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Inhaltsangaben zu:
Novellen von Ludwig Bechstein
Das reife Werk
Ludwig Bechstein
(*24.11.1801 Weimar +14.05.1860 Meiningen)
Ludwig Bechsteins Gesamtwerk enthält in allen drei Schichten so gen. „kleine Novellen“. Von der zeitgenössischen und der späteren Kritik (Gubitz, Wasserfall) wurde besonders das Frühwerk geschätzt. Es umfasst drei große Novellen-Sammlungen mit insgesamt 26 Novellen, die in enger zeitlicher Aufeinanderfolge erschienen. Es handelt sich um die Erzählungen und Phantasiestücke von 1831 (13 Novellen in 4 Bänden), die Novellen und Phantasiegemälde von 1832 (6 Novellen in 2 Bänden) und die Novellen und Phantasieblüthen von 1835 (7 Novellen in 2 Bänden). Mit der Anthologie Aus Heimath und Fremde (2 Bände 1839) als Übergang setzt auf dem Gebiet der Novelle das reife Bechstein-Werk ein. Hierher gehören Volks-Erzählungen (2 Titel in einem Band 1853), Hainsterne. Berg- Wald- und Wander-Geschichten (4 Bände 1853) und die berühmten Hexengeschichten (1854). Zum späten Werk gehören zumeist heitere Erzählungen wie Der gute Sohn (1854), Der Pechmüller (1854), Der Riese Wuth (1856), Der Almputz. Tiroler Alpensage (1856), Eine Alpenwanderung (1858), Spiritus familiaris (1859), Der Wunderdoktor von Schneeheim (1860), Das Terzl von Partschins (postum 1862), Der Zauberer von Plön (1862), Ein holder Wahn (1863) und Gemeiner Stadt Feinde (1863).
(Zu den Anmerkungen: Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.2. Das reife Werk
4.2.1. Inhaltsangabe zu: Ein lustiger Kaufhandel
In: Der deutsche Pilger durch die Welt. Ein unterhaltender und lehrreicher Volkskalender für alle Länder deutscher Zunge auf das Jahr 1850. 9. Jg. Stuttgart, S. 62-76. (Neudruck unter dem Titel: Schmalkalder Bohrer oder Ein lustiger Kaufhandel. Ein Jahrmarktsstücklein. Eisenach, Eifert und Scheibe, um 1910)
In Waldkappel (nicht, wie Bechstein sagt, an der Wohra, sondern am Zusammenfluss der Wehre mit der Schemmer gelegen) ist Jahrmarkt, und der Bürgermeister des hessischen Städtchens, Veit Hartmann, geht in Begleitung einiger Bediensteter von Bude zu Bude. Mit dem Eisenwarenhändler Valtin Ros aus Schmalkalden kommt er ins Gespräch und macht einige abfällige Bemerkungen über die Bohrer, die der zum Kauf anbietet. Ein wenig von oben herab fragt er nach dem Preis für die gesamte ungezählte Menge. Valtin Ros schlägt vor, dass der gestrenge Herr für den ersten Bohrer eine Erbse zahlt, für den nächsten zwei und immer so fort, für jedes weitere Werkzeug das doppelte. Hartmann ist sicher, dass der Schmalkalder nicht ganz „richtig unterm Hutdeckel“ ist, winkt den Säckelmeister, der gerade das Standgeld kassieren will, und den Stadtbüttel Hans auf Abstand und bietet dem Krämer großzügig ein ganzes gehäuftes Maß Erbsen für den gesamten Bohrervorrat an, weil der geklagt hat, dass in seiner Heimat die Erbsenernte verdorben und der Preis entsprechend hoch sei. Doch Ros besteht darauf, dass die „Erbes“ einzeln gezählt werden müssen, und erst, wenn dies nicht mehr möglich ist, mit einem genauen Gefäß abgefüllt werden dürfen. Hartmann streckt dem Bohrerverkäufer lachend die Hand zum Einschlagen entgegen, doch der wiegt bedenklich den Kopf und sichert sich 100 Taler für den Fall zu, dass der Kauf den Waldkappeler Bürgermeister gereuen sollte. Ros ruft einige Landsleute, die ebenfalls Bohrer verkaufen, als Zeugen für den abgeschlossenen Handel auf.
Wenig später wird in der Ratsstube, wohin Hartmann die Ware hat bringen lassen, gezählt und gerechnet. Der Bürgermeister lässt den Ratswirt um ein kleines Gefäß voll Erbsen, eine Tafel und Kreide bitten, und die anwesenden Senatoren lassen sich durch Hartmanns Bericht von seinem wohlfeilen Handel pflichtschuldigst erheitern: ein ganzer Berg Schmalkaldische Bohrer bester Qualität für aufgerundet so etwa ein Maß Erbsen! Nur einer lacht nicht mit, sondern sagt voraus, dass das Erbsenzählen sich in die Länge ziehen wird und alle Erbsenvorräte der Welt dafür nicht ausreichen werden. Seine Nachfrage fördert die Tatsache zutage, dass Veit Hartmann vom Phänomen der Progression keine Ahnung hat. Demungeachtet wird auf Vorschlag des Bau- und Brunnenmeisters Wein für alle ausgeschenkt und das Zählen beginnt. Schnell ist man beim zwanzigsten Bohrer und bei zwei Maß Erbsen als Preis dafür angelangt. Dem Bürgermeister wird heiß mit Blick auf die größere Hälfte der noch ungezählten Bohrer. Der einundzwanzigste Bohrer kostet nach billigstem Erbsen-Marktpreis bereits drei Reichsgulden, und der Bürgermeister wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Derweil wird eine neue Kanne Wein geholt, und der fünfundzwanzigste Bohrer schlägt mit hundertneunundachtzig Gulden zu Buche. Hartmann wird es zuviel, er schickt den Büttel nach dem Eisenhändler. Der gibt an, er habe 49 Böhrer verkauft, auf dem Tisch der Ratsstube finden sich jedoch nur 45. Indessen wird unter der Aufsicht des Ratskämmerers weitergezählt und ermittelt, dass der dreißigste Bohrer Veit Hartmann zweitausendeinhundertundneunundsechzig Gulden kosten soll. In diesem Augenblick führt der Stadtknecht Hans den Eisenwarenhändler herein, der sich anschnauzen lassen muss, weil nur 45 Bohrer vorliegen. Da ruft der Bau- und Brunnenmeister: Eine Maus unterm Stuhl!, und als der ängstliche Hartmann aufspringt, klappert es unter dem Tisch. Valtin Ros zeigt erleichtert auf die vier Bohrer, die mankiert haben. Hartmann überspielt den für ihn peinlichen Moment, indem er Ros beschimpft und ihm mit dem Halseisen droht. Doch der besteht beleidigt auf seinem ursprünglichen Angebot, dass der Bürgermeister mit 100 Talern Reukauf von diesem Handel zurückzutreten kann: Die müßt Ihr zahlen! Da fällt Hartmann das Marktzeichen ein, und der erschrockene Ros kann nicht nachweisen, dass er sein Standgeld bezahlt hat. Zwar erinnert er sich dunkel, dass der Bürgermeister ihm dies vor dem umstrittenen Kauf zu regeln versprochen hat, doch nützt es nichts: Er wird aus der Stadt verwiesen, und Hartmann flüchtet mit hochrotem Kopf an die frische Luft. Die zurückbleibenden Senatoren rechnen das Exempel zuende und kommen zu dem Ergebnis, dass ihr Ortsvorsteher eine Summe von achthundertdreizehn Millionen, vierhundertsiebenundachtzigtausend, sechshundert-fünfundneunzig Gulden zu zahlen gehabt hätte, wenn er sich seiner Verantwortung nicht entzogen hätte. Unter spöttischen Reden wird beschlossen, dieses Exempel zum ewigen Gedächtnis auf eine Tafel malen und in die Ratsstube hängen zu lassen. Dann trennt man sich mit hämischem Grinsen, nur der Bau- und Brunnenmeister stöbert noch in einem Schrank zwischen alten Briefsiegeln. Büttel Hans geleitet inzwischen den Krämer Ros an die Stadtgrenze und verpasst ihm dort zum Abschied einen kräftigen Tritt in Richtung seiner hessischen Heimat, so dass der Gedemütigte ihm und dem ungerechten Bürgermeister Rache schwört.
Als die Senatoren wieder mit ihrem Bürgermeister in der Ratsstube versammelt sind, ergeht Befehl, die unseligen 49 Bohrer wegen ungeklärter Besitzverhältnisse auf den Dachboden zu schaffen. Da bringt der Büttel ein in Wachstuch geschlagenes Päckchen, das an den gestrengen Herrn Bürgermeister persönlich adressiert ist. Es trägt ein stattliches Siegel, auf dem ein großer Ochse prangt. In Erwartung einer Geldrolle wickelt dieser schmunzelnd eine Lage Papier nach der anderen ab, bis der letzte Bogen reißt und klirrend 49 Maultrommeln auf den Ratstisch und die Dielen darunter fallen. Ahnungsvoll grinsen die Senatoren, und einer von ihnen zieht ein Briefchen aus dem metallenen Haufen. Es ist ein Gruß an den Ehrenhaften Herrn Bürgermeister, den großgünstigen Herrn und Förderer, der um Bezahlung der Schmalkaldischen Eisenware mittels einer Linse für die erste, zwei für die zweite Maultrommel usw. gebeten wird. Hartmann kollert wie ein Truthahn und wird auch so rot vor Zorn. Sogleich gibt er Anweisung, den Kram zu den Bohrern auf den Dachboden zu schaffen, doch alle andern sind dafür, das Spielzeug dem Kantor für seine Schüler zu übergeben. Hartmann ist überstimmt und stürmt in die Weinstube, wo der Paketbote auf seinen Lohn warten soll, aber der ist bereits über alle Berge. An diesem Abend brummt das Dorf nicht nur vom lieblichen Getön der Schmalkaldischen Maultrommeln, sondern auch vom Gelächter der Waldkappeler, die von nun an ihren Bürgermeister den Veit Erbiszähler nennen.
Wieder einige Zeit später sitzen die Stadtväter mit ihrem Oberhaupt in der Ratstube, als der Büttel einen Brief hereinbringt. Doch Hartmann ist vorsichtig geworden, vor allem fürchtet er die Streiche des Bau- und Brunnenmeisters und fragt also, ob der Briefbote noch da sei. Hans berichtet voller Ehrfurcht, es handle sich um einen Bediensteten in der Livré des regierenden Fürsten. Mit zitternder Hand öffnet Veit Hartmann das Siegel, das diesmal einen scharf geschnittenen Löwen mit gebleckter Zunge zeigt, und erwartet sich nichts Gutes aus der Kasseler Kanzlei. Zur großen Enttäuschung seiner Umgebung steckt er den Brief jedoch ungelesen in seine Westentasche, reibt sich an einer mit Perlmutt eingelegten Dose eine gute Portion Schnupfpulver und verlässt nach dreimaligem Niesen unter einem Vorwand eilig die Sitzung. Das Tabakröllchen und die Dose mit dem Reibeisen sind auf dem grünbezogenen Ratstisch liegengeblieben; der Bau- und Brunnenmeister ist der erste, der danach greift, um sich eine Prise zu genehmigen, und so tut ein jeder in der Runde, bis das braune Röllchen ganz aufgebraucht ist.
An einem ungestörten Platz öffnet Ehren Hartmann den Brief seines Landesfürsten Moritz von Hessen und findet zu seinem Schrecken eine Vorladung in Sachen Valtin Ros, den er um angemessene Bezahlung für seine Kramware geprellt haben soll. Auf dem Ritt nach Kassel stöhnt der Angeklagte und schimpft sowohl auf den Schmalkaldener Kläger als auch auf den Landesherrn. Kurz vor der feinen Residenz sind viele Leute auf dem Weg zum Jahrmarkt; Hartmann meint Schmalkaldener Dialekt zu hören und erlebt, wie ein Thüringer mit einem Reff auf dem Rücken drei Männer mit einer Schlange erschreckt, so dass einer rückwärts flüchtend gegen das Pferd des Bürgermeisters springt, und wie der Händler entschuldigend seine Kappe vor dem Reiter zieht, ist es Valtin Ros.
Am nächsten Morgen lässt Veit Hartmann seinen Kontrahenten eine ganze Stunde vor dem Verhandlungssaal warten und schreitet dann, prächtig herausgeputzt, ohne den Gegner und dessen Zeugen eines Blickes zu würdigen, an ihnen vorbei vor den Gerichtspräsidenten und seine geheimen Räte. Hartmann bietet dem Kläger 20 Gulden als Wiedergutmachung für den übereilten Kauf, doch Ros besteht auf den vereinbarten 100 Talern. Hartmann erhöht auf 30 Taler, Ros lehnt ab. In diesem Augenblick betritt der Landgraf Moritz höchstpersönlich den Gerichtssaal, nimmt Platz und lässt sich über den Stand der Dinge unterrichten. Dann deutet er an, dass er selbst als Knabe betrübliche Erfahrungen mit zu zählenden Erbsen gemacht habe und spricht ein weises Urteil: Hartmann muss die vereinbarte Summe ohne jeden Abzug zahlen, Ros erhält davon jedoch nur 441 Heller als den Gegenwert seiner 49 Bohrer und darüber hinaus ein gut Stück Geld als Entschädigung. Der Rest hat sich, so betont der Erzähler, verkrümelt.
Trotz des Verlustes von 100 Talern in Gold reitet der Waldkappeler Bürgermeister erleichtert über den Markt zurück und trifft dabei auf den Thüringer Schlangenverkäufer von gestern. Der bietet ein unfehlbares Mittel gegen Vipern- und anderes Gift zum Kauf an und beschmeißt des Bürgermeisters Hut und feinen Kragen dabei unter dem Gelächter der Leute mit halben Kröten und Schlangenschwänzen. Doch schon ertönt aus einer anderen Bude der Lärm einer Trompete, und der den Leuten nicht minder bekannte Jörg vom Harz preist in bunten Kleidern seinen noch viel größeren Kram an. In dröhnenden Versen beschimpfen sich die beiden Händler gegenseitig, und das Volk kommt auf seine Kosten. Als sie sich schließlich mit ihren Waren bewerfen, trifft noch einmal ein schwarzer Molch des Bürgermeisters Hut, doch schlimmer ist das herumfliegende Niespulver, das ihn bis vor den Stand des Valtin Ros verfolgt. Dem schleudert er bei der Reinigung seines Hutes die tote Kröte in sein Bier, beniest diese Rachetat und enteilt befriedigt, während Ros seine Bohrer zum Kauf gegen Erbsen anbietet: wie der Herr Bürgermeister zu Waldkappel kauft aber nicht bezahlt! [
] Riefs und niesete auch. Und damit, so der Erzähler, hat diese wahre Geschichte ein Ende (S. 76).
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.2.2. Inhaltsangabe zu: Ein deutscher Abenteurer
In: Der deutsche Pilger durch die Welt. Ein unterhaltender und lehrreicher Volkskalender für alle Länder deutscher Zunge auf das Jahr 1851. 10. Jg. Stuttgart S. 33-57
Nachdem sich der Erzähler und Titelheld vorgestellt hat, beginnt er von seinen Jugendschicksalen zu berichten. Nach der Lektüre des Robinson, aber wie er betont des „alten ächten“ (S. 33), zieht es ihn aus dem Hause seiner Stiefmutter fort und nach Hamburg, wo Verwandte ihn in der Braunwaldschen Weinhandlung unterbringen. Der Härte des Dienstes unter einem eher fühllosen Prinzipal ist der junge Mann jedoch nicht lange gewachsen; er kündigt unbedacht am Ende des Winters, kann noch eine Weile von dem gesparten Geld leben und befindet sich dann in einer ausgesprochenen Notsituation. Doch hat er das Glück, als einer von vielen Bewerbern für eine annoncierte Stelle der renommierten Weinhandlung Ahlers in Betracht gezogen zu werden. Bei diesem zweiten Anlauf in das Geschäft des Weinhandels übernimmt der junge Mann für seinen neuen Herrn selbständig die Führung einer Weinstube, bringt den Umsatz in die Höhe und ist froh über die finanzielle Anerkennung, mit der sein Einsatz belohnt wird. Doch hat der Großhändler Ahlers eine zänkische Hausfrau, und mit der und ihren fünf Haupteigenschaften Tugendhaftigkeit, Vorsicht, Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Strenge gerät der aufbrausende Kellner immer wieder aneinander. Eines Tages steigert sich der Streit derart, dass der Ich-Erzähler kündigt und mit dem Ersparten im Frühjahr 1806 auf Weltreise geht.
Sein erstes Ziel ist Bremen, und auf dem Weg dorthin trifft er Karl Pranner, einen jungen Handlungsgehilfen, dem er sich in Freundschaft verbindet. Da dieser in Bremen keine Anstellung findet, verzichtet der Erzähler auf das ihm dort gemachte Angebot und folgt dem Freund, der sein Glück in Amsterdam versuchen will. Beschwerlich wird die Reise in wechselnden Schiffen über Zwolle und Kampen. Auf der Etappe vor Amsterdam machen die Freunde die Bekanntschaft der anscheinend ganz unkomplizierten Klarisken Huygens, Karl verliebt sich und teilt mit, dass er zu seiner neuen Freundin ziehen wird. Der missmutige Ich-Erzähler lässt sich von einem anscheinend freundlichen Amsterdamer zu einem günstigen Gasthaus führen und freundet sich mit dem Wirt an. Dieser warnt ihn vor den so gen. Seelenverkäufern. Am nächstenTag lädt er seinen Gast zu einem Spaziergang ein, überredet ihn zu einer Bootsfahrt und verkauft ihn heimlich an ein holländisches Kriegsschiff. Fassungslos weinend lässt sich der Abenteurer als Matrosen einkleiden und sieht acht Tage später auch Karl Pranner an Bord kommen. Dieser hat ebenfalls eine Geschichte von Lügen und Verrat zu erzählen, die ihn schließlich auf das Schiff der verkauften Seelen führte.
Nach 17 Wochen des Wartens werden die Freunde auf verschiedenen Kriegsschiffen zum Einsatz gebracht. Des Erzählers Schiff liegt neben dem Pranners vor dem Texel, sehnsüchtig schaut der Abenteurer zum Festland hinüber, wo man mit der Heuernte beschäftigt ist. Es gelingt ihm, Pranner Zeichen zu senden und mit ihm zusammen Landgang zu bekommen.
Die insgesamt fünf Deutschen, die an diesem Tag von Bord gehen, sind sich einig. Sie schmieden einen Fluchtplan und können im Regen unbemerkt den ersten Wachposten passieren. Als die Nacht anbricht, wird die Desertion bemerkt. Zu allem Unglück verirren sich die Flüchtigen auf dem Weg zum zweiten Wachposten und verkriechen sich in einen der großen Heuhaufen, um einer Streife zu entgehen. Dann entkommen sie aus der überwachten Region durch einen langen Wassergraben, weil der Regen alle Fluchtgeräusche übertönt. Man trennt sich, nur der Erzähler und Pranner bleiben zusammen. Nach einer kalten, hungrigen Nacht erbetteln sich die Männer in dem Dorf Petten eine kleine Summe, mit der sie ins Wirtshaus essen gehen. Dort durchschaut sie ein Unteroffizier der Landstreitkräfte und rät ihnen, bei ihm in Dienst zu gehen. Die Freunde lassen sich anwerben, exerzieren fleißig, und der Ich-Erzähler bringt es bis zum Rang eines Korporals.
Als Napoleon den Krieg gegen Preußen beginnt, werden die Freunde erneut getrennt. Der Abenteurer zieht als Mitglied eines holländischen Linienregiments über deutsche Erde, doch fühlt er sich überall als heimatloser Fremdling (S. 43). In konsequenter Nordost-Bewegung geht es über Hamburg nach Vorpommern, wo vor Kolberg ein erster Kampf zu bestehen ist. Auf dem dann einsetzenden Rückzug findet der Erzähler, der es bis zum Unteroffizier gebracht hat, in Demenin zwei Kameraden, die mit ihm eine neue Desertion planen. Anders als vor der holländischen Küste werden die Flüchtenden von ganzen Kompagnien verfolgt, und nur sein einsames Ausharren in den Sümpfen der Peene rettet dem Abenteurer das Leben. Er schlägt sich nach Stralsund durch, erzählt dem General Blücher seine Geschichte und begibt sich in dessen Dienste. Doch schon bald beendet der Friedensschluss seine soldatische Karriere.
Es ist der Herbst 1807, als der Erzähler die neugewonnene Freiheit zu einer mühseligen Wanderung zurück in das ihm einst wohlgesonnene Hamburg nutzt. Herr und Frau Ahlers hören seinen Schicksalsbericht mit Anteilnahme und zögern nicht, den ehemaligen Angestellten wieder aufzunehmen. Der freut sich der geregelten Arbeit, folgt jedoch im Herbst 1808 seinem Heimweh. Neun Tage braucht der heimkehrende Sohn bis in die mittelfränkische Stadt Eisfeld, in der er den Vater immer noch unter der Fuchtel seiner starrköpfigen Frau leiden findet. Die Unfreundlichkeit dieser Stiefmutter stört auch den zunehmend unwillkommenen Gast, der sich an Weihnachten 1805 entschließt, mit seinem Vetter und drei Fuhrknechten auf einem Frachtwagen nach Lüneburg abzureisen. Trotz des winterlichen Wetters kommt die kleine Karawane wohlbehalten über die Mittelgebirge. Auf der Fläche der Lüneburger Heide jedoch erhebt sich ein gefährlicher Schneesturm. In letzter Sekunde, mit Einbrechen der Dunkelheit, erreichen die Menschen und Tiere einen Dorfkrug, wo man sich ihrer annimmt. Am nächsten Morgen geht es weiter nach Lüneburg; dort trennt sich der Erzähler von den Fuhrleuten und reist nach Hamburg weiter. Völlig überrascht erfährt der Abenteurer, dass er die Frist, in der Herr Ahlers ihm seine Stelle offenhalten wollte, nicht eingehalten hat.
Im Frühjahr 1808 nimmt der Erzähler in äußerster Not eine Bedientenstelle bei einem Kaufmann an und versorgt die Familie seines Prinzipals mit Eifer und Treue. Besondere Dienstfertigkeit bringt er der liebenswürdigen Jeanette entgegen. Als sich Herr Ahlers wieder mit einem Stellenangebot meldet, nimmt der Abenteurer einen schmerzlichen Abschied, doch nur, um mit dem gebotenem Anstand seine Jeanette wieder treffen zu können. Doch kann er nur ein Jahr bei Ahlers bleiben, dann zwingen die schlechter werdenden Zeiten den Weinhändler, sein Personal zu entlassen. Wieder lebt der Erzähler vom Ersparten, sein einziger Trost ist die Liebe zu Jeanette. Doch als die junge Frau seine Notlage bemerkt und finanzielle Hilfe anbietet, trennt er sich unter einem Vorwand von ihr und geht zur französischen Armee.
Deprimiert marschiert der Abenteurer bereits am anderen Morgen mit weiteren Rekruten zum Hauptsammelplatz in Magdeburg und soll von dort nach Lille in Flandern verlegt werden. Doch kommt es vorher zu einem handgreiflichen Streit mit einem Fourier, dem einige Tage Arrest folgen, und erst nachdem ein Bekannter sich für den Gefangenen verwendet hat, kann dieser mit dem nächsten Trupp nach Flandern entsendet werden. Als die Soldaten nach langer, anstrengender Reise in Lille ankommen, ist ihr Regiment bereits auf dem Weg nach Spanien. Mangelhaft ausgerüstet und vor dem Hintergrund verfallender, kaum bestückter Forts tun sie ihren Wachdienst. Endlich kommt, nach endlosen 17 Monaten, der Befehl, die holländischen Zeeland-Inseln einzunehmen. In deren morastigen Niederungen erkranken viele der Besatzer am kalten Fieber, zuletzt auch der Abenteurer.
Als Napoleon gegen Russland zieht, soll auch der Erzähler als Angehöriger eines Frankenregiments gen Osten geschickt werden. Doch nachdem Preußen sich auf die Seite des grtoßen Nachbarn gestellt hat, traut man den deutschen Soldaten nicht mehr, sie bleiben in Holland. Nach einer langen Zeit drückender Stille bringt der Rückzug der Franzosen Unruhe und Unordnung auch nach Holland. Ein Aufstand richtet sich gegen die französischen Besatzer, die Nahrung wird knapp. Der Erzähler wird einer Truppe zugeteilt, die neue Vorräte besorgen soll, und nutzt diese Gelegenheit mit den übrigen Deutschen zur Desertion. Als Anführer der sich ständig vergrößernden Freischar führt er seine Männer nach Den Haag und bittet den neuen Gouverneur um deutsche Pässe für sich und die ihm Anvertrauten; doch muss er sich nach einigem Zögern bereiterklären, ein weiteres Mal in holländische Dienste zu treten. Zu Schiff geht es nach Rotterdam und zu Fuß weiter nach Dortrecht. Dort wird der Abenteurer zum Offizier ernannt. Seine ständig wachsende Schar ist ununterbrochen im Einsatz gegen die noch im Lande verbliebenen Franzosen, und besonders im Winter empfindet er diesen Dienst als hart.
Ein Vorstoß des Generals Bülow und seiner Heere verjagt die Franzosen endgültig, und die Schar des Erzählers kann die Preußen dabei unterstützen. Dann sinkt vorübergehend seine Tätigkeit wieder zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit herab, bis er zur Einnahme von Amsterdam beitragen kann.
Nach dem Frieden von Paris wird der Erzähler mit seinem kleinen Corps nach Maestricht beordert. In der wieder einkehrenden Ruhe schreibt er an den Vormund von Jeanette, die ungeduldig darauf wartet, dass der Geliebte seinen Abschied vom Militärdienst nimmt. Prinz Wilhelm selbst stellt die Erlaubnis für die Demission aus, die im August 1814 vom Kriegsministrium in Gravenhage erteilt wird. Erneut ist der Abenteurer ein freier Mann und eilt nach Hamburg zu Jeanette, die er jedoch scheu und auf rätselhafte Weise verändert vorfindet. Herr Ahlers ist inzwischen Witwer und hat sein Weingeschäft an einen tüchtigen jungen Mann verkauft. Der Abenteurer lernt diesen wenig später kennen: Es ist Pranner. Bei Austern und Wein erzählt Karl von seinen Erlebnissen und prahlt mit der Schönheit seines Mädchens; diese ist bereits schwanger und heißt
Jeanette. Unter einem Vorwand verabschiedet sich der Erzähler, um den Vormund der Geliebten davon zu unterrichten, dass er sich aus dieser verratenen Verbindung zurückzieht. Sofort bricht er in seine Heimatstadt auf, heiratet seine Jugendliebe und gründet ein eigenes Weingeschäft. Die Thüringerin Heldreich wird eine verlässliche Stütze und hört nicht auf, sich für seine Reiseberichte und Lebenserinnerungen zu interessieren.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.2.3. Inhaltsangabe zu: Die Kinder der Zeit. Novelle
In: Perlen. Taschenbuch romantischer Erzählungen. Neue Folge. Nürnberg (H.A. Pierer) 1851
I. Im Berlin des Jahres 1847. Constanze von Welden, die Tochter des konservativen Ministers Freiherr von Welden, und Hermann (Armin) Ernesti, der Freigeist und politische Himmelsstürmer, erleben eine heimliche Liebe, die solange keine Zukunft hat, wie Ernesti keine feste Anstellung im höheren Staatsdienst gefunden hat. Während sich Constanze ihrer Freundin Arete anvertraut, wird das Ansinnen Ernestis von dem Minister ein für alle Mal zurückgewiesen. Ein Freund, der Student Meermann, und ein weiterer Gesinnungsgenosse, der Privatdozent Dr. Goldner, besprechen die aktuelle politische Lage nach der Thronrede des preußischen Königs mit ihm.
Derweil wartet Constanze bei ihrer Freundin Arete Burkhart auf den Geliebten. Um der Anspannung Herr zu werden, singen die beiden Frauen drei Auferstehungslieder zum Klavier, die von den drei Freunden gedichtet und eilig komponiert wurden. Sofort erkennt Constanze die klagende Stimme Ernestis aus seinen Versen, da bringt ein Bote dessen Abschiedsbrief. Er gibt Constanze ihr Verlobungsversprechen zurück, er wird sich seinen politischen Aufgaben widmen und glaubt eher an ihr zukünftiges Glück als an das eigene. Arete ist froh, die Freundin angesichts dieses Schicksalsschlages gefasst zu erleben. Da kehrt ihr Gatte heim mit der Botschaft, Ernestis Freund, der Pole Jaromir Kochenczki, sei von Unbekannten aus seinem Kerker befreit worden.
Die Flucht der beiden Freunde gelingt. Auf dem Weg in die Hauptstadt des revolutionären Frankreich tauschen die beiden im Streit ihre unterschiedlichen politischen Ansichten aus. Ebenfalls auf unterschiedliche Weise wehmütig nehmen sie Abschied von der Heimat, als sie den Rhein überqueren. Dann beginnt Ernesti, dem Leidensgenossen die Fluchtgeschichte eines August Ludwig zu erzählen, der aus unmenschlicher Untersuchungshaft in Frankfurt auf eine Weise befreit wurde, die Kochenczki als dieselbe erkennt, der er selbst seine Freiheit verdankt. Arete Burkhart war es, die den Flüchtling Ludwig damals in ihrer Begleitung außer Landes und nach Paris brachte.
Die Freunde leben sich schnell in Paris ein, finden Möglichkeiten, ihren Unterhalt zu verdienen und bleiben eng verbunden. Aus Sicherheitsgründen haben sie ihre Namen und Papiere getauscht. Am Vorabend des Befreiungsfestes feiern sie im Garten des Palais Royal. Sie sind in Begleitung der jungen emanzipierten Französin Gabriele d'Orley, die sich in Herrenanzüge kleidet und Zigarren raucht; die drei jungen Menschen geniessen die unbeschwerten Gespräche dieser Julinacht. Doch schon bald verschlechtert sich die politische Lage in ihren Heimatländern, und die Freunde tragen Trauer, um ihrem Bekenntnis für die Freiheit in Deutschland, Polen und Frankreich Ausdruck zu verleihen.
II. In Deutschland ist inzwischen die Zeit der Sängerfeste angebrochen, und auch der Minister von Welden plant eine Reise mit seiner Tochter Constanze und dem befreundeten Ehepaar Burkhart nach Eisenach und zur Wartburg. Man nimmt die Eisenbahn, und von Welden hält nicht mit seiner Meinung über die Städte zurück, die an der Fahrtroute liegen: Halle, Merseburg, Weissenfels, Naumburg, Weimar, Erfurt. Hinten im Zug in der dritten Klasse reisen Meermann und Goldner, und deren Kommentare fallen ganz anders aus. Bei einem Halt in Gotha erkennen Constanze und Arete die beiden Freunde von Ernesti auf dem Bahnsteig, und man vereinbart ein heimliches Treffen.
Während von Welden sich nach der Ankunft in Eisenach müde in sein Quartier zurückzieht, erleben die Burkharts mit Constanze und den beiden Männern den Vorabend des Sängerfestes in der Hoffnung auf endliche Verwirklichung der deutsch-nationalen Einheit. Am nächsten Tag betrachten die hohen Herrschaften den Festzug der Chöre und Liedertafeln von den Fenstern ihres Gasthauses aus, während sich Meermann und Goldner ins Getümmel stürzen.
Wenig später in Paris trifft Ernesti auf Goldner, der für wissenschaftliche Arbeiten in die Weltstadt gekommen ist, und spricht mit ihm über die zarte Beziehung zwischen Kochenczky und Gabriele; dabei bemerkt Goldner überrascht, dass Ernesti unter dem Namen seines polnischen Freundes in Frankreich lebt. Unterdessen studiert Constanze eifrig die französischen Zeitschriften auf der Suche nach den literarischen Arbeiten des fernen Geliebten, und findet in einem Modejournal einen Artikel über die spektakuläre Freundschaft zwischen dem deutschstämmigen Ernesti und der schönen Emanze Gabriele. Die Verzweiflung, in die sie diese Nachricht stürzt, kann erst ein Brief von Goldner an Arete mildern, in dem er über den Namenstausch des Geliebten und dessen unwandelbare Treue berichtet.
Am Nachmittag des 19. Februar 1848 sitzen in Paris in freundschaftlicher Runde Ernesti, Gabriele, Kochenczky und der endlich wieder aufgefundene Exilliterat August Ludwig beisammen. Goldner unterhält sie mit altem, aber hochaktuellem Lesestoff und seinem stereotypen: Alles schon dagewesen! Dann beschließt man, die Dienste einer Wahrsagerin in Anspruch zu nehmen. Ergriffen verfolgen die Freunde im Spiegelkabinett einer berühmten Kartenlegerin die Schau der französischen Könige, die mit der Darstellung von Napoleons Hut endet. Noch während auf Gabrieles Wunsch die Karten nach dem künftigen Schicksal Polens gefragt werden, entsteht draußen ein Tumult. Die Freunde beobachten vom Pantheonsplatz aus, wie hungernde Arbeiter protestierend durch die Straßen ziehen und von einem stetig wachsenden Aufgebot an Ordnungskräften notdürftig in Schach gehalten werden. Ein farbenglühendes Abendrot legt sich indessen wie eine Feuersbrunst über die unruhige Stadt.
III. Die Freunde bewegen sich mitten in dem brodelnden Hexenkessel des revoltierenden Paris. Unter der Führung der ortskundigen Gabriele, die eine Fahne vor der kleinen Gruppe herträgt, nehmen sie an der Protestveranstaltung im Palais des umstrittenenen Ministers Guizot teil. Ein Versuch der herrschenden Kräfte, das empörte Volk zu täuschen, lässt aus der Revolte unter dem Donner eines Frühjahrsgewitters eine Revolution werden. Während Goldner in der relativen Ruhe seines Quartiers an die Freunde daheim schreibt, fällt Gabriele vor dem Palais Royal durch den Schuss eines Königstreuen und wird von Ernesti und Kochenczy aufgebahrt und betrauert.
Wieder in Deutschland sprechen die politisch Gleichgesinnten über den dramatischen Tod einer Frau, deren Leben sie als verfehlt, weil unweiblich betrachten und doch von Herzen respektieren können. Die aufrührerische Stimmung, die sie in Frankreich erlebt haben, bricht sich allmählich auch in den meisten deutschen Staaten Bahn. Ludwig geht in das antipreußisch eingestellte Frankfurt, ohne seine Retterin Arete wiedergesehen zu haben, und Ernesti erhofft für sich selbst den ersehnten persönlichen und politischen Durchbruch, nachdem überall auf deutschem Boden der Ruf nach nationaler Einheit lauter wird. Bei der treuen Freundin Arete kann er sich mit Constanze treffen und ihr von Gabrieles Tod berichten. Dabei erfährt er, wie der konservative Minister von Welden nicht ohne Sympathie auf die neuen Entwicklungen blickt, sich jedoch dabei wie viele seiner Kollegen so unsicher fühlt, dass die Tochter seinen politischen Fall befürchtet. Ernesti tröstet die Geliebte und verspricht ihr seinen Schutz. Derweilen beobachtet Goldner mit Sorge, wie in Berlin auch radikale politische Gruppen Fuß fassen, die jeglicher Fürstenmacht ohne Unterschied den Kampf angesagt haben.
Ernesti hat durch Burkharts Vermittlung eine Anstellung im Büro eines fortschrittlichen Mannes gefunden, die ihm sogleich zusagt. Meermann und Kochenczky treffen sich mit den gemäßigten Reformern in der Nähe des Brandenburger Tores. In die angespannte Ruhe zwischen reformerischen Kräften und massierter Militärmacht fällt die Nachricht vom Sturz Metternichs und den Erfolgen der österreichischen Freiheitskämpfer wie ein zündender Funke. Überall in Berlin entstehen nach Pariser Vorbild Straßenbarrikaden, die Ordnungskräfte erweisen sich als hilflos angesichts der Wut der Massen. Doch die Flugblätter mit dem Königlichen Patent, das auf alle Forderungen der aufgebrachten Menge eingeht, sorgen zunächst wieder für Ruhe. Von Welden hat das Patent mit unterzeichnet, aber dennoch suchen seine Getreuen die Familie in Sicherheit zu bringen. An Ernesti tritt ein Bote seines (namentlich niemals genannten) Gebieters heran, der ihn in geheimem Auftrag fortsendet. Unterdessen kämpfen die übrigen Freunde mitten im Getümmel, Meermann wie unter einem guten Stern, der ihn vor Verwundung und Tod behütet, Kochenczky jedoch stirbt in den Armen von Goldner, nachdem ein fallender Barrikadenbalken sein Gesicht furchtbar entstellt hat.
Constanze lebt in großer Unruhe, weil jede Nachricht von Ernesti fehlt. Auch Goldner kann der ängstlich Nachfragenden keinen Bescheid geben. Da beschließt sie, sich ihrem Vater gegenüber zu dem Geliebten zu bekennen und ihn unter den in einer Kirche aufgebahrten Kriegstoten zu suchen. Bei den besonders grausam Verstümmelten findet sie einen Mann, dessen Visitenkarte ihn als Armin Ernesti ausweist und glaubt, den Verlobten gefunden zu haben. Da eröffnet ihr Vater der völlig Verzweifelten, dass sie ein zweites Mal der Verwechslung der Namen und Personen zum Opfer gefallen ist: Ernesti lebt und hat schriftlich um ihre Hand anhalten lassen, die von Welden dem geläuterten Gegner nicht verweigern will. So mischen sich Constanzes Freudentränen mit dem Jubel des befreiten Volkes. Ein letztes Mal zieht Goldner ein Buch aus der Tasche und bekennt sich mit den Worten von Friedrich Ludwig Jahn zu einer Freiheit im Bunde mit Recht und Sitte, d.h. für eine deutsche Einheit im Geist, ein friedliches Miteinander der Völker und Fürstentümer und für den Verzicht auf eine deutsche Republik.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
4.2.4. Inhaltsangabe zu: Volks-Erzählungen. Altenburg (H.A. Pierer) o. J. (1853)
VoErz 1 Inhaltsangabe zu: Das Fest des Prinzen
1. Der Prinz und der Dichter.
In der Umgebung von Wien, auf dem Herrensitz Schloss Hof, will der Generalfeldmarschall Joseph Friedrich Hollandinus, Herzog zu Sachsen Hildburghausen, im September des Jahres 1753 ein rauschendes Fest geben. Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz I. von Österreich sind als die höchsten Gäste geladen. Der Gastgeber wandelt mit seinem Freund, dem Abbé Metastasio, durch den Schlosspark und bespricht die geplanten Aufführungen von zwei Werken des geistlichen Dichters. Auch die privaten Verhältnisse des Herzogs kommen zur Sprache: Seine Gattin Anna Vittoria von Savoyen hat ihn verlassen, und die angebetete Sängerin Viktoria Tesi erwidert zwar seine Liebe, weigert sich jedoch, seine Geliebte zu werden.
2. Der Kaiserhof.
Nach der Ankunft der Hoheiten führt Joseph Friedrich die verehrte Kaiserin zu Tisch und dann in den festlich hergerichteten Park. Bedeutende Persönlichkeiten befinden sich in ihrem Gefolge, die sich sogleich in politische Gespräche vertiefen.
3. Il vero Omaggio.
Dort wird auf einer Freilichtbühne das Stück Die wahre Huldigung von Abbé Metastasio aufgeführt. In die rührende Schluss-Szene hinein kommt verspätet der Kronprinz Joseph an, und aus der allgemeinen Zufriedenheit mit der Aufführung wird jubelnde Begeisterung. Im Schloss folgt ein kleines Musikspiel, Die unbewohnte Insel, bei dem die Tesi eine der vier Partien singt. Anschließend geht die vornehme Gesellschaft zur Ruhe, das Künstlervölkchen jedoch neckt noch den jungen Geiger und Komponisten Sepperl wegen seiner schüchternen Liebe zur schönen Amande, die allerdings von ihren Eltern für ein Leben im Kloster bestimmt wurde. Noch in der Nacht singt der begabte Musiker der Angebeteten ein inniges Ständchen mit seinem selbstkomponierten Lied: Gott erhalte dich, mein Leben.
4. Stromfahrt.
Am nächsten Tag führt die Kaiserin politische Gespräche am Rande der Festlichkeiten, die schon auf den nahenden siebenjährigen Krieg vorausdeuten. Dann geht die Gesellschaft an Bord geschmückter Schiffe.
5. Edles Weidwerk.
Es folgt ein originelles Jagdvergnügen, bei dem die Hirsche und Rehe zum Bestandteil eines Gartenarrangements gemacht werden, doch fällt auf Wunsch Maria Theresias kein Schuss.
6. Le Cinesi.
Inzwischen ist im Schlosstheater die Bühne kostbar und im Geschmack der Zeit für das Musikstück Die Chinesen hergerichtet worden. Bei den Vorbereitungen für die Aufführung kommt es zu einem Treffen zwischen Joseph Friedrich und der Tesi, die nichts von ihrem Jugendzauber eingebüßt hat, jedoch die leidenschaftliche Werbung des Herzogs erneut zurückweist. Die anschließende Vorstellung wird ein umjubelter Erfolg, und Sepperl gewinnt von seiner Amande ein Lob für sein schönes neues Lied.
7. Naumachie und Zauberinsel.
Der Höhepunkt des nächsten Tages ist ein aufwendiges Wasserfest, bei dem die Majestäten zu silbern gekleideten Fischerpaaren auf eine schwimmende Insel treten und den verantwortlichen Ingenieur begeistert zum Major ernennen. Alsdann wird ein Wettschießen auf einmalige Art mit einem Feuerwerk verbunden.
8. Das Bacchanal.
Schließlich kommt es zu einem allegorischen Finale auf dem Schlosshof. Dabei tritt Sepperl mit seiner Violine besonders erfolgreich in Erscheinung: Sein Geschenk an den Kaiser Franz ist das Lied: Gott erhalte Franz den Kaiser, und hier wird klar, dass es sich um den jungen Joseph Haydn handelt, dem eine große Zukunft, leider ohne die geliebte Amande, prophezeit wird. Zufrieden verteilt das Kaiserpaar seine Belohnungen; der Gastgeber wird zum Reichs-Generalfeldmarschall befördert, doch spürt er inmitten der allgemeinen Freude seine Einsamkeit umso schmerzlicher.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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VoErz 2 Inhaltsangabe zu: Ein deutscher Halbwisser
Das geschilderte Geschehen spielt in der politisch bewegten Zeit zwischen 1846 und 1848. Christel Schirmer ist ein junger Thüringer mit guten Anlagen, der jedoch durch schlechte Gesellschaft und seinen Hang zum Alkohol auf einen ungünstigen Weg gerät. Zwar hat er das Gymnasium in Schleusingen besucht und liest viel, verfasst auch Gedichte und mischt sich in die Tagespolitik ein. Doch bleiben seine Kenntnisse zufällig, seine Ansichten ungereimt, und seine Gedichte sind einfach schlecht. Da er sich auch nicht zu regelmäßigem Arbeiten entschließen kann, wandert er mit einem Gleichgesinnten, seinem Freund Plutzer, nach Amerika aus, wo er nach dem Diebstahl seines Reisesacks in ein kurzes Arbeitsverhältnis findet und bei dem Versuch, sich für das Ersparte eine Farm zu erwerben, auf hinterhältige Weise betrogen wird. Zusammen mit Plutzer und einem wiedergefundenen Bekannten aus der Schleusinger Zeit, Escher, tritt er in eine Söldnerarmee ein und muss große Strapazen im Krieg der Staaten gegen Mexiko auf sich nehmen. Die jungen Leute werden mit wertvollem Landbesitz entlohnt, da sie aber die Anstrengung der Landarbeit scheuen, kehren sie nach New York zurück. Nach einer gewissen Zeit in dubiosen Beschäftigungen (Schirmer unter anderem als Gehilfe einer der miteinander verfeindeten Wahrsagerinnen von New York und Plutzer als Pillendreher) wird Escher tot in seinem verwahrlosten Quartier aufgefunden; er hat sich selbst ums Leben gebracht. Bei dieser Gelegenheit wird klar, dass er der Dieb war, der am Anfang des Amerika-Aufenthalts die Reisesäcke der Freunde stahl. Schirmer bekommt Heimweh nach Deutschland und versucht für sich und den verbliebenen Freund mancherlei Wege, das Geld für die Rückreise aufzubringen, doch vergebens. Empört ist er über einen Brief aus Deutschland, der ihm unverblümt mitteilt, Leute wie er würden in den politischen Umbruchzeiten dort nicht gebraucht. Freund Plutzer nennt den über diese Beleidigung maßlos Tobenden noch einmal einen Halbwisser und trennt sich von ihm. Er kann sich in eine Heirat mit einer der Wahrsagerinnen flüchten und macht einen Handel mit fragwürdigen medizinischen Wundermitteln auf. Christel verfällt dem Wahn.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
4.2.5. Inhaltsangaben zu: Hainsterne. Berg- Wald- und Wandergeschichten. (C.E.M. Pfeffer) Halle 1853
HainSt I 1 Inhaltsangabe zu: Der Pfarrer von Meslar. Rhöngebirgsgeschichte
Die Einwohner des Rhöndorfs Meslar sind unzufrieden mit ihrem groben, hauptsächlich an weltlichen Dingen interessierten Pfarrer Rudolph Gallenius. Statt zu studieren, spielt er Karten und geht viel auf die Jagd. Eine Klage an höherem Ort, verbunden mit der Bitte um Absetzung, wird vorbereitet. Besonders der Dorflehrer und Küster Thalborn betreibt diese Klage, weil der Geistliche dessen Tochter Marianne zur Aufwartung zwingt und ihr auch als Mann zu nahe tritt. Die junge Frau liebt jedoch den armen Häuslerssohn Florian Huhn und verlobt sich mit ihm, als er durch eine Erbschaft in den Stand versetzt wird, seinen Meister zu machen und einen einfachen Hausstand zu sichern. Doch bevor dieses Glück sich erfüllt, eskalieren die dörflichen Querelen: Gallenius fühlt sich gestört durch das nächtliche Rufen des Wächters und durch die Lieder der Dorfjugend unter der Linde. Daraufhin spielt man ihm einige Streiche, und der Eifersüchtige steigert sich so in seine Wut hinein, dass er einen Schuss auf die jungen Leute abgibt und den zufällig dazukommenden Florian tödlich trifft. Er wird auf Florians Wunsch dennoch gerufen, diesem das Sterbesakrament zu geben, und liest am Folgetag, innerlich versteinert und ohne die Kraft für ein Gefühl der Reue, ungerührt die Messe. Dann wird er abgeführt.
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HainSt I 2 Inhaltsangabe zu: Das unsichtbare Mädchen. Thüringer Berggeschichte
Ein junges Paar, Ferdinand und Amalie Klarmann, wandert mit dem alleinstehenden Freund und Dichter Heinrich Wieneck durch den Thüringer Wald. Die jungen Leute geniessen die Schönheit der Natur und führen tiefe und zugleich heitere Gespräche über ihre unterschiedlichen Auffassungen zum Ideal des Romantischen". Als sie Quartier in der nahen Stadt suchen, müssen sie sich wegen des Volksfests, das gerade die Massen anzieht, mit zwei kleinen Zimmern zur Gartenseite des vornehmen Hotels begnügen. Wienek betrachtet geheimnisvoll berührt die Ausstattung des ihm überlassenen Privatzimmers, die auf eine weibliche Bewohnerin deutet. Dann kauft er sich im selben Hotel eine Eintrittskarte für das Unsichtbare Mädchen", eine Art Jahrmarktspaß, bei dem eine Frauenstimme aus einer kleinen Metallkugel die geflüsterten Fragen der Besucher beantwortet. Erneut ergreift den jungen Poeten eine tiefe Rührung angesichts der Antworten, die er erhält. Als er das Zimmer der Freunde aufsucht und von seinen Erlebnissen berichtet, wird er gastfreundlich und verständnisvoll empfangen. In der Nacht hat er seltsame Träume von einer singenden Frau in weißem Schleiergewand, die die Bewohnerin des Zimmers zu sein scheint und doch, als sie sich vom Flügel weg und für einen Kuss ihm zuwenden will, den Schauer des Todes um sich verbreitet. Beim Frühstück kann er auch diese Erfahrung mit den Freunden besprechen, genießt dann mit ihnen ein Sängerfest und spricht sich bei dieser Gelegenheit für eine fürstenfreundliche Sängerpolitik aus. Drei Jahre später kehrt er in jene Stadt zurück, erbittet dasselbe Zimmer und erfährt, dass die Bewohnerin Aurora nicht mehr unter den Lebenden weilt. Im selben Augenblick wird ihm ein Brief von Amalie gebracht, in dem sie ihm den Unfalltod Ferdinands mitteilt. In seinem Kondolenzbrief an die vertraute Freundin wechselt er am Schluss vom Sie zur Du-Anrede. Später heiraten die beiden.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HainSt I 3 Inhaltsangabe zu: Jägerzauber. Eine Waldgeschichte
Der Forstgehilfe Leopold Hoelein lässt sich bei seinem ersten Gang durch das neue Jagdrevier allerhand Jägerlatein von dem alten Kreiser Hörschelmann erzählen, insbesondere warnt der ihn vor den Wilddieben aus dem Nachbarort Schwallungen. Nur wenig später macht Hoelein die Bekanntschaft des einschlägig verdächtigen Heinz Fuld, als er seiner Angebeteten Lieschen Rockenbach einen Besuch im Hause ihrer Mutter abstattet. Sofort flammt Feindschaft zwischen den jungen Männern auf, die sich beide für die zarte Frau interessieren. Bei dem anschließenden ländlichen Tanzfest zeigt Lieschen dem Jäger, dass sie ihn bevorzugt, und der eifersüchtige Heinz entführt und tötet zusammen mit seinem Bruder Hoeleins Jagdhund und lauert dem Wehrlosen auf seinem Heimweg durch den nächtlichen Wald auf. Es kommt zum Kampf auf Leben und Tod, Leopold wankt heim in der Überzeugung, den unerkannt gebliebenen Angreifer erschossen zu haben. Beim Kontrollgang mit seinen Vorgesetzten am nächsten Morgen wird jedoch zur allgemeinen Erleichterung kein Toter gefunden, die Spuren zeigen vielmehr, dass ein dritter Mann einen Leichtverletzten abtransportiert hat. Der Verdacht fällt erneut auf die Brüder Fuld. Es kommt zu einer richterlichen Untersuchung, bei der die Fulds sich herauszureden wissen, jedoch muss Heinz für einige Zeit in Untersuchungshaft. Hoelein wechselt inzwischen zu seiner Sicherheit das Revier, bekommt vom neuen Herrn eine Unterförsterstelle und heiratet sein Lieschen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HainSt II 1 Inhaltsangabe zu: Der Heerwurm und die Wildschützen. Thüringerwaldgeschichte
Ein betagter (nicht genannter) Landesfürst sitzt beim Jagdfrühstück seinem (ebenfalls nicht genannten) Minister und Geheimrat gegenüber, beklagt sich über den Wilddiebstahl in seinen Waldungen und verdächtigt insbesondere den alten Wulf Keßler und seine Söhne. Der Geheimrat lässt sich am nächsten Tage vom alten Wulf durch das Revier führen, fragt ihn nach jägerischem Aberglauben und Zaubermitteln, und nach anfänglichem Zögern spricht der Alte freimütig vor allem von der Kunst, sich unsichtbar zu machen. Nach einem einsamen Abstecher des Gastes in ein ihm wohlbekanntes Tal führt Wulf ihn zur Hütte eines Einsiedlers, in deren Nähe die Männer dem gefürchteten Heerwurm begegnen. Zum Erstaunen der beiden Einheimischen betrachtet der Städter das Gebilde ohne Angst, fasst es an und zeichnet es. Bald erklimmen die Wanderer eine Höhe, auf der sich eine Menschenmenge zu einem Volksfest versammelt hat. Sie feiern eine Weile mit, Wulf verabredet sich mit seinen Söhnen auf eine heimliche nächtliche Hirschjagd. Nach einigen mineralogischen Exkursionen trennt sich der vornehme Wanderer von seinem Führer, der gut bezahlt, aber völlig ermattet auf einem Moospolster im Wald einschläft. Er träumt unangenehm und erwacht völlig zerschlagen erst bei sinkendem Tageslicht, so dass er zur verabredeten Jagd der Wilddiebe zu spät ins Tal kommt. Seine Söhne erlegen indessen mit ihren Helfern zwei kapitale Hirsche und verstecken sich damit hinter der Hütte des Einsiedlers, wo die zuständigen Förster mit ihren Hunden sie trotz argwöhnischer Nachsuche nicht entdecken. Der Fürst verunglückt in der Nähe von Wulfs einfacher Behausung mit seinem Jagdwagen, flieht vor dem Regen ins Haus und trifft den Alten krank und bettlägerig an. Obwohl es verdächtig nach Wildpret riecht, beschenkt er die gesamte Familie großzügig: Die Tochter bekommt eine Aussteuer, die Söhne werden herrschaftliche Bedienstete und schwören der Wilddieberei auf Bitten ihres geläuterten Vaters ab. Am Schluss wird auch der vornehme Wanderer über seinen Enkel identifiziert: Es war Goethe.
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HainSt II 2 Inhaltsangabe zu: Irrthum laß los der Augen Band. Erzählung aus dem Saalthale
Eine Hochzeit.
Eine kleine, ungenannt bleibende ehemalige Residenzstadt. Der Pfarrer Oskar Friedmann gesteht seiner langjährigen Freundin Luise Arold an dem Tage, an dem er sie getraut hat, wie viel sie ihm bedeutet. Sie rät ihm, die ernste Kantorstochter Friederike Scheibe zu heiraten, aber die ist ihm ... zu groß.
Eine Lustpartie.
Die schöne, leichtsinnige Franziska Mäurer hat sich mit dem Förster Eduard Weidner verlobt. Dies sieht der Baron von Bärenstein ungern, denn er veranstaltet das Sommerfest auf seinem etwas verfallenen Herrensitz Käsewitz eigentlich nur, um dem angebeteten F zu imponieren. Die Lustpartie endet mit einem großen Feuerwerk, bei dem die alte Scheune Feuer fängt und abbrennt; die Gäste können sich gerade noch retten. Trotzdem hat Bärenstein Franziskas schwankendes Herz gewonnen, Weidner muss sich zurückziehen.
Die Verlobung.
Friedmann hat inzwischen mit Luises Hilfe einen Briefwechsel mit deren Schwester Clementine begonnen und sich schwärmerisch in diese schöne Seele" verliebt. Er ist entschlossen, sich mit der Thüringer Dörflerin zu verloben, ohne sie gesehen zu haben. Clementine nimmt seine briefliche Werbung an, will sich aber mit dem bewunderten Prediger und Briefeschreiber treffen, bevor endgültige Entscheidungen fallen. Im Mäurerschen Hause feiert man indes Franziskas Verlobung mit einem neuen, dritten Verehrer. Betroffen stellt Luise Arold fest, dass Franziska auch diesen Simplicius Heumann ohne jeden Respekt behandelt.
Der Polterabend.
Tatsächlich wendet sich Franziska bei der Feier am Vorabend ihrer Hochzeit brieflich an den überraschten Kaufmannsdiener Lewald und bittet ihn, sie aus der Verbindung mit dem hässlichen Heumann zu befreien. Aufgedreht veranlasst sie sodann Friederike, die Sagen vom Wassermann und vom Wechselbalg zu erzählen. Heumann hört diesen Anzüglichkeiten teilnahmslos zu. Diaconus Friedmann fährt derweil mit sehnsuchtsvollem Herzen in den Thüringerwald hinauf, die verehrte Freundin und ihre Schwestern zur Hochzeitsfeier abzuholen. Zunächst verwechselt er die jüngere, blühende Rosalie mit seiner eher farblosen Verlobten, und so gerät die erste Begegnung mit Clementine zur Peinlichkeit und tiefen Enttäuschung für beide Seiten. Das Fest bei Mäurers endet mit einem traditionellen Spiel, bei dem Friederike als die nächste Braut nach Franziska ermittelt wird.
Die Reise.
Die turbulente Rückfahrt mit den drei Frauen und ihrem umfangreichen Gepäck in der engen Kutsche überfordert Friedmann völlig; sie endet mit seinem geistigen Zusammenbruch und endlosen Tränen auf Seiten der Frauen. Auch Luise ist kaum mehr in der Lage, die Situation im Haus ihrer Pflegemutter, der alten Frau Mäurer, zu übersehen: Franziska hat das Fest verlassen und tauscht Zärtlichkeiten mit Lewald aus, ihr Abschiedsbrief an Heumann wird Luise ausgehändigt, die sich nicht entschließen kann, ihn dem Empfänger zu übergeben. Auch die übrigen Gäste beginnen zu ahnen, dass die geplante Hochzeit nicht stattfinden wird.
Schluß.
Franziskas Mutter ist die letzte, die die Zusammenhänge begreift. Weidner hat Friedmann nach Hause gebracht. Der Pfarrer erholt sich nur langsam; er wird aber vollständig gesund, als die ursprünglich verschmähte Friederike einwilligt, seine Frau zu werden. Ein leichtfertiger Brief der inzwischen mit Lewald verheirateten Franziska kann die gute Laune im Hause Arold nicht trüben, nachdenklich wird Frau Luise jedoch, als die Nachricht eintrifft, dass ihre jüngste Schwester Rosalie sich mit deren letztem Verflossenem, dem fischäugigen Herrn Simplicius Heumann, verlobt hat.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HainSt III 1 Inhaltsangabe zu: Der Spielmann vom Thüringer Walde
Teil I: In der Ortschaft Schmiedefeld necken die jungen Leute die schöne Häuslerin Lischen, weil sie den schüchternen, blassen Zitherspieler und Instrumentenbauer Martin liebt. Nach Tanz und Gesang in der Spinnstube wird sie von ihrem Bewerber nach Hause begleitet, und Martin bittet Lischens Mutter förmlich um deren Hand. Auf seinem Heimweg wird er von zwei groben Dorfjungen angefallen, und nur das Eingreifen des Jagdjunkers von Bärwald, der sich ebenfalls für das schönste Mädchen im Ort interessiert, bewahrt den Rivalen vor größerem Schaden.
Teil II: Jahre später ist Martin auf dem Weg durch den Thüringerwald nach Ilmenau zum eleganten Stadthaus derer von Bärwald; er hat zwei neue Zithern angefertigt und erzählt dem Jagdjunker auf dessen Frage von seinem schweren Schicksal: Fast wäre ihm und seiner Frau das erste Kind gestorben, er selbst hatte sich in der Verzweiflung schon die Pulsadern aufgeschnitten, aber alle drei wurden gerettet. Bescheiden überreicht er anschließend die neuen Instrumente und hört verzückt, wie Bärwald und seine Schwester gemeinsam ein neues Thüringenlied singen.
Teil III: Bärwald macht, von einer geheimnisvollen Sehnsucht getrieben, einen Besuch in Martins Haus. es kommt zu einer scheuen Begegnung mit Lischen, die ihm als junge Mutter noch schöner geworden zu sein scheint. Als wenig später Martin heimkehrt, schenkt er, von Eifersucht geplagt, dem Junker seine schönste Zither, weist ihm den Heimweg und bittet ihn unausgesprochen, nicht wiederzukommen. Bärwald versteht.
Teil IV: Wieder Jahre später. Bärwald hat Karriere gemacht, ist aber unverheiratet geblieben und bewohnt mit Mutter und Schwester ein ländliches Jagdschloss. In der Abenddämmerung singt er ein sehnsüchtiges Lied zur Zither, als Martin unangemeldet und totenbleich eintritt: Lischen ist kurz vor der Geburt des zweiten Kindes durch einen Handstreich der alten dörflichen Widersacher ums Leben gekommen. Jeder Versuch Bärwalds, den Verstörten zu trösten, ist umsonst. Martin erhält das Versprechen des Junkers, dass er für sein Töchterchen sorgen wird, kehrt umgehend heim, um seine Verhältnisse zu ordnen, und verschwindet kurz darauf spurlos.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HainSt III 2 Inhaltsangabe zu: Die Tochter des Geheimnisses. Identisch in Perlen (1851)
Das einsame Haus.
In einer nicht genannten einsamen Gegend lebt im sog. einsamen Haus" die natürliche, d.h. außereheliche Tochter eines hohen Herrschers, Juliane genannt von Schönau, mit einigen Betreuern: dem Pater Reinhard, der Gräfin Schönau, der Magd Agathe und dem Diener Gotthard.
Der Besuch.
An einem gewittrigen Tag kommt der Landesherr zu Besuch, verspricht liebevoll die Erfüllung ihres Wunsches nach Bekanntschaft mit Welt und Menschen, gibt sich aber nicht als ihr Vater zu erkennen.
Die Landes-Regentin.
Indessen unternimmt die Fürstin, seine Frau, eine heimliche Reise zum einsamen Haus und lernt auf diese Weise Juliane gegen den Willen ihres Mannes kennen.
Der erste Schmerz.
Ein Jahr später kommt der Fürst erneut zu Juliane, übergibt ihr Geld und drei Miniaturporträts (von sich selbst, beschriftet: Dein Vater", der Geliebten Felice: Deine Mutter" und der Fürstin). Er fühlt sich todkrank und nimmt Juliane das Versprechen ab, nicht zu heiraten.
Die Trennung.
Wenig später hat Juliane eine Ahnung vom Tode des geliebten Fremden, die sich alsbald bestätigt. Die Betreuer beschließen, die nun vaterlose junge Frau in ein Kloster nach Bordeaux zu geben. Das einsame Haus soll verkauft werden; weinend verlässt Juliane die geliebte Einsamkeit.
Die Flucht.
Der Gedanke an ein Leben im Kloster schreckt sie jedoch sehr. Als in ihrem Hotel in Hamburg, von wo aus sie eingeschifft werden soll, der englische Lord Kory ihr seine Hilfe anbietet, fasst sie einen Entschluss und verlässt am frühen Morgen scheinbar ungesehen den Ort.
Die Wanderung.
Aus einem Versteck sieht sie mit an, wie Kory eine junge Frau und deren Begleiterin in seine Kutsche einsteigen lässt. Dann wandert sie kräftigen Schritts über St. Georg aus der großen Stadt. Nach Stunden auf sonnenheißen, menschenleeren Wegen legt sie sich in eine Scheune und schläft ein. Der Bauer Klas findet sie und fährt die Verirrte am andern Morgen nach Ahrensburg in das Gasthaus an der Landstraße nach Lübeck. Dort wird eine holländische Familie auf die zarte junge Frau aufmerksam. Juliane kann als Begleiterin der Tochter mit nach Stockholm reisen.
Täuschungen.
Im Hotel in Hamburg hat Julianes Verschwinden allgemeines Entsetzen ausgelöst. Ein Hausdiener teilt Pater Reinhard Beobachtungen mit, die ihre Flucht mit der Equipage des Grafen Kory in einen Zusammenhang bringen. So macht sich der Geistliche auf den Weg und verfolgt den vermeintlichen Entführer bis zu dessen Schloss bei York. Dort muss er sich von der Tatsache überzeugen, dass es nicht Juliane, sondern die Tochter der reichen Kaufmannsfamilie Tomson war, die der Graf in seine Kutsche nahm. Reinhard, dem man höhern Orts die Verantwortung für das Verschwinden seines Schützlings geben wird, ist verzweifelt. Juliane führt indessen ein ruhiges, glückliches Leben in ihrer eigenen kleinen Wohnung in Stockholm. Wenig später nimmt der Graf Belgiojoso, Gesandter einer europäischen Großmacht am königlichen Hof, sie in sein Haus auf, denn er meint ihre scheinbare Identität. Bei einem Ball, den er gibt, fällt Juliane angesichts der drei großen Porträts, die den Saal schmücken, in Ohnmacht.
Zwei Unterredungen.
Lange kämpft sie gegen ein gefährliches Fieber. Als sie genesen ist, konfrontiert der Gesandte sie mit dem Verdacht, von Lord Kory entführt worden zu sein. Juliane fürchtet zwar um ihren guten Ruf, ist aber noch mehr erschrocken darüber, dass ihr Schutz-Name von Schönau bekannt werden könnte. So gibt sie sich als Fräulein Tomson aus und willigt in den Vorschlag, nach Hamburg zurückzukehren: Gott wird mich führen. Reinhard erfährt umgehend von ihrer Ankunft und lässt Juliane durch ihren alten Diener Gotthard bitten, sich mit Rücksicht auf seine eigene Situation nunmehr nach Bordeaux begleiten zu lassen, doch ist kein Gedanke an ein Kloster mehr. Juliane stimmt zu.
Im Salon des Ministers.
Reinhard empfiehlt seinen Schützling unter Wahrung von dessen falscher Identität dem österreichischen Minister in Brüssel, Graf Cobenzl. Bevor der Pater sich zur Weiterreise nach Bordeaux rüstet, erinnert er Juliane brieflich an ihre besondere Situation, die zur Verschwiegenheit verpflichtet und ihr eine Heirat verbietet. Was sie nicht erfährt: Ihre schöne Mutter, die Fürstin Felice von Auersberg, ist tot.
Eine neue Sphäre.
Winter 1766. Juliane liest Reinhards Brief in ihrem luxuriös eingerichteten Zimmer im Hause der Frau von Guillaumot. Ihr Diener Gotthard mahnt sie, weniger Geld auszugeben, doch Juliane mag sich den finanziellen Realitäten nicht beugen. Als Reinhard eintrifft, mahnt auch er zu mehr Sparsamkeit, will aber keine Auskunft über die Herkunft der Gelder geben, die Julianes Lebensunterhalt sichern.
Briefwechsel.
Reinhard hat Juliane die alte Agathe für ihre persönlichen Dienste zurückgegeben. Die immer schwieriger werdende Versorgungssituation sucht sie mit einem Brief nach Brüssel an den Minister Cobenzl zu entspannen, und erhält tatsächlich Unterstützung von dort. Indessen fliegen Briefe zwischen den Königs- und Fürstenhäusern Europas hin und her, die auf das Schicksal dfer ahnungslosen Juliane mancherlei Einfluss zu nehmen suchen. Ermutigt durch ein Schreiben jener Landesfürstin, die die Witwe von Julianes Vater ist, macht der alternde Herzog Richelieu Juliane einen Besuch und lädt sie, überwältigt von ihrer Schönheit, in seine Zirkel ein.
Die Assemblée.
Als die anonymen monatlichen Zahlungen ausbleiben, kommt Juliane wegen ihres großzügigen Lebensstils schnell in Schwierigkeiten. Als Cobenzl um Übersenung der drei Porträts bittet, gibt sie die brillantbesetzten Rahmen in Zahlung. Als Cobenzl und eine kleine bei ihm versammelte Gesellschaft die drei Portäts betrachten, verdichtet sich der Eindruck, dass die junge Dame in Bordeaux allerhöchster Herkunft sein könnte, und so lässt der Minister noch einmal tausend Pfund für sie anweisen. Auf einem Ball des Herzogs von Richelieu tanzt Juliane glücklich mit dem jungen Offizier Armand de Ferraud, der jedoch nicht wagt, ihr seine Liebe zu gestehen. Stattdessen konfrontiert Richelieu die Schöne in einem Séparé mit seiner dringenden Werbung, die Juliane erschrocken zurückweist. Fast gleichzeitig erfährt sie, dass ihr Betreuer Pater Reinhard gestorben ist.
Die Verhaftung.
Jetzt kann niemand mehr verhindern, dass die Schutzlose auf Befehl ihrer mächtigen Gegnerin, der Landesfürstin von Auersberg, und unter dem Vorwand ihrer Verschuldung nach Brüssel und als Staatsgefangene auf das Fort Monterelle gebracht wird.
Das Fort Monterelle.
Es folgen zahlreiche Verhöre, in denen Juliane offen von ihrer einsamen Jugend und dem späteren gesellschaftlichen Leben berichtet, wobei sie versucht, das Geheimnis ihrer Abstammung zu bewahren. Ihren Gläubigern ist dies recht, jeder Versuch, ihre wahre Identität durch Nachfrage bei der Fürstin Auersberg zu erhellen, unterbleibt. Auch Cobenzls Versuch, Juliane mit Hilfe der österreichischen Kaiserin von ihren Schulden zu befreien, ohne deren wahren Namen aufzudecken, bleibt ohne Erfolg.
Eine Zeitungsnachricht.
Als auch Julianes Brüsseler Gönner, der Minister Karl Johann von Cobenzl, stirbt, kommt sie zwar frei, wird aber des Landes verwiesen und geht nach England, wo sie in Armut lebend ihre Schuld zu büßen sucht. Der Sohn Cobenzls erkennt sie in einer Zeitungsnachricht wieder, die von einer schönen verlassenen Deutschen berichtet. Er holt Juliane zurück, nennt sie seine Schwester und interessiert ihre hochgestellten Verwandten, vor allem ihren Großvater Kaiser Joseph von Österreich erneut für ihr Schicksal. Juliane besucht die Gräfin Schönau, die seit langem Oberin eines reichen Damenstifts ist, will aber nicht bei ihr bleiben, sondern drängt in ihr einsames Haus zurück, wo Agathe und Gotthard das Leben in der Weite der Heidelandschaft mit ihr teilen wollen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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HainSt IV 1 Inhaltsangabe zu: Eine Nacht im Spessartwalde. Wandergeschichte
Ein Ich-Erzähler, der als Herr B. bezeichnet wird, berichtet von einer Sagenreise in den Spessart im Jahre 1842. Realistisch werden die einzelnen Stationen der Route aufgezählt und eine Fülle von Informationen und persönlichen Reiseerlebnissen in den Bericht verwoben. Höhepunkt ist die nächtliche Fahrt nach Frohnhofen, wo der Erzähler im überfüllten Gasthaus auf eine große Kirmesgesellschaft stößt, die alle Zimmer und Betten belegt hält, so dass er, statt sich zur Ruhe legen zu können, lange Gespräche mit einem jungen Forstmann führt. Diese erweisen sich bald als Glücksfall und Höhepunkt der ganzen Reise, weil der junge Gesellschafter zahlreiche Sagen seiner Heimat kennt und im angeregten Wechsel mit dem Sammler begeistert erzählt: vom Bildstock bei Kloster Mariaburghausen, vom Bildstock des Hans Spatz aus Hessental, vom Herrenbild, der geraubten Braut, dem bösen Zöllner, der Wunderkette (eigentlich Legende), dem Knabenraub (zwei verschiedene Sagen), den Getreidesäcken, dem Testament des Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn, dem Bildstock vom Berg Rothenfels (= von der bekehrten Jüdin), vom Fürsten und dem Einsiedler, von den glühenden Kohlen, vom dreibeinigen Kalb, von der abgebrochenen Hand und von der schwimmenden Hostie.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HainSt IV 2 Inhaltsangabe zu: Natur und Poesie. Berggeschichte aus Carlsbad
Im Juni 1785 wandern ein älterer, militärisch ausgebildeter und ein jüngerer Mann zur Ruine des Hausbergs bei Jena hinauf und begegnen einem sehr jungen Menschen, der mit einer Botanisiertrommel unterwegs ist. Dieser schließt sich ihnen unter lebhaften Gesprächen an, und die Liebe zur Pflanzenwelt verbindet die Drei derart, dass sie beschließen, die geplante Reise nach Karlsbad zusammen anzutreten. Bereits in Neustadt an der Orla gibt es Aufenthalt, weil der jüngere der beiden Reisenden zum Ärger des ihn begleitenden Majors erkrankt. Der Besuch zweier vergnügter Damen und die Visite eines Arztes setzen ihn jedoch schon nach wenigen Tagen instand, die Reise fortzusetzen. Es werden viele Halts gemacht, um die mineralogischen und botanischen Studien fortzusetzen. Über Hof und Marktleuten geht es nach Wunsiedel, wo die wissenschaftlichen Wanderungen auf dem Weg hinauf zur Luxburg ebenso wie auf dem Anstieg zum Schneeberg und der damit verbundenen weiten Rundwanderung fortgesetzt werden. Am Abend stellen sich neu angekommene Gäste vor: ein Ehepaar und deren jugendliche Begleiterin, mit denen die folgenden Mahlzeiten unter lebhaften Gesprächen eingenommen werden. Der nächste Tag bringt die Vorausreise der drei Freunde nach Karlsbad und einen Ruhetag für die drei Botaniker. Der Grenzübertritt am nächsten Morgen verursacht dem Major, den der jüngere der beiden Reisenden Karl nennt, einigen Ärger mit dem Zoll. Über Eger und Zwota erreichen die Reisenden Karlsbad, wo eine illustre Gesellschaft sich über ihre Ankunft freut. Die folgenden Tage sind angefüllt mit Morgenspaziergängen am Heilquell, ernsten Gesprächen und abendlichen Festivitäten. Eines Morgens erscheint der junge Botaniker bereits mit reicher Blumenernte beim Morgentrunk und wird gebeten, der Gesellschaft die Ausbeute seiner Frühwanderung zu erläutern. Zur allgemeinen Begeisterung schlägt der jüngere der beiden Jenaer Reisenden eine gemeinsame Wanderung vor, der sich auch die junge Dame aus Wunsiedel anschließt. Der Dichter aus Weimar, den sein Begleiter Wolfgang nennt, erläutert bei dieser Gelegenheit im Zwiegespräch mit dem ebenfalls anwesenden Herder der Gesellschaft seine Vorstellung vom ganzheitlichen Wesen der Natur. Bei der anschließenden Rast in einem Gasthaus antwortet er einem jungen Zwischenrufer in Versen, die ihm die Bewunderung seiner schönen Tischnachbarin eintragen. Am nächsten Morgen kursiert das in der Nacht vollendete Poem bereits in der Karlsbader Gesellschaft, während die drei Reisenden schon wieder auf Wanderschaft sind und sich Gedanken um die Zukunft des jungen Botanikers machen. Bei einem zweiten Botanisiergang in großer Gesellschaft kommt die junge Dame aus Wunsiedel dem Dichter Wolfgang in einer Laube sehr nahe. Ihr als seiner Sulamith widmet er das Gedicht über die Metamorphose der Pflanzen zusammen mit einem symbolischen Blumenstrauß, und sie schwört ihm ewige Treue. Den brummigen Major Karl treibt es in die Ferne, doch bleibt er ein wirklicher Freund. Der junge Botaniker macht mit Hilfe seiner beiden Gönner eine schöne Karriere. Von ihm hat der Erzähler, wie er am Schluss berichtet, die ganze Geschichte.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HainSt IV 3 Inhaltsangabe zu: Der Pakt mit dem Bösen. Geschichte aus den piemontesischen Bergen
Es handelt sich um die Geschichte des jungen, leichtsinnigen Malers Annibale Orata aus Pinerolo im Piemont, der lieber mit seinen Freunden im Wirtshaus sitzt als seiner Arbeit nachgeht, und der die Frauen liebt, besonders seine schöne Freundin Bianca. Sein Feind ist der Neffe des Bischofs, Nicolo Colombo, denn diesen traf der Degen des Malers, als er Bianca belästigte. In der Absicht, Annibale zu verderben, überwirft sich der „liederliche Cavalier" zum Schein mit seinem Freund, dem Abbate Tomaso (Maso), und dieser befreundet sich ebenfalls nur scheinbar mit dem arglosen Annibale. So gelingt es dem Abbate, aus dem Zimmer des neuen Freundes ein Skizzenbuch zu entwenden, in dem der Maler seinem Hass auf die Kleriker mit eindeutigen Zeichnungen Ausdruck gegeben hat. Die Blätter erbosen die versammelte Geistlichkeit, der sie vorgelegt werden, und Orata wird in seiner Lieblingskneipe „Zur durstigen Leber" verhaftet. Bei dieser Gelegenheit verpasst Annibale dem Nicolo einen zweiten Degenstreich, so dass dieser schwört, nun auch die Seele des Gegners zu verderben und ihn zu einem Pakt mit dem Teufel zu veranlassen. So findet der im Kerker Schmachtende bald einen Pokal edlen Weines und ein Beschwörungsbuch und beschließt, den Zauber zu versuchen und als erstes seine Freiheit zu verlangen. Unterdessen hat Bianca von der Verhaftung des Geliebten erfahren und fragt bei seinem ehemaligen Vermieter und in seiner Stammkneipe nach dem Ablauf der unglücklichen Geschichte. In der „Durstigen Leber" spielt sie mit halben Versprechungen den Abbate gegen Colombo aus und erhält von dem reuigen Maso das Versprechen, Annibale zu befreien. Inzwischen reitet der verliebte Nicolo Colombo auf einem Maultier aus dem Stadttor, um Bianca in ihrem Heimatdorf aufzusuchen. Dieser Weg wird zur gefährlichen Irrfahrt, da der Reiter von Bianca beobachtet und durch immer neue Fehlinformationen verwirrt wird, schließlich sogar in ein Gewitter gerät. Dem Abbate Maso kommt das Unwetter dagegen sehr gelegen: Im Schutz der Dunkelheit befreit er mit Hilfe des bestochenen Gefangenenwärters Biancas Geliebten und lässt einen Leblosen, den er auf der nächtlichen Straße findet, an dessen Stelle in den Kerker legen. Erst am nächsten Tag erkennt der Wärter in dem Ohnmächtigen den Spießgesellen des Abbate, Nicolo Colombo. Annibale hat inzwischen dessen Degen gefunden und mit Hilfe der Waffe an einem idyllischen Platz den Zauberkreis um sich gezogen, um Luzifer anzurufen. In der Finsternis des abziehenden Gewitters trägt er diesem seine Wünsche vor, erhält auch Antwort in Form von Hufscharren, Prusten und Niesen, bis ihn ein Hufschlag niederstreckt und er das Maultier des unglücklichen Colombo im Licht des aufgehenden Mondes erkennt. Er tröstet sich jedoch schnell, zumal die geliebte Bianca zu ihm tritt und mit ihm über die Grenze reitet, um mit Hilfe von Nicolos Börse, die sie in einer der Satteltaschen findet, ein neues Leben in Italien zu beginnen. Nun wird Nicolo befreit, ein im Krankenhaus gestorbener fremder Handwerksbursch statt seiner in den Kerker gelegt und später als Übeltäter unter dem Galgen verscharrt. Als nach einiger Zeit die Post weitere lästerliche Kupferstiche von Orata nach Pinerolo bringt, ist sich die Geistlichkeit dort endgültig einig, dass der Maler sein Leben und seine Befreiung einem Pakt mit dem Bösen verdankt. Nur der Abbate Tomaso weiß es besser.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
4.2.6. Inhaltsangabe zu: Hexengeschichten. Halle (C. E. M. Pfeffer) 1854
HexG 1 Inhaltsangabe zu: Teufelsbuhlschaft. (Nach einer ausführlichen gleichzeitigen handschriftlichen Berichterstattung im Hennebergischen Gesammt-Archiv zu Meiningen.)
Das zugrundeliegende historische Ereignis soll sich 1533 in Schildach/Baden zugetragen haben. Beim Wirt des Ratskellers, Ehrn Vollrad, der seit dem Tod seiner Frau mit einer kleinen Tochter und der Magd Kathrin allein wirtschaftet, tobt in einer Frühlingsnacht ein unheimlicher Geist, den der Ratsherr trotz entschlossener Gegenwehr nicht vertreiben kann. Am Morgen nach dem Teufelsspuk ruft er die übrigen sechs Ratsherren und zwei Pfarrer zu einer Besprechung in seinem Hause zusammen. Dabei beschließt der Pfarrer Decius, den polternden Geist aus dem Haus zu treiben, doch der verlangt die Magd Kathrine zur Liebsten und droht, dem Ratswirt das Haus über dem Kopf abzubrennen. Auch des Pfarrers Gebeten trotzt er und verhöhnt ihn und die übrigen Ratsherrn in Anwesenheit einer großen Menge von neugierigen Gaffern. Ehrn Vollrad sorgt dafür, dass ihm in der nächsten Nacht einige beherzte Männer Gesellschaft leisten. Wieder treibt der Satan sein böses Spiel mit den Anwesenden, bis der Nachtwächter die Mitternachtsstunde ausruft, dann wird es still. Am andern Tag setzt sich das Getobe des Teufels im Söller des Rathauses fort; dabei blamiert der Unsichtbare die neugierigen Frager mit peinlich wahren Antworten. Entnervt kündigt Vollrad seiner Magd, indem er sie für die unangenehmen Vorfälle zur Verantwortung zieht. Kathrin schimpft zurück, bevor sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf macht. Vom Städtchen aus sieht man einen hageren dunklen Mann mit ihr hinter der Anhöhe verschwinden, und im Rathaus herrscht fortan wieder die gewohnte Stille. Aber schon zwei Wochen später, am Gründonnerstag des Jahres 1533, kehrt der spukende Teufel mit neuen, schwereren Drohungen zurück. Und obwohl der Wirt und die Gäste im Ratskeller die Warnungen in den Wind zu schlagen versuchen, kommt mit einer schwefelgelben Wolke ein seltsamer Blitz ohne Donner, der nicht nur das Haus des Ehrn Vollrad, sondern das Zentrum der kleinen Stadt in Schutt und Asche legt. Hierauf wird Kathrin scharf befragt und gesteht, mit zwei anderen Dienstmädchen und dem Teufel gemeinsame Sache gemacht und den Brand verursacht zu haben, worauf die drei Hexen zum Scheiterhaufen verurteilt und lebendig verbrannt werden. Am Schluss der Erzählung werden drei Quellen für die Geschichte angegeben (darunter das Sagenbuch der Grimms), und zuletzt die Inschrift am neuen Rathaus von Schildach rekonstruiert, die an das Ereignis erinnerte.
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HexG 2 Inhaltsangabe zu: Furia infernalis
Der Beginn des Textes verweist auf die Quellen der Geschichte: Linné und Johannes W. Wolfs Die bösen Spinnen.
1. In der alten Stadt Krementschuk am Dnjepr. Vor dem Herrenschloss des jüngst verwitweten Polykarp Kalugin nimmt dessen einziger Sohn Basiliy vom Vater und der Schwester Agaphonika Abschied, um seinen Militärdienst in der Armee des Zaren abzuleisten. Besonders schmerzlich ist ihm die Trennung von Nicolay, dem Sohn seiner Amme und Freund seiner Kindertage, und von dessen Mutter Mataphka. Der Haushofmeister Paul Michaylow hasst die alte Tatarin, weil sie einst seine Werbung verschmähte; wer der Vater ihres unehelichen Sohnes ist, weiß niemand.
2. Zwei von Agaphonikas geliebten Haustauben sind verschwunden, und Kalugin beauftragt den Hofmeister, nach dem Dieb zu suchen. Michaylow hat sofort den jungen Nicolay in Verdacht, und als am andern Morgen erneut zwei der schönsten Taubenpaare fehlen, inspiziert er dessen Wohnung. Dabei findet er Federn und gekochte Knochen und trägt sie vor den Schlossherrn, legt auch die jüngst vermissten Vögel dem alten Kalugin tot zu Füßen. In höchstem Zorn beauftragt der seinen Haushofmeister, den Dieb mit dem Schlagstock zu bestrafen. Dabei verliert Michaylow jedes Maß, so dass der gefesselte Nicolay vor den Augen seiner entsetzten Mutter im Hof tot zusammenbricht. In der folgenden Nacht trägt sein Freund Theophiliy Nikodemonow den leblosen Körper auf seinen starken Armen in den Wald. Nicht weit davon umtanzt die alte Mataphka ein magisches Feuer und beschwört mit Flüchen und geheimen Formeln ein dunkles Tier, das sie in einer Schachtel einfängt und in ihre Wohnung trägt.
3. Agaphonika berichtet dem abwesenden Bruder in einem Brief von diesen Vorfällen. In ihrer Verzweiflung hat sie alle Tauben freigelassen und einen Schwur getan, nie wieder solche zu halten. Sie erzählt auch von dem Tod des Hofmeisters, der den Diebstahl der beiden Taubenpärchen gestanden hat und unter Qualen ungeweiht gestorben ist. Sie selbst trägt sich mit Heiratsplänen, wird sich auf den Vorschlag ihres Vaters hin mit einem jungen Nachbarn, dem Gutsherrn von Selo Chondelewka, Feodor Iwanowitsch verloben. Die Antwort des Bruders lässt nicht lange auf sich warten. Er schickt einen Korb voll Tauben und vertraut der Schwester unter dem Siegel der Verschwiegenheit an, dass Nikolay nicht tot ist; vielmehr wurde er von der Mutter seines starken Freundes gerettet und dient ihm nun in der Armee als Bursche. Agaphonikas Verlobung wird mit einem fröhlichen Mahl und einer Wolfsjagd gefeiert, die Verantwortung für beides trägt der neue Hofmeister Theophil. Als die Jagdgesellschaft an ihrem Rastplatz angelangt ist, wird der Bräutigam vermisst. Niemand sorgt sich über Gebühr, unter Gelächter und Scherzen lässt man die Flaschen kreisen. Nur Feodors Schwiegervater, der alte Kalugin, schickt Diener aus und macht sich selbst auf die Suche nach dem Verschwundenen.
4. Als die Jagdgesellschaft zu der schönen Braut zurückkehrt, erfährt der alte Polykarp, dass Feodor auch im Hause nicht gesehen worden ist. Zunächst widmen sich die Gäste unbekümmert den leiblichen Genüssen, doch als der Bräutigam sich immer noch nicht sehen lässt, öffnet man in steigender Sorge die Tür seines Zimmers und findet den Unglücklichen tot in seinem Bett, mit allen Zeichen eines verzweifelten Todeskampfes an Gesicht und Körper. Agaphonika versinkt in eine gefährliche Krankheit und führt dabei mit der an ihrem Lager wachenden Mataphka ein fiebriges Gespräch, in dem sich die Zusammenhänge zwischen Nikolays geheimgehaltener Rettung und der Rache seiner Mutter andeuten. Der neue Haushofmeister lässt das Gastzimmer reinigen, ohne eine Spur der Gefahr zu entdecken, die Feodor Iwanowitsch das Leben gekostet hat. Der Schlossherr befiehlt, dass zu seinen Lebzeiten niemals wieder ein Gast in diesem Raum untergebracht werden soll.
5. In langen ruhigen Jahren hat die trauernde Agaphonika zahlreiche Briefe mit dem fernen Bruder gewechselt, da führt ein Auftrag des Zaren Basiliy in die Heimat zurück. Freudig wird er in Schloss Krementschuk begrüßt, niemand erkennt in seinem Leibdiener den zum Manne herangereiften Nikolay. Nach ernsten Gesprächen über die Ereignisse der letzten Zeit verlangt am Abend des ersten Tages der junge Herr vom Hofmeister, dass der ihm das unheimliche Gastzimmer öffne. Nach einem dramatischen Streitgespräch gibt der alte Theophil nach, und die drei Männer rüsten sich für einen Kampf gegen den Aberglauben und jenen unsichtbaren Gegner, der bereits zwei Leben ausgelöscht hat.
6. Agaphonika verrät in der Freude über das Wiedersehen mit dem Bruder der alten Mataphka das Geheimnis, dass ihr Sohn lebt. Die schleicht daraufhin nachts durch die Schlossgänge auf der Suche nach Nikolay und trifft auf Theophil, der ihr von dem vollzogenen Zimmerwechsel berichtet. Der Hofmeister wundert sich über die verzweifelte Reaktion der Alten, er fordert sie auf, diese zu begründen. Inzwischen huscht im Schlafgemach des jungen Herrn ein furchtbares schwarzes Wesen auf dessen Kopfkissen.
7. Während auf dem Gang Mataphka dem Haushofmeister die Geschichte ihres Bundes mit der Hölle beichtet, wird Basiliy angegriffen und in Sekundenschnelle getötet. Der Arzt findet die spinnenähnliche Gestalt später zerquetscht unter seinen Händen und legt es in Spiritus. Der alte Kalugin stirbt seinem Sohn bald nach, Agaphonika geht, nachdem sie ihren Haushalt geordnet und den Dienern die Freiheit gegeben hat, in ein Kloster. Die alte Mataphka verschwindet auf Nimmerwiedersehen in dem Wald, in dessen Dunkel sie sich der Hölle verschworen hatte. Im naturhistorischen Museum von Krementschuk zeigt man noch heute das unbestimmte Tier in seinem Glas, ohne dessen wahren Namen zu nennen.
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HexG 3 Inhaltsangabe zu: Die Hexenkönigin. (Nach einem fliegenden Blatt, o. O. 1718.)
1. 1718 im Raum Köln. Der Knecht Lorenz (Lurz) hat Streit mit seiner Bäuerin Grethe Strumpf. Er betet abends und liest nach getanem Tagwerk gern in der Bibel, sie jedoch kommentiert diese Gewohnheiten mit Hohn. Er wiederum hält sie für eine Hexe und belauscht sie bei der Arbeit" mit ihrer schwarzen Glucke, die ihr auch im Winter jeden Tag mehrere hundert Eier legt.
2. In der folgenden Nacht hat Lurz einen furchtbaren Traum, aus dem ihn erst die Stimme seines Bauern weckt, aber trotz der Schelte des Friedrich Strumpf kann Lurz nicht mit nach Köln zum Markt fahren, er ist krank. So fahren der Bauer, seine Frau und der zehnjährige Sohn allein mit dem wie immer gut gefüllten Eierkorb. Lurz rechnet der Magd Barlies vor, dass die Bäuerin für diese Wintereier mehr als sechs Gulden einnehmen wird. Auf dem Kölner Markt herrscht reges Treiben und der winterübliche Eiermangel. Bauer Strumpf nimmt seinen Sohn mit ins nächstgelegene Gasthaus, Frau Strumpf reiht sich zwischen die Eierverkäuferinnen ein. Als die spärlichen Vorräte der anderen Frauen verkauft sind, verlangt sie einen horrenden Preis und hat am Ende 15 Gulden eingenommen. Während sie mit ihrer Familie von dem Geld Einkäufe macht, wirtschaften Barlies und Lurz auf dem Hof. Doch in der Stille der Nachmittagsstunde schleicht sich der Knecht in den Keller, findet das eklige Huhn und tut, was er die Bäuerin hat tun sehen, worauf er mit einem Schock Eiern ins Haus zurückkehrt. In Köln lassen sich die Herrschaften durch eine Gruppe Bänkelsänger aufhalten, die zur verstimmten Handorgel das Schicksalslied von den drei Männern singen, denen der Krieg, der Tod und ein Engel begegnen. Gleichzeitig versucht Lurz die Eier im Gang zwischen zwei Hofscheunen zu verstecken, da begegnet ihm ein großer, hagerer schwarzer Mann und will seine Unterschrift im Gegenzug dafür. Mit letzter Kraft befreit sich der fromme Knecht, indem er in das ihm vorgehaltene Pergamentbüchlein einen Bibelvers schreibt. Als die Herrschaft zurückkommt, ist Lurz nicht zur Stelle, Barlies und der Bauer selbst müssen seine Pflichten übernehmen. Lurz erwacht derweilen langsam auf der Tenne, wo er beim Abgang des Teufels in eine tiefe Ohnmacht gefallen ist. Noch hält er das Büchlein mit den vielen fremden Namen in der Hand. Sofort geht er auf Umwegen zum Pfarrer des Nachbarorts, der sein Beichtvater ist, und gesteht ihm alles. Der wundert sich weiter nicht, erteilt ihm Absolution und überredet ihn, Anzeige gegen seine Herrin Grethe Strumpf zu erstatten, die in dieser Nacht vor Sorgen kein Auge zutut. Ehren Meiser begleitet den ängstlichen Knecht selbst nach Köln, wo er seine Aussage gegen die Hexenkönigin und ihren Sohn Andres macht. Das pergamentene Buch klagt eine große Zahl weiterer Gemeindemitglieder der Hexerei und Teufelsbündschaft an. Es folgen Folter und scharfe Verhöre, nur der Knabe Andres wird auf Grund seiner offenen Aussage zunächst verschont. Aber nachdem er seine Mutter hat verbrennen sehen, erleidet auch er den als gnädig geltenden Tod durch das Schwert. Nach offizieller Besichtigung des Tatorts wird der Strumpfsche Hof dem Erdboden gleichgemacht, der Bauer erhängt sich am letzten Balken seines Gehöfts. Pfarrer Meiser macht aus den Geschehnissen ein langes Gedicht, das die Bänkelsänger auf dem Markt in Köln alsbald der gaffenden Menge vortragen. Zufällig kommt der völlig verwahrloste Lurz hinzu und greift im Zorn die Musikanten an, so dass die Garden ihn festnehmen und ins Tollhaus bringen müssen. Die ehemalige Magd auf dem Strumpfhof, Barlies, steht hilflos weinend dabei.
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HexG 4 Inhaltsangabe zu: Das Kornseil und die drei Hunde. (Nach Aktenstücken des Hennebergischen Gesamtarchives.)
1. 1611. In den Wiesen vor dem Dorf Bettenhausen bei Meiningen schwatzen junge Hirten und einige kleine Jungen über die neuesten Nachrichten aus den umliegenden Dörfern und kommen schnell auf das Thema Hexen. Bekannte Namen werden genannt, und der kleine Claus, Sohn des Bauern Curt Ehrhard, liest dem Michel Alt seinen bevorstehenden Tod aus der Hand. Auf Befragen erzählt er, dass er diese Künste von seinem Vater gelernt hat und berichtet weiter von drei kleinen schwarzen Hunden, die der Familie nachts Geld bringen und nur schwer unter Kontrolle zu halten sind, und von einem Seil auf dem Dachboden, aus dem die Mutter mehrmals am Tag Getreide melken kann.
2. Am andern Tag stehen einige Frauen des Dorfes tratschend beisammen. Gleichzeitig wird die als Hexe verschrieene Anna Ehrhard von ihrer Nachbarin abgewiesen, als sie bei ihr, wie üblich, Feuer holen will. Die beiden Frauen bekommen einen lautstarken Streit, der sich im Hof des Bauern Veit Herlich unter den dort spielenden Jungen fortsetzt. Als der Bauer Herlich seinen Sohn nach den Gründen für seinen Streit mit Claus befragt, erzählt ihm Thomas bruchstückhaft, was Claus seinen Kameraden über die Zaubermittel im Haus seiner Eltern erzählt hat.
3. Abends im Wirtshaus treffen sich die Männer des Dorfes, da berichtet der alte Wendel, dass sein Michel an einem Fieber erkrankt ist. Dann ist von der bevorstehenden Verbrennung zweier Hexen aus einem Nachbardorf die Rede, und dann vom Kornseil der Ehrhards. Der anwesende Dorfschulze beschließt, von Amts wegen einzuschreiten. Wenige Tage später wandern einige der Männer mit ihren Frauen von Meiningen heim in ihre Dörfer; sie kehren erschüttert von der Verbrennung der Queienfelder Hexen zurück. Besorgt sprechen sie über den immer noch kritischen Zustand des kleinen Michel und über das Gerücht von den Zaubermitteln im Hause Ehrhard. Plötzlich stoßen sie auf den Knecht der Ehrhards, den der Bauer Alt in Sorge um seinen Sohn zum Arzt geschickt hat. Der berichtet, dass die Ehrhards festgenommen wurden und das ganze Dorf am nächsten Tag ins Verhör vor das Zentgericht treten muss.
4. Die umfangreichen Verhöre des Folgetages ergeben wenig Konkretes. Lediglich der Bericht des kleinen Claus Ehrhard auf der Weide wird von verschiedenen Personen bestätigt, und allerlei Ängste vor den übersinnlichen Kräften vor allem der alten Anna Ehrhard werden zum Ausdruck gebracht. Das Gericht bleibt angesichts der unzusammenhängenden Aussagen ratlos, woran auch das abschließende Verhör des kleinen Claus Ehrhard nichts zu ändern vermag.
5. Das Zentgericht beschließt, die undurchsichtige Angelegenheit nach Meiningen an die übergeordnete Stelle weiterzuleiten, die Gefangenen aber bis zur Entscheidung in leidlich erträglichem Gewahrsam zu behalten. Diese Pläne werden durchkreuzt durch den plötzlichen Angsttod der Anna Ehrhard. Ihr Mann ordnet vom Gefängnis aus seinen Haushalt und schickt zu einem Wahrsager, um Auskunft über sein eigenes Schicksal zu erhalten. Dieser Umstand wird auch dem Dorfschulzen bekannt und gilt ihm als ein weiterer Beweis für Ehrhards Nähe zu Teufelskünsten. Die Antwort vom Schöffengericht Meiningen verordnet die scharfe Befragung des Angeklagten. Der Henker wird gerufen und versucht, den ihm wohlbekannten Verdächtigen unter Vorführung der einzelnen Folterwerkzeuge zu einem Geständnis zu bewegen.
6. Curt Ehrhard hat ein prachtvolles" Geständnis abgelegt. Das wörtlich wiedergegebene Protokoll sagt aus, dass Ehrhard den Besitz des Kornseils und der drei schwarzen Hunde sowie seinen Bund mit dem Teufel zugegeben hat. Das Urteil aus Meiningen lässt nicht lange auf sich warten: Der alte Ehrhard soll dem Feuertod überantwortet, sein kleiner Sohn ausgepeitscht und auf ewige Zeiten" des Landes verwiesen werden. Am Textschluss zitiert der Erzähler jedoch schadenfroh aus einer alten Chronik, wer in Meiningen im Jahre 1611 als Teufelsbündner hingerichtet wurde. Curt Ehrhard und sein Sohn sind nicht dabei, sie konnten sich aus dem Kerker befreien.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HexG 5 Inhaltsangabe zu: Der kleine Gabelfahrer. (Nach Akten eines reichsfreiherrlichen Archivs in Franken.)
Im dreißigjährigen Krieg, genauer im Jahr 1627, wird im Schloss derer von Maßbach ein neunjähriger Junge, der Sohn eines Viehhirten, verhört, der im Verdacht steht, Hexenkünste angewendet zu haben. Fröhlich und unbekümmert gesteht der kleine Linhard eine Fülle von Untaten, auch seine und seiner Eltern Beziehungen zum Geist Belial. Das Protokoll dieser ersten Befragung wird nach Meiningen geschickt, von wo Vorschriften für die weitere Befragung und gegebenenfalls für eine Bestrafung durch Schläge kommen. Auf besonderen Wunsch der alten Frau von Maßbach zu Maßbach wird das Kind in einem zweiten Verhör befragt, was es mit der Kunst des Gabelfahrens auf sich habe. Der Gerichtsschreiber lässt die erforderlichen Utensilien, die Gabel und eine Büchse mit einem unappetitlichen Schmierfett, hereinbringen. Linhard erklärt vergnügt, worauf es bei seiner schönen, freien Kunst" ankommt, reibt den Besenstiel ein und spricht den Zauberspruch. Ein Windstoß öffnet das Fenster, und schon ist der kleine Hexenmeister davon. Niemand hat ihn je wiedergesehen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
HexG 6 Inhaltsangabe zu: In optima forma. (Nach Aktenstücken im Großherzoglichen Amtsarchive zu Kalten-Nordheim.)
1664. In einer Amtsstube in Kaltennordheim bei Meiningen kommentiert nach einem Verhör gegen die als Hexe verdächtigte Witwe Catharina Dietmar, die sog. Geißkäth", der neue Amtmann Samuel Ebert mit seinem Schreiber das von diesem erstellte Protokoll. Dabei entfaltet sich die Vorgeschichte des Verdachts gegen die arme Frau über die Aussagen diverser Zeuginnen und Zeugen. Der Amtmann glaubt trotz der Dürftigkeit der Anklagen an die Schuld der alten Häuslerin, die Antworten des Amtschreibers Jodocus Grauschmied hingegen machen deutlich, dass er die Lächerlichkeit der Vorgänge durchschaut. Obwohl er seine aufgeklärte Meinung mutig gegen den Vorgesetzten vertritt, will dieser, anders als sein Vorgänger, die Dinge nicht einfach laufen zu lassen, sondern den ersten Hexenprozess und das Spektakel einer Hexenverbrennung für Kaltennordheim durchzusetzen. Streng nach den Vorschriften (in optima forma) und im Gegensatz zum Schreiber ohne alles Gefühl beraumt der Richter das nächste Verhör für den Folgetag an.
Am nächsten Tag versammeln sich die im Krieg und unter der Herrschaft unfähiger Verwalter verwahrlosten Menschen vor der Tür des Sitzungszimmers. Ein Zeuge nach dem andern wird vor den versammelten Schöffen noch einmal vernommen. In der direkten Schilderung des Verhöre wird noch deutlicher, wie die meisten Zeugen versuchen, ihre Aussage vage zu halten oder bereits Gesagtes zurückzunehmen, doch dieser Umstand hindert den Amtmann nicht, seine Vorurteile gegen die Angeklagte und seine Vorstellung von ihrer Hexennatur beizubehalten. In dieser Situation hilft es der beschuldigten Frau auch nichts, dass sie selbst eine geordnete und überzeugende Aussage macht, die ein weniger voreingenommener Richter als geschickte Verteidigung erkannt hätte.
Auf dem Dienstwege kommt aus Jena die Aufforderung, die Verhöre der Zeugen in Anwesenheit der Beklagten zu wiederholen und dieser notfalls mit der Folter zu drohen. Die alte Käth gesteht daraufhin und sagt aus, was die Schöffen und der Richter Ebert hören wollen. Sie tut jedoch noch mehr und spielt in ihrer verzweifelten Situation mit der Möglichkeit, über ihr Geständnis die Frauen ihrer Peiniger als Hexen zu verunglimpfen, was besonders den Amtmann nachhaltig schockiert. Bei ihrer letzten Vernehmung lädt die Geißkäth im Bewusstsein ihrer Unschuld und zur heimlichen Freude des Amtsschreibers den Richter Ebert vor den Richterstuhl Gottes und wird dann, nach endlosen Formalien, mit dem Feuer vom Leben zum Tode gebracht". Ihr höhnisches Gelächter tönt dem Richter durch das Geprassel der Flammen ins Ohr und lässt ihn ohnmächtig umsinken. Drei Tage später trifft ihn der Schlag, und er trat vor Gottes Gericht, wohin die unschuldig Gerichtete ihn geladen hatte." (S. 276)
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
4.2.7. Inhaltsangabe zu: Der gute Sohn
In: Deutscher Jugend-Kalender. Neue Folge. Hg. von. L. Bechstein und M. Bürkner. 1. Jg. Leipzig (1854) S. 13-27
In dem nordthüringischen Dorf Eckelstädt lebt der arme Bauer Becker mit zwei Söhnen und einer Tochter. Sein ältester, Hanngottfried, ist ein sanftes und gehorsames Kind (S. 13) und ein eifriger Schüler, so dass der Kantor und der Pfarrer ihn in dem Wunsch unterstützen, nach der Schule ein Studium zu beginnen und selbst Pfarrer zu werden. Um das nötige Geld dafür zurücklegen zu können, hütet Hanngottfried die Schweine und liest bei dieser friedlichen Arbeit so viele Bücher, dass er bei seiner Konfirmation bereits als ein halbes Wunderkind (S. 14) gilt. Trotzdem steht der anschließende Besuch des Gymnasiums in Frage, doch dann kommt zu den Spargroschen der Familie das vom Kantor erwirkte Stipendium eines Altenburger Konsistorialrats. Der Pfarrer schickt seinen Schützling mit einem wichtigen Brief nach Leipzig, damit er etwas von der großen Welt zu sehen bekommt. Mit offenen Augen und weitem Herzen folgt der Junge seiner Straße, die ihn über Naumburg und Weißenfels nach Lützen, Markranstädt und am nächsten Tage bis Leipzig führt. Dort hat er den Buchhändler Grieshammer aufzusuchen, der gerührt aus dem Mund des jungen Boten das Lob seines Freundes, des Eckelstädter Pfarrers hört. Daher empfiehlt er den Jungen einigen wohlhabenden Freunden, die gerade bei ihm zu Besuch sind. Diese legen weitere Geldbeträge zusammen, und so ist der Weg auf das Gymnasium von Eisenberg endgültig geebnet.
Der Fleiß und das tadellose Betragen des jungen Becker sorgen dafür, dass er nach einigen Jahren in der Residenzstadt Altenburg ein hervorragendes Reifezeugnis erhält. Bevor er als Student nach Leipzig zurückkehrt, stellt er sich der Altenburger Familie vor, die sein Stipendium bezahlt. Auch bei diesem Gönner und dessen Kindern erweckt er uneingeschränkte Sympathie, nur die Töchter kichern ein wenig über den schüchternen jungen Mann. Vorerst jedoch ist ein Studienjahr an der der Heimat nähergelegenen Universität Jena zu absolvieren, und von dort aus folgt Gottfried der Einladung seines alten Pfarrers, zum ersten Mal in Eckelstädt zu predigen. Die Probe fällt zur allgemeinen Zufriedenheit aus, und endlich kann Gottfried nach Leipzig übersiedeln.
Fleiß und Sparsamkeit kennzeichnen auch diesen Lebensabschnitt, Gottfrieds größte Freude sind die Predigten in den Kirchdörfern um die Stadt, zu denen er immer wieder einmal eingeladen wird. Nach einem weiteren in Altenburg abgelegten Examen darf Gottfried sich Herr Candidat nennen und in der Folge, wie viele andere, auf eine freiwerdende Pfarrstelle warten. Er verdient sich seinen Lebens-Unterhalt unterdessen mit Privatunterricht und bekommt auch jede Woche ein freies Mittagessen bei der Familie des Konsistorialrats, dessen Töchter inzwischen nicht mehr über ihn lachen. Vor allem freut Gottfried, dass der Eckelstädter Pfarrer ihn immer wieder einmal für eine Predigt in sein Heimatdorf beordert und dass sein jüngerer Bruder das Gymnasium in Naumburg besuchen kann.
Eines Tages kommt ein Brief von dem Buchhändler Grieshammer, der Gottfried die Stelle eines Hofmeisters bei einem russischen Grafen anbietet. Schweren Herzens verabschiedet sich der solcherart Geehrte, besonders leidet er unter der Trennung von Auguste, der älteren Tochter seines Gönners, an die ihn erste zarte Bande knüpfen. Mit Briefen und kleinen Geschenken von den Stationen seiner Reise sucht er daher den Kontakt zu den Altenburgern aufrecht zu erhalten. Dann kommt erst wieder im Frühling 1791 eine Nachricht: Beckers Mutter erstattet überglücklich Bericht von dem günstigen Schicksal, das ihren Herrn Sohn in Rußland weit in das Landesinnere hat vordringen lassen. Den Brief, den sie mitbringt, liest der Konsistorialrat seinen Lieben vor. Darin beschreibt Becker die Stelle in der ländlichen Umgebung von Moskau, die ihm ein gutes Auskommen bietet, drückt aber auch seine Sehnsucht aus: nach der Heimat, der Freundin Auguste und der Erlaubnis, Predigten zu halten. Die alte Frau Becker kommt erst zwei Jahre später, unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes, wieder mit einem Brief des Sohnes, und diesmal weint sie vor Kummer. Gottfried beschreibt, noch weiter aus dem Innern des Landes, wie er unter der Trennung von den Eltern leidet, und bittet den Konsitorialrat, eine Petition an den Reichsgrafen weiterzureichen, in dem der Kandidat um vorgezogene Berücksichtigung bei der Vergabe der freiwerdenden Stellen nachsucht.
Wiederum zwei Jahre später, im Frühjahr 1795, bringt ein angeblich Fremder Grüße von Pastor Becker aus Moskau, aber Auguste erkennt in ihm sofort den geliebten Gottfried. Dieser berichtet glücklich, dass er in Moskau eine gut dotierte Pfarrstelle bekommen hat, und hält um Augustes Hand an. Bald darauf wird in Altenburg mit allen Freunden, auch Beckers Mutter und Bruder, die Hochzeit gefeiert. Bei dieser Gelegenheit erzählt Gottfried die Geschichte von seiner Probepredigt in Moskau. Nach einer nahezu schlaflosen Nacht, in der er sich wie immer den vorbereiteten Predigttext mehrfach laut vorgesprochen hatte, traf der Kandidat auf einen zweiten jungen Mann in Amtstracht: einen weiteren Bewerber auf die freigewordene Stelle. Schweigend gingen beide zur Kirche, und der andere betrat als erster die Kanzel um Wort für Wort Gottfrieds vorbereitete Predigt zu halten. Der völlig Verstörte bat daraufhin Gott in einem heißen Gebet um Beistand und hielt seine Predigt noch einmal mit demselben Schwung und Gottvertrauen, und er bekam die Stelle. Auguste begleitet wenig später ihren Mann in das ferne Moskau und teilt mit ihm die Segnungen, die derjenige zu erwarten hat, der die Gebote, besonders das vierte, in Ehren hält: Johann Gottfried Becker, eines armen Hintersasssen Sohn im Dorfe Eckelstädt, [
] hatte Vater und Mutter geehrt, die Geschwister geliebt, darum ist es ihm wohlergangen, und er hat lange und segenseich gelebt auf Erden. (S. 27)
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.2.8. Inhaltsangabe zu: Der Pechmüller. Nachtstück aus dem Thüringerwalde
In: Deutscher Volkskalender auf das Jahr 1854. Hg. von Gustav Nieritz. Leipzig (Georg Wigand) S. 1-16
In der idyllischen Gegend um das Städtchen Gräfenthal und mitten in dem lieblichen Tal der Zopte erhebt sich in der Wiese hinter der Mühle ein schwarzer Grabstein. Als am 29. Sept. 1812 die Truppen Napoleons auf dem Weg in den Osten durch das Thüringerwald-Tal kommen, erhält auch die Gräfenthaler Mühle Einquartierung. Einer der jungen Franzosen, der Deutsch spricht, hat es der Müllerin angetan. Sie bittet ihn und seine Kameraden um Rücksicht auf ihre Schwiegertochter, die gerade ein Kind geboren hat, und bewirtet die unwillkommenen Gäste zum Ärger des Müllers nach besten Kräften. Als alle die Ruhe gesucht haben, geht nur jener feine junge Mann, der zum Dolmetscher wurde, vor der Tür im Mondschein unruhig auf und ab. Er plant die Desertion und ist unsicher, ob dies der rechte Augenblick ist, sich abzusetzen. Um den 25. wollte sein Vater, der ihm als Kaufmann verkleidet folgt, mit falschen Pässen zu ihm stoßen, doch er ist nicht gekommen. Als der Alte, den sie den Pechmüller nennen, den vornehmen Fremden zur Nacht in ein Extra-Kämmerchen geleitet, stellt sich dieser als Armand du Lenoir vor, bittet, ihn für eine Weile zu verstecken, und bietet seinem Wirt für diese Hilfe eine Menge Gold. Schnell hat der von materiellen Sorgen geplagte Thüringer seine Chance erkannt. Er führt den Fremden durch einen alten Bergwerkstollen an eine kleine Kammer in der Bergestiefe und schließt ihn dort bis zum nächsten Morgen ein, obwohl den Deserteur eine furchtbare Angst vor dem einsamen unterirdischen Platz ergreift. Doch der erst neunzehnjährige Armand befiehlt sich Gott und schläft ruhig ein. Am andern Morgen findet der Müllerssohn einen kleinen Dolch, den der Deserteur in der oberen Kammer vergessen hat, und nimmt ihn wortlos an sich.
Ein reisender Wein-Kaufmann hat im ebenfalls von Einquartierung wimmelnden Reichmannsdorf den Gasthof aufgesucht und bietet den Offizieren dort statt des sauren deutschen Biers ein Glas französischen Wein aus den mitgeführten Proben an. So kommt man ins Gespräch, und der Fremde erfährt, welche Kompagnien in der Nähe liegen und welche Routen sie in den nächsten Tagen für den Weitermarsch zu nehmen gedenken. Schließlich bestellt der Fremde beim Wirt einen einheimischen Führer, der ihn am nächsten Morgen in aller Frühe zu Fuß nach Gräfenthal bringen soll.
Unter Umgehung der Schildwache machen sich die beiden Männer im Dunkel des anbrechenden Herbstmorgens auf den Weg, schweigsam und besorgt der eine, vergnügt und redselig der andere. Der Thüringer erzählt seinem Passagier die Sage von dem jungen Reichmannsdorfer Bergknappen, der fälschlich des Diebstahls bezichtigt und zum Tode verurteilt wurde. Das war das Ende des städtischen Reichtums, denn die Mutter des Jungen war eine Hexe, die die Goldgruben verfluchte, so dass alles zum Erliegen kam.
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Dem Pechmüller rauben schwere Gedanken den Schlaf. Das Gold des Fremden wird er behalten, aber darf er dem Jungen auch sein Leben nehmen? Indessen rufen die Trommeln zum Rapport auf dem Gräfenthaler Markt. Ein Fremder hört aufmerksam zu, wie der Name des Armand du Lenoir vergeblich mehrfach aufgerufen wird. Als ein Trupp französische Soldaten in der Mühle barsch nach dem Deserteur fragt, führt der Müller den Offizier sofort an Armands Versteck, und dieser wird festgenommen. Verborgen in den bewaldeten Höhen muss Armands Vater mitansehen, wie auf der Wiese hinter der Mühle ein Standgericht das Todesurteil spricht und dieses sogleich vollstreckt. Sein Entsetzensschrei mischt sich mit dem Todesschrei seines einzigen Sohnes. Die Sage vom Fluch der Mutter fällt ihm ein, und er spricht den Fluch des gedemütigten Vaters über die Mühle, die kleine Stadt und das ganze Land. Noch am selben Abend stirbt die Schwiegertochter der Müllerin am Kindbettfieber, die Alte übernimmt die Pflege des Säuglings und lässt einen schwarzglänzenden Schieferblock zur Erinnerung an den jungen Franzosen über seinem Grab errichten. Der Pechmüller zieht in der Folge oft über Land und begleicht überall kleine Einkäufe mit französischen Goldmünzen. Dann zahlt er den Sohn aus, der etwas über die wahre Herkunft des geliehenen Geldes zu wissen scheint. Er ist froh, nach Gräfenthal umziehen zu können, heiratet wieder und nimmt sein Kind zu sich. Die Alten in der Mühle verlässt das Glück zuerst. Sie verarmen und enden bald in schwerer Bedrückung. Danach geht die Mühle von Hand zu Hand, aber keiner der neuen Besitzer kann das Anwesen wieder zur Blüte bringen. Dann erreicht der Fluch auch die Familie des Müllerssohnes. Dessen Erstgeborener missrät zu einem bösen Menschen, der dem Trunk verfällt und seinen Besitz verschleudert, bis man ihn an seinem vierzigsten Geburtstag nach einer Pfändung aus dem Haus jagt. Da erfasst den verwahrlosten Mann der Hass: Er legt Feuer an die Vaterstadt, und als man nach gewaltigen Verlusten den Brandschutt beseitigt, findet man die verkohlte Leiche des Brandstifters und zwischen seinen Rippen den Dolch des Franzosen (S. 16).
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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