schröder, I. 1987: Die Übersetzungsleistung Johannes Bugenhagens - Ein exemplarischer Vergleich mit der Lutherbibel, den vorreformatorischen niederdeutschen Bibeln und der Vulgata. In: Niederdeutsches Jahrbuch. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 110 (1987), S. 59-74.

Schröder, I. 1991: Die Bugenhagenbibel. Untersuchungen zur Übersetzung und Textgeschichte des Pentateuchs. Köln / Wien / Weimar. (Mitteldeutsche Forschungen, 105)


Ein zweites abgeschlossenes Editionsprojekt von Ingrid Schröder stellt die Herausgabe und Kommentierung der mittelniederdeutschen Evangelienhandschrift Qvatuor Evangeliorum versio Saxonica dar, einer um das Jahr 1480 im nordniedersächsischen Sprachraum verfertigte Evange¬lienübersetzung vermutlich klösterlichen Ursprungs (Buxtehude). Mit der Buxtehuder Evangelienhandschrift beschäftigen sich zudem unter übersetzungstechnischer Perspektive verschiedene Aufsätze, in denen Fragen der Übersetzung lateinischer partizipialer Konstruktionen ins Mittelniederdeutsche behandelt werden.

Schröder, I. 1992: Qvatuor Evangeliorum versio Saxonica. Ein Exempel mittelniederdeutscher Bibelübersetzung aus dem 15. Jahrhundert. In: Niederdeutsches Jahrbuch. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 115 (1992), S. 7-23.

Schröder, I. (Mitherausgeberin) 1992: Qvatuor Evangeliorum versio Saxonica. Eine mittelniederdeutsche Evangelienhandschrift aus dem 15. Jahrhundert. Textedition. In: Utermöhlen, B. (Red.): Eine Buxtehuder Evangelienhandschrift. Die vier Evangelien in einer mittelniederdeutschen Übersetzung des 15. Jahrhunderts aus dem Alten Kloster. Buxtehude, S. 99-266. (Buxtehuder Notizen, 5)


Übersetzungstechnische Fragestellungen bearbeitet ebenso die 2004 erschienene Dissertationsschrift von Andreas Bieberstedt. Anhand der Analyse mehrerer Bibelverdeutschungen des 14. bis frühen 16. Jahrhunderts werden hier die Übersetzungsmethoden sakraler Schriften des ausgehenden Mittelalter vorgeführt. Untersuchungsgegenstand bildet das Bremer Evangelistar, eine Perikopenübersetzung aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, als Vergleichstexte dienen fünf weitere Bibelverdeutschungen, einschließlich der frühesten Bibelübersetzung Martin Luthers (1522). Volkssprachige Perikopenbücher beinhalten Leseabschnitte vorrangig des Neuen Testamentes für die Sonn- und Feiertagspredigten und lassen sich dem breiten Spektrum spätmittelalterlicher religiöser Erbauungsliteratur zuordnen. Analysiert werden auf der Basis eines neuartigen übersetzungswissenschaftlichen Ansatzes Verfahren des Transfers lateinischer Infinitive, Partizipien, Gerundien und Nebensätze. Die Untersuchungsergebnisse eröffnen einen Blick auf die methodische Vielfalt spätmittelalterlicher Bemühungen um einen volkssprachigen Bibeltext, die von wörtlichen Wiedergaben bis hin zu kommunikativen und frei bearbeitenden Übersetzungen reichen.

Bieberstedt, A. 2004: Die Übersetzungstechnik des Bremer Evangelistars. Eine syntaktisch-stilistische Analyse unter Einbeziehung von Vergleichsübersetzungen des 14. bis frühen 16. Jahrhunderts. Berlin / New York: de Gruyter. (Studia Linguistica Germanica; 73)

Bieberstedt, A. 2001: Zur Syntax spätmittelalterlicher Bibelverdeutschungen vor Luther. Verfahren zur Umsetzung lateinischer Partizipialkonstruktionen in die deutsche Volkssprache. In: Gross, E. (Hg.): Bibelübersetzung heute - geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Anforderungen. Stuttgarter Symposion 2000. Stuttgart, S. 11-48. (Arbeiten zur Geschichte und Wirkung der Bibel; 2)



Abgeschlossene Forschungsprojekte / Forschungsschwerpunkte

Niederdeutsche Grammatik

Als Ergebnis dieses Projektes zur Erstellung einer niederdeutschen Gebrauchsgrammatik liegt seit 1998 die einbändige „Niederdeutsche Grammatik“ vor, in der sowohl sprachstrukturelle Aspekte (Lautung und Buchstaben, Wörter, Sätze, Textgrammatik) als auch Verwendungsregularitäten (Textsorten und Domänen) des Niederdeutschen behandelt werden. Das Projekt stellt eine Gemeinschaftsarbeit verschiedener namhafter Vertreter der Niederdeutsch-Philologie unter Koordination des damaligen Leiters der Abteilung NdSL an der Universität Hamburg, Prof. Dieter Möhn, dar und reicht in seinen Anfängen bis in die Jahre 1986/87 zurück.

Niederdeutsche Grammatik. Hg. v. Wolfgang Lindow, Dieter Möhn, Hermann Niebaum, Dieter Stellmacher, Hans Taubken u. Jan Wirrer. 1. Aufl., Leer, 1998.


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  Impressum   Letzte Änderung: 19. August 2008