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Zum frühen Romanwerk von Ludwig Bechstein
Ludwig Bechstein
(*24.11.1801 Weimar +14.05.1860 Meiningen)
Sein Leben lang hat sich Ludwig Bechstein mit den literarischen Formen des Romans (oft mehrbändig) und der so gen. großen Novelle beschäftigt. Auch hier lobt die Kritik (z.B. Kurt Wasserfall 1926) vor allem die fünf Titel des frühen Werks:
Die Weissagung der Libussa. Historisches Gemälde aus dem neunten Jahrhundert (1829)
Grimmenthal. Romantisches Zeitbild aus dem sechzehnten Jahrhundert (1833)
Das tolle Jahr. Historisch-romantisches Gemälde aus dem sechzehnten Jahrhundert (1833)
Der Fürstentag. Historisch-romantisches Zeitbild aus dem sechzehnten Jahrhundert (1834) und
Fahrten eines Musikanten (1837)
Libussa kann als ebenso hochgestimmtes wie grausames historisches Gemälde, Grimmenthal als heimatverbundenes, religiös orientiertes Werk der leisen Töne beschrieben werden. Der Fürstentag dokumentiert Bechsteins Verehrung und gute Kenntnis der Person Martin Luthers. Die zu Recht als neues Genre bezeichneten Fahrten eines Musikanten („Musikroman“, Bechsteins Vorwort spricht von einer „musiko-romantischen Biographie“, S. V) fußen auf Tagebuchaufzeichnungen eines Freundes von Bechstein (Daniel Elster) und wurden (neben dem Deutschen Märchenbuch) sein zu Lebzeiten erfolgreichstes Prosawerk.
Aus heutiger Sicht stehen die mittlere und späte Romanproduktion diesen frühen Texten in nichts nach. Allerdings setzen bereits die acht Titel der reifen Schaffensperiode neue Schwerpunkte.
Grumbach (1839)
Hallup der Schwimmer. Novelle (1839)
Sophienlust. Novelle (1840)
Clarinette. Seitenstück zu den Fahrten eines Musikanten (1840)
Philidor. Erzählung aus dem Leben eines Landgeistlichen (1842)
Wollen und Werden: Deutschlands Burschenschaft und Burschenleben (1850)
Ein dunkles Loos. Volkserzählung (1850) und
Die Manscripte Peter Schlemihls. Kosmologisch-literarische Novelle (1851)
Mit Grumbach endet die Tradition des historischen Romans im engeren Sinn, die Bechsteins frühes Erzählen bestimmt hatte. Die große Novelle Sophienlust bildet mit ihren ebenso heiteren wie nachdenklichen Liebesgeschichten aus einer hochadeligen Welt den Übergang zu Werken, in denen die Schicksale fiktiver Personen aus einem zunehmend bürgerlichen Milieu in den Vordergrund treten: Hallup erzählt das tragische Schicksal eines begabten Thüringer Schwimmers, der experimentelle „Genreroman“ Ein dunkles Loos das eines Jungen aus einfachsten Verhältnissen, der auf die schiefe Bahn gerät. Clarinette stellt die vielfach gewünschte und gut gelungene Fortsetzung des Musikromans von 1837 dar; hier ist die biographische Vorlage bislang nicht nachgewiesen. Philidor erzählt spannend und zugleich heiter von den Schicksalen einer Pfarrersfamilie des beginnenden 18. Jhs., die zusammen mit ihren Freunden mancherlei Prüfungen zu bestehen hat. Wollen und Werden und Die Manscripte Peter Schlemihls sind auf je eigene Weise weitere Prosa-Experimente, die für die Literaturwissenschaft von speziellem Interesse sein dürften. Bechstein hat zur Geschichte der deutschen Universitäten vier wissenschaftliche Aufsätze in der Zeitschrift Germania von 1852 veröffentlicht. Diesen Stoff verarbeitet er in den einzig erschienenen zwei Bänden eines als umfangreiche Trilogie geplanten Zeitbildes zu Deutschlands Burschenschaft und Burschenleben unter dem Titel Berthold der Student oder Deutschlands erste Burschenschaft. Sein Peter Schlemihl präsentiert sich auf humorige Weise als Ergänzung zu Adelbert v. Chamissos gleichnamigem Roman. Die Rahmenerzählung behandelt das Künstlerthema, das als frühe Variante in Grimmenthal und im späten Werk noch einmal im Wundermann aufscheint. Die witzige Binnengeschichte entführt die Lesenden in phantasievoll geschilderte ägyptische Reiseabenteuer, wobei der junge Literat des Rahmens auf der Suche nach ver-schollenen Manuskripten mancherlei bürgerlichem Personal begegnet.
Das späte Roman-Werk umfasst nurmehr zwei Titel:
Der Dunkelgraf (1854)
Die Geheimnisse eines Wundermannes (1856)
Der dreiteilige Dunkelgraf gehört zu den bekannteren Teilen von Bechsteins Erzähl-Oeuvre. Das romantische Thema der ungeklärten Herkunft und Identität ist hier gedoppelt (Ludwig und Sophie). Es erinnert an die Novelle Die Tochter des Geheimnisses, doch lässt der Roman-Schluss die beiden Leben mit unübertroffener Konsequenz in nicht mehr aufzuhellendem Dunkel verschwinden (Titel). Der ebenfalls dreibändige Wundermann stellt den Helmstedter Professor Theofried (kein Nachname) als Wanderer zwischen einer hellen und heiteren universitären Welt und einer fremdartigen, unterirdischen Ebene der Wahrheit dar, die den Schlüssel zu seiner großen Liebe ebenso wie zur Identität seines verleugneten Sohnes bewahrt.
(Zu den Anmerkungen: Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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5.1.1. Inhaltsangabe zu: Die Weissagung der Libussa. Historisches Gemälde aus dem 9. Jahrhundert. Roman (2 Bände) Stuttgart (Gebrüder Frankh) 1829.
1. Theil
Kap. I
Wie in einem historischen Gemälde wird die Weissagungssituation beschrieben, in der die Tochter des alten Krock, die Seherin Libussa, sich im Kreise ihrer Schwestern und Hofdamen mit dem ewigen Widersacher ihres Geschlechts, dem grausamen Hauptmann Wrsch und seinen Nachkommen, auseinandersetzt. Das böse Schicksal, das er den Kindern und Enkeln Krocks zugedacht hat, wird auf ihn selbst zurückfallen. Dann folgt in einem zweiten Teil eine Bestätigung dieser Prophezeiung und eine Zusammenfassung der Ereignisse durch den Erzähler bis zum Jahre 895: der Taufe des heidnischen Herzogs Borivor und seiner Gattin Ludmilla.
Kap. II
Der Wladyk Kochan Wrsch kommt aus den Räumen des böhmischen Herzogs Boleslav III. und wird von seinem Diener Jan erwartet. Dieser hat den polnischen Boten Hinek bewirtet und dabei dessen Verschwiegenheit überprüft. Da sich der Pole als zuverlässig erweist, wird ihm ein Geheimschreiben ausgehändigt, das Wrsch inzwischen mit seinem Schreiber Cdenko erarbeitet hat. Mit düsterer Freude sieht Wrsch zu, wie der jüngere Prinz Udalrich im Hof der Burg Wischehrad vom Pferd stürzt, und es wird klar: Der Wladyk schmiedet geheime Pläne gegen Herzog Boleslav und seine beiden Söhne. Der Herzog hat seinen älteren Sohn Jaromir und seine vornehmsten Wladyken im Festsaal der Burg um seinen Thron versammelt. Auch Kochan Wrsch ist anwesend und andere Berater, die dessen feindselige Einstellung gegen den Landesherrn teilen. Gemeinsam empfangen sie Gesandte des Polenkönigs Boleslav I., der seinen Namensvetter zu Verhandlungen einlädt; es geht um die Rückgabe der von den Polen eroberten Stadt Krakau, die als eine Gründung des Altvaters Krock gilt. Bedrückt berät sich Boleslav mit seinen Untertanen, und an ihren Worten wird erkennbar, wes Geistes Kind jeder einzelne von ihnen ist. So rät der treue alte Ptaczek Berkow von einer Reise in Feindesland ab, Wrsch rät beleidigt zu. Es kommt zum Streit zwischen den beiden, und Boleslav entscheidet sich, um das Fabelgeschwätz der Weiber" (S. 33) zu widerlegen, für die Versöhnungsreise. Wrsch weiß sich ihm und Jaromir als schützenden Begleiter aufzudrängen. In den Gärten zwischen der Burg Wischehrad und der Muldawa (Moldau) gesteht Peter Berkow seinem Freund Matieg Howora, dass er dessen Schwester Ludmilla liebt. Howora stimmt einer Verbindung zu, die die alte Freundschaft der beiden Familien festigen wird. Er denkt an eine eigene glückliche Liebe, während er den zarten Zagicz Dieczin um seine unerwiderte Neigung zur blassen Niwa trauern sieht. Im Gespräch sind die Freunde zu den tanzenden Hofdamen der Herzogin Czemislawa hinübergeschlendert, zu denen die Zigeunerin Strzislawa stößt, um ihnen ihr Schicksal aus den Händen zu lesen. Die Ankunft der vornehmen Reiterin Hruoba schlägt jedoch die Alte bald in die Flucht. Am Morgen der geplanten Abreise erzählt die Herzogin Czemislawa von einem warnenden Traum, in dem sie mit Hilfe ihrer Ahnherrin Libussa den Verrat des Polenkönigs an ihrem Mann vorhergesehen hat. Doch Boleslav vergleicht sie mit der heidnischen Seherin, deren Weissagungen im Widerspruch zu den Forderungen des neuen Gottes stehen. Auch als sich seine alte Mutter Hemma und die Schwägerin Strzizka den prophetischen Warnungen anschließen, lässt er sich nicht umstimmen: Er empfiehlt sich dem Schutz des Christengottes und bricht nach Czarnicz auf. Dort am Hof des Namensvetters und später im polnischen Krakau wird tagelang die neu begründete Freundschaft der ehemals verfeindeten Nachbarn gefeiert. Nachts jedoch schmiedet der Polenkönig mit Kochan Wrsch verräterische Pläne, denn er will ganz Böhmen und dessen Krone an sich bringen. An einem dieser Festtage fragt Wrsch bei Tisch hintersinnig nach der Höhle unter dem Schlossberg, in der Krock den Drachen besiegt haben soll. Sogleich brechen die beiden Boleslave mit großem Gefolge und unter Hineks Führung auf, um den historischen Ort zu besichtigen. Auf dem Weg erinnert sich der Böhmenkönig beim Anblick einer herrlichen Abendlandschaft an den Warntraum seiner Frau, und wenig später im Eingang der Drachenhöhle meint er die mahnende Gestalt der Libussa zu sehen. Doch es ist zu spät: Boleslav wird bei einer Attacke im Innern des Berges in demselben Augenblick geblendet, in dem seine Diener vom Krakauer Schlossberg gestürzt werden. Nur Wrsch und der Leibjäger können sich retten und fahren ihren verratenen Herrn in die Heimat zurück.
Kap. III
Der Oberjägermeister Jaroslav Howora ist mit seinem Sohn Matieg und dessen Freund Peter Berkow auf der Jagd. Trauer erfüllt den Getreuen angesichts des Unglücks, das seinen Herrn getroffen hat. Während die jungen Leute mit den Hunden ein Rudel Hirsche verfolgen, gelangt der alte Howora in Gedanken versunken an einen düsteren Platz, auf dem früher den heidnischen Göttern Opfer gebracht wurden. Unter einer tausendjährigen Eiche grüßen drei bleiche Greisinnen den treuen Diener und segnen ihn mit drei Zauber-Gegenständen: einem silbernen Jagdhorn, einer goldenen Balsambüchse und einem geschliffenen Kristall. Dann scheuchen sie sein Pferd und steigen als silbrige Nebel auf, während erste Sonnenstrahlen durch das Laub der Eiche fallen. In der hellen Fläche des Edelsteins sieht Howora seinen blinden Herrn zurückkehren und erkennt die Leichname seiner Diener, die am Fuß des Schlossberges liegen. Bestürzt ruft er seine Begleiter mit dem silbernen Horn und kehrt eilig in den Wischehrad zurück. Dort ziehen gerade schreckensbleiche Diener die Willkommensfahne ein, und Howora sieht in seinem Kristall, wie Kochan Wrsch einigen seiner Komplizen hohnlachend die Geschichte von Herzog Boleslavs Blendung erzählt. Zagicz Dieczin, der Leibdiener der Herzogin, ruft den Oberjägermeister und führt ihn in deren Gemächer, wo Czemislawa im Kreise ihrer Hofdamen schwarz verhüllt und trauernd sitzt. Sie schickt Libka, Ludmilla und Niwa hinaus; Niwa entfernt sich sofort, und Libka bestätigt ihrer Freundin Ludmilla, dass sie den jungen Howora liebt. Inzwischen warnt der alte Howora seine Herrin vor den Listen des Kochan Wrsch, und diese vertraut den unglücklichen Gemahl seiner treuen Bewachung an. Vor den versammelten Edlen seines Reichs stellt der geblendete alte Herzog seinen erstgeborenen Sohn Jaromir als seinen Nachfolger vor. Bewegt setzt er ihm selbst die Böhmen-Krone auf, dann wird der junge Herrscher zur Salbung in den Dom geführt. Auch Niwa liebt Matieg, und sie weiß, dass dessen Herz der fröhlichen Libka gehört. Im Dunkel einer einsamen Eibenlaube findet Zagicz die Verzweifelte und gesteht ihr seine leidenschaftliche Verehrung; doch Niwa will ihn nicht erhören. Als er die kalte Geliebte in Trauer und Wut verlassen hat, kommen Libka und Ludmilla mit ihren Freunden Peter und Matieg, und Niwa erfährt betroffen, dass beide Paare sich verlobt haben. Auf ihrem Heimweg durch das Dunkel der Gärten treffen die jungen Leute auf Kochan Wrsch und seine beiden Vettern und ahnen, dass die drei düsteren Männer nichts Gutes im Schilde führen.
Kap. IV
Kochan Wrsch tritt nach heimlichen Verabredungen mit seinen Dienern in die Gemächer des jungen Herzogs, um diesen bei herrlicher Morgensonne zur Jagd auf dem Berge Welicz einzuladen. Jaromir besteht darauf, dass der alte Horowa ihn begleitet. Die blasse Niwa träumt im Vorzimmer ihrer Herrin Strzizka, als ein Schrei sie in deren Gemächer ruft, von wo aus sie die von einem prophetischen Traum erregte junge Herzogin zu ihrer Schwiegermutter geleitet: Jaromir ist in Lebensgefahr, so lautet die Botschaft, und sofort schwärmen Diener aus, ihn auf dem Welicz zu suchen. Der blinde Boleslav und seine Mutter Hemma gesellen sich zu Strzizka und vergleichen sie mit der weissagenden Libussa. Den hinter seinem Herrn herreitenden Horowa beschleicht der Argwohn, als sich kein Wild am Welicz zeigen will, und er schaut in seinen Zauberkristall. Als der ihm aus der Hand fällt und einen Abhang hinunterrollt, verliert der Oberjägermeister viel Zeit bei dem vergeblichen Versuch, das Kleinod wiederzugewinnen. Zudem zieht Nebel auf, so dass es ihm nicht gelingt, die Spur seines Herzogs aufzunehmen. Diesen hat der finstere Wrsch auf einem Seitenweg zu dem alten Opferplatz gelockt; Jaromir sieht sich plötzlich von maskierten Männern umringt, die ihn vom Pferd ziehen. Er wird zwischen zwei Pfähle gebunden und gequält, bis ihm die Sinne schwinden. Horowa hat einen Schrei gehört und wird heimlicher Zeuge der furchtbaren Opferszene. Er kehrt um, trifft einige der ausgeschwärmten Diener und fleht um schnelles Eingreifen. Die Verschwörer schießen inzwischen mit Pfeilen auf den um göttlichen Beistand bittenden Jaromir, und tatsächlich bewahrt eine nur für ihn sichtbare leuchtende Jünglingsgestalt ihn davor, getroffen zu werden. Als die Meuchelmörder zu den schwereren Speeren greifen, wirft sich der zurückgeeilte Horowa ihnen entgegen, doch kann er allein wenig ausrichten. Die Rotte der Gegner will ihn erhängen, gestattet ihm jedoch auf seine Bitte, ein letztes Lied auf dem silbernen Jagdhorn zu blasen. Da ertönt ganz in der Nähe Antwort, Waffen klirren, und ein heftiger Kampf entbrennt, den die Getreuen des Herzogs gewinnen. Den ohnmächtigen Jaromir belebt der Balsam aus Horowas goldener Zauberdose. Dankbar verspricht der gerettete Herr dem Diener angemessenen Lohn.
Kap. V
Im Schloss sind die herzogliche Familie und die Dienstboten angespannt wartend versammelt, als Ludmilla Zagicz Dieczin heranreiten sieht. Czemislawa glaubt an eine neue Untat des Kochan Wrsch, der blinde Boleslav nimmt den Wladyken wie immer in Schutz und murrt gegen die rechthaberischen Frauen und ihre weissagenden Träume. Zum erstenmal lächelt Niwa den vom schnellen Ritt erhitzten Zagicz an, der sogleich zu Strzizka geführt wird und ihr die Rettung des Gemahls verkündet. Mit Wohlgefallen ruht der Blick des Glücksboten auf der jungen Wesna, die ihm den Willkommensbecher kredenzt, und Niwa fasst sich ans Herz. Boleslav muss angesichts des Zeugenberichts erkennen, dass Kochan Wrsch und seine Leute Feinde des Herzogshauses sind. Wrsch, der der Gefangennahme entgangen ist, hört heimlich Zagicz Anklagen zu. Als Jaromir eintrifft und die Diener des Feindes verhaften lassen will, sind diese geflohen und alle belastenden Papiere verbrannt. Trotzdem wird die Rettung des Hausherrn aufwendig gefeiert, und Zagicz und die warmherzige Wesna finden zueinander. Niwa klagt um ihre verlorene Liebe und sucht vergebens Trost bei Hruoba. Als sie beiläufig den Namen der alten Strzislawa erwähnt, wird Hruoba unruhig, und ihr Gesicht verfinstert sich. Mit Libka spricht Niwa über die geheimnisvolle Gefährtin und findet bei der Freundin auch Anteilnahme für ihren eigenen Kummer. Auf der Wiese mit Namen Borzina, die als Richtstätte dient, wohnen die mit Kochan Wrsch geflüchteten Diener Jan und Hinek heimlich und in Verkleidung der Hinrichtung von dessen Vettern und weiteren elf Gefangenen bei. Anschließend verkündet Peter Berkow dem Volk, dass Herzog Jaromir den alten Horowa zum geheimen Rat ernannt und mit reichem Landbesitz belohnt hat. An der Stelle des heidnischen Opferplatzes hat der Herzog als Dank für seine Errettung ein Kloster bauen lassen. Die Herzogin und der gesamte Hofstaat ziehen aus, um den Altar einzuweihen, der an der Stelle der tausendjährigen Eiche errichtet worden ist. Die Nonnengemeinschaft unter Führung der Äbtissin Milada nimmt an diesem feierlichen Tage die zur Entsagung entschlossene Niwa als Novizin in ihre Reihen auf. In ahnungsvoller Nachdenklichkeit reiten Wesna, Libka und Zagicz unter einem glühenden Abendhimmel heim.
Kap. VI
Im Garten der Goslarer Residenz Kaiser Heinrichs II. weint der Böhmenprinz Udalrich um das Schicksal seines Vaters und des Bruders Jaromir, die so knapp den Anschlägen des verhassten Wrsch entkommen sind. Erschrocken fragt er seinen Freund, den Franken Hans von Stettenberg, wie der Geheimschreiber des Intriganten, Cdenko, in die Pfalz gelangt ist. Er fühlt sein eigenes Leben bedroht, obwohl der Kaiser ihm Schutz für sich und sein Land versprochen hat, und diese Sorgen sind berechtigt: Der Hauptmann von Heinrichs Leibgarde tritt auf die Freunde zu, fordert Udalrichs Schwert und führt ihn als Gefangenen in den Turm. Stettenberg ist entschlossen, sein Leben für die Befreiung des Freundes zu riskieren. Am Hof des Polenkönigs plant Wrsch den militärischen Überfall auf das Prager Schloss und die Neuverteilung der Macht nach dem erhofften Sieg über Herzog Jaromir. Cdenko berichtet von seiner erfolgreichen Mission in Goslar: Der Kaiser konnte mit Gold bestochen und in gefälschten Papieren vor Udalrichs Ränken gewarnt werden. König Boleslav gibt an Wrsch den Befehl, die polnische Streitmacht gegen Böhmen zu mobilisieren. Auf Schloss Libin feiern zwei glückliche Paare ihre Hochzeit: der junge Howora mit Libka und Peter Berkow mit Ludmilla. Am Abend reiten Wesna und Zagicz in der Vorfreude auf ihr eigenes Glück zurück zum Wischehrad. Hruoba, die sich in ihrer Begleitung befindet, hegt finstere Gedanken, bleibt zurück und gelangt über ein Seitental vor die Hütte der Zigeunerin Strzislawa. Die beiden Frauen streiten sich, die Alte ruft ein fröhliches Mädchen namens Bozzena herbei, und die Patin Hruoba überreicht kleine Geschenke. Als Libka und Matieg sich in ihrer Hochzeitsnacht zurückziehen, weht ein ungehörter Seufzer durch das Gemach. Im Kloster auf dem Welicz wird das Totenamt für die in der letzten Sonne des sinkenden Tages aufgebahrte Niwa gefeiert und die Novize nach Sonnenuntergang, begleitet von den Gesängen ihrer Ordensschwestern, bestattet. Als die Nonnen unter einem glühenden Abendhimmel hinter die Kloster-Mauern zurückgekehrt sind, kniet an dem frischen Grab ein junger Ritter neben einem blonden Jungen; sie sprechen ein Gebet und reiten im Licht des aufgehenden Vollmonds still davon.
Kap. VII
Das Land Böhmen wird von Boleslavs Kriegszug überrascht und hat ihm kaum etwas entgegen-zusetzen. In kürzester Zeit steht der polnische Herrscher vor Prag, neben ihm der rachsüchtige Wrsch, der begehrliche Blicke auf den Wischehrad wirft. Während Jaromir sich an der Spitze seiner Truppen in die Schlacht wirft, beobachten die Frauen vom Palast aus, wie nach kurzem Kampf die zahlenmäßig unterlegenen Böhmen die Flucht ergreifen müssen. Der junge Howora bringt die Nachricht, dass der Herzog weder die Stadt noch das Schloss preiszugeben gedenkt. Die greise Hemma aber weiß, dass sich an diesem blutigen Tage die Weissagungen der Libussa erfüllen. Die Wachen vor dem Turm in Goslar trinken gierig den Wein, den ihr deutscher Kamerad Johannes ihnen gegen die Kälte der Nacht anbietet. Bald darauf hört man in einer ungewöhnlichen Stille nur das Schnarchen der zusammengesunkenen Wächter. Udalrich schreckt in seinem Verließ aus einem leichten Schlummer auf und erkennt Hans von Stettenberg als seinen Befreier. Geschickt bringt dieser den von der Haft Geschwächten an allen Wachposten vorbei; mit Hilfe eines Seils überwinden sie die Außenmauern, finden die einbestellten Knechte mit den Pferden und verschwinden im Dunkel der Nacht. Unter der Führung eines Ortskundigen zieht Kochan Wrsch mit einem Haufen Bewaffneter im Dunkeln zu einer Wiese am Ufer der Moldau, um auf ein Zeichen seines Dieners Hinek zu warten. In finstere Gedanken versunken hört er plötzlich die keifende Stimme einer alten Frau, die ihm bedeutet, dass er sich auf der Richtstätte Borzina befindet. Es ist die hexenhafte Strzislawa, die den Wladyken an eine dreizehn Jahre zurückliegende Liebesbeziehung erinnert und ihm einen grausamen Tod, seiner Tochter aber die Würde der böhmischen Krone vorhersagt. Wrsch sucht beunruhigt die Nähe seiner Soldaten, und gemeinsam entdecken sie das vereinbarte Lichtzeichen über dem Seitenpförtchen in der Stadtmauer: Hinek hat die schlafenden Wachen erschlagen und führt seine Leute durch die Stadt und vor ein anderes Tor, von dem aus ein weiteres Zeichen die Scharen im polnischen Lager in Bewegung bringt. Zu spät bemerken die Bürger den Verrat; Jaromir kann zwar in letzter Minute auf den Wischehrad fliehen, aber Prag ist in den Händen der Feinde. Ein junger und ein älterer Reiter steigen vor Strzislawas Hütte von ihren Pferden, der Jüngere schaut selbstvergessen auf die fast noch kindliche Schönheit Bozzenas, die im Fluss des vom Krieg verschonten Tales ihre und der Mutter Wäsche wäscht. Die beiden Deutschen bitten die Alte um eine Erfrischung, und als Bozzena diese überbringt, lässt der jüngere Mann ihre Hand nicht mehr los. Strzislawa schimpft mit ihm, schaut dann in seine Handlinien und fällt unvermittelt vor ihm als einem Erben Böhmens auf die Knie: Es ist Udalrich, der dem bedrängten Bruder zu Hilfe kommt. Die Zigeunerin schickt ihn zum Diewni, dem Schloss der Berkows. Auf dem Weg dorthin warnt Stettenberg den verliebten Fürstensohn vor einer Heirat mit der nicht standesgemässen Fremden: sie ist vielleicht eines Bauern Tochter (S. 201).
Kap. VIII
Der Kampf um das belagerte Schloss Wischehrad entbrennt. Der Polenkönig schaut von einem der Prager Türme zu und beklagt sich bei Hinek, dass derm Sturm nicht der erwartete schnelle Erfolg beschieden ist. Auch Wrsch, der an der Spitze seiner Truppen steht, ist zornig über den nicht ermüdenden Widerstand, der vielen seiner Leute den Tod bringt, und gibt schließlich das Zeichen zum Abzug. Zagicz ist bei dem Versuch, das Leben seines Herzogs zu schützen, schwer verwundet worden. Wesna kämpft mit ihren Getreuen die ganze Nacht um sein Leben vergebens. Doch zu der ohnmächtig Niedergesunkenen treten die Howoras, und der Alte belebt den jungen Krieger mit der Salbe aus der goldenen Zauberdose. Die Berkows beraten auf ihrem Schloss Diewni mit den versammelten Wladyken, doch kann keine Einigkeit darüber hergestellt werden, wie der polnischen Besatzung ein Ende zu machen wäre. Da langen Udalrich und Stettenberg an und werden freudig begrüßt. In neuer Eintracht schwören die Versammelten ihrem Prinzen zu: Sieg oder Tod für Böhmen und Jaromir! (S. 216) Noch in derselben Nacht verlangt Cdenko mit einem Schreiben von Kochan Wrsch Einlass. Dieser bietet Versöhnung an und will als Gegenleistung dafür sorgen, dass die Polen abziehen. Der alte Berkow erinnert an die Kampftaktik des Reichsgründers Krock und ist bereit, sich in der herrschenden Ausnahmesituation des schlimmen Werkzeugs zu bedienen. Im runden Turmgemach des Wischehrad flüstern Hruoba und die Pflegemutter ihrer Tochter, die zottige Strzislawa, miteinander. In dem verdüsterten Sinn von Bozzenas leiblicher Mutter keimt Hoffnung auf: Sie wird dem Glück ihrer Tochter und einer Versöhnung mit deren Vater nicht im Wege stehen. Über eine verborgene Wendeltreppe verlässt die greise Vertraute das Schloss, und Hruoba bringt die Botschaft von Udalrichs Ankunft in die Privat-Gemächer des Herzogs. Auf dem Diewni beginnen heimliche Vorbereitungen für den Befreiungsschlag. Zwischen dem polnischen König und seinem Komplizen Wrsch kommt es zum Zerwürfnis. Während Boleslav seinem Diener Hinek Anweisung gibt, den Heerführer zu beseitigen, bespricht Wrsch bereits mit einem weiteren Komplizen den Beginn eines geplanten Aufruhrs. Ein junger Unbekannter tötet indessen auf dem Wischehrad den elenden Hinek und verschüttet den Giftbecher, den dieser für Kochan Wrsch bereitgestellt hat. Am andern Morgen treibt ein ungeschickter Hirte endlose Herden aus dem Stadttor, wobei er seltsame Zeichen mit dem Hirtenhorn gibt. Die Bürger horchen auf, aus dem Diewni und Schloss Wischehrad brechen Bewaffnete, werfen sich zwischen die Zelte der überraschten Belagerer und beginnen ein blutiges Gemetzel. Wrsch eilt zur Residenz des Polenkönigs, den er durch die Seitenpforte der Stadtmauer ins Freie bringt. Inzwischen fällt auch der letzte polnische Soldat, während Jaromir und Udalrich einander als Sieger in die Arme sinken.
Kap. IX
Im Kreise seiner Familie berichtet Udalrich von den bestandenen Abenteuern und der Mithilfe des Kochan Wrsch, der Böhmen seine Befreiung verdankt. Aber die Vergebung, die er dem Verhassten zugesagt hat, wird von Jaromir und allen andern verweigert. Diesen ersten Streit zwischen den wieder vereinten Brüdern schlichtet der alte Horowa: Man soll Wrsch seine Besitzungen um Burg Wrschowetz zurückgeben und ihn ansonsten auf Distanz halten. Auf dem Ritt zur Hütte der schönen Bozzena verliert sich Udalrichs Groll gegen den herzoglichen Bruder. Hruoba schmiedet inzwischen mit Strzislawa geheime Pläne: Sie wird ihre Tochter der Herzogin als Bauernmädchen vorstellen und um ihre Anstellung als Leibdienerin bitten. Unangenehm überrascht findet Udalrich die stolze Hruoba in dem einsamen Tal. Er erinnert sie an gemeinsame Jugendtage, als der finstere Wrsch ein Auge auf sie geworfen hatte. Schwärmerisch spricht er von Bozzenas Schönheit und hat reichen Schmuck als Geschenk für sie mitgebracht, wirft auch Strzislawa einen Beutel voll Goldstücke zu. Im Krönungssaal des Wischehrad gibt Herzog Jaromir bekannt, dass er die Herrschaft über das von den Polen befreite Land in Zukunft mit dessen Retter Udalrich zu teilen gedenkt. Dankbar lässt dieser sich krönen und nutzt die neue Würde, um Ptazek Berkow und Hans von Stettenberg für ihre Treue zu belohnen. Udalrich kommt dazu, als die junge Herzogin gerade Hruobas Patenkind Bozzena als Dienerin angenommen hat. Da fasst er sich ein Herz und bittet seine Familie, ihm die junge Hofdame zur Frau zu geben. Den Hinweis auf ihre niedrige Herkunft entkräftet er mit einem Vergleich: Auch Libussa hat einen Bauern als ihren Gatten auf den böhmischen Thron gehoben. Die Kraft seiner Liebe und Bozzenas Anmut setzen sich schließlich gegen alle Bedenken durch. Hinter der in tiefen Gedanken einen Kräuterbrei kochenden Strzislawa steht überraschend Kochan Wrsch. Er beschwert sich, weil Bozzena ohne sein Wissen die Frau des von ihm verachteten Mitherzogs (S. 267) geworden ist. Im Streit mit der Alten steigert sich seine Wut derart, dass er mit dem Schwert nach ihr sticht. Das ist der Lohn, daß ich sein Kind erzog! röchelt die Zigeunerin und atmet nicht mehr
Von Reue über die unbedachte Tat getrieben verliert sich der umdüsterte Mann in den Wäldern.
Kap. X
Im runden Turm des Wischehrad zeigt Udalrich seinem Freund von Stettenberg die Porträts seiner Ahnen. Überraschend tritt durch eine geheime Tür Kochan Wrsch zu ihnen, den Stettenberg mit Beleidigungen so lange reizt, bis er zum Duell aufgefordert wird. Dann gibt der Wladyk seinem Herrn Udalrich einen Brief zu lesen, mit dem Jaromir einst einen Vertrauten beauftragt haben soll, den alten Boleslav zu blenden. Wrsch nutzt ferner geschickt die Empfindlichkeit des dux secundus, um mit einem zweiten Brief dessen Argwohn gegen den Bruder zu richten. Stettenberg warnt und erinnert an die bekannten Ränkespiele des Landesverräters, doch Udalrich weist den Freund zurück; mit Stettenberg geht der gute Engel hinweg von dem bethörten Herzog (S. 281). Wrsch trifft sich mit Stettenberg im Flusstal nahe der Hütte von Strzislawa. Ihr Kampf ist lange ausgewogen, bis Wrsch hinter dem Gegner das gelbe Gesicht der totgeglaubten Zigeunerin erblickt. Die Schrecksekunde nutzt Stettenberg, um den Herausforderer niederzustrecken, doch ist er treuherzig sogleich bereit, ihm die Schulterwunde zu verbinden. Strzislawa jedoch warnt ihn vor den Ränken des Verräters: Dessen Diener lauern am Talausgang auf ihn, um den Freund des neuen Herzogs zu töten. Stettenberg entfernt sich stolz auf eigenen Wegen, indessen rechnet die Zigeunerin grausam mit dem hilflosen Wrsch ab, wirft Feuer in ihre Hütte und verschwindet für immer aus der Gegend. Als Stettenberg nach dem Zweikampf auf das Schloss Wischehrad zurückkehrt, findet er die herzogliche Familie in Verwirrung und tiefer Trauer. Unbekannte sind in der Nacht durch alle Wachen zu Jaromir vorgedrungen und haben ihm die Augen ausgestochen. Der Ritter beschließt, Böhmen sofort zu verlassen und in die fränkische Heimat zurückzukehren. Sein Abschied von Udalrich und Bozzena ist kühl. Sein letzter Rat lautet: Hütet Euch vor Kochan Wrsch (S. 292). Am Morgen des Tages, an dem Bozzena Udalrichs Frau werden soll, fällt Hruoba in der Einsamkeit ihres Gemachs zu heißen Gebeten auf die Knie. Sie denkt an Niwa und beschließt, sich auch ins Kloster zurückzuziehen, um die Sünden ihrer Jugend abzubüßen. Bozzena kommt, ihr für mütterliche Betreuung zu danken, und Hruoba setzt der Braut den myrtengeschmückten Goldreif ins Haar. Durch den Jubel der Feierlichkeiten aber meint man die stumme Klage des leidenden Jaromir zu hören, in der sich erneut die Weissagungen der Libussa erfüllen.
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2. Theil
Kap. XI
Jahre später (nach 1006): Czemislawa, der alte Howora und die Greisin Hemma leben nicht mehr. Der alte Boleslav und sein Sohn Jaromir erleben trübe Tage, letzterer zusammen mit seiner Gattin in einem erzwungenen Exil, wo Strzizka in aufopfernder Liebe um den Blinden besorgt ist. Hruoba, jetzt Schwester Johanna genannt, hat die Leitung des Klosters auf dem Welicz übernommen, und Udalrich, nunmehr Alleinregent und Vater eines Sohnes, wird von seinem schlechten Gewissen umgetrieben. Kochan Wrsch gilt als verschollen. Die Menschen auf dem Wischehrad begleiten festlich den jungen Prinzen vor die Flügeltüren des Palastes, wo Brzetislav von seinem Stallmeister Boroslav Wrsch erwartet wird. Der Sohn des Herzogs soll eine Reise an den Hof des deutschen Kaisers antreten, der jetzt in Bamberg residiert. Udalrich und Bozzena versehen den Scheidenden mit gutgemeinten Ratschlägen, und die sanfte Brela Berkow schaut mit Tränen in den Augen diesem Abschied zu, eifersüchtig betrachtet von dem gierigen Jägermeister Schiba Wrsch. Ihr Bruder Gindrich tauscht Blicke des Einverständnisses mit Ludomira Howora und schwingt sich dann aufs Pferd, ebenso wie Ludomiras Vater Matieg, und schon reitet Prinz Brzetislav mit seiner vornehmen Begleitung aus dem äußeren Tor. Sturm rüttelt an den Fenstern der alten Burg Zdiby, und in ängstlichem Nachsinnen hört der Vogt Jan in seiner Kammer den nächtlichen Gesang und das Harfenspiel der Herzogin Strzizka, die Libussas Schutz für ihren kranken Gatten erfleht. Im fahlen Licht eines Blitzes meint der unruhige Alte den Mann sich nähern zu sehen, dem er sein schweres Schicksal verdankt, und tatsächlich tritt wenig später durch eine Geheimtür Kochan Wrsch bei ihm ein. Auf dunklen Pfaden ist der seit Jahren unterwegs, um seinen Anspruch auf die Macht im Lande anzumelden. Er fragt nach seinen Vettern Boroslav und Schiba, von deren Karrieren am herzoglichen Hof er sich viel verspricht. Den Brief, den er Jan anvertrauen wollte, nimmt er jedoch wieder an sich, als er spürt, dass der Alte unter der Last ihrer gemeinsamen Geheimnisse zusammenbrechen könnte. Drohend verabschiedet er sich von dem zitternden Greis: Gib auf Deine Zunge Acht, hüte Dich! (S. II 26) Auf Schloss Wischehrad vollendet im Vorzimmer der Herzogin ein Kreis junger Frauen einen Seidenteppich mit Sagenbildern aus der Vorgeschichte des Landes. Dabei fliegen neckende Bemerkungen über verschiedene Liebesbeziehungen hin und her. Brela verlässt weinend den Raum, als man ihren Namen mit dem des düsteren Schiba Wrsch zusammen nennt. Eine Gruppe verirrter Edelknaben findet im letzten Licht des Tages eine Burg inmitten der unendlichen fränkischen Wälder, auf der sie freundlich willkommen geheißen werden. Der Burgherr, Hans von Stettenberg, erkennt Udalrichs Sohn und lässt ihn und seine Kameraden unter lebhaften Gesprächen reichlich bewirten. Brzetislav berichtet, wie einer der beiden älteren Begleiter, der Prälat Severus, sich vor Bamberg durch einen Sturz verletzte, und ihr Führer Matieg Howora den jungen Männern diesen Streifzug erlaubte. Der Burgherr stellt einige Tage Aufenthalt in Aussicht und wird am nächsten Morgen einen Boten auf die Heldburg entsenden, um Howora Nachricht vom Verbleib seiner Schützlinge zu geben.
Kap. XII
Auf Zdiby liegt die fromme Strzizka im Sterben, und Jaromir hält ihre Hand. Dann entsteht Tumult im Burghof, und der Beichtvater der Herzogin führt den Blinden in seine eigenen Gemächer zurück. Udalrich hat Strzizkas letzten Wunsch erfüllt und sich zu einer heimlichen Unterredung bereit erklärt, von der keine Silbe zu dem lauschenden Burgvogt hinausdringt. Dann nimmt Strzizka erleichtert Abschied von ihrem Gatten, ein Akkord weht durch die Saiten ihrer Harfe und der verzweifelte Jaromir ist allein. An der äußersten Grenze des Palastgartens steht am Ufer der Moldau Schiba Wrsch einsam und in finsteren Gedanken an seine unerwiderte Liebe zu Brela. Ein Unbekannter tritt zu ihm und übergibt ihm den Brief des Onkels Kochan, der ihn und den Bruder nach Wrschowetz einbestellt. Sofort bespricht er sich mit Boroslav und sieht mit bitteren Gefühlen, wie dieser hinter der Zimmertür der schönen Pribislawa verschwindet. Stettenberg nähert sich mit seinen jungen Gästen dem Gipfel eines Aussichtsberges und berichtet, wie er sich nach der Rückkehr aus Prag die Burg gebaut und seine verwitwete Schwester zu sich genommen hat. Bald schweift der Blick der Männer über das geschichtsträchtige Zentrum des Frankenlandes mit den Burgen Henneberg, Wackburg und Lichtenberg, hinter denen das Schloss Hutsberg und die Ruine der Duisburg zu erkennen sind. Dann führt der alte Hans die böhmischen Edlen zu Graf Poppo auf Henneberg, wo Brzetislav bald neben einer jungen Schönheit zu Tisch sitzt, die ihm als verwaiste Verwandte des Hausherrn und des ebenfalls anwesenden Frankenherzogs Konrad vorgestellt wird. Während sich zwischen ihm und der geistreichen Jutta, genannt von Henneberg, ein schnelles Einverständnis herstellt, kommt aus Bamberg die Botschaft, dass Kaiser Heinrich gestorben ist. Herzog Konrad muss mit seinem Gefolge überstürzt aufbrechen, und Stettenberg ruft Severus und Horowa von der Heldburg nach Henneberg herüber. Ein täglich mehr sich verfinsternder Udalrich entschließt sich endlich, seinen Kummer mit Bozzena zu teilen. Sein Gespräch mit der sterbenden Strzizka hat ihm ein eigenes Gefühl bestätigt: Jaromir war und ist unschuldig. Udalrich ist so verzweifelt, dem Bruder das Augenlicht zu Unrecht geraubt zu haben, dass seine Gattin den Bischof Helikardus ruft. Dieser rät zur Versöhnung mit dem Gefangenen, und Bozzena bittet, die Brüder Wrsch vom Hof entfernen zu lassen. Erst nach einem langen inneren Kampf kann der Landesherr sagen: Ich will (S. II 79).
Kap. XIII
Auf Wrschowetz hat Cdenko kaum von der Übergabe des Briefes berichtet, als die Neffen des alten Wolfs zu freudiger Begrüßung eintreffen. Schiba und Boroslav müssen von ihrer Entlassung aus höfischen Diensten berichten, Kochan erneuert in ihnen das Misstrauen gegen Libussas Nachkommen und entwickelt seine Pläne: Er hat sich den jungen Polenkönig Mirzislav mit Versprechungen gefügig gemacht und wird zum Schlag gegen Jaromir und Udalrich ausholen. Er erinnert die beiden jungen Wrsch an den schmählichen Tod ihres Vaters auf der Richtwiese Borzena, und sie müssen ihm schwören, dass sie ihr Leben dem Hass und der Rache weihen werden. Graf Poppo hat statt des verstorbenen Kaisers die ritterliche Ausbildung des verliebten Polenprinzen übernommen. Der Herr auf Henneberg eröffnet eines Tages dessen Begleiter Matieg Howora, dass Jutta die uneheliche Tochter des Franken Konrad ist, der sich berechtigte Hoffnung auf die Nachfolge Kaiser Heinrichs macht. Howora verspricht, seinen in diesem Fall nicht mehr standesgemäßen Schützling Brzetislav zu mehr Zurückhaltung gegenüber der jungen Frau aufzufordern. Doch Brzetislav ist zum Verzicht nicht bereit, und als der Salier Konrad zum Kaiser gewählt worden ist und Jutta ihm nach Regensburg nachreisen und als Stiftsdame in das Kloster Obermünster eintreten soll, versichert er die Auserwählte noch einmal seiner ergebenen Treue und Verehrung. Dadurch erwirkt er das Recht, sie auf der bevorstehenden Reise begleiten. Den in der dunklen Einsamkeit von Burg Zdiby lebenden Jaromir berührt die Hand des Bischofs Helikardus: Der Geistliche bringt ihm die Herzogswürde zurück, und Udalrich fällt dem Bruder zu Füßen und bittet um Vergebnung. Versöhnt reisen die beiden mit großem Gefolge nach Prag zurück. Kochan Wrsch überlässt seinen Besitz der Aufsicht des ehemaligen Burgvogts Jan und reitet mit den Neffen in Richtung Prag. Noch bevor der Mond aufgeht, trennt sich der Alte mit Cdenko von den Begleitern, lässt die Pferde außer Hörweite und nähert sich leise dem Schloss Wischehrad. Unbemerkt folgt ihm ein vornehmer Fremder mit Namen Smilo. Wrsch erklettert eine einzeln stehende Tanne und versendet von ihrer Höhe einen Pfeil in ein erleuchtetes Fenster. Während die Gefährten zu den Pferden zurückeilen, wird Kochan von den suchenden Lichtern schneller Palastdiener überrascht und stürzt beim hastigen Abstieg von dem Baum. Aus höchster Gefahr rettet ihn ein Schuss auf den vordersten seiner Verfolger, ein zweiter Gegner wird über eine Klippe in die Moldau gestürzt, dann packt ihn jemand und trägt ihn in das sichere Dunkel der nahen Waldung. Dort gibt Smilo sich als jener unbekannte Helfer zu erkennen, der Kochans Leben bereits vor Hineks Gifttrank und am Welicz beschirmt hat. Auf Kochans fassungsloses Warum? nennt er nur den Namen seiner Mutter: Pohika. Der Schuss auf den Wischehrad hat niemanden verletzt, aber der Schreck sitzt tief in der fürstlichen Familie. Kochan Wrsch, der Totgeglaubte, lebt und hat ein Zeichen seiner Anwesenheit gesandt. Zwei unglücklich Liebende kommen einander in dieser Nacht schwesterlich nahe: Brela, die ihre Hoffnung auf Brzetislav aufgeben musste, will Pribislawa helfen, die durch das Gebot der Herzogin von ihrem Boroslav getrennt worden ist.
Kap. XIV
Die Äbtissin Klara im Regensburger Kloster Obermünster entdeckt die Zuneigung zwischen ihrem Schützling Jutta und dem jungen Begleiter ihres Jugendfreundes Sever und beschließt, diese Liebe zu fördern. Inzwischen bringt Ritter Zagicz Dieczin die Botschaft, dass Krieg in Mähren ausgebrochen ist und man die Rückkehr des Prinzen erwartet. Jutta ist außer sich über diesen unerwarteten Abschied. Zwei Frauen, eine leidende und eine sehr alte, bitten um Aufnahme in das Johanneskloster auf dem Welicz, und als die Äbtissin Johanna naht, für ihr Wohl zu sorgen, erkennt sie erschrocken die alte Strzislawa. Diese bringt die kranke Pohika Zduba in die Obhut der Schwestern, und deren Name stürzt die fromme Johanna in ihre schwerste Prüfung. Nach langem innerem Ringen entschließt sie sich, der Nebenbuhlerin von einst zu vergeben, und kann deren Vertrauen gewinnen. Kochan Wrschs große Liebe stirbt unter Hruobas Gebeten. Strzislawa erklärt der Äbtissin, wie sie beide mit ihr verwandt waren, dann verlässt die Alte das Kloster, und ihre Spur verliert sich. Als Udalrich von der Liebe seines Sohnes zu Jutta von Henneberg hört, schickt er eine Gesandtschaft aus seinen besten Männern an den Hof des Kaisers Konrad, um für seinen Sohn um dessen Tochter zu werben. Brela hält dem Kummer nicht stand, sie folgt dem Rat ihrer Mutter und geht ins Kloster. Kaiser Konrad reagiert äußerst ungehalten auf die Werbung des Herzogs von Böhmen, und als die Nachricht zu Jutta gelangt, tut diese das heimliche Gelübde, keinem anderen je ihr Herz zu schenken. Die mährischen Unruhen sind ein Werk des Kochan Wrsch. Nach einer langen Zeit einzelner Scharmützel und Streifzüge gegen die feindlichen Rotten ruft Brzetislav endlich zur großen Schlacht. Die Böhmen sind anfänglich erfolgreich, geraten jedoch in einen Hinterhalt und kämpfen unter dem Schlachtruf Libussa! (S. II 142) um ihr Leben. Es ist das Heer des Wladyken Wrsch, das unter den Bildnissen schrecklicher heidnischer Götzen heranzieht, doch Brzetislavs Mannen überwinden die Furcht, töten viele der Feinde und schlagen den kleinen Rest in die Flucht. Während sie noch ihre eigenen Verluste betrauern, lodern plötzlich überall Feuer auf, und bald brennt der Wald ringsum. An der engsten Stelle ihres Rückweges warten feindliche Lanzen auf sie, und eine zweite noch furchtbarere Schlacht entbrennt. Doch in letzter Sekunde kommt böhmisches Fußvolk Brzetislav zu Hilfe, und nach kurzem Kampf sind die Polen aufgerieben. Von einer Anhöhe beobachtet Wrsch die grausame Szene, die er inszeniert hat. Er hat Schiba bei sich, der sich um den von Brzetislav schwer verwundeten Smilo kümmert. Noch einmal hört er, wie sein Sohn das eigene Leben dem Schutz und Wohlergehen des bewunderten Vaters weihen wollte, dann stirbt der, den Pohika ihm geboren und geopfert hat. Am nächsten Morgen erfährt Brzetislav, dass seine Werbung um die Stiftsdame Jutta von Henneberg zurückgewiesen worden ist. Gleichzeitig kommt ein Brief der Geliebten: Ein Sohn des Dänenkönigs hat um sie angehalten, und dieser könnte bessere Aussichten auf die Zustimmung des Kaisers haben. Da beschließt Brzetislav, den Kampf um die treue Frau aufzunehmen, koste es, was es wolle.
Kap. XV
Mit dem Einverständnis der Äbtissin von Obermünster, die dem Glück der Stiftsdame Jutta nicht entgegenstehen möchte, nähern sich im letzten Tageslicht Brzetislav, Gindrich Berkow und Giry Howora als Pilger verkleidet dem Kloster. Sie geben vor, einen Brief des Kaisers überreichen zu müssen, und entführen die als Äbtissin verkleidete Jutta ins Dunkel der anbrechenden Nacht. Burg Wrschowetz verfällt, von den Bauern der Umgebung gemieden, als eines Nachts der einsame Jan das mit seinem Herrn verabredete Zeichen vernimmt: Kochan kehrt mit den Neffen und seinem Schreiber heim. Cdenko berichtet von Juttas Entführung, der Heimkehr und einer schnellen Trauung des Paares in Prag. Der wütende Kaiser hat mit Vergeltung gedroht, und auch Wrsch sieht das Glück des Feindes nicht gern. Jan denkt an frühere Zeiten und den vergangenen Glanz des Hauses zurück, und tief beleidigt durch ein geiziges Goldgeschenk seines Herrn schwört er: Hüte Dich Wrsch, Dein Maaß ist übervoll (S. II 179). Udalrich und Brzetislav ziehen den Truppen des Kaisers mit einem hochgerüsteten Heer entgegen, während Jutta sich in kleiner Begleitung in das Zeltlager des Feindes verfügt. Dort fällt sie dem Vater und dem Pflegevater zu Füßen und bittet im Namen des Kindes, das sie erwartet, um Frieden. Auf dem Platz zwischen den beiden Heeren, der als Schlachtfeld dienen sollte, kommen die Gegner friedlich zusammen, und an dieser Stelle erreicht Brzetislav die Nachricht vom Tod seines Freundes, des alten Hans von Stettenberg. Während Ludomira in ihrem Gemach auf dem Wischehrad die beiden ersten Strophen eines sehnsuchtsvollen Liedes zu ihrer Harfe singt, bringen Howora und Berkow als reitende Boten die Nachricht, dass Friede geschlossen ist. Die dritte Strophe ihres Liedes singt Ludomira schon für den geliebten Gindrich, eifersüchtig belauscht von der spöttischen Sarka Leskow.
Kap. XVI
Ungeteiltes Glück herrscht auf dem Wischehrad, denn auch mit den polnischen Nachbarn konnte Frieden geschlossen werden. Eines Tages breitet ein griechischer Kaufmann kostbare Waren vor der fürstlichen Familie aus. Für hundert Goldstücke verkauft er dem Herzog einen kunstvoll gearbeiteten Kristallbecher und ein Fläschchen mit der hochwirksamen Substanz Maslak. Dann besteigt er wieder sein Dromedar und lässt sich von seinem Diener außer Sichtweite führen. Nach mancherlei heimlichen Umwegen ersticht er das Reittier und stößt es einen Felsen hinunter. Als Udalrich den Zaubertrank aus dem kostbaren Becher gekostet hat, windet er sich bald in furchtbaren Krämpfen, und sein Arzt kann ihm nicht mehr helfen. Auch die Suche nach dem verräterischen Kaufmann bleibt ohne Erfolg. Fast gleichzeitig sinken der vergiftete Herzog und aus Kummer über dieses furchtbare Ende dessen greiser Vater Boleslav tot zu Boden. Schiba Wrsch und Cdenko verbergen ihre Warenballen in einer Felshöhle und schauen auf das verwahrloste Wrschowetz hinunter. Als sie Glocken läuten hören und kopflose Landleute ihre Äcker verlassen sehen, beschließt Schiba, die Nacht lieber auf seinem eigenen Landsitz zu verbringen. Dort erwartet ihn der alte Kochan und hört verwundert von der gelungenen List. Boroslav bringt die Kunde, dass auch Boleslav nicht mehr lebt, und die drei Verschworenen fliehen an einen noch geheimeren Ort, um weiter am Faden vielfachen Unheils (S. II 208) zu spinnen. Im Thronsaal des Wischehrad tritt der blinde Jaromir mit seinem Neffen an der Hand vor die versammelten Edlen des Landes, um zu Brzetislavs Gunsten auf die Herzogswürde zu verzichten. Er hält eine mahnende Rede an seine Untergebenen ebenso wie an den Nachfolger und warnt vor den sattsam bekannten Ränken des Hauses Wrsch. Im November 1037 treten zu Ludomira Howora und Sarka Leskow der Bruder der ersteren, Giry, und ihr Geliebter Gindrich. Während Gindrich das Gespräch mit Ludomira sucht, gesteht Giry Howora der errötenden Sarka seine Verehrung. Am Fenster von Ludomiras Gemach stehend entdeckt Gindrich, dass ein Mann jene Tanne besteigt, von der aus Kochan Wrsch den Schuss auf die fürstliche Familie abgab. Er ruft den Freund, beide bewaffnen sich eilig und sehen im nebligen Garten, wie jener Fremde wagemutig von dem Baum aus weiter die Felswand hinauf bis an eine Mauerecke steigt. Ein Schuss fällt, ein Todes-Schrei ertönt, und der Fremde wird von den beiden jungen Männern gefasst, als er auf seinem Rückweg von der Tanne springen will. Es ist Cdenko, und in einem der turmförmigen Abtritte des Schlosses liegt Jaromir, von unten erschossen.
Kap. XVII
Die junge Herzogin Jutta schenkt ihrem ersten Sohn Spitigneus das Leben. Im Turm des Wischehrad sitzt Cdenko als Gefangener, lügt und leugnet, selbst noch unter der Folter. Schließlich jedoch nennt er den Namen seines Auftraggebers: Kochan Wrsch. Eine großangelegte Suche nach dem Mörder der Herzöge Boleslav, Udalrich und Jaromir setzt ein. Giry und Gindrich nehmen sich die verfallende Burg Wrschowetz vor und finden den alten Diener Jan als Bettler am Tor sitzen. Die Not hat seinen Geist verwirrt, aber er verrät den Verfolgern seines Herrn für einen polnischen Schilling den einsamen Turm mit dem Geheimgang zur Feste Zdiby, in dem der Drache sich versteckt hält. Mit nur dreißig Bewaffneten ziehen die Freunde zur Burg und warten den Einbruch der Nacht ab. Dann übernimmt Gindrich mit zehn Mann die Wache am Eingang, und Giry zieht mit den übrigen zwanzig aus, um den Ausgang eines zweiten Geheimgangs im Wald zu suchen. Sorgenvoll planen die drei Wrsch auf Zdiby mögliche weitere Schritte, als ein Knecht das Eindringen eines bewaffneten Haufens meldet. Während die Dienstboten durch ein Fenster direkt in den Wald fliehen, führt der alte Wrsch seine Neffen in den Burgturm und von dort durch eine verborgene Tür in den unterirdischen Gang. Die Verfolger drängen mit Fackeln nach, werden jedoch durch eine Metalltür aufgehalten. Als sie diese gesprengt haben, richtet der sie bewachende Mann seinen Dolch gegen sich selbst und sinkt in sich zusammen. Giry folgt mit seinen Männern einem blassen Licht und findet vor dem Ausgang des Ganges Gindrich von einem riesigen Kämpfer bedrängt, den er von hinten anfallen und in Fesseln schlagen lässt. Der tote Boroslav wird aus dem Gang getragen und der verwundete Kochan Wrsch streng bewacht dem Tod entgegengeführt. Schiba entkommt mit einem kühnen Sprung. Den wirren Jan treibt das schlechte Gewissen weg vom Tor und zurück in seine kleine Wrschowetzer Turmkammer. Voller Reue erinnert er sich an sein im Dienst des Kochan Wrsch verschwendetes Leben, als die uralte Strzislawa auftaucht, die ihr Abendbrot und das Nachtquartier mit ihm teilen will. Gerade als Giry und Gindrich mit ihrem Gefangenen auf dem Weg zum Wischehrad an der Ruine vorbeikommen, gibt der alte Turm dem Unwetter nach und begräbt die beiden Alten unter seinen Trümmern.
Kap. XVIII
Giry und Gindrich werden von dem dankbaren Brzetislav für ihren Mut reich belohnt und bereits am folgenden Tage mit Ludomira und Sarka getraut. Pribislawa Dieczin aber, Zagicz und Wesnas einzige Tochter, überlebt die Nachricht vom Tod des Boroslav Wrsch nur wenige Monate. Cdenko verflucht aus seinem Kerkerloch heraus den neben ihm einsitzenden, neue Ränke schmiedenden Kochan Wrsch. Als der Herzog diesem die Gnade einer Unterredung gewährt, spielt der Verräter seinen letzten Trumpf aus und enthüllt das große Geheimnis: Brzetislavs Mutter war seine Tochter! Noch am selben Tag schickt der beunruhigte Herzog den Bischof Severus zu Johanna, der Regensburger Äbtissin, die Wrsch ihm als Kronzeugin genannt hat. Doch der geistliche Bote kommt unverrichteter Dinge zurück: An dem Tage, an dem er das Kloster Obermünster erreichte, war Johanna gerade gestorben. Der grausamen Hinrichtung des Kochan Wrsch am Ufer der Muldawa wohnen Tausende Schaulustiger bei. Von einem Baum der Moldauinsel aus beobachtet auch der verkleidete Schiba Wrsch das blutige Spektakel. Er hat dem Onkel versprochen zu heiraten, und so wird sich der Kampf der verfeindeten Geschlechter über das unglückliche Schicksal der Böhmenkönige Wratislav und Konrad fortsetzen. Deren Nachfolger Brzetislav II. wird zwar einen Sieg über die Nachkommen des Verräters erringen und sie aus dem Lande weisen, doch wird auch er von der Hand eines Wrsch den Tod empfangen. Herzog Swatopluk wird viele aus dem verhassten Geschlecht hinrichten lassen und an den Folgen eines Schusses aus dem Hinterhalt sterben. Ein halbes Jahrtausend wirkt die Rache gegen die Nachkommen der Seherin Libussa weiter, bis im Jahre 1307 deren letzter Nachkomme Wenzeslav III. unter dem Dolch eines Meuchelmörders verblutet. Die befreundeten Familien der Howora und Berkow jedoch blühen fort und bleiben durch die Jahrhunderte hochgeehrt im Lande Böhmen.
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5.1.2. Inhaltsangabe zu: Das tolle Jahr (von Erfurt). Historisch-romantischer Roman aus dem sechzehnten Jahrhundert. Stuttgart (Hallberger'sche Verlagshandlung) 1833
An einem Juniabend des Jahres 1509 sitzt vor dem Hause des Ober-Ratsherrn Heinrich Kellner in Erfurt dessen alter Diener Adam mit seinem Bruder, dem Küster Joseph. Er erfährt, dass die Ratsherrn vor dem Zorn des Volkes nicht sicher sind, weil sie hohe Schulden gemacht haben und sich zudem weigern, Rechnung über umstrittene Verkäufe von Immobilien zu legen. Derweilen trifft die Tochter Kellners, die schöne Elisabeth, sich im Garten mit dem jungen Ratsschreiber Johannes Zimmermann. Er beruhigt ihre Sorge um den Vater und empört sich, dass Kellner seinen falschen Freund Hans Kranichfeld ihm als künftigen Schwiegersohn vorzieht. In der Ratssitzung kommt es zu der befürchteten Auseinandersetzung zwischen den Gemeindevertretern und dem Vierherrn Kellner, der infolge einer unbedachten Äußerung schwer gedemütigt wird. Daraufhin erhebt sich das Volk, und die meuternden Massen greifen das Haus des kranken Stadtrats Millwitz an, in dem dessen Frau Dorothea und die Töchter Charitas und Rosa vor Angst fast vergehen. Mit Mühe und Not kann die Gefahr gebannt werden. Johannes warnt Kellners Diener Adam, und der bringt seinen widerstrebenden Herrn, bevor die Aufrührer sein Haus durchsuchen, mit Hilfe des Küsters in der St. Veits-Kirche in Sicherheit.
Während die Stadt das Fronleichnamsfest feiert, warnt der Notar Andreas Büchner seinen Freund Johannes: Es ist ein Verdacht auf ihn gefallen, dass er an der Flucht des Ober-Vierherrn beteiligt gewesen sei. Elisabeth bittet den Geliebten, den heimlichen Aufenthalt des Vaters zu erfragen, das junge Paar besucht Kellner in einem Verschlag des Kirchturms und findet ihn in tiefer Verzweiflung. Inzwischen bricht Ratsherr Millwitz mit fünf weiteren Gesandten nach Mainz zum Erzbischof Uriel von Gemmingen auf, Johannes besucht noch einmal Kellner in seinem Verließ und bittet ihn um seinen Segen und Elisabeths Hand. Inzwischen erlangt Millwitz in Mainz die Zusage des Erzbischofs, in der streitigen Schuldenfrage zu vermitteln: Uriel gibt der Gesandtschaft einige Bevollmächtigte auf die Heimreise nach Erfurt mit. Während Johannes im Auftrag seiner Schwiegermutter einen Brief zu Kellner trägt, in dem Hans Kranichfeld den Vater seiner Verlobten wegen des nicht gehaltenen Eheversprechens zur Rede stellt, betritt ein abgerissener junger Mann die nächtliche Stadt: Heinrich Kellners Mündel Andres auf dem Weg zu seinem Paten. Die Gesandtschaft unter Millwitz' Führung wird auf dem Heimweg nach Erfurt in einem Kloster vom politischen Widersacher des Erzbischofs, dem Sachsenfürsten Friedrich von Dona, gefangengenommen, die Mainzer Vermittler zur Umkehr gezwungen. Kranichfeld bedrängt inzwischen Elisabeth und ihre Mutter, die ihn zwar als Bewerber zurückweisen, dabei aber versehentlich Kellners Versteck verraten. So geht der falsche Freund zu dem Gefangenen und überredet ihn, in sein Haus zurückzukehren.
Während in der Stadt neuer Tumult entsteht, beschützen und trösten die jungen Herren Prohaska und Gunstedt Frau Millwitz und die im Stillen angebeteten Töchter des Ratsherrn. Kellner freut sich indessen seiner neugewonnenen Freiheit im Kreise seiner Lieben, wird jedoch durch das fordernde Auftreten seines Mündels Andres gestört und verletzt diesem im Zorn über seine Drohungen die linke Hand. Andres schwört furchtbare Rache. Zimmermann erfährt im Rat, dass sich weitere Gefahren über Kellners Haupt zusammenziehen, er warnt Elisabeth, doch Kranichfeld und Andres vereiteln Kellners Flucht aus der Stadt, und der Vierherr wird verhaftet. Im Kerker legt er sich Rechenschaft darüber ab, dass er Anna, die schöne Tochter des alten Thilo Ziegler, in seiner Jugend schnöde sitzengelassen und in den Tod getrieben hat. Thilo rächte sich an ihm, indem er ihn zu den unredlichen Verkäufen anstiftete, für die jetzt Rechenschaft gefordert wird. Kranichfeld war damals sein Helfer und schaffte den alten Ziegler auf nie geklärte Weise beiseite. Jetzt aber kann er ihm, weil er um die alte Schuld weiß, gefährlich werden. Während Kellner brütet, holt Johannes in Weimar Hilfe bei Friedrich von Dona.
Andres ist derweil auf dem Weg zu seiner Großmutter ins Dorf Schwerstedt. Erstmals erzählt ihm die alte Sabine, dass er nicht wirklich ihr Enkel, sondern das Kind einer fremden fahrenden Dirne ist und durch einen seltsamen Zufall den Nachnamen des alten Kellner bekam. In seiner Wut darüber greift der Bastard Kellners leiblichen Sohn, den jungen Heinrich, aus dem Hinterhalt an; Johannes rettet das Kind und schlägt Andres nieder. Bevor nun im Rathaus in Anwesenheit neuer Gesandter aus benachbarten Städten die Rechnungsbücher des Rates geöffnet werden sollen, einigen sich die verbliebenen Ratsmitglieder, die Bücher nicht zu öffnen, sondern die gesamte Schuld an den vorgefallenen Unrichtigkeiten dem alten Kellner anzuhängen und ihn dafür zur Verantwortung ziehen zu lassen. Die Gesandten fahren unverrichteter Dinge ab. In einem letzten verzweifelten Versuch, Elisabeths Vater zu retten, geht Johannes zu dessen verfeindetem Bruder, dem Priester Hartung, dem Kellner einst die geliebte Anna nahm und den er im Zweikampf mit dem Schwert gefährlich verwundete. Unversöhnlich verweigert jedoch der Einsame dem Gefangenen jede Hilfe.
Millwitz flieht mit seiner ganzen Familie nach Weimar aus Angst vor den endlosen Tumulten im Rat und auf den Straßen. Endlich wird mit Hilfe von Mainzer Gesandten ein neuer, der Gemeinde günstig gesinnter Rat gewählt, vor dem Kranichfeld, um den eigenen Kopf zu retten, den toten Ziegler und Kellner der finanziellen Veruntreuung bezichtigt. Johannes wird, als er Kellner verteidigen und Kranichfeld der Lüge überführen will, seines Amtes enthoben. Auch Elisabeth trennt sich von ihm, mit der Begründung, dass er nicht genug für ihren Vater getan habe. Noch einmal kommt es zu bewaffneten Unruhen. Dann tritt wieder der neugewählte Rat zusammen, verhört nach anderen Gefangenen den völlig gebrochenen Heinrich Kellner und schickt ihn in die Folter, bis er alles gesteht, was ihm vorgeworfen wird. Zurück im Kerker öffnet er sich dem Pater Zote in der Beichte und stellt sich und ihm seine wahren Verfehlungen schonungslos vor Augen.
Georg Gunstedt muss sich von Charitas verabschieden, die seiner Absicht, an Stadt und Rat Rache zu nehmen für Folter und Tod seines Vaters, nicht zustimmen kann. Büchner warnt erneut seinen Freund Johannes, weil im Rat die Gefangennahme der ganzen Familie Kellner beschlossen wurde. Noch einmal rettet der Liebende die Geliebte und ihre Mutter und bringt sie vor die Pforte eines Klosters, muss aber dort für immer Abschied nehmen: Elisabeth will den Schleier nehmen. Heinrich versteckt sich derweil bei dem alten Adam im Kellnerschen Haus, wird jedoch den aufziehenden Wachen von Andres verraten und mit dem Diener vor den Rat gestellt. Als Adam gefoltert werden soll, verrät der Junge das Versteck der Frauen. Daraufhin wird er freigelassen und zu Hartung Kellner gebracht, dessen Hass sich in liebende Fürsorge verwandelt. Andreas Büchner will diesmal Johannes vor einer Gefahr warnen, die ihn selbst betrifft, doch als er von ihm Abschied nimmt, versammeln sich vor dem Haus bereits die Aufrührer. Johannes aber hat sich vergiftet und stirbt in den Armen des treuen Freundes. Dieser macht in seinem Namen einen letzten vergeblichen Versuch, den einflussreichen Friedrich von Dona von der Unschuld Kellners zu überzeugen, doch der verblendete Pöbel erzwingt die Hinrichtung des Vierherrn durch Erhängen. Es ist Andres, der für eine geringe Summe die Arbeit des Henkers übernimmt. An der Hand trägt er den Granatring, den seine Großmutter ihm als einziges Erbe von seiner Mutter übergeben hat. Kellner erkennt im letzten Augenblick in dem Verruchten seinen und Annes Sohn und fällt von dessen Hand. Als Sabine Andres daraufhin einen Vatermörder nennt, erwürgt er sie tief betroffen und stürzt auf seiner wilden Flucht in das Räderwerk seiner Mühle, das ihn zermalmt. Elisabeth sorgt mit Adams Hilfe dafür, dass der Leichnam ihres Vaters vom Galgen genommen und ehrlich begraben wird. Dabei fällt der Granatring, den einer der Knechte auf der Hinrichtungsstätte, dem Rabenstein, gefunden hat, zwischen das frische Grab und einen eingesunkenen Hügel daneben: Annes Grab. Völlig erschöpft bricht Elisabeth noch auf dem Kirchhof tot zusammen und wird neben ihrem Vater bestattet.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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5.1.3. Inhaltsangabe zu Grimmenthal. Romantisches Zeitbild aus dem sechzehnten Jahrhundert. Hildburghausen (Kesselring) 1833 (299 S.)
1. Buch: Hesperus
1. In der Umgebung des alten Schlosses Henneberg, bei der St. Wolfgangskapelle im See, feiert eine große Menge von Wallfahrern das Kirchweihfest. Am Abend, als der junge Fürst Wilhelm VII. von Henneberg mit seinem Gefolge nach Schloss Maßfeld aufgebrochen ist, erhebt sich vor dem Kreuz, das sein Ahnherr Wilhelm V. zusammen mit der Kirche errichtet hat, der junge Dichter Georg Doth. Er will die Kreuzfahrt Wilhelms V. in einem großen Gedicht schildern, das er heute begonnen hat, und wandelt nun erfüllt von Schaffensfreude und im Vorgefühl des kommenden Ruhms im Mondschein zurück nach Meiningen, wo sein Bruder Johannes Mönch im Minoritenkloster ist; als Vollwaisen sind die Brüder besonders eng miteinander verbunden. 2. Am nächsten Morgen verlässt der jungverheiratete Fürst Wilhelm mit großem Gefolge, der Fürstin Anastasia und seinem kleinen Sohn schon früh sein Schloss mit seinem ganzen Gefolge und wird von einem Vasallen, dem Ritter Seifried von Stein, ermahnt, bald zu heiraten, da sonst der Stamm der Henneberger auszusterben drohe. Im Ausreiten kommt der Trupp am Haus des Neuritters Heinz Teufel vorbei, der sich gerade von seiner Frau Walburg und der fünfzehnjährigen Tochter Magdalena verabschiedet. Erfreut geleitet Heinz seinen neuen Landesherrn ein Stück in ruhigen Gesprächen, während die Mutter ihrer Tochter im bewundernden Nachschauen von den Verhältnissen des jungen Fürsten erzählt. Bei Kloster Veßra, wo der Abt um weitere Mitglieder für seinen Orden der vierzehn Nothelfer wirbt, trennen sich die Wege. Heinz reitet mit seinem Diener seitab in die Berge und verirrt sich in dem ihm noch unbekannten Gelände derart, dass er bei einbrechender Dunkelheit, in Regen und Sturm, unter großen Schmerzen vom Pferd sinkt. Sein Diener lässt ihn im Schutz einer großen Linde zurück, um Hilfe zu holen. In Todesangst betet indes der Kriegsmann vor einem alten, verwahrlosten Marienbild, das er in einem Busch unter dem Baum findet, und das Wunder geschieht: Als das Licht des Abendsterns aus den Wolken hervorbricht, kann er aufspringen und seinen Lieben schmerzfrei entgegengehen. Alle preisen das Wunder.
3. Doth berichtet dem Bruder von den Fortschritten seiner Dichtung und bittet den Mönch um ein Buch, das den Weg nach Jerusalem und die Stadt selbst beschreibt. Gemeinsam holen sie eins der kostbaren Werke aus der kleinen Kellerbibliothek. Johannes erzählt dem Bruder von dem Wunder, das an Ritter Heinz geschehen ist, und schickt ihn, die Richtigkeit der Sage vor Ort zu erkunden. Sofort macht sich der Dichter auf den Weg durch die Frühlingslandschaft und findet eine andächtige Menschenmenge bei der alten Linde. Ein zerlumpter Prediger, der schwarze Jonas, steht in der Gabelung ihrer beiden gewaltigen Stämme und fordert die Menge zum Mariengebet auf. Da kommt der dankbare Teufel mit seiner ganzen Familie gezogen und bringt der kleinen Statue ein neues hölzernes Schutzhaus. Ergriffen schaut Doth auf Magdalenas Schönheit und ist selig, als sich auf dem Rückweg ihre Blicke mehrmals begegnen.
4. Am Karfreitag findet sich Georg wieder bei der Madonna ein, und der Platz wimmelt wieder von Pilgern, denn sie hat weitere Wunder getan. Es soll im Auftrag des geretteten Hauptmanns Teufel der Grundstein für eine Kapelle gelegt werden, und der Ober-Maßfelder Pfarrer Molitor hält eine kurze Ansprache. Georg steht ganz nah bei Magdalena und schaut verlegen, als ihre Hand am Opferstock die seine berührt. Der Pfarrer stellt ihn dem Ehepaar Teufel vor, und sogleich ist er zusammen mit Molitor in deren Haus eingeladen. In gemütlicher Runde wird dort unter Teufels abgelegten Waffen getafelt, und als Georg aufgefordert wird, aus seinen Werken vorzulesen, wählt er die neuesten Verse aus dem großen Palästinagedicht, mit denen er endgültig das Herz der schönen Magdalena gewinnt.
5. 21. August 1498. Doth sitzt bei der vollendeten Marienkapelle und erwartet die Menge der Pilger zum Weihefest. Er liest sich im liebenden Gedenken an Magdalena seine eigenen Verse vor. Als der Zug der Wallfahrer unter Führung des jungen Fürsten Wilhelm naht, werden die Feierlichkeiten unter großem Zustrom von Betern vollzogen, und der Landesherr gelobt, eine Kirche für die braune Marienstatue zu erbauen. Inzwischen ist an der Kapelle eine Unruhe entstanden, der schwarze Jonas ist von der Linde gefallen und wird schwer verletzt vor die Madonna getragen. Wenig später ist er geheilt, und viele Kranke werfen jubelnd ihre Krücken fort und fühlen sich ebenfalls gesund. Nebenbei geraten zwei junge Männer aneinander, Burkhard Trott und Christoph Marschalk, die sich beide für Magdalena Teufel interessieren. Sie fordern sich gegenseitig zum Duell und schlagen sich blutig, ohne ihren Groll aufeinander damit beenden zu können. Weder Magdalene noch ihr liebender Dichter beachten jedoch die Kämpfenden, vielmehr sucht Doth sich dem alten Diener Wohlrath zu nähern, der den Fürsten seinerzeit nach Jerusalem begleitet hat. Aber der hat nichts Poetisches von der Kreuzfahrt zu berichten, sie erscheint ihm im Rückblick eher wie ein böser Traum.
6. St. Wolfgang liegt seit Jahren verlassen in seinem blauen See, die Wallfahrer ziehen die Madonna von Grimmenthal als Pilgerziel vor. Georg verabschiedet sich von seinem Bruder und gibt ihm das alte Buch über Jerusalem zurück, da der Hauptmann ihn für ein paar Tage zu sich eingeladen hat. Bald darauf sitzt er mit Frau Teufel und der geliebten Magdalena in einer Kutsche und ist auf dem Weg nach Dorf und Schloss Henneberg, wo der alte Trott residiert. Dort, an wohlgedeckter Tafel, wird er aufgefordert, weitere Verse aus seiner Pilgerfahrt" vorzulesen, und erntet allseits große Anerkennung. Dann bricht man zu einem Ausflug nach St. Wolfgang auf; Ritter Heinz allerdings bleibt zurück, um dem betagten Hausherrn Gesellschaft zu leisten. Unterwegs erzählt Georg den aufmerksam lauschenden Frauen von jenem Tag, an dem er sein Gedicht begonnen hat. Burkhard Trott lacht still in sich hinein, denn er weiß, dass sein Vater indessen für ihn bei Heinz Teufel um die Hand der schönen Magdalene anhält. Georg aber hat das Herz der jungen Frau gewonnen, sie treten mit den anderen zum Gebet in die Wolfgangskapelle, und auf der Rückfahrt über den See singt Magdala den Marienhymnus: Ave maris stella. Doch wenig später sitzt Georg resigniert und allein unter dem Abendhimmel: Hauptmann Teufel hat der Ehe zwischen seiner Tochter und dem vornehmen jungen Trott zugestimmt.
2. Buch: Mitternacht
1. Im Frühling 1502. Georg Doth ist auf dem Weg in das Grimmenthal, wo die neue, größere Kirche der Vollendung entgegengeht. Wehmütig gedenkt er der Zeit vor vier Jahren, als ihn Sehnsucht und Liebeshoffnung auf seinen Wegen über diese Berge begleiteten. Er hat sich nach jenem erzwungenen Verzicht ganz seiner Kunst gewidmet und ist glücklich, weil er Magdalene glücklich weiß. Auch der Versuchung, sich im Kloster des Bruders zu vergraben, hat er widerstanden. Er will kein Priester der Kirche, sondern der Natur und Kunst sein. Bei der Kirchenmauer angekommen, geht er in das Haus der Künstler, ermutigt die Steinhauer, die nach seinen Entwürfen arbeiten, und steht schließlich ergriffen in der Malerwerkstatt vor dem soeben vollendeten Altarbild, das Maria mit dem Einhorn zeigt. kleinen Sohn Wilhelm und großem Gefolge aus dem Schloss in Schleusingen auf Grimmenthal zu. Zwei Mönche aus dem Kloster Veßra spotten über die hohe Ehre, die wieder einmal dem Wunderort zuteil wird und die den benachbarten heiligen Orten das Ansehen und Einkommen mindert. Auch große Mengen Volks sind unterwegs, um am folgenden Tage, dem Fest der Himmelfahrt, rechtzeitig am Ort der Kirchweihe zu sein. Der Fürstenzug übernachtet im Schlossturm von Unter-Maßfeld, und rund um die Kirche herrscht reges Leben: Der schwarze Jonas bettelt mit seiner Sippe unter der alten Linde, Georg geht dem Zug der Meininger Minoriten entgegen, die Frauen der umliegenden Dörfer besorgen den Blumenschmuck, und im Wirtshaus drängen sich die Gäste. Georg steht mit seinem Bruder und den beiden Künstlern in der Kirche und bewundert die Ausführung seiner Entwürfe, als ein Frühlingsgewitter seine Vorboten schickt. Alles Volk sucht Schutz in den Gebäuden und unter den Vordächern, und Georg fragt den Maler Paul nach dem prophetischen Büchlein mit dem Namen Practica, in dem er liest. Während die beiden die Holzschnitte betrachten, fällt draußen mit den Hagelkörnern des Gewittersturms etwas Feuriges vom Himmel, das sich auf Schleier und Mäntel in Form kleiner Blutkreuze legt. Das Volk drängt nun auch in die Kirche, und Meister Paul sagt: Ich sah es kommen" (S. 135).
3. Als die Nacht einfällt, betet Jonas Schnabel mit seiner kleinen Truppe inbrünstig vor der braunen Madonna, doch fordert der Schlaf allmählich sein Recht, und immer mehr Beter schlummern in der Kirche ein. Auch Doths Gefährten gehen schließlich ins Gasthaus hinüber, aber der Dichter ist hellwach und erinnert sich der neuen Strophen seines großen Gedichts. Entrückt spricht er sie leise in das Dunkel des Kirchenraums und erfüllt diejenigen, die ihm noch lauschen, mit heiligen Schauern. Dann schweigt auch der Dichter, die Kerzen erlöschen bis auf das rote Licht vor der kleinen Madonna, und Doth versinkt in glückliche Träume. Am Morgen läuten zum ersten Mal die Glocken der Kirche, und Fürst Wilhelms Festzug nähert sich. In nicht endenwollender Prozession zieht die Festgemeinde in den neuen Tempel, und der Zufall führt Georg nahe zu der jungen Frau Trott, die ihn wie früher freundlich anlächelt. Da lodert der Entsagungschmerz wieder in ihm auf.
4. Die Kirche, die den Aposteln und dem Stamm Jesses geweiht wurde, wird von jedermann mit reichen Gaben bedacht. Der Fürst zieht mit seinem Hof auf eine Anhöhe und betrachtet das sich allmählich zum Jahrmarkt wandelnde bunte Treiben im Tal. Als die Armen neben den Reichen an langen Tischen zum Festschmaus Platz genommen haben, kommt ein weiterer Zug das Tal herab: Menschen mit braunen Gesichtern begleiten exotische Tiere, und der Anführer geht auf Wilhelms Zelt zu und bittet den jungen Fürsten um die Erlaubnis, sein Zirkusprogramm vorzuführen. Der Landesherr ist einverstanden, jedoch nur für den Festtag selbst, denn es gibt mancherlei Vorurteile gegen die Fahrenden, und schon beginnen die Zigeuner ihre Darbietungen. Als eine der jungen dunkeläugigen Frauen mit dem Sammelbecken zu Georg kommt, ergreift sie die Hand des Widerstrebenden und sagt ihm voraus: Was Euch am liebsten ist, werdet Ihr verlieren, und werdet finden, was Ihr nie gesucht" (S. 159). Als der Weihetag sich dem Ende zuneigt, hat es wieder einige Heilungswunder gegeben, und der Fürst hat, zur Freude des Abts von Veßra, manchen Edlen in den Orden der vierzehn Nothelfer aufgenommen. Als einer der letzten bricht Ritter Trott mit seiner schönen Frau auf, und Georg schaut ihnen traurig nach.
5. 1503. Sommer und Winter sind vergangen, die Maria im Grimmenthal hat noch größere Wunder getan, so dass ihr Ruf bis weit über die Grenzen des Landes gelangt ist, und der Erzähler richtet ein hymnisches Dankgebet an sie. Früh kommt der Frühling in diesem Jahr, und wieder wandert Georg Doth von Meiningen über die Anhöhe dem Grimmenthal zu. Er trägt die Rolle mit dem fertigen Pilgerfahrt-Epos an seinem Herzen. Am Weg hört er plötzlich Kampfgetümmel und wird Zeuge, wie der schwarze Jonas mit zwei anderen Männern von einer Bürgerwehr gefangen und nach Meiningen zum Verhör verschleppt wird, wobei Jonas in seiner Not die Madonna um Hilfe bittet. Doth hat inzwischen das Haus des Pfarrers Molitor aufgesucht und schaut von dort gedankenverloren hinüber zur Wohnung des Hauptmanns Teufel. Bevor der Schmerz sich erneuern kann, fasst Molitor tröstend seine Hand. Er rät ihm, sich neu zu verlieben, aber Georg will ganz der Poesie leben. Er liest dem Pfarrer den Schluss seines Epos vor und nimmt im vertrauten Gespräch Lob und Tadel von dem alten Freund entgegen. Einige Wochen ist Georg dessen Gast und begleitet ihn mehrfach nach Grimmenthal hinüber. Da sieht er die drei Männer, die die Bürgerwehr gefangengesetzt hatte, singend vorbeiziehen, und sein Bruder berichtet ihm wenig später, wie die Drei auf wundersame Weise aus ihrem Kerker entweichen konnten. Der solcherart erlöste Jonas gibt Maria dafür die alleinige Ehre.
6. Zum Pfingstfest ist die Kirche der Madonna festlich geschmückt, und von allen Richtungen ziehen die Gläubigen ihr zu. Georg und Molitor wollen dem Fürsten Wilhelm die lateinische Übersetzung der Pilgerfahrt" überreichen und werden freundlich empfangen. Bänkelsänger bringen das neueste Wunder der Grimmenthaler Maria zu Gesicht und Gehör: Es sind die drei befreiten Gefangenen selbst, die das Lied gedichtet haben. Dann wird ein gewaltiger Zug von morgenländischen Reitern angekündigt. Der da heranzieht, ist ein ätiopischer Fürst, ein junger Christ, der mit seinem Gefolge die Madonna anzubeten kommt. Wilhelm und Doth erleben jeder auf seine Weise das Besondere der Situation. Dies ist der Höhepunkt der Wallfahrt ins Grimmenthal, etwas von der weltumspannenden Einheit christlichen Glaubens wird spürbar, niemand denkt daran, dass dieser lebendige Ort veröden könnte.
3. Buch: Aurora.
1. 1517. Der erste Stifter von Grimmenthal stirbt sanft im Kreise seiner Lieben. Zu Doth und dem alten Molitor kommt ein Klosterbruder aus Veßra und berichtet von den 95 Thesen, die Luther an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat. Molitor verschließt sich der neuen Lehre, so wie auch Fürst Wilhelm mit seiner Frau im Glauben der alten Zeit weiterlebt. Als Doth wieder einmal den kämpferischen alten Pfarrer besuchen will, findet er ihn auf dem Sterbebett: Er hat sich in die geänderten Verhältnisse nicht fügen wollen, und auch Doth spürt nach diesem schmerzlichen Abschied, dass er die Kraft nicht hat, sich in die neu heraufziehende Ära einzuleben.
2. Fürst Wilhelm ernennt Georg Doth zum Hofmeister und damit zum Erzieher seiner Söhne, und des Lehrers liebster Schüler wird der begabte Georg Ernst. Im Jahre 1519 deutet der in Glaubensdingen noch immer konservative Landesherr ein Unwetter als Warnung Gottes vor den Abirrungen der lutherischen Lehren und befiehlt eine Wallfahrt zur Muttergottes nach Grimmenthal. Verwundert stellt er fest, dass sich das Volk nicht mehr wie früher in großer Zahl an dem Zug beteiligt. Der nachdenklich gewordene Georg Doth wird im Gespräch mit dem Leibarzt des Fürsten, einem Dr. Mithobius, ebenfalls mit glaubenskritischen Überlegungen konfrontiert.
3. Auch die Teilnahme am Reichstag zu Worms vermag Fürst Wilhelm nicht für den Reformator Luther und seine Ideen einzunehmen, so dass er sogar in den Verdacht kommt, Luther gefangengesetzt zu haben und dem Papst überantworten zu wollen. Die heitere Jahreszeit führt dennoch wieder viel Volk nach Grimmenthal, doch fehlt die Andacht, und die wenigen Beter meinen, die Madonna darüber weinen zu sehen. Den schwarzen Jonas überzeugt das Wundergerede nicht, er kehrt endgültig in sein kleines Haus in Marisfeld zurück. Dort findet er seine Tochter Brunhild in Angst und Zorn: Der Ritter Marschalk hat sie bedrängt und ihre Gegenwehr mit Spott und Drohungen beantwortet. Jonas beruft sich auf Luther und sagt das Ende der Leibeigenschaft voraus. Dem jungen Fürsten Georg Ernst berichtet Doth von dem neuesten Grimmenthaler Wunder, aber der klare Verstand seines Schützlings weist solche Märchen zurück und entlarvt sie als Schwindel. In einer Marisfelder Schenke streitet sich wenig später der wegen der vorgetäuschten Marientränen abgesetzte Vikar von Grimmenthal mit einem Messerhändler aus Suhl, dem schwarzen Jonas und dem inkognito zurückgekehrten Veßraer Mönch Gregor Seidenthal, der dem Klosterleben den Rücken gekehrt hatte. Der Suhlaer spricht in dieser Runde die deutliche Sprache Luthers, und Jonas hört ihm ebenso aufmerksam zu wie Gregor. Der Vikar Genslin kann die drei mit keiner der gewohnten Drohungen mehr einschüchtern, die reformatorische Lehre findet ihren Weg zu den Herzen der Menschen.
4. Fürst Wilhelm wird vom Würzburger Bischof um militärischen Beistand gegen die plündernden Bauernhorden gebeten. Im Wald beim Kloster Rohr finden seine ehemaligen Kumpane den verwirrten Jonas Schnabel, den der Ritter Marschalk um seine Tochter und sein Haus betrogen hat, und der in seiner Wut dem Adel insgesamt den Kampf ansagen will. Dies ist der Beginn des Bauernaufstands im Meininger Land, und Fürst Wilhelm braucht nun seine Soldaten für seinen eigenen Schutz. Unter Führung des wahnsinnigen Alten werden die Burg Frankenstein, das Kloster Allendorf, Herren- und Frauenbreitungen und die Burg über Wasungen zerstört. Die Feste Landsberg fällt, und Meiningen öffnet den Bauern seine Tore. Fürst Wilhelm ist bereit, den Forderungen ihrer Anführer nachzugeben. Als militärische Unterstützung anrückt, kommt es trotzdem zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Bauern werden vernichtend geschlagen, und Schnabel wird mit seinen beiden Schicksalsgenossen hingerichtet.
5. 30 Jahre später, im Sommer des Jahres 1542, wandert der alternde Georg Doth in das nun verlassene Grimmenthal und gedenkt unter der Linde der vergangenen Geschehnisse. Sein Gedicht ist verlorengegangen, und auch die Gunst seines katholischen Fürsten hat der Lutheraner verloren. Still geht er um die Kirche und sucht die Gräber seiner Lieben auf dem kleinen Friedhof. Auch Fürst Wilhelm sitzt einsam in seinem Schloss, die meisten seiner Kinder haben sich der neuen Lehre zugewandt. Mit Georg Ernst führt er ein mahnendes Gespräch, doch wenig später bekennt sich der junge Fürst zu dem neuen Glauben, und das ganze Land folgt jubelnd seinem Beispiel.
6. 1547. Nach langem inneren Ringen wird auch der alte Fürst zum Anhänger des lutherischen Bekenntnisses. Georg Doth lebt beschaulich in Grimmenthal und betet in dem verwahrlosten Gotteshaus. Da kommt der junge Fürst gefahren, erkennt seinen ehemaligen Lehrer und führt ihn seinem weißhaarigen Vater zu. Die Herren beschließen, die Kirche für den reformierten Gottesdienst zu restaurieren und ein Hospital auf dem Gelände zu errichten. Doth stirbt Jahre später einen sanften Tod unter der alten Linde. Was er ungesucht hier gefunden hat, ist die Wahrheit seines persönlichen Lebens. Der inzwischen ebenfalls betagte Fürst Georg Ernst lässt sich noch einmal auf die Henneburg fahren und nimmt im Licht einer untergehenden Sonne als der Letzte seines Geschlechts Abschied von diesem Stammsitz seiner Väter. Als er wieder in den Wagen steigt, stürzt der Stein mit dem Henneberger Wappen aus der Mauer, und den Regenten ergreift ein furchtbarer Schmerz. Er wird in das Haus des jungen Burkhard Hermann Trott getragen, der seine Eltern auch bereits begraben musste, und hat es lebend nicht mehr verlassen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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5.1.4. Inhaltsangabe zu: Der Fürstentag. Historisch-romantisches Zeitbild aus dem sechzehnten Jahrhundert. 2 Bände. Frankfurt/M. (J.D.Sauerländer) 1834
Teil I
In der stürmischen Neujahrsnacht 1537 reitet ein junger Mann in Begleitung seines Knechts auf Schmalkalden zu. Am Auer Stadttor im Haus der Torwächters Wagentrotz stoßen zahlreiche Gäste auf das neue Jahr und den geliebten Landgrafen Philipp an. Dankbar erinnert man sich an die sechs großen Versammlungen des Bunds der protestantischen Fürsten in Schmalkalden, und niemand gedenkt des zweiten Landesherrn, des katholischen Fürsten Wilhelm von Henneberg. Da tritt der alte Erich Ulf herein und hat vor dem Tor in dem unheimlichen Weiher mit dem Namen Todtenlache einen Nebelturm gesehen, der von bewaffneten Kriegern umschwebt wird, und einen gespenstischen Mann, der Wasser schöpft. Die Leute, die sich draußen versammelt haben, und die, die jetzt durch die Fenster schauen, sehen einen gräulichen Drachen hinter dem Turm hervorkriechen, den der übergroße Mann mit einem Buch verjagt. Auch die beiden müden Reiter sehen die Erscheinung. Sie haben gute Nachrichten von Landgraf Philipp für die Stadt und werden von Wagentrotz ungesäumt eingelassen. Der Gasthof zur goldenen Krone gibt ihnen ein Nachtquartier. Im Hause Wagentrotz flüstert indessen der junge Schmied Melchior Schwinghammer mit der Tochter des Torwärtels, Susanne, während der bleiche Ulf das Gesehene deutet, wie er es bei seinem Herrn, dem verstorbenen Bürgermeister Sigismund Gadamar, gelernt hat: Einen Glaubenskrieg wird es geben, aber Luther wird den Antichrist mit Hilfe der Bibel besiegen. Im Kuriensaal des Schmalkaldener Rathauses wird gefeiert. Während die Älteren es sich bei gutem Essen und politischen Gesprächen wohl sein lassen, tanzt die Jugend im großen Saal vor der Ratsstube. Die Tochter des zweiten Bürgermeisters, Helene Herz, und ihre Muhme (S. I 24), die Tochter des verstorbenen ersten Bürgermeisters, Magdalena Gadamar, sind die Königinnen des Abends; man nennt sie die rote und die weiße Rose von Schmalkalden. Die heitere Helene tanzt mit dem Stadtschreiber Franzberg und versucht, sich vor dessen Schmeichelreden mit allerhand ironischen Anmerkungen zu schützen. Als der Tanz zuende ist, läuft sie erleichtert zu Magdalena, der blassen, ernsten Freundin, und geht mit ihr durch die vielen Räume, um ihren Vater und deren Onkel, den alten Valtin Herz, zu suchen. Dieser ermahnt die stille Magdala, sich für das festliche Treiben und die Freuden des Alltags wieder zu öffnen, doch Gadamars Tochter hat die Trauer über den Tod des Vaters noch nicht überwunden. Sie will nach Hause, und der alte Ulf begleitet sie durch die stürmische Nacht. Ihr Vaterhaus gehört jetzt der Familie Herz, aber Magdalena ist glücklich, das Arbeitszimmer ihres Vaters bewohnen zu dürfen, und vertieft sich in die Lektüre von Luthers Schriften. Dabei fällt ihr ein Blatt mit der Niederschrift eines Traumes in die Hände, den ihr seherisch begabter Vater selbst aufgezeichnet hat. Getröstet legt sie sich zur Ruhe nieder und hat selbst einen prophetischen Traum, der ihr die Liebe eines warmherzigen Jünglings verspricht. Der hessische Hauptmann Eitel von Stein, der Abgesandte des Landgrafen Philipp, überreicht dem Stadtrat von Schmalkalden Briefe, die zur Vorbereitung einer weiteren Versammlung der protestantischen Fürsten auffordern. Beide Bürgermeister sagen geschmeichelt zu. Während Gadamars Nachfolger, Leonhard Funk, den jungen Boten in sein Haus einlädt, bespricht der zweite Bürgermeister mit seiner Frau und den beiden jungen Damen die notwendigen Maßnahmen für die Aufnahme von privaten Gästen. Ebenso rüsten sich die gesamte Stadt und ihre Gewerke: Vielerlei Waren werden geordert und geliefert, die Mühlen mahlen unablässig, feine Tuche werden gewebt, manche Klinge und mancher Harnisch im Hinblick auf das große Ereignis gefertigt. Valtin Herz bringt die Nachricht nach Hause, dass auch Luther und andere berühmte Männer des neuen Glaubens Gäste der Stadt sein werden. Magdalene ist begeistert, und der alte Ulf erinnert sie an seine Prophezeiung. In diesem selben Januar kommt ein stattlicher Wanderer mit seinem Hund im vereisten Tal der Schmalkalde nur mühsam vorwärts. Mit Andacht betrachtet er die winterliche Natur, sammelt Steine und Kräuter. In Seligenthal kehrt er ein und bittet um einen Führer, der ihn in die Bergwerke der Region begleitet. Bevor der Fremde das Haus verlässt, gibt er der kranken Wirtsfrau eine wirksame Medizin und nennt seinen Namen: Meister Philippus. Nach der Einfahrt in eine der Gruben des Landes sammelt er viele Stücke Eisenerz ein, die er nach dem Verlassen des Schachts den Knappen zum Geschenk macht; die sofort begonnene Probe-Schmelze ergibt als Ausbeute reines Gold. Die Vorbereitungen für die große Versammlung halten ganz Schmalkalden in Atem, da rücken einige Kompagnien des Bundesheers mit ihren Gepäckwagen und dem Tross aus Marketenderinnen, leichten Mädchen und Gauklern ein. Im Hause Herz teilt niemand die Freude über die ersten Gäste, vielmehr hat der Hausherr einen Schwächeanfall erlitten, und der alte Ulf rennt auf der Suche nach einem Arzt durch die Straßen. Als er weder den Dr. Geißhirt noch den Bader Blasius in ihren Häusern antrifft, geht er in den Krug zum goldenen Hasenköpflein und trifft dort Meister Philippus an, der ihn sogleich an das Krankenbett von Valtin Herz begleitet. Drei fahrende Studenten mit Namen Tolluser, Bremser und Farrnhäuser (vom 2. Teil ab: Farnhäuser) bleiben im Wirtshaus zurück und streiten sich, ob der Mann mit dem schwarzen Hund der Teufel selbst oder nur ein Hexenmeister gewesen ist. Nachdem der fremde Arzt die drei Frauen im Hause des Bürgermeisters höflich begrüßt hat, macht Philippus Frau Veronika Hoffnung auf eine baldige Genesung ihres Mannes und verabreicht diesem seine Quinta Essenzia. In diesem Augenblick tauchen gleichzeitig der Doktor, der Bader, der Apotheker und ein junger Doktor namens Engelhaupt in der Krankenstube auf und verursachen einen furchtbaren Lärm, bis der Meister sie mit einem langen Vortrag zu der Frage, was ein Arzt sei, zum Schweigen bringt. Als Magdalena mit des neuen Doktors Hund, der den Namen Dämon führt, den Raum betritt, verzieht sich das Collegium medicum freiwillig. In der Freude über erste Anzeichen einer Besserung bei dem Patienten bietet Frau Veronika dem Fremden ein Nachtquartier an. Inzwischen zieht draußen vor den Fenstern das Gefolge des Landgrafen Philipp in langem Zug durch die Stadttore ein. Helena und Magdalena betrachten vom Fenster aus den Einzug des Hessenfürsten; der neue Arzt und Franzberg leisten ihnen dabei Gesellschaft, wobei der Stadtschreiber gern der Aufforderung folgt, für den Fremden das Spektakel zu kommentieren. Nicht nur Fürsten, Grafen und Ritter, sondern auch Theologen, Professoren und die Superintendenten der Hauptstädte wollen zu dem anstehenden Koncilium der neuen Kirche (S. I 94) auf das alte Bergschloss Wallraff über Schmalkalden hinauf. In einem langen Wagenzug streben derweil die Kirchenmänner um Martin Luther durch den vereisten Thüringer Wald auf die Stadt zu. Der Zug kommt von der Seite der Weidenbrunner Vorstadt und wird unter dem Schlossberg durch eine wimmelnde Menschenmenge begeistert begrüßt. Vor dem Haus des Rentmeisters Balthasar Wilhelm am Topfmarkt warten die drei fahrenden Schüler Tolluser, Bremser und Farrnhäuser, deren Unterhaltung die Tochter des Hausherrn, Salome, vom offenen Fenster aus verfolgt. Ausgerechnet an dieser Stelle des allgemeinen Gedränges hält Luthers Kutsche, und der mit größtem Respekt Empfangene begibt sich als Gast in den Schutz der Familie. Die drei Schüler entfernen sich mit bösen Blicken, ihnen kommt Meister Philippus gerade recht, den sie als Geisterbanner beschimpfen und damit der Wut des sich schnell ansammelnden Pöbels aussetzen. Mit Hilfe seines riesigen Hundes und seines Dolchs kann sich der Arzt zunächst noch verteidigen, doch wird seine Lage bald kritisch. Da rettet ihn der Apotheker Liborius mit seinen Gesellen und bringt ihn in sein Haus. In der Familie des zweiten Bürgermeisters herrscht Freude über die schnelle Genesung des alten Valtin Herz, und Vorbereitungen werden getroffen, den Reichs-Vizekanzler Held als Gast aufzunehmen. Der Wirt zur Krone, Helius Eoban Hesse, begrüßt indessen seinen alten Freund, den Professor Johannes Lange, und stellt ihm seinen neuen Freund, den Dichter und Wittenberger Professor Johannes Stiegelius vor. Stiegel ist aus Gotha gebürtig und hat Briefe für den zweiten Bürgermeister zu bestellen, in dessen Haus ihn ein gastliches Willkommen erwartet. Der Apotheker erklärt gleichzeitig seinem unfreiwilligen Gast Philippus, wie der Seligenthaler Wirt ihn auf dessen Not aufmerksam gemacht und seine Rettung vorbereitet hat. Philippus versöhnt sich mit Liborius bei einem Gläschen Aquavit und betritt dessen Labor, wo dem Geheimnis des Goldmachens nachgeforscht wird. Wieder hält der Meister einen langen Vortrag, diesmal über die vier Elemente, die nach dem Glauben der Zeit zur Herstellung von Gold vereinigt werden müssen. Dann rät er dem ängstlich gewordenen Apotheker vom Goldmachen ab und kündigt ihm eine nützlichere Lehre an. Balthasar Wilhelm begrüßt indessen mit aller Hochachtung seinen Gast und dessen Famulus Tipontius; er stellt ihnen seine Frau Theodosia, die Tochter Salome und den kleinen Sohn Anshelm vor. Leutselig erzählt Luther von seinen Kindern und seiner Frau Käthe. Nach dem gemeinsamen Abendessen fällt dem alten Wilhelm Salomes Unruhe auf, und diese warnt vor den Mordanschlägen der drei verwahrlosten Studenten, deren lateinischen Wortwechsel sie wörtlich wiedergeben kann. Am Morgen des 7. Februar läuten die Glocken, und der große Zug unter Führung der beiden Obristhauptleute des Bundes, Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Johann Friedrich von Sachsen, kommt vom Schloss herunter zur Kirche St. Gregorii voran. Helena und Magdalena schauen als Gäste aus einem der oberen Fenster des Hauses Liborius dem Ereignis zu. Diesmal gibt der erst sechzehnjährige Sohn des Apothekers die Erklärungen, doch als Luther und Melanchthon vorübergehen, bittet die schönste der Schmalkaldener Frauen auch diesen aufdringlichen Verehrer um Stillschweigen. Als alle Teilnehmer ihre Plätze in der Kirche eingenommen haben, singen sie Luthers Komm, heiliger Geist, hören die kurze Predigt des Georg Spalatinus und ziehen nach dem Segen ins Rathaus hinüber. Dort versichert ein Abgesandter des Kaisers die Versammlung des allerhöchsten Interesses an den bevorstehenden Verhandlungen. Die beiden Obristhauptleute jedoch erheben sich und betonen mit großem Ernst die Unterschiede in den Standpunkten, besonders, was den gewünschten Vergleich mit dem Papst und dem von ihm angekündigten Konzil in Mantua betrifft. Die beiden ranghöchsten Vertreter des Katholizismus, Vizekanzler Held und der kaiserliche Rat Don Gonsalvo Ramiro de Saldaña, betreten mit verdüsterten Mienen ihr Quartier. Erst die Einladung des alten Ulf zum Mittagessen im Kreis der Familie Herz und anderer Gäste heitert die beiden Herren wieder auf. Eitel von Stein ist da, Stiegelius und seine Freunde Hesse und Lange, ersterer zwischen Helene und Magdalene, die beiden letzteren ihnen gegenüber sitzend. Liborius hat sich neben Meister Philippus platziert und hofft, eine für seine Forschungen nützliche Anmerkung aufzufangen. Am Kopf der Tafel sitzt neben dem Kanzler der hispanische Rat Saldaña, der sich mehr für Magdalena interessiert, als dieser lieb ist; ihr ist der schüchterne Dichter an ihrer Seite sympathischer, besonders, als dieser nach Eoban Hesse die Schönheit der beiden Rosen am Tisch mit eigenen Strophen besungen hat. Auch Meister Philippus erhebt sich, um gute Wünsche für das Haus und die begonnenen Verhandlungen auszusprechen. Dann prophezeit er aus dem Stand der Sterne, dass es beim Fürstentag noch zu keiner Einigung kommen wird, dass Deutschland aber der Frieden erhalten bleibt. Ruhiger tafelt man im Hause Wilhelm. Der noch sehr junge Tipontius schaut hingerissen nach Salome, auf die sein bewundernder Blick einen gewissen Eindruck macht. Luther beruhigt indessen den Hausherrn in Bezug auf das geplante päpstliche Konzil in Mantua, dann beschließt er die Mahlzeit mit einem Gebet. Am Morgen des Tages, an dem Luther in St. Gregorii predigen soll, strömt alles der großen Kirche zu, auch der fromme Redner selbst und seine Gastfamilie. In der Apotheke bestellen drei grobe Bauernjungen Wein und Naschwerk. Aus ihren Reden geht hervor, dass sie Luther im Auftrag katholischer Pfarrer gefangennehmen wollen, und der Apothekengehilfe hört verwundert zu. In der Kirche spricht derweil der Gottesmann über das rechte Fasten, dann geht seine aufmerksame Gemeinde wieder geschlossen zum Rathaus hinüber. Der Prediger selbst begrüßt an der Kirchentür seinen Onkel Hans und nimmt ihn erfreut mit in das Haus der Wilhelms. Der jüngste Bruder von Luthers Vater bringt dem Neffen zärtliche Grüße von seiner Familie in Möhra, und die beiden schwelgen in Erinnerungen, besonders an Luthers Durchreise nach Waltershausen im Mai des Jahres 1521, bei der er zu seinem Schutz gefangengesetzt und auf die Wartburg verbracht wurde. Inzwischen fordert im Rathaus der Vizekanzler Held im Auftrag des Kaisers erneut, dass das Konzil in Mantua zu einer Versöhnung der streitenden Christen genutzt werden solle. Die lange Rede wird erneut abschlägig beschieden, nicht einmal über die Eignung des Tagungsorts Mantua kann Einigkeit hergestellt werden. Im kleinen Archiv über der Sakristei der Schmalkaldener Kirche arbeitet Luther mit Hilfe einiger seltener Schriften an seinen Glaubensartikeln, die als Grundlage der neuen protestantischen Theologie dem Konzilium zur Abstimmung vorgelegt werden sollen. Tipontius bringt eine kleine Erfrischung und die Botschaft, dass am Folgetag eine Komödie auf dem Markt aufgeführt und ein allgemeiner Mummenschanz gefeiert werden soll. Der Famulus erinnert an Salomes Warnung vor den drei gewalttätigen Studenten und rät für den kommenden Tag zu größter Vorsicht. Gerührt sagt Luther dies dem treuen Schüler zu. Der alte Knecht Ulf hat in Meister Philippus einen geduldigen Zuhörer für die Geschichten über seinen Herrn Gadamar und dessen Tochter Magdalene gefunden. Die weiße Rose (S. I 221) weckt das spezielle Interesse des Meisters, der zugleich die Partei des Kaisers und der katholischen Fürsten ergreift. Ulfs schlichtem Verstand ist der vielfältig informierte Mann unheimlich. Dann kommt ein Diener des Vizekanzlers und bittet den Meister zum Gespräch. Veronika Herz hat einmal mehr das Haus voll Gäste. Der Hauptmann von Stein, der junge und der alte Liborius, die Dichter Hesse und Johannes Stiegelius sowie der Rat Saldaña bemühen sich, jeder auf seine Art, die beiden jungen Damen zu unterhalten. Die Rede kommt auf den Karneval und diverse Helenen, die Heilige und die Volksbuch-Heldin, und Stiegel erbietet sich, die Geschichte der schönen Helena, um die der Trojanische Krieg entbrannte, beizusteuern, doch finden seine Verse wenig Anklang. Stattdessen macht sich Hesse über den Papst lustig und vertreibt mit seinem Spott den mürrischen Rat Saldaña aus dem Zimmer. Im Vorsaal trifft der auf Meister Philippus. Gleich nach dem Gottesdienst beginnt am Fastnachts-Dienstag das lebhafte Treiben der Masken in den Straßen der Stadt. Auf dem Markt, vor dem Gasthaus zur Krone, ist eine große Bühne errichtet. Gegen Mittag kündigt ein Trompeter den Beginn der Vorstellung unter dem Titel Concilium zu Mantua an. Anfänglich scheinen hier Luther und seine Schriften von einem thronenden Papst auf den Scheiterhaufen verbannt zu sein, doch nach allerlei tumultuarischen Vorfällen raubt der Teufel dem obersten Kirchenfürsten seine dreifache Krone und führt ihn unter dem Gelächter des Publikums davon. Zwei Sibyllen mit weißen Gewändern und goldenen Kronen haben dem Schauspiel aus einem Fenster des Rathauses zugesehen. Die größere, ernstere der beiden begegnet nacheinander vier männlichen Masken, die um sie werben, doch erst die vierte hört das ersehnte: Wenn die Sterne günstig stehen,/ Sollst du nicht vergebens flehen (S. I 257), und glücklich entführt der verliebte Stiegelius seine Magdalena zum Tanz. Langsam ebbt der Fastnachtslärm ab, missmutig stehen drei wilde Männer, die den ganzen Tag vergeblich die Tür des Rentmeister-Hauses im Blick gehabt haben, und beschließen, sich in der Krone noch ein wenig Festfreude zu gönnen. Sie sehen in der Gaststube Melchior Schmiedhammer, den Klingenschmied, mit seiner Susanne tanzen und sich dann zu dem alten Torwärter an den Tisch setzen. Der Wirt von Seligenthal kommt als Freund dazu. Schließlich wirft der alte Wagentrotz die Frage auf, was denn aus den drei Landfahrern geworden sei, nach denen man wegen eines geplanten Anschlags auf Dr. Martin Luther gefahndet hat, und der Seligenthaler erkennt in den drei Würfelspielern am Nebentisch jene fahrenden Studenten. Da verabreden sich die anwesenden Männer mit heimlichen Zeichen und fangen mit Tolluser, als er Susanne zum Tanz auffordern will, einen überraschenden Streit an. Es gibt ein allgemeines Gerangel, bei dem Bremser und Farrnhäuser entwischen können. Tolluser jedoch wird verhaftet und an den erleuchteten Fenstern des Wilhelmschen Hauses vorbei zur Wache geführt. Oben tafelt ein vergnügter Luther im Kreise seiner Verehrer und Freunde und ahnt nicht, das in eben dieser Stube der Tod ihm sehr nahe treten und ihn ernst an das Ende mahnen (S. I 270) wird. Im Trubel des Festes auf dem Rathaus spielt die vielbegehrte Helena mit ihren aufeinander eifersüchtigen Anbetern und schaut dabei zum erstenmal mit warmem Gefühl auf einen, der jedoch nur Augen für Magdalena hat: den Ritter Eitel von Stein. Don Saldaña brütet Rache gegen Magdala, weil sie seine Werbung zurückgewiesen hat, und nähert sich ihr unversehens mit beleidigenden Angeboten und Gesten. Doch Stiegel ist zur Stelle und weist den Spanier mit harschen Worten in seine Schranken zurück. Magdalene und dem alten Herz ist der Skandal zunächst peinlich, doch bald brechen die ersten Gäste auf: Der Karneval ist für diesmal vorbei, und der Winter hat das nächtliche Schmalkalden wieder fest im Griff.
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Teil II
In der oberen Stube des Gasthauses zur Krone haben sich nach dem Kirchgang die fürstlichen und geistlichen Angehörigen des Schmalkaldener Bundes versammelt, um unter dem Vorsitz der beiden Obrist-Hauptleute Luthers Aufsatz zum Konzil in Mantua zu diskutieren. Darin spricht sich der Reformator mit aller Schärfe gegen das geplante Treffen aus und weist dem Papst und dem Kaiser Doppelzüngigkeit nach: Das Konzilium werde nicht zur Versöhnung der Christen, sondern zu weiterer Verfolgung der Protestanten führen; und es sei von der katholischen Kirche gar nicht wirklich gewollt. Der Nuntius Held wirbt daraufhin noch einmal für die vom Kaiser so gen. Türkenhilfe, doch kommt er auch hier gegen den Widerstand der Verbündeten keinen Schritt weiter. Luther übersetzt inzwischen einen der Artikel des päpstlichen Glaubens, die so gen. Donatio Constantini, um zu zeigen, dass sie eine weidliche, fette, dicke, wohlgemästete, eine rechte päpstliche Lüge ist (S. II 12). Der inzwischen weitberufene Meister Philippus verlässt, nachdem seine leise Werbung um Magdalene unerhört geblieben ist, das Haus des Bürgermeisters Herz, um in Haus und Labor des Apothekers weiterzuarbeiten. Auch von Stiegelius verabschiedet er sich, der einer gemeinsamen Zukunft mit Magdala freudig entgegensieht. Im beginnenden Frühjahr ziehen wieder die Menschen durch den Wald in die Schmalkaldener Kirche, um Luthers Predigt zu hören, und noch einmal kann der große Redner die Gemeinde in seinen Bann schlagen. Doch krank und leidend betritt er wenig später das Haus der erschrockenen Familie Wilhelm. Die Kunde von Luthers Schwäche erreicht auch die fröhliche Runde, die bei Veronika Herz die Verlobung von deren Stieftochter Magdalena feiert. In diesem Kreis wird Meister Philippus gefragt, ob er nicht den Versuch machen könne, Luther zu helfen. Die Antwort lässt den fremden Meister noch rätselhafter als bisher erscheinen: Selbstbewusst bezeichnet sich Philippus als Katholiken und zugleich als Reformator der Heilkunst. Dann folgt er dem Narren des Landgrafen von Hessen, der ihn, zusammen mit dem Famulus Tipontius, an Luthers Krankenlager ruft. In tiefen Gedanken und nur von seinem Hund begleitet schreitet Philippus auf das Wilhelmsche Haus zu, als er zwei dunkle Gestalten sich durch eine der Gassen dem Topfmarkt nähern sieht und sich versteckt. So wird er Ohrenzeuge, wie Bremser seinem Kumpan Farnhäuser rät, den Auftraggebern gegenüber Luthers Krankheit als ihr Werk auszugeben; ihm ist vor allem daran gelegen, die Stadt schnell zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. An dieser Stelle ist Dämon nicht mehr zu halten, er springt die Übertäter an und treibt sie in die Flucht. Meister Philipp trifft im Vorzimmer und an Luthers Lager die fürstlichen und geistlichen Größen des Bundes vereint in Sorge und Trauer an. Ohne ihr Gespräch zu suchen, tritt er zu dem Leidenden und verlangt unter wilden Beschimpfungen der anwesenden Ärzte, dass man ihm diesen zur Behandlung überlässt. Bedenken werden laut, da erkennt der Patient den Fremden: Es ist Philipp Theophrast Paracelsus, und Luther will von ihm nicht kuriert werden. So schickt man Herrn und Hund aus dem Haus. Verdüstert langt Paracelsus bei Liborius an und muss sich dessen Klagen anhören: Apotheke und Apotheker sind hoch verschuldet, und immer noch wartet der Hausherr auf die versprochene gute Lehre seines Gastes. Im Turm des Schlosses Wallraff hängt indessen der gefangene Tolluser ebenso bitteren Gedanken nach, während außerhalb der Mauern seine beiden Gefährten den verabredeten Eulenruf ertönen lassen. Aufgeregt, aber vergebens sucht Tolluser einen Ausgang. Als es Farnhäuser gelingt, sich angeseilt an das einzige Fenster des Kerkers zu schwingen, kann Tolluser ihm sagen, dass Rettung nur von oben möglich ist. Nicht ohne Gefahr klettert der gewandte Freundüber die Zinnen des Gefängnisturms und auf den hölzernen Estrich darunter und kann den Gefangenen durch ein Loch in der Kerkerdecke heraufziehen. Dasselbe Seil bringt beide nacheinander zu Bremser auf den Weg, der außen an der Schlossmauer entlang in den Wald führt. In der Rosenapotheke beeilen sich Liborius und seine Helfer mit den letzten Vorbereitungen für die Herstellung der berühmten Medizin mit Namen Theriak. Vielerlei geladene Gäste finden sich ein, die von Liborius höflich begrüßt und in der Weinstube mit Apotheken-Naschwerk und edlen Tropfen verwöhnt werden. Dann verfügt man sich in das große obere Zimmer, wo die Ingredienzien für die Herstellung des Wundermittels, nach sieben Klassen geordnet, ausliegen. Alles wird eingehend geprüft, dann wohnen die Gäste im Labor der langwierigen Vereinigung der vielen Stoffe bei. Als Paracelsus sich erlaubt, die Wirksamkeit des Mixtum compositum zu bezweifeln, wird weiterer Streit dadurch vermieden, dass man in die Weinstube zu den inzwischen von Frau Liborius und ihren Helfern gedeckten Mittagstischen zurückkehrt. Als auch der letzte Gast mit seinem Geschenk, einem Döschen frischen Theriaks, das Haus verlassen hat, übergibt Paracelsus seinem Wirt das Rezept für einen Schwefelbalsam und rät ihm noch einmal dringend vom Goldma-chen ab. Tatsächlich wird das Balsamum Sulphuris Smalcaldicum ein Verkaufsschlager, der den Apotheker Liborius reich macht. Es ist Fastenzeit (21. Feburar), und das Leben in der Stadt geht wieder seinen ruhigen Gang. Die Sorge um Luthers Gesundheit drückt gleichermaßen Einheimische und Fremde. Besonders die Familie des Rentmeisters und der treue Famulus sehen ungern, wie der Reformator gegen die Schmerzen ankämpft und versucht, sein Lebenswerk abzurunden. Salome, aus kindlicher Liebe zu Lehrer und Schüler, schickt dem Patienten durch Tipontius täglich kleine Grüße. So gestärkt beschließt Luther, eine vielleicht letzte Predigt im Haus seines Wirts zu halten. Gerührt sehen die im Vorsaal und auf der Treppe zusammengedrängten Gäste, wie der Redner seine Kräfte zusammennimmt, um zu ihnen über die drei Artikel seines Glaubensbekenntnisses zu sprechen. Als er bleich und geschwächt in sein Zimmer zurückgekehrt ist, lässt der Kurfürst Johann Friedrich zu Paracelsus schicken, doch dieser hat, vom Rat der Stadt dazu aufgefordert, Schmalkalden bereits verlassen. Während allerlei Verwandte sich besorgt am Bett des kranken Vetters einfinden, erreicht ein Bote mit einem Brief von Philipp Melanchthon den Erfurter Dr. Sturz. Dieser macht sich sofort auf die Reise und verabreicht dem schon sehr geschwächten Luther, zum Ärger der Schmalkaldener ÄskulapJünger, seine besondere Medizin. Ein mit Büchern und Bildern bepackter Wanderer mit großem Hund zieht von Schmalkalden über die Burg Todtenwart ins Kloster Breitungen, wo sich die Mönche über die Nachricht von Luthers Krankheit freuen. Zwischen der Wallenburg und Seligenthal verirrt sich das Gespann, und an einer Quelle legen sich Herr und Hund zu ihrem Feuer. Schon nach kurzem Schlaf ist der seltsame Mann gestärkt genug, um den Berg zu ersteigen und unter dem Sternenhimmel ein entrücktes Gebet an die geliebte Seele der Welt (S. II 123) zu richten. Als sich der Wanderer im ersten Morgenlicht erneut auf den Weg macht, findet er sich unversehens wieder auf der Heerstraße nach Schmalkalden. Er umgeht die Stadt, aus der er vertrieben wurde, und gelangt an die Kapelle des heiligen Grabes. Gleichzeitig zieht eine heitere Gesellschaft derselben Stelle zu: Stiegelius und seine Braut, die sich mit Helene, von Stein, Lange und Hesse darüber streiten, ob der abgereiste spanische Rat de Saldaña noch mit Duellforderungen an den bürgerlichen Bräutigam herantreten kann und wird. Lange gehen die scherzenden Reden über das Wesen rechten Adels hin und her, dann ist die Kapelle erreicht. Dort kommt es zu einem ernsten, endgültigen Abschied von Philippus Theophrastus Paracelsus. Am 24. April 1537 werden Luthers Glaubensartikel ein letztes Mal vor einer im Hause Wilhelm zusammengekommenen Versammlung verlesen und feierlich unterzeichnet. Luther führt dazu mit letzter Kraft die Feder und fordert dann von seinem Arzt Dr. Sturz, dass dieser ihn nach Hause reisen lässt: Er will im Kreise seiner Familie sterben. Nachdem die Versammlung ebenfalls unterschrieben und sich mit einer ergänzenden Schrift von Philipp Melanchthon befasst hat, verabschieden sich die Teilnehmer in stiller Verzweiflung von ihrem Glaubensführer. Tipontius und Salome aber finden in der Abenddämmerung dieses großen Tages in einer jungen, reinen Liebe zueinander. Endlich ist auch der Vertreter des Papstes, Bischof Peter Vorstius, in der Stadt des Fürstentages angekommen. Vizekanzler Held führt sogleich lange, geheime Gespräche: Die Anerkennung des Konzils von Mantua gilt als gescheitert, aber für die Erreichung anderer, nicht minder wichtiger Verhandlungsziele kann Luthers Schwäche förderlich sein. Missmutig angesichts der Lage ersucht der römische Legat die anwesenden weltlichen Herren nacheinander um Audienz. Das Gespräch mit dem Kurfürsten Johann Friedrich und die Übergabe von zwei Schreiben des Papstes gestalten sich jedoch nicht nach dem Geschmack des Nuntius. Inzwischen gehen nach dem gemeinsamen Gottesdienst die Verhandlungen im Rathaus der Stadt ihren Gang. Held, der Vertreter der kaiserlichen Interessen, wiederholt weitschweifig seine wohlbekannten Forderungen, woraufhin die Verbündeten sich zu einer ebenso langatmig ablehnenden Antwort zusammenschließen: Trotz der Gefahr, in der alle Luthers Leben wissen, wird der Fürstentag zu einem tröstlichen und stärkenden Erlebnis für die Befürworter des reformierten christlichen Glaubens. Vorstius ist inzwischen auf dem Weg zum Landgrafen Philipp, doch von diesem wird ihm die erbetene Audienz rundweg abgeschlagen. Zur gleichen Zeit betritt der Rat Saldaña im Vorort Weidenbrunn das kleine Geschäft des Klingenschmieds Melchior Schwinghammer, um einen Degen und einen Dolch als Andenken an die Stadt zu erstehen, an die er ohne dies keinerlei gute Erinnerungen hegen würde. Der Schmiedemeister bedient ihn freundlich, und hinten in der Werkstatt singen die Gesellen ein Lutherlied. Während vor dem Haus des Rentmeisters am Topfmarkt der Wagen des Kurfüsten auf Luther wartet und im Haus besorgte Geschäftigkeit die Abreise des hohen Gastes vorbereitet, bringt Saldaña eine Botschaft von Vorstius. Während Balthasar Wilhelm Luther aufsucht, um ihn für den päpstlichen Nuntius um eine Unterredung zu bitten, lauscht der spanische Rat an der Tür. Er hört, wie Luthers Freunde dem Kranken die Unterredung ersparen möchten, und wird dann Ohrenzeuge eines heftigen Ausbruchs von Papsthass bei dem Reformator selbst. Da verlässt er mit seinen Dienern schnell und freiwillig den Ort. Salome nimmt innigen Abschied von dem jungen Geliebten, und die Bürger von Schmalkalden entlang der Strecke von dem Begründer ihres neuen evangelischen Glaubens. Die Kutschfahrt wird zur Tortur für den von Schmerzen gepeinigten Luther, ebenso wie für seine Begleiter. Bei Sonnenuntergang ist das Thüringer Waldtal mit dem Namen Tambach erreicht, und der Reisende wünscht auszusteigen, um ein paar Schritte durch die frische Luft zu gehen. Tipontius führt ihn an eine Quelle, neben der ein Mann mit Hund sitzt. Meister Philippus grüßt mitleidig den durstig Trinkenden und gibt ihm noch einen guten Rat mit auf den Weg. Gestärkt kann Luther die Reise fortsetzen. In dem Ort Tambach wird als Abendmahlzeit ein Hering bestellt, und wie Paracelsus vorhergesagt hat, bringt dieser zusammen mit dem nachfolgenden Durst die Gesundheit des Kirchenmannes wieder in Ordnung. Niemand dankt Gott an diesem Abend inbrünstiger für das Wunder als Luthers treuer Diener Tipontius. Der seltsame Meister Philippus erklärt in der Tambacher Schenkstube einem interessierten Publikum die Papstbilder aus Johann Lichtenbergers seltsamen Weissagungen*, als die Nachricht von Luthers Genesung eintrifft. Tipontius bittet den Wirt um ein Pferd, damit er am nächsten Tag die Freudenbotschaft nach Schmalkalden zu Melanchthon bringen kann. Paracelsus kehrt suchend und sammelnd in die Wälder zurück und wird Jahre später im südlichen Salzburg einen frühen Tod finden. Luther zieht weiter nach Gotha, Tipontius aber fliegt dem Wiedersehen mit Salome entgegen. Er hat Luther von seiner Liebe erzählt und dessen Unterstützung für seine Heiratspläne gewonnen. Schmalkaldens Bürger und Salomes Familie nehmen die Kunde von Luthers Heilung freudig auf, die Römlinge (S. II 217) hingegen ziehen missmutige Gesichter. Im Vorzimmer des Landgrafen von Hessen streiten sich dessen Hofnarr und der Zwerg aus dem Gefolge des alten Fürstgrafen von Henneberg, als Tipontius mit seiner frohen Nachricht in den Fürstenwohnungen eintrifft. Der Hesse Philipp und der Kurfürst Johann Friedrich belohnen den jungen Boten großzügig, doch der Henneberger hat nur einen griesgrämigen Blick für ihn übrig. Am Abend wird im Hause Wilhelm ein Brief Luthers geöffnet, in dem der Doktor seinen Liebling Tipontius (S. II 222) dem Rentmeister und dessen Frau warm ans Herz legt. In der letzten Hauptversammlung des Fürstentages im Rathaus werden noch einmal sämtliche Anträge des kaiserlichen Orators und des päpstlichen Nuntius mit ausführlichen Erklärungen zurückgewiesen. Das letzte Wort dieser Versammlung, ein gedrucktes Manifest, wird in alle Welt verschickt: Es gibt kein Zurück, Lutherthum und Papstthum werden einander für lange Zeit feindlich gegenüberstehen. Der Vizekanzler Held brütet Rache und wird später einen für die Ausführung der Schmalkaldener Beschlüsse äußerst nachteiligen Gegenbund gründen. Doch der ganze Norden Deutschlands öffnet nun seine Thore dem siegreichen Licht der Aufklärung (S. II 230). Die Gäste des Konzils rüsten zum Aufbruch. Im Hause Herz wird Abschied gefeiert. Helene darf auf eine Verbindung mit von Stein hoffen, Stiegelius wird schon in wenigen Wochen seine Magdalene heiraten, und niemand ist glücklicher über diese Entwicklung als der treue Knecht Ulf; nur Frau Veronika weint manche heimliche Träne. Der Apotheker Liborius ist ein gemachter Mann, und über die dümmliche Oberflächlichkeit seines Filius macht er sich keine Sorgen. In der anbrechenden Nacht ohne Mond und Sterne huschen drei Vermummte an die Pforte des Mönchsklosters und erhalten Einlass. Nacheinander treten die vornehmen Fremden in den Beichtstuhl und tauschen Beichte gegen Absolution. Dann lauern die Drei in der Nähe des Markts. Stiegelius begleitet seine Freunde, den Professor Lange und Eoban Hesse, bis vor das Gasthaus Krone. Auf seinem Rückweg gibt der im Dunkel verborgene Mörder seinen beiden Knechten das Stichwort: Jetzt drauf! (S. II 245). Doch im selben Augenblick langt der Nachtwächter an und taucht die Szene in ungewohntes Licht. Auch der Klingenschmied Melchior Schwinghammer ist da und stürzt sich auf die Mordknechte. Diese fliehen mit ihrem Anführer, nachdem sie Schwinghammer empfindlich verwundet haben. Der Bader Bopp eilt aus der Krone zu Hilfe und stolpert dabei über einen Degen. Der Schmied erkennt die Waffe, die er vor wenigen Tagen an Saldaña verkauft hat. Stiegelius fröstelt und begreift: Das hat mir gegolten! Gott ist ewig gnädig (S. II 246). Das kommende Osterfest bringt dunkle Wolken und Schnee vom Thüringerwald herüber, aber Stiegelius und Magdala feiern mit dem genesenen Schwinghammer und vielen anderen Gästen eine fröhliche Hochzeit. Voller Sehnsucht setzt Helene der Halbschwester den Brautkranz auf, denn Eitel von Stein ist in Angelegenheiten des Bundes verreist. Am zweiten Ostertag ist die Reihe an Salome und Tipontius; im Kreis ihrer Familie feiern sie Verlobung, und alle hoffen, dass der junge Mann seinen beruflichen Weg machen und dass diese reifende Liebe sich in den Stürmen des Lebens bewähren wird. Der Romanerzähler beschreibt die steinernen Zeugen, die noch zu Bechsteins Zeit in der Stadt Schmalkalden an das große historische Ereignis erinnert haben. Ein abschließender Kommentar verweist auf die genealogischen Verbindungen zwischen den ehrlichen, mutigen Glaubensstreitern jenes Reformbundes und den fürstlichen und kirchlichen Herrschern einer aktuellen Zeit, die den Menschen Anlass zu Vertrauen und Hoffnung sein können.
*Gemeint ist eine Ausgabe von Johann Lichtenbergers Wunderbahre und nachdenckliche Prophezeiung aus dem Jahre 1512, und zwar vermutlich Die weissagunge Johannis Lichtenbergers deudsch, zugericht mit vleys. Sampt einer nutzlichen vorrede vnd vnterricht D. Martini Luthers. Wie man die selbige vnd der gleichen weissagunge vernemen sol. Wittemberg (Lufft) 1527. Zwei Papstbilder finden sich unmittelbar vor Beginn des ersten Kapitels, ein weiteres am Beginn des 35. Kapitels.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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5.1.5. Inhaltsangabe zu Fahrten eines Musikanten. Roman in 3 Teilen. Schleusingen (Conrad Glaser) 1837. 4. Teil für die 2. Auflage: 1854/5
1. Teil (1837, ohne Titel, 26 Kap.)
Kapitel 1: Die Kinderjahre.
Der Titel-Held erzählt in der Ich-Form, dass er im Thüringerwald als Sohn eines Eisenhammer-Besitzers geboren wurde. Lustig und unbeschwert verfließen die ersten Jahre seiner Kindheit, bis die Verwandtschaft beschließt, der wilde, laute Junge, der gern Predigen spielt, müsse Pfarrer werden. Dessen wahre Leidenschaft ist jedoch die Musik. Obwohl der verständige Vater ihm vom Kantor des kleinen Ortes Klavierstunden geben lässt, zieht es den leichtsinnigen Jungen stets in die Nähe des Kirmes-Tanzes und der Wirtshaus-Musikanten. Als die Eltern mit dem unbändigen Sprössling nicht mehr fertigwerden, schicken sie ihn in die nahegelegene Bergstadt, damit der dortige Kantor ihn auf das Gymnasium vorbereitet. Nachdem die Mutter plötzlich gestorben ist, wird die Zeit bei dem strengen, hageren Bornemann zur Quälerei: Die alten Sprachen liegen Daniel nicht, und der Kantor stellt sich nur langsam auf die musikalischen Interessen des Jungen ein. Als er beginnt, ihm Sing- und Klavierunterricht zu geben, macht das Kind so große Fortschritte, dass der ungeduldige Mann gleich zuviel von ihm verlangt und jeden Fehler grausam bestraft. Der jetzt neunjährige Daniel ist verzweifelt, denkt an Selbstmord, zieht dann aber doch nach anderthalb Jahren des Leidens die Flucht zurück ins Elternhaus vor.
Kapitel 2: Musikalische Leiden und Freuden.
Der Vater zeigt Verständnis: Er bringt seinen Sohn zwar zu Bornemann zurück, verlangt von diesem aber strikte Zurückhaltung in Bezug auf die gewohnten jähzornigen Strafen. Daniel jedenfalls findet den Lehrer ruhiger und menschlicher und sucht zugleich Trost bei dem geliebten Instrument. Von jetzt ab empfängt er eine kleine Geldbelohnung, wenn er eine schwierige Sonate zu spielen gelernt hat. Wichtiger aber ist ihm die Anerkennung, mit der der Kantor die Begabung des Kindes für seine eigene Arbeit als Chorleiter benutzt. In dieser Zeit tritt eine frühreife Liebe in Daniels Leben. Der Junge gibt Käthchen, einem zwölfjährigen Mädchen aus angesehener Familie, Musikunterricht. Weder deren Eltern noch der Kantor ahnen etwas von den leidenschaftlichen Gefühlen, mit denen die beiden Kinder miteinander flüstern und sich umarmen. Aus dieser reinen Beziehung wird der Junge herausgerissen, als sein Kantor ihn zur weiteren Ausbildung einem Kollegen im fernen Freiberg übergeben lässt.
Kapitel 3: Die erste Reise.
In einer Frühlingsnacht steht Daniel bei einer Gruppe von Fuhrleuten, die ihn über den Thüringerwald nach Arnstadt mitnehmen sollen. Schweigend und beklommen sieht und hört der Junge, wie der Morgen allmählich anbricht, und unter Tränen vollzieht er seinen Auszug aus der Heimat. Neun Tage dauert der Fußmarsch mit den schwer beladenen Wagen über schlechte Waldwege dem schönen Freiberg zu. Am Morgen des zehnten Tages hält er Einzug in der Stadt seiner weiteren Studien.
Kapitel 4: Schülerleben.
In einer dunklen Gasse klingelt der Hausknecht des Gasthofs für Daniel an der Tür des Kantors Schiffer und begleitet das Kind in den finsteren Flur und bis vor die Stube im ersten Stock, aus der die alte Hausfrau die Ankömmlinge unfreundlich ankeift und das Kind wieder aus dem Haus komplimentieren will. Erst als der Kantor kommt, kann Daniel seine Empfehlungsbriefe überreichen und folgt seinem Lehrer dann zum Naschmarkt, wo er in einem kleinen, heruntergekommenen Haus seiner Wirtin, der hageren Madame Kosel, und ihren beiden "verbutteten" Töchtern (S. I 33) vorgestellt wird. In einem Bretterverschlag soll er mit noch drei Schulkameraden übernachten, mit denen sich der heimwehkranke Junge schnell befreundet. Der Schulleiter und der Kantor begrüßen am nächsten Tag den Neuen, der sich in der ersten Singstunde mit seinem Talent den Respekt der Mitschüler sichert. Doch bald holen die Schwierigkeiten in den alten und neuen Sprachen den Tertianer wieder ein, hinzu kommen zahllose Streiche, die harte Strafen nach sich ziehen. Weder der Vater noch Kantor Schiffer haben Verständnis für die Verzweiflung des Jungen, doch dieser findet wieder einmal Trost in der Musik: Er lernt Gitarre spielen und singt eigene Lieder zu dem geliebten Instrument, erlebt auch die Genugtuung, dass ein Bergknappenchor kleine Tänze akzeptiert und mit Erfolg spielt, die Daniel unter fremdem Namen komponiert hat. Doch als er in Sekunda ist, macht er im Hause der "gesitteten" Witwe Kosel (S. I 40) Beobachtungen, die ihn mit seiner Wirtin völlig entzweien. Es kommt zu einem Streit, in dessen Verlauf Daniel zuerst Madame Kosel und dann ihren "Freund", den Kantor, gefährlich verletzt, bevor er aus dem verhassten Hause flieht. Unter dem Beifall seiner Mitschüler verweigert Daniel die ihm auferlegte Prügelstrafe und geht lieber für vier Tage in den Karzer. Er zieht mit einem älteren Mitschüler zusammen und teilt mit ihm die Freuden der Hausmusik.
Kapitel 5: Neue Wirren und Kämpfe.
Als die Versetzung in die Prima ansteht, ist nach Meinung des Schulleiters, eines Magister Hecht, Daniel der einzige von den Sekundanern seines Jahrgangs, dessen Leistungen für die erste Klasse nicht ausreichen. Die als ungerecht empfundene Zurücksetzung lässt den Schüler innerlich allmählich verwahrlosen. Als er auch noch zusammen mit seinem Zimmerburschen eine Nacht lang bei der unglücklich verliebten Tochter seines Hauswirts an deren Krankenbett gewacht hat, entrüstet sich nicht nur der Rektor, sondern der Stadtklatsch bemächtigt sich des "alle Moral verletzenden" Vorfalls (S. I 30). Auf einer feierlichen Konferenz werden die beiden Schüler zu Karzerstrafen verurteilt, Daniel zudem noch einmal um eine Klasse, also in Untersekunda zurückgestuft. Seinen verzweifelten Entschluss, dieser Schande zu entgehen und freiwillig als Rekrut in ein Jägercorps einzutreten, vereitelt der Schulleiter, indem er ihn noch einmal in den Karzer werfen und dann in seine alte Klasse zurückversetzen lässt.
Kapitel 6: Weh der Zeit.
Daniel wohnt jetzt im Schulhause bei dem jungen Quintus und seiner Frau, die mit mehr Verständnis auf ihn eingehen als seine alten Lehrer und ihm die Lust am Studieren zurückgeben. Hier lernt er auch den berühmten Deklamator Solbrig kennen, der ihm Sprechunterricht gibt und ihm rät, Schauspieler zu werden. Erstmals tritt auch die kriegerische Gegenwart in das Bewusstsein des Siebzehnjährigen, als die Schulgebäude eines Morgens von russischer Soldateska besetzt sind und die Schüler in längere Ferien geschickt werden. Der Quintus flieht mit seiner Familie in die ländliche Umgebung der Stadt, Daniel bleibt mit der jungen Magd in der Wohnung im alten Kloster zurück und befreundet sich unbesorgt und zärtlich mit ihr. Dann können die beiden jungen Leute ihrem Quintus auf das Land folgen. Daniel wird beim Dorfschulzen einquartiert, dessen schwermütiger Tochter Agnes er Unterricht am Klavier gibt. Zurück in Freiberg setzt er die Liebelei mit der Magd fort, bis die Frau des Quintus dessen gewahr wird und beide aus dem Haus jagt. Daniel landet bei dem alten Schneider Lebrecht, mit dem er manche Abendstunde singend verbringt; besonders angetan hat es ihm eine seltene Variante des Volkslieds von den siebenundsiebzig Schneidern. Doch dann holt der Krieg gegen Napoleon die Stadt Freiberg endgültig ein, dreimal muss Daniel den Durchzug einer geschlagenen deutschen Armee mit ansehen, dann beschließt der inzwischen völlig mittellose junge Mann, dem allgemeinen Wirrwarr zu entrinnen und den Heimweg zu Fuß anzutreten.
Kapitel 7: Heimreise.
Vergnügt wandert Elster mit seinem kleinen Bündel zwischen österreichischer Soldateska in Richtung seiner thüringischen Heimat. Da versperrt unerwartet das Lager eines Regiments Franzosen die Straße, und es kommt zu einem Gefecht mit den österreichischen Truppen, in dessen Verlauf Daniel in Gefangenschaft gerät, sich jedoch mit Hilfe seiner Französisch-Kenntnisse als Schüler zu erkennen geben und unter dem Schutz eines Offiziers mit diesem Teil der napoleonischen Armee in die Nähe von Saalfeld gelangen kann. Er wird gut verpflegt und lernt in diesen Tagen mehr Französisch als in einem ganzen Jahr in der Schule. Als er sich jedoch nach Ilmenau absetzen will, legt man ihm unter Drohungen nahe, bei der Armee als Dolmetscher zu bleiben. So muss er mit Hilfe eines treuen Hausknechts seine nächtliche Flucht planen, die ihn glücklich in den Schoß der Familie zurückführt. Doch hat sein Vater kein Verständnis für den Wunsch des Heimkehrers, der sich dem Freiwilligencorps gegen die Franzosen anschließen möchte; mit der Androhung seines väterlichen Fluchs bindet der Sechzigjährige den Sohn an Haus und Hof.
Kapitel 8: Röschen.
Bei einer Hochzeitsfeier lernt Daniel Elster Röschen, die schöne, noch sehr junge Tochter eines reichen Kaufmanns, kennen. Zwischen den Beiden entsteht schnell ein inniges Einverständnis, sie tanzen den ganzen Abend zusammen. Einige Tage später sieht er sie zufällig im Garten ihres Vaters wieder, springt über den Zaun und kann im Gartenhaus erstmals unbeobachtet mit ihr sprechen. Aus Zuneigung wird Liebe, jeden Abend sitzen die beiden jungen Menschen im Grünen beisammen und versprechen sich ewige Treue. Daniels Vater freut sich, dass der Sohn dem Soldatenleben abgeschworen hat, von dem heimlichen Anlass dieser Sinnesänderung ahnt er nichts. Doch spricht er endlich von der notwendigen Fortsetzung des Schulbesuchs, und man einigt sich auf ein hennebergisches Gymnasium. Mit einem seidenen Schal als Talisman und der Hoffnung auf baldigen Briefwechsel nimmt Daniel Abschied von der Geliebten.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Kapitel 9: Pennalismus.
Der Direktor und die Atmosphäre der neuen Schule gefallen ihm viel besser als die Lernbedingungen in Freiberg. Er wird in die Prima eingestuft und würde sich gern ganz dem freien, akademischen Umgangston überlassen, wäre da nicht ein Rest spätmittelalterlicher Gebräuche, an die in dieser aus einem Kloster hervorgegangenen Schule niemand zu rühren wagt: Unnachsichtig wird die Überlegenheit der älteren gegen die jüngeren Schüler durchgesetzt, und wer dagegen rebelliert, wird hart bestraft. Aus dieser Hierarchie entstehen Streit und Prügeleien, und auch Daniel ist immer wieder einmal in Streiche und Kämpfe verwickelt. Doch besteht er nach weiteren anderthalb Schuljahren unangefochten sein Abitur und geht nach Leipzig zum Studium.
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Kapitel 10: Der Liebe Leid.
Die treue Liebe zu Röschen ist in dieser Zeit Daniels größte Freude gewesen, doch als er jetzt aus der (ungenannt bleibenden) hennebergischen Grafenresidenz zurückkehrt, muss er erkennen, dass seine Liebe verraten wurde und Röschen wie in einem Gefängnis im Haus ihrer Eltern gehalten wird. Mit einer List lässt er der Geliebten eine Nachricht zukommen und trifft sich im nächtlichen Dunkel des väterlichen Hofes mit ihr. Im Gartenhäuschen erneuern die Liebenden ihre Schwüre, und dann geleitet Daniel seine Braut zurück ins Haus. Auf dem Rückweg attackiert ihn ein Unbekannter mit brutalen Schlägen, aber Daniel ist dem Angreifer überlegen und lässt ihn gefesselt liegen.
Kapitel 11: Der neue Student.
Daniel kommt zur Zeit der Messe in Leipzig an. Er wohnt im Brühl und lernt dort einen Dr. Wenk kennen, mit dem er durch die abendliche Stadt von einem Vergnügen zum andern zieht. Im Spielcasino gewinnt der Neuling eine Menge Geld, das er dann bei einem großzügigen Fest für seine Kommilitonen wieder ausgibt. Benommen kehrt er in sein Quartier zurück und hat warnende Träume. Dennoch lässt er sich am nächsten Tag wieder mitschwatzen, taumelt von einem teuren Abenteuer in das nächste, und als es ihm zuviel wird, muss er seine Uhr versetzen, um unter dem Hohngelächter seiner Kumpane die letzte Rechnung bezahlen zu können. Er distanziert sich von Wenk, nimmt erste Fechtstunden und wagt es, dem Gefährten jener leichtsinnigen Nächte die unbequeme Wahrheit ins Gesicht zu sagen, worauf er zum Duell gefordert wird. Das gewonnene Geld reicht noch, um Waffen, Musikinstrumente, Bücher und schöne Kleider zu kaufen. Dann widmet sich der neue Student dem Fechtunterricht.
Kapitel 12: "Fortitudo virtutes comes."
In der Folge ist Daniel glücklicher bei der Suche nach netter Bekanntschaft. Die Vorlesungen haben begonnen, er kann in die Landsmannschaft Frankonia eintreten und macht sich deren Wahlspruch: "Die Stärke ist der Gefährte der Tugenden" zu Eigen. Mit Herzklopfen findet er sich zu seinem ersten Duell ein und kassiert einen so gefährlichen Hieb in die rechte Wange, dass die Narbe ihn am weiteren Studium der Theologie endgültig hindert. Sein Vater ist über den Entschluss des Sohnes, nunmehr Musik zu studieren, tief enttäuscht und droht mit dem Abbruch jeden weiteren Kontakts, falls Daniel nicht ein ordentliches Fach für seine Studien wählt. Um nicht Soldat werden zu müssen und jeden finanziellen Rückhalt zu verlieren, wendet sich Elster gegen seine innerste Überzeugung der Medizin zu. Vorerst muss er sich jedoch noch im Zweikampf üben und besteht die ausstehenden beiden Duelle zur Freude seiner Brüder von der Landsmannschaft mit Bravour. Er wird zum Helden in der bewegten Szene der vier großen Studentenbünde seiner Zeit und vernachlässigt erneut seine akademische Arbeit. Doch hofft er, wie die meisten seiner Kommilitonen, mit einer gewaltigen Anstrengung im letzten Semester das gesteckte Ziel noch zu erreichen.
Kapitel 13: "Thuringia seis Panier!"
Elster lebt als Student in Leipzig ein eher faules Leben, fühlt sich aber dabei gleichzeitig wie die übrigen Corpsstudenten der Masse der ärmeren, nicht organisierten Studenten weit überlegen. Die Bekanntschaft mit dem Dichter Hinckel wird zu einer engen Freundschaft, obwohl er Saxone ist. Die Frankonia wird als "Thuringia" neu begründet, weil in der Generation, die sich jetzt auf die Examen vorbereitet, vor allem Thüringer Landsleute sich in ihr versammeln. Für Elster ist es eine tiefe Genugtuung, dass man ihn zum Senior ernennt, und das erste Bundesmahl der neuen Landsmannschaft erfüllt den jungen Thüringer mit hehren heimatlichen und vaterländischen Gefühlen. Wenig später kommt es aus Anlass eines Dorffestes zu einer Prügelei mit den Handwerksburschen, denen die Studenten ihre Tänzerinnen ausgespannt haben. Ein wütender Kampf entwickelt sich, in dessen Verlauf das Glück mehrfach hin und herwechselt, bis die Studenten unter Elsters Führung die letzten Dörfler, die noch Widerstand leisten, aus den Fenstern des Wirtshauses werfen. Noch in der Nacht wird Elster verhört und, obwohl er sich offen zu seiner Tat bekennt, für vier Wochen, z.T. bei Wasser und Brot, gefangen gesetzt. Diese Zeit bessert ihn nicht, sondern sorgt dafür, dass er sich, wieder entlassen, in nicht endende Schlägereien verwickelt und seinen sich über ganz Deutschland ausbreitenden Ruf als gefährlicher Duellant genießt. Bald kommt es zu einem weiteren Zwischenfall, bei dem die Studenten mit der Leipziger Polizei aneinander geraten. Als bekannt wird, dass die Stadtsoldaten einen Studenten auf dem Polizeiplatz erschlagen und in seinem Blut liegengelassen haben, rotten sich die jungen Akademiker ohne Ansehen der Gruppenzugehörigkeit zusammen, um ihre Freiheiten zu verteidigen. Als zweites Opfer der Unruhen verliert ein unbeteiligter Handwerker sein Leben, und die Wut der Landsmannschaftler steigert sich zur Raserei. In der unmittelbaren Umgebung von Elster kommt es zu heftigen Kämpfen, sogar ein Schuss fällt. Erst als der Polizeipräsident zusagt, dass die Mörder des gesteinigten Studenten zur Rechenschaft gezogen werden, kehrt wieder Ruhe ein. Diesmal hat Elster Glück: Er wird bei den sich anschließenden Untersuchungen gar nicht vorgeladen. Im Rückblick bedauert er jedoch den jugendlichen Leichtsinn, der einen so hohen Preis kostete.
Kapitel 14: Das Wartburgfest.
Elster wird die Ehre zuteil, als Vertreter der Leipziger Landsmannschaften am Wartburgfest teilzunehmen. Er nimmt den Weg über seine Heimat, um die Familie und Röschen wiederzusehen. Während sein Vater auch zu dem äußerlich gereiften Sohn auf Distanz bleibt, bekennt sich die Geliebte so uneingeschränkt zu der mit ihm geplanten Zukunft, dass Elster wieder einmal beschließt, nach seiner Rückkehr endlich ernsthafte Studien zu beginnen. Doch ist der Augenblick der inneren Einkehr nur kurz, Freunde kommen ihn abholen, und bald zieht Elster singend, den Blick fest auf die schwarz-rot-goldene Fahne gerichtet, mit ihnen in Eisenach ein. Nachdenklich nimmt er noch vor Beginn der Feierlichkeiten die so andersgearteten Ziele der Turnerbewegung zur Kenntnis, hört die Proklamationen, die der erstrebten Einheit deutscher Jugend die Besonderheiten der Landsmannschaften opfern wollen. Der unabsehbaren Reihe ordensgeschmückter Redner im Rittersaal der Lutherburg lauscht Elster mit wachsender Begeisterung, spürt jedoch auch die tiefe Widersprüchlichkeit der Zeitstrebungen, und dass der Wunsch nach Einheit in nationalen Fanatismus umzukippen droht. Bis tief in die Nacht loht dann auf dem Wartenberg das Feuer, das später, wie diese Feier insgesamt, als Zeichen für Aufruhr und Auflehnung gegen die Herrschaft der Landesfürsten gedeutet werden wird, das aber vielen der versammelten Männer eher ein Symbol der ersehnten inneren und äußeren Erneuerung ist.
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Kapitel 15: Die Burschenschaft.
Mit dem Plan, eine eigene Burschenschaft zu begründen, kehrt Elster nach Leipzig zurück. Der Gedanke an die Geliebte tritt zurück, auch den Beginn der Vorlesungen versäumt er angesichts der schwierigen Aufgabe des Werbens und Organisierens. Bald sieht er sich zur Hauptsache auf die eigene Landsmannschaft zurückgewiesen, findet dort aber ein freudiges Echo für seine Überlegungen. Die schwarz-rot-goldenen Farben und der neue Wahlspruch: "Gott, Freiheit, Ehre, Vaterland" werden angenommen, auf einer Reise nach Jena holt Elster sich das nötige Wissen und einen Entwurf für die Statuten, die nach der Rückkehr in nächtelanger begeisterter Arbeit mit einigen Jenaer Freunden ausgefeilt werden. Der Grundgedanke der persönlichen Ehrenhaftigkeit steht dabei neben dem der Gleichheit etwa von Arm und Reich, und all dies ist auf das eine große Ziel der Einigkeit aller deutschen Universitäten ausgerichtet. Es kommt bei diesen Besprechungen auch zu Unstimmigkeiten über die Frage einer besonderen Tracht, doch bei der Gründungsfeier finden die Beteiligten im gemeinsamen Gesang wieder zusammen. Elster gedenkt wehmütig seines Röschens, eine Ahnung erfüllt ihn, dass sein Leben nicht den erhofften bürgerlichen Gang gehen wird. In der Folge kühlt sich sein Verhältnis zur Burschenschaft jedoch schnell ab, da die Anhänger eines mehr äußerlich verstandenen Mittelalterkults die Oberhand gewinnen. Elster spürt: Das reiche Leipzig mit seiner großen Zahl an alten Landsmannschaften ist nicht der Ort für seine demokratischen Ideale, und er beantragt den Austritt, noch bevor allenthalben in deutschen Universitätsstädten der Niedergang des Burschentums beginnt.
Kapitel 16: "Citatur ad Magnificum!"
Für eine Weile gelingt es dem Ich-Erzähler, ein geordnetes Studium der Medizin zu verfolgen, doch dann kommt es auf einem Tanzfest im Dörfchen Grimma zu einem Streit zwischen Elsters Freund und einem sächsischen Offizier. In dem unvermeidlichen Duell wird der Freund lebensgefährlich verwundet, und Elster pflegt ihn heimlich viele Wochen lang in seiner Wohnung, entgeht auch glücklich allen polizeilichen Nachforschungen, die das Ende seiner Studien bedeutet hätten. Die Leipziger studentischen Verbindungen befinden sich derweil auf dem Weg des geistigen und moralischen Verfalls, den Elster vorausgesehen hat, und er weist das Ansinnen zurück, die Führung seiner Burschenschaft erneut zu übernehmen. Um in Ruhe sein Studium beenden zu können, zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Doch eines Abends wird er auf dem Heimweg vom Theater von zwei Studenten mit Knüppeln angegriffen und gezwungen, sich entschieden zur Wehr zu setzen. Daraufhin wird er zum Rektor seiner Universität zitiert, trotz seiner Unschuldsbeteuerungen für acht Tage als Unruhestifter in den Kerker gesetzt und dann der Universität verwiesen. Verzweifelt und mittellos macht er sich auf den Weg nach Jena, doch als sich die Berge des Thüringer Waldes seinen Blicken darbieten, wird ihm auch wieder froh zumute. Singend langt er in Jena an und erhält dort nach anfänglichen Schwierigkeiten die Matrikel. Die Burschenschaftler meiden ihn als einen Abtrünnigen und sein Vater kürzt ihm die monatlichen Zuwendungen, doch ist Röschen ihm treu geblieben, und noch einmal bauen die beiden Liebenden an den Luftschlössern ihres zukünftigen Glücks.
Kapitel 17: Das Herzogthum Lichtenhain und der Freistaat Columbia.
Zurück in Jena gesellt sich Daniel Elster zu seiner abendlichen Zerstreuung den Untertanen des Herzogs Tus VIII. bei, jenes selbsternannten Fürsten von Lichtenhain, der von seinem Regierungsitz in einem Wirtshaus aus den Durst der akademischen Jugend verwaltet. Die Trinkgewohnheiten, mit denen seine Untertanen die gefährlichen Waffenspiele der studentischen Verbindungen ersetzen, wirken zwar lustig und gemütlich, doch untergräbt auch so mancher dabei die Gesundheit seiner späteren Lebensjahre. Im Vordergrund steht für Elster das Zerwürfnis mit seinem Vater. Als dieser sich endgültig weigert, weiteren Unterhalt zu zahlen, wendet sich der Student auf Röschens Vorschlag an deren Vater, bittet um die Hand der Geliebten und einen Vorschuss für seine Promotion. Zum Entsetzen der Liebenden werden beide Bitten von dem reichen Kaufmann abschlägig beschieden, und Daniel versinkt ein weiteres Mal in großer Niedergeschlagenheit. Doch diesmal verwandelt sich die Wehmut in Trotz. Erneut wendet er sich den politischen Entwicklungen seiner Zeit zu. Man schreibt den März des Jahres 1818; ein wissenschaftlich gebildeter Dichter, den der Erzähler mit einem Pseudonym Rose nennen wird, bindet ihn an sich und fordert ihn auf, alle anderen Verpflichtungen zugunsten eines konsequenten Freiheitsstrebens hinter sich zu lassen. Vor allem der Kampf der Kolumbianer gegen die spanische Fremdherrschaft ist Gegenstand ihrer Diskussionen, und die beiden Männer entscheiden sich nur deshalb gegen die Auswanderung, weil ihre eigene Heimat einer Krise entgegentaumelt. Doch der Meuchelmord an Kotzebue lässt den Plan, die südamerikanischen Freiheitskämpfer zu unterstützen und sich dadurch selbst die ersehnte Anerkennung zu verschaffen, in den beiden heimlichen Revolutionären reifen: Mit wenig Geld und ohne größere Vorbereitungen getroffen zu haben schleichen sie, nur von einigen Freunden begleitet, bei Nacht, Nebel und Regen am 2. April des Jahres 1819aus den Toren der Stadt.
Kapitel 18: Die beiden Abenteurer.
Durchnässt und schweigsam wandern die beiden Freunde auf Weimar zu und setzen, nach einer Erfrischung im Gasthaus, in besserer Stimmung ihren mehrtägigen Weg in Daniels thüringische Heimat fort. Dort nimmt der Vater Elsters Auswanderungspläne mit einer fast gleichgültig wirkenden Resignation zur Kenntnis, Röschen aber fleht verzweifelt, der Geliebte möge sich besinnen und bleiben. Die Trennung wird beiden schwer, und sie zieht sich über vierzehn Tage hin, doch dann schlägt die Abschiedsstunde. Die Freunde nehmen ihren Weg über Kassel, wo sie einige Tage verweilen, und durchqueren dann die Sandebenen Westfalens, um sich erst in Rheina wieder einer heiteren Landschaft erfreuen zu können. Bis Nordhorn finden sie eine Fahrgelegenheit, doch dann wandern sie Stunde um Stunde durch die trostlose Heide der Grafschaft Bentheim und erreichen erst mit sinkendem Tageslicht das Gasthaus Vennebrügge an der deutsch-niederländischen Grenze. Während sie in der Gaststube rasten, erklingen von draußen melancholische Flötentöne, Elster antwortet begeistert mit einigen Gitarren-Akkorden und macht so die Bekanntschaft des jungen Steuerbeamten Stipp, der die Wanderer einlädt, für einige Tage seine Gäste zu sein. Voll hochfliegender Zukunftspläne fahren sie dann auf Kosten des neuen Freundes mit der Post nach Zwolle, und von dort auf einer Schute auf die Yssel zu. Ein Sturm verzögert die ersehnte Begegnung mit dem offenen Meer um einige Tage, doch dann trägt ein Schiff die Auswanderer an Edam vorbei nach Amsterdam. Daniel ist entzückt angesichts der Sehenswürdigkeiten dieser schönen Stadt. Im Konsulat erwartet sie jedoch eine niederschmetternde Nachricht: Alle Werber des neu zu begründenden Staates Columbia haben sich unter Androhung von Strafe zurückziehen müssen, und jeder, der sich öffentlich zu den politischen Entwicklungen in diesem Raum Südamerikas bekennt, wird als Aufrührer betrachtet und hat Nachteile zu befürchten. Die Freunde sehen sich plötzlich in nahezu aussichtsloser Lage. Mehrere Versuche, sich als Soldaten zu verdingen scheitern, sie müssen schließlich alles Entbehrliche verkaufen, um ihre Rechnung zu begleichen, und machen sich zu Fuß auf den Weg nach Rotterdam. Als die Sonne unter geht, haben sie noch kein Mittel gegen Hunger, Durst und Müdigkeit gefunden. In ihrer Verzweiflung steigen Elster und Rose über die Mauer eines herrlichen Parks, legen sich in einer Laube zur Ruhe und werden am Morgen durch eine scheltende Stimme geweckt. Sie werden aus dem Garten vertrieben, müssen sich ihr Brot kaufen und das Wasser gegen ihren Durst mit Gewalt beschaffen. Dann endlich sind Rotterdams Türme am Horizont zu sehen. Im Hafen finden sie einen Kapitän, der bereit ist, sie gegen sofortige Bezahlung nach England mitzunehmen. Rose fragt nach den Geldbriefen, die er an sich selbst vorausgeschickt hat vergeblich. Elster merkt, wie unzuverlässig sein Begleiter ist, doch im Augenblick bleibt ihm nichts weiter übrig, als die Stadt umgehend zu Fuß wieder zu verlassen. Es folgt ein weiterer Tag ziellosen Wanderns. Als die Nacht einfällt, meldet sich der Hunger so gebieterisch, dass Rose vorschlägt, sich im nächstgelegenen Dorf etwas zu verschaffen, koste es, was es wolle.
Kapitel 19: Gastfreundschaft in Holland.
Die Freunde wählen ein einsam am Dorfrand gelegenes Haus für einen Überfall. Elster überquert den schützenden Graben auf einem Brett, dringt in die Küche ein und fordert Nachtquartier und etwas zu Essen. Im Nu entbrennt ein Kampf zwischen den beiden Männern, der so viel Lärm macht, dass die Nachbarn zu Hilfe eilen. Rose, der Wache steht, mahnt zur Eile, die Diebe raffen die Speisen zusammen, die die Bauersfrau inzwischen widerwillig herbeigeschafft hat, und fliehen in einem unbeschreiblichen Tumult im Schutz der Dunkelheit. Sie können unverfolgt entkommen, erreichen die Straße zwischen Rotterdam und Amsterdam und genießen die wenig üppige Beute im Schutz eines dornenumwachsenen Baums. Gestärkt setzen sie dann ihren Weg fort, ohne sich Gedanken über die erste Untat zu machen, die sie soeben begangen haben. Im Schein der Morgensonne wird die Stadt Gouda erreicht, wo die beiden Wanderer einige Hemden versetzen, um sich ein Mittagsmahl leisten zu können. Dann beschließen sie, nach Vennebrügge zu ihrem Freund Stipp zurückzukehren und dort auf Geld für eine Rückreise in die Heimat zu warten. Die erste Nacht verbringen sie in einem Rinderpferch und stillen ihren Hunger mit heimlich gemolkener Milch. In Utrecht nutzen sie ihre Kenntnis des universitären Lebens; sie werden bei dem dortigen Rektor vorstellig, und der leiht den beiden Deutschen, wenn auch ungern, zwei Louisd'or, so dass sie sich in einem Gasthaus einquartieren können. In ihrer Gaststube machen Elster und Rose dann die Bekanntschaft einer Gruppe junger deutscher Studenten, auf deren Kosten sie als "bemooßte Häupter" (S. I215) einige Tage lang trinken und Kommers feiern.
Kapitel 20: Vennebrügge.
Auf dem kürzesten Weg und doch völlig erschöpft erreichen die beiden ehemaligen Auswanderer das gastfreundliche Vennebrügge. Ihr Bekannter Stipp freut sich über diese unerwartet baldige Rückkehr; Rose schreibt in die Heimat und bittet um Überweisung seines, wie er sagt, nicht unbeträchtlichen Vermögens, Elster sendet Briefgrüße an Röschen und einen seiner Brüder. In Erwartung der jeweiligen Antworten vertreiben sich die drei Musikanten die Zeit mit Lesen, Komponieren, gemeinsamen Liedern und langen Spaziergängen; einige kleine Ausflüge in die Nachbardörfer enttäuschen sie eher. Nach vier Wochen erreicht Elster ein Schreiben seines Bruders mit einem eingeschlossenen Brief von Röschen. Augenblicklich erfüllt ihn die Sehnsucht nach der Geliebten und nach den bewaldeten Bergen Thüringens. Doch sein Gefährte Rose hat nur kalten Spott für diese Gefühle übrig, obwohl er selbst vergeblich auf Post wartet, so dass eine Entscheidung über das weitere Vorgehen unvermeidbar wird. Doch kommen die Ereignisse den Zögernden zuvor. Landdragoner treffen überraschend in Stipps kleinem Wohnort ein, die mit der Befugnis, Verhaftungen vorzunehmen, durch das Land reiten. Nach einem gemeinsam verbrachten Wirtshausabend sehen sich Elster und Rose am Morgen von den "Strickreitern" (S. I 224) aufgefordert, ihnen ins nahegelegene Neuhaus zu folgen. Stipp zuliebe verzichten die Arretierten auf größeren Widerstand, erregen mit ihrem ungewohnten Aufzug in dem Gerichtsstädtchen einige Unruhe und sehen sich schließlich im Verhör einem unsicheren Richter gegenüber, der sie für Jenaische Studenten hält und vermutet, sie seien in die Vorgänge um die Ermordung Kotzebues verwickelt. Die beiden "Studiosen" (S. I 226) machen sich über die ungeschickte Redeweise des Mannes lustig und kehren erleichtert nach Vennebrügge zurück. Doch als neuerliche Briefe unbeantwortet bleiben, beschleichen sie zunehmend Gefühle der vollkommenen Verlassenheit. Stipp, dem sie nicht länger zur Last fallen wollen, streckt ihnen 100 Taler vor, Daniel gewinnt die Liebe einer Bekannten seines Gastgebers, der idealistischen Anna, verzichtet jedoch im Gedanken an die ferne Geliebte auf diese Möglichkeit, seine Existenz zu sichern. Stipp versucht, den Freund zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen, doch vergebens: Elster hat nicht die Kraft dazu, seine schicksalhafte Bindung an Rose ist stärker als die Liebe zu Röschen. Nach schmerzlichem Abschied von Anna und ihrer Familie werden die beiden Abenteurer von Stipp bis nach Zwolle geleitet, wo Elster noch einmal ein freundschaftliches Angebot, sich ein bürgerliches Leben aufzubauen, ausschlägt.
Kapitel 21: Ein Sturm auf der Zuider-See.
An der Seite des kalten Rose schifft sich Daniel Elster nach Amsterdam ein und winkt dem redlichen Stipp ein letztes Lebewohl zu; er wird den Freund nicht wiedersehen. Mit zwei deutschen Kaufleuten gehen die Auswanderer nach angenehmen Tagen in der vornehmen holländischen Gesellschaft an Bord eines Seglers, der sie nach England bringen soll. Diese Reise hat ihre Tücken: Ein unerfahrener Lotse setzt das Schiff mit dem Namen Kingfisher zunächst auf Sand, und als es unter den Schlägen eines aufkommenden Sturmes wieder flott wird, treibt das Unwetter die Brigg zurück an die südlich gelegenen Küsten, wo es zu zerschellen droht. Der Kapitän lässt schließlich Anker werfen, das Unwetter zerreißt das Ankertau, und das Schiff wird in die offene Zuidersee hineingetrieben. Die Lage der bereits beschädigten Brigg ist so verzweifelt, dass es an Bord zu einer Meuterei kommt. Elster und Rose unterstützen den Kapitän und helfen aufräumen, als am nächsten Morgen der Sturm endlich nachlässt. Mit einem neuen Lotsen und bei immer noch aufgewühlter See nimmt die Kingfisher Kurs auf die Nordsee. In Texel wird noch einmal geankert; die Schäden am Schiff werden ausgebessert, auch muss auf günstigen Wind gewartet werden. Dann sind überraschend schnell die englische Kreideküste und der Zielhafen Gravesand erreicht.
Kapitel 22: Hoffen und Harren.
Nach Erledigung einiger Pass-Angelegenheiten trennen sich die beiden Auswanderer von ihren eher langweiligen kaufmännischen Begleitern, um sich zu Fuß auf den Weg nach London zu machen. Wie in Studentenzeiten durchwandern sie die parkähnlichen Landschaften und nehmen, in der Hauptstadt angelangt, Quartier im vornehmen Deutschen Schiffahrtshaus. Besonders Elster genießt das bewegte Leben in der Weltstadt, aber auch die Möglichkeit, Musik auf den gepflegten Instrumenten des Hotels zu machen. Der Wirt freut sich und gewährt den zukünftigen Freiheitskämpfern freien Mittagstisch. In ihrer Herzensangelegenheit sind die Freunde jedoch zunächst wenig erfolgreich. Zwar finden sie mit Hilfe der Empfehlungen, die sie aus den Niederlanden mitbringen, das Büro des südamerikanischen Agenten, doch warnt sie ein Unbekannter vor dem guten Einvernehmen der spanischen mit der hiesigen Regierung und sichert weitere Informationen und finanzielle Unterstützung für die unvermeidliche Wartezeit zu. Inzwischen wenden sich die verhinderten Auswanderer den Sehenswürdigkeiten Londons zu. Lange verweilen sie vor den Denkmälern der St. Paulskirche und treffen draußen auf dem belebten Platz vor dem Portal zufällig einen alten Freund von Daniel Elster, den Thüringer Röder, der ebenfalls die Absicht hat, nach Südamerika zu gehen. Roeder begleitet die Freunde in deren Gasthaus und erlebt am nächsten Morgen den Besuch jenes unbekannten Wohltäters, der den drei Deutschen die freudige Nachricht überbringt, dass sie in die Dienste des jungen Freistaates Kolumbien übernommen worden sind. Noch am selben Abend gehen sie in der Nähe des Towers an Bord eines Seglers namens Fingal, um ihren Abschied von Großbritannien im Kreise von Gleichgesinnten zu feiern. Dabei treffen sie auf einen Bedienten ihres französischen Gönners und erfahren, dass es sich bei diesem um den Chevalier de Ronceveaux handelt. Doch schon der nächste Morgen vernichtet alle schönen Hoffnungen: Ronceveaux hat die aus Südamerika zugesagten Gelder nicht erhalten, und damit ist die geplante Expedition zum Scheitern verurteilt.
Kapitel 23: Nicht nach Süd-Amerika.
Die neue Lage stürzt die drei Freunde in ernste finanzielle Schwierigkeiten: Einerseits ist die Zeche zu begleichen, die im Schiffahrtshaus aufgelaufen ist, andererseits hat Ronceveaux in seinem Billet die Möglichkeit eines Wiedersehens in Paris angedeutet, doch wovon soll eine solche Reise bezahlt werden? Elster setzt mit dem unguten Gefühl, wieder einmal fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, auf die Freigebigkeit der deutschen Kapitäne in London und kann eine beträchtliche Summe zusammentragen, die ihm und den Freunden erlaubt, das Schiff nach Calais zu nehmen. Diesmal steht ihre Seereise unter einem glücklicheren Stern, am 7. Oktober 1819 erreichen sie französischen Boden und können ihre Fahrt nach Paris über Boulogne, Abbéville, Beauvais und St. Denis fortsetzen. Unter der Führung des sächsischen Kuriers, eines Herrn von Tharand, erleben die drei Reisenden das Palais Royal, die Tuilerien, den Louvre und andere Sehenswürdigkeiten der Weltstadt. Als sie sich endlich auf ihre Auswanderung nach Südamerika besinnen, ist das zuständige Büro bereits seit Tagen geschlossen. Die Hotelwirtin verlangt ihr Geld, und hält den Ich-Erzähler für Stunden gefangen, so dass ihn angesichts seines ungeordneten Lebens die Reue packt. Zwar hilft noch einmal Herr von Tharand, doch bald streifen die drei mittellosen Deutschen unter Zurücklassung ihrer letzten Habe durch das abendliche Paris und müssen sich schließlich auf den Stufen eines Brunnens einrichten, um die Nacht im Freien zu verbringen.
Kapitel 24: Gemeine Soldaten.
Wenig später werden sie verhaftet und als politische Aufrührer für Tage ins Gefängnis geworfen. Nach Leibesvisitation und Verhör macht man ihnen das Angebot, als Soldaten des Königs in französische Dienste zu treten. Dann werden die neuen Rekruten der Legion de Hohenlohe unter Bewachung zu Fuß nach Toulon geschickt. Unfrei und unter mancherlei Entbehrungen durchqueren die drei einfachen Soldaten das Land. Roses Wehleidigkeit schmiedet Röder und Elster enger zusammen. Es geht über Corbeil, Melun, Montereaux, Sens, Joigny, Auxerre, Vermanton, Saulieu, Arnay sur Arraux, Chagni, Chalons sur Saône, Tournus, Macon, Ville-Franche zunächst nach Lyon. In einem Kloster dort verbindet eine junge Nonne dem Erzähler eine schmerzende Fußwunde, die er sich auf dem langen Marsch zugezogen hat. Da der Geleitzug am nächsten Morgen früh aufbrechen soll, verspricht Elster, nachzukommen, und begibt sich, wie mit Schwester Clara besprochen, zum Verbandswechsel in das Kloster. In Claras Zelle singt der verliebte Troubadour zu deren Gitarre, doch als die Nonne ihren Schleier lüftet, tritt die Priorin herein und jagt den ungebetenen Gast hinaus. Elster erzählt den Kameraden von seinem Abenteuer, doch ein ernster Röder ermahnt ihn, seinem Röschen die Treue zu halten.
Kapitel 25: Die Legion.
Die Reise setzt sich zu Schiff auf der Rhone, und zwar über Vienne und den Mont Pila fort. Es geht an den Bergen der Dauphiné und später an den Alpen Savoyens vorbei. Ein düsterer Abschnitt bei Montelimart geht in die südlich-heitere Gegend von Orange über. Das nächste Etappenziel ist Avignon, wo Röder wegen eines schlimmen Fußes zurückbleibt. Zu Land und ungern setzt Elster die Reise mit Rose fort, sie durchqueren die Provence und kommen nach Aix, wo Röder wieder zu ihnen stoßen soll. Da dieser sich nicht sehen lässt, setzen die beiden verbliebenen Musikanten ihre Fahrt über Auriol und Bousset nach Toulon fort. Dort beschreibt der Major von Ulsen den Ankömmlingen die Legion Hohenlohe, die er kommandiert, als eine Art Strafkompagnie. Bei der Einkleidung trennt sich der Erzähler nur zögernd von seinem abgeschabten Flauschrock, dem letzten Überbleibsel seiner studentischen Freiheit. Von Röder gibt es keine Nachricht.
Kapitel 26: Miserere!
Als Röder endlich eintrifft, müssen sich die Freunde gleich wieder trennen, denn Rose und Elster sind für einen Einsatz auf Korsika ausgewählt worden. Das Übersetzen zu der überfüllten Brigg und die Fahrt durch Kälte und Nebel wird zum Alptraum. Ein Aufruhr wird vom Kapitän mit militärischen Mitteln vereitelt. Der Wind steht ungünstig. und dann bricht auch noch ein gefährliches Fieber aus. Der Erzähler sucht in seiner Verzweiflung selbst den Tod, indem er sich um die Erkrankten kümmert, doch rettet ihn seine kräftige Statur. Endlich dreht der Wind und das Schiff nimmt Kurs auf Ajaccio. Nur 25 der 34 Soldaten aus Toulon können dort von Bord gehen, die anderen sind auf der Überfahrt gestorben. Erst vier Tage später sind die geschwächten Uberlebenden in der Lage, nach Bastia weiterzumarschieren Schließlich rauben fünf Tage auf beschwerlichen Wegen und bei schlechtester Verpflegung auch dem Erzähler seine letzten Kräfte. Unbemerkt von den Kameraden bleibt er zurück und sackt wenig später ohnmächtig zusammen. Doch ein stämmiger korsischer Bauer rettet ihn für diesmal und trägt ihn seiner Truppe nach in deren Quartier. Rose jedoch überhäuft den Leidenden so lange mit grausamem Spott, bis dieser keinen anderen Ausweg sieht, als sich mit dem eigenen Gewehr das Leben zu nehmen.
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2. Teil: Der Philhellene (24 Kap.)
Kapitel 1: Bastia und Rogliano.
Daniel Elster wird erneut gerettet, doch seine Krankheit bricht nun ungehemmt aus. In der Stadt Corte nimmt das Hospital den Fiebernden auf. Nach sieben Tagen, in denen seine starke Natur sich durchsetzt, kann er der voraus gereisten Truppe wieder folgen. Weiter auf schmalen, steilen Pfaden reitet der Erzähler in Begleitung eines Bauern den Kameraden nach, muss die Nächte auf dem Boden und ohne wärmendes Feuer verbringen. Dann ist endlich das Meer zu sehen, ein herrlicher Ausblick auf die Inseln vor der Küste tut sich auf, und über die ebene, breite Uferstraße wird bald Bastia erreicht. Der Exerzierdienst ist hart, doch härter kommt Elster die Verrohung seines Freundes Rose an, von dem er sich ganz zurückziehen muss. Trost findet der Erzähler in der Natur und bei den Mönchen des Klosters, von dessen Garten er die ganze Stadt überblicken kann. Doch richtig lebt er erst auf, als mit dem nächsten Schiff auch Röder in Bastia eintrifft. wenn auch die Zeit für vertraute Gespräche über die in der Heimat wartenden Lieben und eventuelle Fluchtmöglichkeiten kurz bleibt. Im Januar 1820 wird Elster in das Capo Corso zum beschwerlichen Gebirgsdienst einberufen und macht sich auf den Weg in die Hauptstadt des Gebietes, Rogliano. Zwei Tage ist er im Regen und unter schwerem Gepäck unterwegs. Der Leutnant in Rogliano hat Daniel ausgewählt, weil der sein Flötenspiel auf der Gitarre begleiten kann. Zum ersten Mal wird die Aussicht auf das Musizieren in der Kaserne für den jungen Soldaten zur Qual, doch es kommt anders. Der Platzkommandant lässt sich vorspielen, einer seiner Freunde, der Abbé Lucchetti, findet Gefallen an dem Musikanten und bringt ihn jeden Abend in ein anderes reiches Haus, wo sein Spiel viel Beifall und Elster selbst über den belebenden Zauber der Musik zu sich zurückfindet. Als der fremde Musikant an einem Heiligen-Gedenktag die Orgel der alten Kirche vom Staub befreit und im Gottesdienst zu spielen beginnt, ist die Begeisterung groß. Der Bürgermeister bietet Elster die Organisten-Stelle an und erwirkt auch dessen befristete Befreiung vom Militärdienst. Plötzlich hat Elster sein Auskommen; er spielt fortan bei vielen Gelegenheiten auf, unterrichtet Schüler, bewegt sich in der besten Gesellschaft. Doch als er der Angebeteten seines Leutnants Gitarrenunterricht geben soll, ist seine Rückkehr nach Bastia beschlossene Sache. Dort kommt er gerade noch rechtzeitig an, um den auf den Tod darniederliegenden Röder wieder gesundzupflegen. Es ist der Abbé Lucchetti, dessen Freundschaft zu Elster dafür sorgt, dass dieser bald nach Rogliano zurückkehren kann. So nimmt er das komfortable Leben dort wieder auf und steht zugleich mit Röder in engem Briefkontakt.
Kapitel 2: Der Thurm des Seneca.
Elster gewinnt weitere Freunde in der Umgebung von Rogliano, aber das Heimweh wird so stark, dass er mit Röder konkrete Fluchtpläne schmiedet. Der Tag kommt, an dem Röder desertiert und den weiten Fußmarsch zum so gen. Turm des Seneca aufnimmt. Elster macht indessen mit seinem Freund, dem eingeweihten Abbé, einen Ausflug ebendorthin. Im Licht eines wunderbaren Sonnenuntergangs treffen die Flüchtlinge zusammen und verbringen dort, wo der griechische Philosoph im Exil lebte, eine milde, sternenklare Nacht. Noch vor Tagesanbruch brechen die Freunde zu einem weiteren Tagesmarsch auf, der sie an eine versteckte kleine Bucht führt, wo ein zur Hälfte im Voraus bezahlter Schiffer sie abholen soll. Doch der Retter kommt nicht, die verzweifelten Deserteure müssen zurückwandern und die Strafe für ihre unerlaubte Entfernung auf sich nehmen. Hilflos stellt Elster den treulosen Schiffer zur Rede, doch der leugnet und jagt ihn mit Drohungen aus dem Haus.
Kapitel 3: Ein Conzert in Corsika.
Röder siecht seit dem missglückten Fluchtversuch dahin und hat eines Tages eine so schwere Verletzung an der Hand, dass er dienstuntauglich ist und nach Hause entlassen werden muss. Elster gibt ihm Grüße an die Lieben in der Heimat mit. Er schmiedet einen zweiten Fluchtplan, der wieder an der Gemeinheit des eingeweihten Schiffers scheitert. Der verkleidete Deutsche wartet einen ganzen Tag ohne Essen und Trinken in einem Versteck, dann wird er bei dem Versuch, sich Proviant zu verschaffen, von zwei Gendarmen gestellt. In Panik springt der Enttarnte in das Meer, um einem verpfuschten Leben ein Ende zu machen. Doch er besinnt sich sogleich, schwimmt an Land und nimmt den Kampf mit den beiden Bewaffneten auf. Dann flieht er in einen Nachbarort und bittet den befreundeten Bürgermeister um Hilfe. Der kleidet den Durchnässten neu ein, doch ist bei seiner Rückkehr nach Rogliano die Meldung von seiner Desertion bereits nach Bastia geschickt worden. So wandert Elster erneut für einige Tage ins Gefängnis und muss in Bastia den Dienst als gemeiner Soldat wieder aufnehmen. Dort trifft er den ebenfalls degradierten Rose wieder und versöhnt sich mit ihm. Bald finden sich beide begnadigt und in die ehemalige gehobene Position zurückversetzt. Elster kommt zur Regimentsmusik, doch fließen die Geldmittel weit spärlicher als in Rogliano, und der fahrende Musikant bereitet, um Geld für einen weiteren Fluchtversuch zu beschaffen, ein Konzert vor. Er kann alles Nötige zusammentragen, der Saal ist voll, das geliehene Piano von bester Qualität, die Regimentskollegen stehen parat, nur fehlen die Noten. So ist der Klavier- und Gitarrenvirtuose auf seine Erinnerung und die Improvisation angewiesen, und er entledigt sich dieser Aufgabe zur Zufriedenheit seines Publikums. Auch hier in Bastia öffnet nun die Musik dem Deutschen viele Türen. Elsters Oberst bittet um Unterricht für seine Frau, die ebenfalls Deutsche ist. Elster arbeitet unermüdlich daran, auch in der Gesellschaft von Bastia eine gehobene Stellung einzunehmen, und darf eines Tages den Regimentsarzt bei einem Ausflug auf das italienische Festland begleiten; es geht über Livorno nach Genua und von dort auf einige der vorgelagerten Inseln, unter anderem auf das Napoleon-Eiland Elba. Über die Nordküste Sardiniens und an der Ostseite Korsikas entlang kehren die Reisenden, bereichert durch mannigfaltige Eindrücke, nach Bastia zurück.
Kapitel 4: Freiheit und Vaterland.
An Silvester 1820 hat Elster Urlaub, um die Freunde in Rogliano zu besuchen. Auf der privaten Brigg des Abbé Benigni muss er von seinen Abenteuern in Bastia erzählen. Die letzte Nacht des Jahres zieht lau und duftend herauf, und Elster weiht den Sternen der ihm wohlgesonnenen Fremde ein begeistertes Lied. Als überall die Kanonen die Mitternachtsstunde und damit das Jahr 1821 begrüßen, schwört Daniel seinem fernen Röschen noch einmal die Treue. Der nächste Tag bringt die Begegnung mit weiteren alten Bekannten und einen festlichen Ball, dann kehrt der Deutsche nach Bastia zurück. Es naht die langersehnte Generalinspektion, und Elster täuscht mit Hilfe der Freunde eine Krankheit so geschickt vor, dass der inspizierende General seine Entlassung aus dem Soldatendienst unterzeichnet. Der Deutsche nimmt überall herzlichen Abschied, auch von dem weinenden Rose, der später nach mancherlei Schicksalschlägen in der Fremde spurlos verschwinden sollte. Lange acht Tage dauert die Fahrt mit dem Postschiff nach Toulon, dann endlich wandert Elster froh und frei über Marseille und Avignon nach Lyon, wo er erfährt, dass die traurige Schwester Clara nicht mehr am Leben ist. Über Bourg und durch die Franche Comté geht es weiter in das melancholische Besançon. Durch das romantische Tal des Doubs, das den Wanderer bereits an seine Heimat erinnert, und über Belfort erreicht er das Elsaß, kleidet sich in Colmar neu ein, versenkt die alten Soldatenkleider feierlich im Rhein, überschreitet jubelnd die Grenze seines Vaterlandes und geht auf Freiburg zu. Das vom Vater erbetene Geld liegt in Straßburg nicht bereit, in Heidelberg kann auch das erhoffte Wiedersehen mit Röder nicht stattfinden, so dass eine empfindliche Geldnot Elster zwingt, die Reise zu Fuß fortzusetzen. Erwartungsvoll durchwandert er Odenwald und Spessart, nimmt im fränkischen Würzburg eine Weile am Studentenleben teil und erreicht das Gebiet der Henneberger. An der Rhön entlang geht er auf die Residenzstadt M. zu. Von den Freunden dort erfährt er, das Röschen ihm treu geblieben ist, kann am nächsten Tag Röder in die Arme schließen und genießt den ersten Blick auf die fernen Höhen des Thüringerwaldes. Am Abend wandert er über die Berge nach Hause, um den Vater und die Geliebte um Vergebung für gemachten Kummer (S. II 56) zu bitten.
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Kapitel 5: Dunkle Schatten.
Röschens Treue ermutigt den Erzähler zu hoffnungsvollen Zukunftsplänen, doch bleiben die Eltern des Mädchens dem Bewerber gegenüber ablehnend. Ratlos und verzweifelt bespricht sich das junge Paar an jenem geheimen Gartenplatz, der all die Jahre der Zufluchtsort ihrer bedrohten Liebe war. Hier und im Kreise der Familie Elster ist man sich bald einig, dass eine Entführung nicht in Frage kommt. Daniel bricht stattdessen allein nach Würzburg auf, um seine Medizinstudien rasch zu beenden und nach bestandener Promotion und als niedergelassener Arzt erneut um Röschen anzuhalten. Tatsächlich sind ihm anfänglich in der Universitätsstadt ruhige Tage beschieden, die er im Gedenken an sein Mädchen und in Gesellschaft eines Freundes namens Moring mit fleißiger Arbeit ausfüllt. Eines Tages jedoch gerät Elster ganz ohne sein Zutun mit einer Gruppe renommistischer Studenten aneinander. Diese beleidigen ihn und bringen den Verzweifelten schließlich so weit, seine Waffen zu ziehen. Keiner seiner auf Erfahrung beruhenden Einwände wird beachtet, er sieht sich gezwungen, sich zu duellieren. Nach durchweinter Nacht schlägt sich Elster im Garten der Aumühle, von Anfang an überlegen, und trifft den wütend, aber ungeschickt kämpfenden Gegner lebensgefährlich. Moring hilft ihm bei der nun notwendig gewordenen schnellen Flucht. Zunächst geht Elster nach Heidelberg, wird auch dort entdeckt und flieht, erneut mit Morings Hilfe, nach Mannheim. Alle Hoffnungen auf eine friedliche Zukunft mit Röschen sind dahin.
Kapitel 6: Die Griechenvereine.
Elster, den nichts in Mannheim hält, beschließt, einem Zeitungsaufruf zu folgen, mit dem Freiwillige für die Befreiung Griechenlands vom Islam rekrutiert werden sollen. Zu seiner Freude begleitet ihn der stille, treue Freund Moring. Zunächst geht es nach Ludwigslust, wo Elster sich zum dortigen Griechenverein begibt. Da sich die deutsche Politik und Diplomatie aus Eigennutz wenig um den Kampf des Kreuzes gegen den Halbmond in dem fernen Land bekümmern, wirken in diesen Vereinen, wo immer sie sich gründen, vielerlei Interessen und Ressourcen zusammen. Elster hält eine vielbeachtete Rede und bittet um Geld und einen Pass. Die Freunde werden zum Zentral-Komitee nach Stuttgart geschickt. Die gelehrte Frau, an die sich sein erstes Empfehlungsschreiben richtet, öffnet dem zukünftigen Freiheitskämpfer die Augen auch für die Schwächen der Griechenland-Begeisterung: Der Mangel an Information und Ehrlichkeit vereitelt effektive Hilfe. Der zweite Empfehlungsbrief führt Elster zu dem hochangesehenen Prokurator Schott, der mit seinen sinnvollen Konzepten eine echte Griechenland-Begeisterung in dem jungen Schicksals-Flüchtling zu wecken versteht. Die Freunde werden mit Geld und Pässen versehen und nach Marseille beordert. In trautem Studentenkreis feiert Daniel Elster seinen dritten Abschied vom Vaterland.
Kapitel 7: Die Philhellenen in Marseille.
Am Rheinfall bei Schaffhausen lässt Elster die wehmütigen Abschiedsgefühle zurück. Mit der Post geht es bis Zürich und über Aarau nach Bern. Dort werden die Papiere der Freunde nicht anerkannt, so dass sie ihre Reise über Lausanne nach Genf fortsetzen müssen, wo man ihnen französische Pässe aushändigt. In Genf trifft Elster einen alten Studienfreund aus Jena, den Grafen Briar, wieder. Dieser ist Soldat geworden, weil die adlige Familie sich seiner Liebe zu einer Bürgerlichen widersetzt. Gleichzeitig verschwindet Moring, Elster muss annehmen, dass es diesen in die Heimat zurückgezogen hat. Beschwerlich wird die Reise mit der Kutsche nach Lyon, wo unvermutet Moring wieder auftaucht. In Ruhe genießt Elster das Wiedersehen mit der schönen südfranzösischen Stadt. Im Hause des Vereinsgründers dort, eines Dr. Gilbert, erfährt er von den Streitigkeiten innerhalb des Marseiller Griechenland-Vereins. Dann trägt erneut die Rhone den Reisenden an stetig wechselnden malerischen Aussichten vorüber, bis der Blick auf die Küste des Mittelmeers frei wird. Der Empfang durch die Griechenland-Agentur in Marseille ist freundlich. Die beiden Deutschen verfügen sich umgehend zu dem Beauftragten der süddeutschen Griechenvereine, dem umstrittenen General Lasky. Sie lernen dort eine große Zahl schnell arrivierter und hochbezahlter Militärs kennen, denen es, wie ihrem Anführer, mehr um die eigene Karriere, als um wirksame Hilfe für das nicht nur in religiöser Hinsicht unterdrückte griechische Volk geht. Nicht viel anders verläuft der Besuch bei dem Beauftragten der norddeutschen Vereine, einen Herrn von Chevalier. Höchst skeptisch betrachten Elster und Moring die Feindseligkeiten der beiden Konkurrenten, die die überfällige Einschiffung der Hilfsmannschaften verzögern. Erst als Lasky von Chevalier im Duell lebensgefährlich verwundet wird, kommt Bewegung in die Sache: Chevalier ist geflohen, Laskys Leben kann wider Erwarten gerettet werden, und die Agentur dringt auf Abreise.
Kapitel 8: La bonne mère.
Das mit so vielen Hoffnungen begonnene Jahr 1821 geht zu Ende, als sich Elster auf einem kleinen Kauffahrer mit dem Namen Die gute Mutter nach Griechenland einschifft. Die buntgemischte Gruppe der 36 Philhellenen meutert bald gegen die zu knapp bemessenen Essens-Rationen, dann kommt es zum politisch motivierten Schwerter-Kampf der an Bord befindlichen Deutschen gegen die Franzosen. Doch der resolute Kapitän droht mit Polizei und zieht die Waffen ein. Elster kämpft in der so entstandenen trügerischen Ruhe gegen trübe Stimmungen, aus denen ihn Moring und Weiland, ein weiterer alter Freund, der sich in Marseille wieder angefunden hat, immer wieder herausholen. Mehrfach wird die Reise der alten Mutter durch Windstille behindert, dann genießen die Freunde die herrliche Aussicht auf die Küsten von Afrika und Sizilien sowie auf die Inseln Gozzo, Comino und Malta. Endlich kommt die griechische Küste in Sicht, und die kleine Gesellschaft drängt in Morea an Land. Diese Stadt ist ein Mittelpunkt der jahrzehntelangen Unruhen gewesen, während derer das Kriegsglück zumeist die Türken begünstigt hat. Der Landgang und die anschließende Weiterfahrt entlang der Küste führt die Abenteurer an zahlreichen Ruinen und wie ausgestorben wirkenden Landstrichen vorbei. Dann werden alle überstürzt vor Napoli di Malvasia ausgebootet, obwohl es warnende Stimmen gibt, die die Stadt als fast menschenleer und proviantlos (S. II 113) beschreiben. In der Eile werden die reichlich auf der Bonne Mère verbliebenen Vorräte vergessen, und deren berechnender Kapitän dreht schnell ab. Entsprechend trostlos gestaltet sich der Einmarsch in die hungerleidende Stadt, und das geräumige Haus, das der Truppe als Quartier zugewiesen wird, erweist sich als leer.
Kapitel 9: Nauplia und Argos.
Nach einem äußerst kargen Abendessen erklimmen Elster und seine beiden Freunde die Felsen, auf denen die Ruinen der Festungswerke über der Stadt hängen. Sie werden durch einen glutroten Sonnenuntergang belohnt, der Blick schweift bis zu den Gipfeln des Taigetos. Die drei Männer geben sich das Versprechen, in den enttäuschenden Verhältnissen fest zusammenzuhalten. Bei ihrer Rückkehr bespricht der Anführer des französischen Truppenteils, ein Graf Jourdain, gerade die bevorstehende Abfahrt nach Nauplia mit dem griechischen Schiffskapitän. Elster wehrt sich als freier Mann gegen diese Bevormundung und erreicht mit einer feurigen Rede, dass kein Kommandeur gewählt, sondern der Trupp der griechischen Regierung direkt unterstellt wird. Dann ist der Erzähler in dem ersten von zwei Booten auf dem Weg in die Hauptstadt des Peleponnes. Im Licht des vollen Mondes fährt man an der Stadt und der darüber thronenden Festung vorbei, um an der anderen Seite des Golfs bei den Mühlen anzulegen. Mit Heimwehgedanken schläft Elster im Kreise seiner Kameraden ein, doch schon bald zeigt Kanonendonner den Beginn des Angriffs auf Napoli di Romania an. Eilig marschieren die Philhellenen auf das nahegelegene Argos zu, werden dort mit Munition ausgerüstet und begleiten einen griechischen Zug zu einer Verschanzung, die von türkischen Reitern umzingelt ist. Es kommt zu einem kleinen Scharmützel, dann ziehen sich die Türken nach Napoli zurück. Auch die folgenden Kugelwechsel haben etwas Spielerisches, und ohne wirklich in Gefahr gewesen zu sein, kehrt der Trupp in das bereitgestellte Quartier in Argos und zu einer weiteren frugalen Abendmahlzeit heim. Am Morgen wird Elster zum Grafen Jourdain gerufen, der ihm seine Protektion anbietet, doch vergebens. Der in schweren Zeiten gereifte Erzähler will direkte Wege gehen, sich keinem Vorgesetzten unterordnen. Als der Befehl kommt, sich zur Abfahrt nach Hydra fertigzumachen, erklären Weiland und Elster, dass sie zu General Normann nach Korinth ziehen wollen, Moring muss wegen einer Verletzung zurückbleiben.
Kapitel 10: Korinth.
Weiland und der Erzähler brechen mit einem einheimischen Führer zu einer idyllischen Wanderung auf, deren Endpunkt eine großartige Aussicht auf Korinth und seinen Meerbusen bildet. Nach polizeilicher Überprüfung ihrer Papiere verfügen sich die beiden Deutschen sofort zu ihrem Landmann, dem Grafen Karl Friedrich Lebrecht von Normann-Ehrenfels und dessen Kriegsminister Kolletti. In einem orientalisch geschmückten Gemach werden in lebhaften Gesprächen Meinungen und Erfahrungen ausgetauscht, dann sorgt der Graf persönlich für ein angemessenes Nachtquartier. Am anderen Morgen geht der Erzähler im Auftrag Kollettis zu Jourdain zurück und überbringt die Einladung zu einer Unterredung in Korinth, der der Franzose unter Elsters Führung Folge leistet und bei dieser Gelegenheit seine Anhänger Normanns Oberbefehl unterstellt. Auf der sicheren Burg oberhalb der Stadt hat sich ein türkischer Befehlshaber mit seinem Harem und starken Wachmannschaften verschanzt. Dieser Bey öffnet in der Hoffnung auf freien Abzug die Tore der Festung Akrokorinth und sieht sich der Zerstörungswut eines hasserfüllten Gegners ausgeliefert. Fassungslos beobachten Elster und sein Freund, mit welcher Grausamkeit die griechischen Soldaten attackieren und selbst noch die flüchtenden Männer, Frauen und Kinder rücksichtslos verfolgen. Da gibt Normann den Befehl, auf der Seite der verfolgten Türken einzugreifen. Elster kann selbst zwei der fremden Frauen aus dem Gemetzel retten, doch ist durch diese unerwartete Wendung die Lage im Lande noch unübersichtlicher geworden.
Kapitel 11: Die Klephten.
Langsam beruhigen und klären sich die Verhältnisse, und Elster nimmt Kolettis Angebot an, als Arzt nach Thessalien in die Dienste des Kommandanten Odysseus zu gehen. Mit Geld, Pässen und Medikamenten versehen lässt sich der Deutsche auf die andere Seite des Meerbusens bringen und passiert mit einer griechischen Begleitmannschaft den Helikon in Richtung auf Livadia. Durch heiße, unwegsame Gegenden nähert sich der Trupp am nächsten Tag dem Parnassgebirge. In einem Dorf an dessen Fuß wird der Arzt in das Haus des Vorstehers gebeten. Theophani, die schöne Tochter des Alten, serviert allerlei Köstlichkeiten, und der Primas selbst entpuppt sich als Deutscher, den tragische Schicksale zur Flucht aus dem Heimatland veranlasst haben. Nach berauschenden Träumen von einem eigenen Heim unter südlicher Sonne kämpft Elster im Angesicht des morgenroten Parnassos immer noch um die seinem Röschen geschworene Treue. Theophani serviert auch das Frühstück, die bewundernden Blicke des Fremden lassen sie erröten, und der Alte kündigt beim Abschied seinen Besuch bei den Thermopylen an. Nach weiterer beschwerlicher Wanderung gelangen Elster und seine Männer in ein anderes Dorf, in dem ihnen die Begegnung mit dem so gen. Türkenfresser Nikitas bevorsteht. Wieder kommt es in einem kostbaren orientalischen Rahmen zu freundlicher Bewirtung. Doch hier singt zum Beschluss der Gastgeber ein martialisches Lied und reicht die einfache Zither dann an den Gast weiter. Verklärt lauscht der gefürchtete Klephte (Freischärler) im Kreis seiner waffenstarrenden Krieger den heiteren Stücken des reisenden Musikanten. Dann schickt Nikitas einen Boten nach Korinth, die Gitarre des neuen Freundes zu holen, und begleitet ihn selbst zum Engpass der berühmten Thermopylen und zur Hütte des Feldherrn Odysseus. Dieser ist in den Jahrzehnten seines kleinen Krieges gegen die Türken selbstsicher und zugleich misstrauisch geworden und verlangt von dem Philhellenen den Abbruch aller Beziehungen zur provisorischen Regierung in Korinth; seine Tätigkeit als Arzt lässt er von zwei Dienern ständig beobachten. Elster kann zwar die Kranken unter den griechischen Soldaten schnell wieder herstellen, doch Zutraulichkeit und Nähe hat nur Nikitas für ihn. Dieser kann ihm bald die nachgeholte Gitarre überreichen und ist sein aufmerksamster Zuhörer, wenn nun an den Abenden die Friedensstimme der Musik (S. II 168) den Krieg in den Schlaf singt.
Kapitel 12. Ein Kampf bei den Thermopylen.
Nikitas lädt Elster zu einen Spazierritt ein, und es kommt zu einem eher zufälligen Wiedersehen mit dem Dorfprimas und Theophani. Doch verweist der strenge Alte dem Fremden jeden Versuch, mit der jungen Schönheit in ein Gespräch zu kommen, und verstimmt brechen Nikitas und Elster wieder auf. Letzterer macht sich Sorgen um Weiland und Moring, er hat seit langem keine Nachrichten mehr aus Korinth erhalten. Nikitas warnt ihn vor der Möglichkeit eines türkischen Angriffs auf die Thermopylen; ein siegreicher Odysseus würde sich endgültig mit der korinthischen Regierung überwerfen, und Elster sollte sich rechtzeitig für die eine oder andere Seite entscheiden. Der Tag der Schlacht kommt eher, als die Beteiligten denken. Elster fällt unter Nikitas Führung den attackierenden Türken in den Rücken, und die Angreifer werden vollständig aufgerieben. Den sonst so kalten Odysseus stimmt der errungene Sieg milde, er lobt die Bemühungen seines deutschen Arztes um eine schnelle Versorgung der vielen Verwundeten. Theophanis Vater wird gebeten, Quartiere zur Verfügung zu stellen, und Elster braucht einen ganzen Tag, um alle Wunden zu verbinden. Erst am Abend kann er einer Einladung des Dorfvorstehers folgen, der allerdings die scheue Theophani den Blicken seines Gastes entzieht. Der leidgeprüfte Vater möchte vermeiden, dass in dem noch sehr jungen Mädchen eine Liebe erwacht, für die er keine Zukunft zu erkennen vermag. Elster weiß im Gegenzug überzeugend darzulegen, dass er weder unerfahren noch verantwortungslos ist, und erzählt dem Alten die Geschichte seiner gescheiterten Liebe zu Röschen. Gerührt erkennt dieser in dem jungen Bewerber einen Seelenverwandten. Auch er hat eine unglückliche Liebe erlebt, nur schrecklicher, martervoller (S. II 181):
Kapitel 13: Die Liebesgeschichte.
Als Sohn eines kleinen Speditionskaufmanns in Triest hat Gregor, der neue Ich-Erzähler, selbst den Kaufmannsberuf erlernt und findet eine erste Anstellung in Wien. Nach einem Jahr heiteren Großstadtlebens begegnet er auf der Straße einer jungen Dame, trifft sich fortan täglich mit ihr und verliebt sich in sie. Erst nach Monaten klären sich im Gespräch die jeweiligen familiären Verhältnisse: Maria ist die Tochter des reichen Bankiers Gerard, in dessen Büro der Erzähler als kleiner Angestellter arbeitet. Erschrocken zieht Gregor sich zurück, bis Maria ihn zu einer letzten Unterredung in das Häuschen ihrer Amme bittet. Dort siegt die Leidenschaft über alle Bedenken, die Liebenden treffen sich wieder regelmäßig, bis Maria ein Kind erwartet und sich die Notwendigkeit einer konkreten Lebensplanung aufdrängt. Da wird der junge Mann eines Abends von Unbekannten in einen Kerker verschleppt, wo er vier Wochen einer sorgenvollen Einsamkeit überlassen bleibt. Dann gelingt ihm die Flucht in das Häuschen der Amme, die ihm mitteilt, Maria sei seit Wochen aus der Stadt verschwunden. Um Mitternacht verlangt die Polizei Einlass, der alte Gerard lässt den Familienschänder (S. II 190) in mehreren Nächten zu der alten Festung Munkatsch transportieren, wo er zu anderen Verbrechern in ein unterirdisches Verließ geworfen wird. Drei Jahre harrt er dort aus, dann gelingt ihm bei einer Revolte der Häftlinge erneut die Flucht: Durch ein Seitenpförtchen der Gefängnismauer kann er den schützenden Wald und das Haus eines hünenhaften Ungarn erreichen. Dieser entpuppt sich als Räuberhauptmann, der den Flüchtling in seine Dienste zwingt. Doch bereits beim ersten Überfall schlägt sich der Erzähler auf die Seite der Opfer und wird von dem dankbaren Gutsbesitzer und dessen Familie eine Zeit lang versteckt. Als der Verbrecher steckbrieflich gesucht wird, muss er die Gegend verlassen und stiehlt sich auf nächtlichen Wanderungen heim nach Triest, wo er das Elternhaus unbewohnt vor-findet: Marias einflussreicher Vater hat den Konkurs des kleinen Spediteurs herbeigeführt, und dieser ist vor Gram darüber gestorben. Von einem Freund seiner Eltern erfährt der Erzähler, dass Maria einen reichen Triester Kaufmann heiraten und das Kind ihrer Liebe in ein Heim geben musste. Verzweifelt und überfordert angesichts der Lage flieht Gregor nach Griechenland und wird unter fremdem Namen Teilhaber in einem Athener Ölgeschäft. Eines Tages erscheint Gerard dort, um in einer geschäftlichen Angelegenheit zu verhandeln, und der Erzähler nutzt diesen Anlass, den Verhassten mit Hilfe von Juristen vor Gericht zu ziehen. Während der Prozess nur langsam vorankommt, hält sich der Erzähler für den Fall eines negativen Ausgangs auf seinem segelfertigen Schiff zur Flucht bereit. Überraschend stellt sich Maria mit dem gemeinsamen Sohn an Bord ein: Ihr erster Mann ist gestorben, und die Liebenden können sich nach Athen einschiffen, wo sie getraut werden. Doch auch dorthin reicht der Arm des rachsüchtigen Vaters, und erst in dem von den Klephten geschützten Gebiet findet das Paar ein endgültiges Glück. Erschüttert von den erzählten Schicksalen fragt Elster, ob auch für ihn und Röschen die Stunde der Vereinigung schlagen (S. II 201) wird, und der Primas ermutigt ihn zu Hoffnung und Treue.
Kapitel 14: Trübe Spaltungen.
Das Verhältnis zwischen der Regierung und dem Klephtenführer Odysseus verschlechtert sich zunehmend. Die Feier anlässlich des Sieges über die Türken stören Boten, die Elster zur endgültigen Rückkehr nach Korinth und Odysseus und zur Wahrnehmung eines mehrfach von ihm verweigerten Gesprächstermins auffordern. Der stolze Klephtenführer lädt die beiden Kapitani zum Festessen ein und schießt sie anschließend unvermittelt nieder. Den Arzt jedoch, der ihm so lange gedient hat, stattet er mit Geld und einer Begleitmannschaft aus. Elster besucht noch einmal den traurigen Nikitas, Gregor und Theophani, von der er mit einer vertrauensvollen Umarmung Abschied nehmen darf. Der Regierung, besonders dem Kriegsminister Koletti, empfiehlt sich der Deutsche durch seine mutige Rückkehr, doch trifft er Moring und Weiland nicht mehr in Korinth an, sie sind auf dem Weg in die Heimat. Die Verhältnisse in der Stadt sind chaotisch, den regionalen Machthabern fehlt es an Verständnis für Strategie und Taktik der Regierungstruppen, und die zahlreichen philhellenischen Ausländer können nur mit unzureichenden Mitteln versorgt werden. Man versucht, der Misere durch die Bildung eines philhellenischen Bataillons zu begegnen, das im Kampf gegen die Türken eingesetzt werden soll. Doch als erkennbar wird, dass sich die Franzosen auf Kosten der Griechen und Deutschen die hohen Chargen gesichert haben, treten viele sogleich wieder aus, um sich auch weiterhin auf eigene Faust durchzuschlagen.
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Kapitel 15: Das Bataillon der Philhellenen.
An einem sonnigen Maitag feiert das neubegründete Bataillon Abschied von den in Korinth zurückbleibenden Freunden und rüstet sich als Teil eines größeren Kontingents für einen Zug auf ein bislang noch unbekanntes Ziel. Ein letztes Mal genießt der Ich-Erzähler den wunderbaren Ausblick von der Feste Akrokorinth, dann rufen die Trommeln zum Aufbruch. Es geht dem Meer zu, an dessen Ufer das erste Nachtlager aufgeschlagen wird. Als jedoch die 180 Mann am nächsten Morgen nach Vostitza eingeschifft werden sollen, verweigern sie sich und klagen zunächst den unausgezahlten Rest ihres Solds und die Patente für ihre jeweiligen militärischen Ränge ein. Die Deputation, die der Kommandant Dannia der Regierung schickt, ist zwar nur in Bezug auf die Patente erfolgreich, doch können die Schiffe für die Fahrt über den Isthmus am Abend ablegen. Wieder freut sich der Erzähler über den Anblick des vom letzten Tageslicht angestrahlten Korinth. Bei gutem Wetter kreuzt zunächst das Schiff, auf dem Elster sich befindet, in der Meerenge, dann legt sich der Wind, und der greise Dannia ordert Musik. Der Gesang zur Gitarre des fahrenden Musikanten hilft den Philhellenen, die kleinen und großen Streitereien der Vergangenheit zu vergessen und dem gemeinsamen Feind gestärkt entgegenzuziehen. In der folgenden Nacht wird Vostitza erreicht, doch gehen die Soldaten erst am Nachmittag an Land. Sie lagern sich in der Mitte des Ortes unter einer alten Platane beim Brunnen. Das Dorf ist fast menschenleer, viele Gebäude sind zerstört. Elster wird in eins der Wirtshäuser geführt und sieht sich bald von Menschen umringt, die seine Hilfe als Arzt suchen. Er trifft auch Madame Toricelli wieder, eine als Mann gekleidete und bewaffnete Spanierin, die er bereits auf dem Schiff zwischen Marseille und Griechenland kennengelernt hat, und stellt sie dem General Dannia vor. Bald sitzen alle, malerisch um den General und Donna Toricelli gruppiert, in der Abendsonne, und die Weinschale kreist.
Kapitel 16: An den kleinen Dardanellen.
Der Abmarsch aus Vostitza führt durch eine wilde und zerklüftete Landschaft am Golf von Lepanto entlang. Die schwarzen Massen des Parnass sind im Licht aufzuckender Blitze zu sehen, Sturm und Gewitter ziehen näher. Unter freiem Himmel müssen die Philhellenen zusammenrücken, ihr Gepäck und ihre Wachfeuer wirft das Unwetter auseinander. Nach Stunden lässt jedoch der Regen nach, ein neues großes Feuer kann entzündet werden, an dem sich die Männer und Donna Toricelli trocknen. Der Weitermarsch führt über einen schlammigen, engen Weg, durch einen über seine Ufer getretenen Fluss und durch die Mittagshitze nach Drepano. Zwar sind die kleinen Dardanellen noch eine Wegstunde entfernt, doch sind die ausgesandten Späher bereits einer ersten Abteilung türkischer Kavallerie begegnet. Elster ordnet sein Verbandszeug, dann zieht das Bataillon über eine Anhöhe, von der aus die türkisch besetzten Schlösser Morea und Rumelia zu sehen sind, die den engen Felsdurchgang bewachen. Vorsichtig nähern sich Dannias Männer. Einen ersten Beschuss aus der Festung überstehen sie ohne Verluste, doch das griechische Lager vor Patras erreichen sie erst nach mancherlei nicht ungefährlichen Umwegen. Erschöpft legen sie sich zur Nachtruhe nieder, die zunächst noch durch das exaltierte Geschrei der Madame Toricelli gestört wird. Im Licht des nächsten Morgens verschafft sich der Erzähler einen Überblick: Eine grandiose Natur umgibt das türkisch besetzte Patras. Doch die Stadt selbst liegt in Trümmern, sie wird seit langem von dem mächtigsten der Klephtenführer belagert, dem ebenso kalten wie hässlichen Kolokotroni, dessen starken Truppen sich die Philhellenen anschließen. Es kommt zu einem gemeinsamen Frühstück der höheren Ränge und zu gegenseitigen Lagerbesuchen der einfachen Soldaten.
Kapitel 17: Griechische Land- und Seesoldaten.
In tiefem Schlaf verpasst Elster den Abmarsch seines Bataillons und findet sich erwachend zudem seiner Pistolen und des Türkensäbels beraubt, der das Abschiedsgeschenk des Klephten Odysseus war. Als er eilig seinen Kameraden nachreitet, überholt er an einer engen Wegstelle einen Griechen, dem er seinen geliebten Säbel wieder abnehmen kann. Am Abend erreicht er die Meeresküste und das Bataillon, das sich bereits nach Missolunghi einzuschiffen beginnt. Alle sind beunruhigt, weil marodierende Griechen den Gepäckwagen geplündert haben. Es sind empfindliche Verluste zu beklagen, doch der Inhalt von Elsters Verbandskoffer findet sich nahezu vollständig an. Endlich können die insgesamt sechs Kriegsschiffe auslaufen. Elster wird als einer der letzten übergesetzt und speist mit den übrigen hohen Rängen in der orientalisch ausgestatteten Kapitänskajüte. Der Pole Mizewsky hält eine flammende Lobrede auf sein Volk und dessen Sprache, der alte Dannia prostet dem Kapitän zu, und die exzentrische Donna Toricelli lässt ihre Stimme zur Gitarre so unermüdlich erklingen, dass sie mit lautem Männerchor übertönt werden muss, damit endlich die ersehnte Nachtruhe einkehren kann. In der totalen Windstille des Folgetages unterhalten sich die deutschen und griechischen Besatzungen gegenseitig nach Kräften. Elster interessiert sich besonders für die langen, fremdartigen Kriegslieder und die griechische Zither mit ihren lediglich drei Stahlsaiten. Trotz der schwer vereinbaren Gewohnheiten weckt der Austausch musikalischer Grüße Gefühle von Eintracht und Freude (S. II 261) in den Mannschaften unterschiedlicher Nationalität.
Kapitel 18: Missolunghi.
Am 28. Mai erhebt sich der für die Weiterreise nötige Wind, und schnell ist Missolunghi erreicht. Das Ausbooten ist wegen des seichten Wassers aufwändig und kostet viel Zeit, doch der Empfang durch die Bevölkerung der Stadt ist freundlich. Der Heerführer Maurokordato überlässt dem Bataillon das ihm gehörende Stadtschloss als sauberes und gesundes Quartier. Dies überrascht umso mehr, als Maurokordato bekannt dafür ist, dass er den französischen Teil der Truppe dem deutschen in allen Dingen vorzieht, und die wiederholten Interventionen des Generals Normann zugunsten der Deutschen sind bislang ohne Wirkung geblieben. Vierzehn Tage soll die Einquartierung dauern, in denen es auch zwischen den einfachen Soldaten beider Nationen immer wieder zu Reibungen kommt. Indessen werden jeden Tag kleinere Soldaten-Trupps herangeführt, und die Zahl der unter Waffen Wartenden wächst auf insgesamt 4000 Mann. Während man auf Nachschub an Geld und Proviant aller Art für den Feldzug wartet, frischt Elster unter mancherlei Schwierigkeiten seinen Vorrat an Verbandszeug und Medikamenten auf und richtet ein kleines Hospital ein. Dann folgt er, wie vorgesehen, Mitte Juni mit dem Bataillon dem voraufgezogenen Regiment nach; es geht am Gebirgszug des Arakynthos entlang auf das Städtchen Anatoliko zu, das nach Sonnenuntergang erreicht wird.
Kapitel 19: Am Aspropotamo.
In dem idyllisch gelegenen Ort werden Elster zwei italienische Mediziner als Unterärzte zugeordnet. Vor dem Weitermarsch am nächsten Morgen verliest Dannia ein feuriges Manifest, in dem die deutsche Truppe zum Entsatz des von den Türken hart bedrängten Suli angefordert wird. In diesem Moment spricht eine hilfesuchende Frau den Arzt an, und Elster lässt sich von der Verzweifelten auf die Fähre, an das andere Ufer und in ein Haus bringen, in dem eine türkische Familie unter unvorstellbaren Qualen dem Tod entgegensiecht. Da er selbst nicht viel helfen kann, stattet er dem Primas von Anatoliko einen Besuch ab und konfrontiert ihn mit seiner Verantwortung, doch vergebens. Nach eiliger Rückkehr findet Elster seinen griechischen Diener, der ihn mit seinem Pferd erwartet, und zieht sofort dem Bataillon nach. In einem idyllischen Tal mit Gruppen von Feigenbäumen kann er die Kameraden einholen. Der Weiterzug erweist sich mit seinem Wechsel aus heißen, gefährlichen Tagesmärschen, kargen Mahlzeiten und gewitterschwülen Nächten als so strapaziös, dass Elster den alten Diener eines Morgens tot auffindet. Unter nicht geringeren Anstrengungen wird die letzte Station vor dem ausersehenen Lagerplatz erreicht: eine Mühle an einem Bach, der aus einer starken Quelle gespeist wird. Der Wagenmeister entwendet aus den Kellern der Mühle den gesamten Vorrat an Wein, und der im Schatten eines nahegelegenen Waldes ruhende Heerführer Dannia labt sich mit seinen Mannen, bis alle gestärkt weiterziehen.
Kapitel 20: Der Marsch nach Komboti.
An einem klaren Sommerabend erreichen die Soldaten das Tal von Laspi und den vorgesehenen Lagerplatz. Er bietet Schatten und Quellwasser für Mensch und Tier, der Nachschub an Lebensmitteln ist für den kommenden Tag zugesagt. Kameradschaftlich werden die vorhandenen Reste an Brot und Wein geteilt, und einträchtig legt man sich zur Ruhe nieder. Doch bereits am nächsten Tag flammen die alten Rivalitäten zwischen dem französischen und dem deutschen Truppenteil wieder auf. Die beiden Heerführer halten sich aus der Sache heraus, so dass es zu keiner befriedigenden Lösung kommt. Der Weitermarsch am Nachmittag des 19. Juni führt die Truppe an den Golf von Arta. Elster erklimmt mit einigen Freunden den Felsen, auf dem sich eine kleine Kapelle erhebt. Die Männer genießen den Sonnenuntergang und finden die Überreste einer antiken Befestigungsmauer, deren Perfektion zu allerhand Überlegungen Anlass gibt. Im Heer, das die Ausflügler an der Küste des Golfs lagern sehen und bald erreichen, gibt es mehrere Kranke, die Elsters Hilfe brauchen. Der Doktor bleibt auch am anderen Morgen bei seinen Patienten, während das Bataillon erneut aufbricht. Der Korse Passano, der den Golf bislang erfolgreich gegen eine Einnahme durch die Türken verteidigt hat, hat eine Lieferung Lebensmittel zugesagt und soll zugleich die Patienten an Bord nehmen. Doch der Retter bleibt aus, und der Hunger ist unter der glühenden Sonne kaum zu ertragen. Endlich erscheinen am späten Nachmittag die ersehnten Segel. Zwar bringt der Korse nur ein wenig Maismehl, doch ist die schlimmste Not abgewendet, als Elster mit seinen Schutzbefohlenen an Bord geht. Auch in der Folge kann er seine Leute nur unter Einsatz seines ganzen Mutes mit dem Nötigsten versorgen. Als keine weitere Nachricht vom Bataillon eintrifft, verlässt Elster nachts den Platz, an den Passano ihn gebracht hat, und macht sich an einem Flusslauf entlang auf die Suche nach dem Bataillon. Er findet Dannia und seine Leute mit allem bestens versorgt. Die Schwierigkeiten zwischen Deutschen und Franzosen sind durch die Trennung in zwei nationale Untertruppen allerdings nur vorübergehend beseitigt. Schon bald erlauben sich die Franzosen, besonders der bereits mehrfach auffällig gewordene Oberleutnant Mignac, neue Frechheiten, und General Normann, selbst tief erschüttert, kann seine Deutschen nur um Geduld bitten. Der nächste Abmarsch wird dadurch vorbereitet, dass wieder die Kranken aus beiden Truppenteilen gemeinsam dem Korsen Passano zur Überfahrt zugeführt werden, diesmal unter Leitung des übergeordneten Regimentsarztes. Elster rückt unter Dannia mit über den Gebirgszug des Idomäus auf Komboti vor, das jedoch nicht ganz erreicht wird. Der Bataillonsarzt ist bei der letzten Abteilung, die sich erst nach anstrengenden Umwegen in völliger Dunkelheit im Lager am Ufer des Golfs einfindet.
Kapitel 21: Treffen und Wetter bei Komboti.
Am nächsten, heiteren Morgen zieht das Regiment mit dem ihm angeschlossenen Philhellenen-Bataillon nach Komboti, und General Normann trifft bei einem Erkundungsgang auf ein türkisch besetztes Dorf in der Nähe. Kurz darauf greift türkische Kavallerie die eilig mobilisierten Landes-Verteidiger an. Die heftige, für den Gegner höchst verlustreiche Schlacht gewinnen die vereinigten griechischen und philhellenischen Verbände. Maurokordato ist zufrieden, doch kann er sein Versprechen, für ausreichende Verpflegung, Ausrüstung und Munition zu sorgen, nicht halten. Am 24. Juni endet ein unerträglich schwüler Tag in einem Gewitter, das Elster und Graf Normann in ihrer gemeinsamen Baracke verschlafen wollen. Doch geraten beide nach einem Wolkenbruch, der das Dach ihres Verschlages einreißt, in Lebensgefahr, aus der sie erst in letzter Minute gerettet werden können. Am nächsten Abend wiederholt sich die Naturerscheinung und zerstört alles, was die Blitze der vorigen Nacht übriggelassen haben. Die unerträglichen Verhältnisse erhöhen den Krankenstand, und Elster requiriert mit List eines der letzten erhaltenen Steinhäuser, um ein kleines Hospital einzurichten. Endlich wird auch ein Kriegsgericht mit den Verfehlungen des Oberleutnants Mignac befasst, das allerdings unter Vorsitz des Franzosenfreundes Maurokordato den Störenfried entlastet und zur großen Enttäuschung der Deutschen in seinem militärischen Rang bestätigt.
Kapitel 22: Deutsche und griechische Treue.
Dies ist der Moment, auf den der deutsche Kompanieführer von Hobe gewartet hat: Es soll zu dem vereinbarten Duell zwischen ihm und dem dreisten französischen Herausforderer kommen. Doch Mignac erweist sich als der Schurke, für den jeder im deutschen Truppenteil ihn hält: Er schießt vorzeitig, zudem, wie die Sektion des unter Qualen gestorbenen Hobe später erweist, mit einer präparierten Kugel, die schwerste innere Verletzungen verursacht. Da Elster den mutigen Freund mit allen Ehren auf dem Friedhof von Komboti begraben lässt, ist er der nächste, den der unbelehrbare Mignac zum Duell, diesmal auf Säbel, fordert. Die Nachricht vom Anzug der Türken erzwingt jedoch einen Aufschub dieser Ehrensache. Elster muss sich auch dringend um sein Hospital kümmern, dessen Wachen die Flucht ergriffen haben, so dass die Kranken seit 30 Stunden ohne Vorräte und Pflege sind. Nachdem zwei der Männer diese Vernachlässigung mit dem Tod bezahlt haben, sollen die Patienten endlich nach Missolunghi in Sicherheit gebracht werden. Während die Landes-Verteidiger sich auf den erwarteten türkischen Angriff vorbereiten, bricht Elster unter dem Gewicht seiner ständig wachsenden Aufgaben zusammen. Ein deutscher Freund namens Gießler bringt ihn und die übrigen Patienten zunächst hinter der Front in Sicherheit und pflegt den Fiebernden, doch als die Türken anrücken, kommt es noch einmal zu einer lebensgefährlichen Konfrontation zwischen dem an die Front zurückstrebenden Elster und Maurokordatos Wachen. Dann überwindet die kräftige Natur des Arztes die Krankheit, während er unter Gießlers Führung sich und die anderen Kranken zurück an den See von Laspi retten kann. Dort lauert zwar eine gefährliche Bande griechischer Räuber den Philhellenen auf, lässt diese jedoch, nachdem sie ihr letztes Geld herausgegeben haben, überraschend weiterziehen. In der Mühle, aus deren Keller die Truppe auf dem Hinweg die gefüllten Weinschläuche requiriert hat, werden die Zurückreisenden gastlich bewirtet, ansonsten müssen sie ihr Leben mit den fragwürdigsten Mitteln zu fristen suchen. Endlich ist die Gegend von Missolunghi erreicht. In der Stadt herrscht ein frohes, üppiges Leben, das in tragischem Kontrast zur Not der Freiheitskämpfer steht: Fahnenflüchtige ziehen vorüber, und Renommisten prahlen mit angeblichen Großtaten. Hier liegt der Widerspruch zwischen den vielfältig egoistisch verfolgten Plänen und den Interessen des Landes schonungslos offen. Elster findet sein Hospital in gutem Zustand vor und wird dort selbst gesundgepflegt. Für ihn kommt nur die Rückkehr zu General Normann und seinen Soldaten in Frage, mit denen er teilen will, was das Schicksal über sie verhängt: Sieg oder Untergang (S. II 340).
Kapitel 23: Vor der Schlacht von Peta.
Auch in der leichtsinnigen Stadt Missolunghi beginnen sich die warnenden Stimmen zu mehren: Ein tiefgreifendes Umdenken tut Not, Griechenland ist in der Gefahr, seine Freiheit endgültig zu verlieren. Der wieder hergestellte Elster wird am Tag vor seiner Rückreise nach Komboti zu einer Kranken gerufen und erkennt in der geschwächten Frau mit Entsetzen die einem baldigen Tod entgegendämmernde Donna Toricelli. Die schwierige Lage von Regiment und Bataillon vor den Toren eines wohlgenährten und befestigten Arta findet Elster unverändert vor. Doch bald kommt Bewegung in die Situation, weil der Besatzer des Dorfes Peta, der intrigante Gogo, der seit Jahren in einem doppelten Spiel die Griechen gegen die Türken ausspielt, dieses den Philhellenen kampflos übergibt und die einziehenden Truppen nach Kräften verpflegt. So gestärkt beschließen die Philhellenen, einer Truppe zu Hilfe zu kommen, die, von den Türken heftig bedrängt, mit schwindenden Munitionsvorräten den wichtigen Pass der fünf Brunnen kontrolliert. Der Marsch führt über sommerheiße Wege durch zerstörte Landstriche ins Gebirge hinauf. Kleinere Kampfhandlungen gehen zugunsten der Philhellenen aus, aber es gelingt diesen nicht, zu der Truppe an den fünf Brunnen durchzustoßen. Dann reißt der Nachschub ab, und ein Bote warnt vor dem Anmarsch einer gewaltigen türkischen Übermacht. Der von Dannia befohlene lebensgefährliche Nachtmarsch hinunter an das Ufer der Arta gelingt, und gegen Mittag des Folgetages sind die Philhellenen zwar unverrichteter Dinge, aber wohlbehalten zurück in Peta. Um das Dorf herum sammeln sich inzwischen große Türkenmassen an, so dass die endlich gelingende Heimkehr auch der Wach-Trupps von den fünf Brunnen wie ein Wunder erscheint. Man verschanzt sich, die Aufgaben werden den Kräften entsprechend verteilt. Auf Hilfe von außen ist nicht mehr zu rechnen, viel Grund zur Hoffnung gibt es also nicht. Trotzdem lässt niemand den Mut sinken, als sich die Philhellenen am Abend zur Ruhe legen.
Kapitel 24: Untergang.
Nach einer stillen Vollmondnacht kehrt das Leben zurück, sowohl in das Lager der Normann-Leute, als auch in die türkisch überfrachtete Stadt Arta. Deren Tore öffnen sich, und ein furchterregender Halbmond von Allah-Kriegern beginnt, Peta einzuschließen. Die ersten Angriffe können die mutigen Griechenland-Verteidiger abwehren, doch dann kommt die Kunde, dass der unzuverlässige Gogo mit seinen Leuten den schluchtförmigen einzigen Zugang vor Peta kampflos geräumt hat. Der Truppenteil, in dem Elster kämpft, sieht sich in kürzester Zeit von den Kameraden abgeschnitten und vom Gegner umzingelt. Das Dorf selbst ist bereits in einem heftigen Straßenkampf von den Türken eingenommen, nur die Geschütze auf dem Berg darüber halten den Feind noch in Schach, doch gehen sie schließlich trotz des mutigen Einsatzes ihrer Bemannung verloren. Die letzten 70 Philhellenen ziehen sich auf einen Felsgipfel zurück und kämpfen einzeln heldenhaft gegen die Übermacht, bis zu ihrem unausweichlichen Tod. Die Polen unter General Mizewsky greifen noch einmal die Dorfkirche an und werden bei dem Versuch, diese zurückzugewinnen, mit ihren Kontrahenten von dem einstürzenden Gebäude erschlagen. Da beschließen die letzten 40 Mann des aufgeriebenen Bataillons, sich zu dem zur Flucht bereitstehenden Regiment durchzuschlagen. Diese Anstrengung bringt noch einmal furchtbare Verluste, ein Häuflein von 18 Kämpfern kann auf das blutgetränkte Schlachtfeld zurückschauen und schließlich nach mühevollem Marsch das Lager Maurokordatos erreichen, der das Schlachtgetümmel gemieden hat. Vorwurfsvolle Blicke gelten dem ungetreuen Griechenführer, für dessen Land fast das gesamte philhellenische Bataillon sein Leben gelassen hat, und Maurokordato weinte (S. II 364).
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3. Teil: Der Musikus (24 Kap.)
Kapitel 1: Blätter aus Röschens Tagebuche.
In siebzehn Blättern begleitet Röschens Tagebuch zwischen dem 1. Okt. 1821 und dem 27. Mai 1823 die geschilderten Ereignisse in Griechenland aus der Perspektive des verzweifelt und innig liebenden Mädchens. Jede der seltenen Nachrichten ihres Daniel macht sie stark und glücklich, doch kämpft sie einen schweren Kampf gegen die Eltern, die jedes Mittel nutzen, um ihre Treue zu erschüttern: Die Mutter wird krank, ein neuer Bewerber stellt sich vor, der Pastor predigt im Gottesdienst über den christlichen Gehorsam gegenüber Vater und Mutter. Dann kommt Anfang November 1822 die Nachricht, Elster sei bei einer großen Schlacht in Griechenland ums Leben gekommen. Da gibt Röschen jede Hoffnung auf und heiratet aus Pflichtgefühl den anderen Mann. Zwar spielt sie überzeugend die glückliche Braut, aber es gibt unbekannte Stimmen, die sagen, dass Elster am Leben ist und dass sie ihm somit die Treue gebrochen habe.
Kapitel 2: Nach der Schlacht von Peta.
Während der Verräter Gogo in den noch rauchenden Trümmern von Peta mit dem Feind Frieden schließt, zieht sich der Rest der geschlagenen griechischen Armee in das schwer einnehmbare Vrachori zurück. Kolokotroni hat die provisorische Regierung verjagt und die Macht an sich gerissen. Eine neue Expedition Philhellenen findet das einst so lebendige Missolunghi entvölkert vor. Die Männer werden von einem angeblichen griechischen Prinzen begleitet. Als der sich als Hochstapler entpuppt, reisen die meisten enttäuscht in die Heimat zurück. Der Erzähler begibt sich mit dem Rest seines Bataillons ebenfalls nach Vrachori. Von dort wird er jedoch bald nach Missolunghi geschickt, um das von ihm begründete Hospital wieder funktionstüchtig zu machen. Auf dem Weg dorthin kann er einen Griechen gerade noch daran hindern, ihm sein Pferd zu stehlen. Elster ist insgesamt in keiner guten Verfassung. In dem menschenleeren Missolunghi angekommen, findet er Weiland und Gießler in kritischem Zustand, kann jedoch kaum helfen, sondern bedarf selbst intensiver Pflege. Als er einigermaßen zu Kräften gekommen ist, muss er den Freund in fremder Erde begraben, Gießler geht es wieder besser. Inzwischen wird Missolunghis Seeseite von 80 türkischen Kriegsschiffen bedroht. Vrachori ist inzwischen ebenfalls türkisch, und die Flüchtlinge, die von dort nach Anatoliko strömen, vergrößern noch die Not in der Stadt. Weder die Soldaten des Regiments Tarella, noch die des philhellenischen Bataillons haben Sold bekommen, die Unruhe wächst. Als es dem neuen Führer des Regiments, Gouvernatis, gelingt, die Stadt um die nötige Summe zu brandschatzen, verlangen die Philhellenen ähnliches von ihrem Heerführer Raybaud. Doch das zufriedengestellte Regiment unterstützt dies Ansinnen nicht; so zieht Raybaud nach Missolunghi zu Maurokordato und Normann und fordert sofortige Bezahlung. Durch geschicktes Taktieren streut Maurokordato Streitigkeiten zwischen die älteren und die jungen Philhellenen und spielt schließlich auch die sich wieder einfindenden ehemaligen Deserteure gegen den Rest des Bataillons aus. Der brave Normann (S. III 48) versucht noch einmal, seinen Einfluss geltend zu machen, doch seine Kräfte sind erschöpft; sein Tod ist in dieser Zeit des Zwiespalts ein schwerer Verlust.
Kapitel 3: Ein freies Leben führen wir.
Der kränkelnde Maurokordato vermag seine Soldaten nicht länger zu zügeln, und erst das Auftreten des jungen Marko Bozzaris beruhigt die unzufriedenen Gemüter. Ein nächtlicher Überfall auf das Lager der Türken beendet die Belagerung und befreit Anatoliko. Doch der Tod von General Normann im November 1822 lässt die Unruhen unter den Philhellenen neu aufflammen, und da auch das äußere Ansehen der Truppe sinkt, denken die Männer um den Erzähler an schleunige Flucht. Im Schutz nächtlicher Nebel requirieren sie unbewachte Boote und entkommen türkischer Beobachtung durch Einschwenken in eine menschenleere Bucht. Die Mündung des Aspropotamo soll von hier aus zu Fuß erreicht werden. Während die Deutschen in einem Wäldchen oberhalb des Dorfes Niakari lagern, versuchen in der folgenden Nacht die Türken einen Angriff auf das Dorf, den das Erscheinen des Philhellenenhaufens vereitelt. Doch wendet sich das Blatt, als die abziehenden Türken Feuer an die Hütten legen und die Einwohner dafür die deutsche Truppe angreifen. Diese schlagen jedoch auch die Dörfler in die Flucht und plündern die noch vorhandenen Vorräte. Als sie in Richtung auf die Fluss-Mündung weiterziehen, haben sie drei ihrer Männer verloren.
Kapitel 4: Kleiner Krieg auf eigne Hand.
Der philhellenische Trupp richtet sich in einer Schlucht nahe dem Meerufer für die Übernachtung ein, als der Erzähler, der die Wache hat, Griechen sich nähern sieht. Leise verziehen sich die Deutschen und bleiben unbehelligt. Sehr früh am nächsten Morgen geht der beschwerliche Marsch in Richtung auf den Aspropotamo weiter, und gegen Mittag ist der Flusslauf bereits auszumachen. Wieder tauchen bewaffnete Griechen auf, die den Zugang zum Flussufer versperren. Diesmal müssen die Deutschen sich dem Feind stellen, doch der zieht sich spottend auf die andere Seite des Flusses zurück: Es sind Räuber unter dem Kommando des Kapitani vom See Laspi. Die Männer um Elster übernachten in den Hecken am Flussufer und erwehren sich nachts einer kleinen Gruppe von Griechen, von denen einer erschossen wird. Der Kahn der Feinde wird requiriert und am nächsten Morgen für eine List gegen die Räuberbande erfolgreich genutzt. Diesmal wird ein Gefangener gemacht, dessen Aussagen helfen sollen, mit dem Räuberchef abzurechnen. Tatsächlich kennt der Mann ein Lebensmittel-Magazin und bringt reiche Vorräte von dort mit. Nach fröhlichem Schmaus wird zur Flussmündung aufgebrochen. Dort kommt es zu einem ersten Kampf mit den Bewohnern mehrerer Baracken, wobei zwei der deutschen Männer verwundet werden. Das zweite Mal nähern sich die Deutschen den Hütten auf dem Strom von hinten, und die überraschten Griechen fliehen. Die Sieger nehmen Besitz von der Anlage und suchen sich mit einer provisorischen Steinmauer gegen Angriffe zu sichern. Ein erstes Schiff legt in der Nähe an, vier Matrosen können überrascht und gefangengenommen werden. Dann erfolgt ein Angriff des Räuberkapitäns von zwei Seiten, der in furchtbaren Zweikämpfen endet. Elster hat den verhassten Kapitani vor sich und bringt ihm beträchtliche Verletzungen bei, bevor er selbst in Ohnmacht fällt. Die Deutschen bleiben siegreich, doch sind mancherlei Wunden zu verbinden. Am nächsten Tag landet ein zweiter Kauffahrer an, der Mais und Wein auslädt. Das Schiff mit seiner Mannschaft wird in die Zange genommen, und der Kapitän ergibt sich ohne Gegenwehr. Er erklärt sich bereit, das philhellenische Häuflein und seine Habseligkeiten nach Kephalonia zu bringen.
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Kapitel 5: Abenteuernde Seefahrer.
In vertrauten Gesprächen mit dem Kapitän erreichen die Philhellenen am nächsten Morgen Argostoli, die Hauptstadt von Kephalonien, wo sie freundlich empfangen, verpflegt und neu eingekleidet werden. Dann gehen die Männer wieder an Bord ihres Kauffahrers, um in das nahegelegene Zante zu segeln. Diese Reise erweist sich als schwierig: Die Nacht bricht herein, türkische Kanonier-Schaluppen interessieren sich für die Nationalität der Männer an Bord, dann kommt ungünstiger Wind auf. Der Kauffahrer gerät unter schweren Beschuss und wird beschädigt, die Mannschaft jedoch erobert die erste Schaluppe und kommt mit dem eigenen Schiff im Schlepptau in der Nähe von Zante an Land. Fischer reparieren die Schäden am Bug und erhalten ihren Teil der Beute. Dann kann der Hafen von Zante angelaufen werden, wo die Besatzung in Quarantäne gebracht werden soll. Da beschließen drei der Männer außer dem Erzähler die Kameraden Raybaud und Gollmann nach Morea zurückzukehren und wieder als Soldaten in den Kampf um die Thermopylen einzugreifen. Der Kauffahrt-Kapitän setzt auf seinem Weg nach Korfu die drei Abenteurer an der Küste nahe bei Gastuni ab.
Kapitel 6: Wanderungen in Morea.
Das überflüssige Gepäck wird unter Büschen versteckt, dann machen sich die Drei zu Fuß auf den Weg in die geplünderte und fast entvölkerte Stadt Gastuni. Dort trifft Elster einen alten Bekannten, der von bedeutenden philhellenischen Siegen und der Verlegung des Hauptquartiers nach Tripolitza berichtet. Ausgerüstet mit einem Maulesel holen die Soldaten in spe ihr Gepäck und ziehen über Kartana und Pyrgos an die Mündung des Rufia, wo ein erstes Nachtlager aufgeschlagen wird. Der nächste Tag sieht die Wanderer im Tal des Alpheios auf dem Weg nach Olympia. Die Nacht dort bringt den Verlust des griechischen Führers und des Maulesels, so dass die Männer sich mit ihrem schweren Gepäck anderntags verirren. Zufällig finden sie auf eine paradiesische Hochebene mit einem schmucken Dorf in der Mitte und erkennen dankbar Arkadien. Elster denkt erstmals seit langer Zeit wieder sehnsüchtig an Röschen und seine Musik. Im Dorf begrüßt ein ehrfürchtiger Geistlicher die letzten Überlebenden des Philhellenen-Corps und sorgt dafür, dass sie beherbergt und beköstigt werden. Ein Unwetter erzwingt einige Tage Aufenthalt, dann ziehen die Abenteurer mit einem neuen griechischen Begleiter und einem zweiten Maulesel wieder ihre Straße. Auf beschwerlichem Weg durch die extreme Natur der griechischen Schweiz (S. III 101) erreicht die kleine Truppe ein weiteres Dorf, das die Fremden freundlich bewirtet. Am nächsten Tag muss erneut ein Unwetter abgewartet werden, dann gelingt die halbe Tagesreise nach Dimitzana. Auch diese Stadt lässt die Fremden nur nach ausführlichem Woher und Wohin durch das Tor, der Primas bewirtet sie jedoch großzügig und bestätigt die Nachricht, dass der siegreiche Kolokotroni sich mit seinem Heer in Tripolitza aufhält. Die Gäste erhalten zwei weitere Maulesel geschenkt und können am folgenden Tag die Strecke bis Tripolitza reiten.
Kapitel 7: Tripolitza.
Unvorstellbar ist das Getümmel und Geschrei, durch das die Philhellenen sich ihren Weg zum Wohnsitz des Diktators Kolokotroni bahnen. Der Empfang ist wenig freundlich, die drei Deutschen müssen sich für die Nacht in einem der leerstehenden Häuser von Tripolitza einquartieren. Am nächsten Tag zieht Kolokotroni selbst in die Stadt ein und lässt Elster zu sich rufen. Er speist mit ihm und bietet ihm eine Stelle als Arzt an, kommt dann jedoch nicht wieder auf sein Angebot zurück. So eröffnet der Deutsche eine eigene Praxis und erfreut sich regen Zulaufs. Sogar der junge Pascha von Tripolitza lässt ihn vertrauensvoll zu sich rufen, da sich in der Enge des Hauses, in dem er mit seinen Frauen und Kindern vom selbsternannten Diktator gefangengehalten wird, mancherlei Krankheiten ausbreiten. Kolokotroni sieht diese Besuche ungern und lässt den Arzt heimlich beobachten. Trotzdem findet der Pascha einen Moment, seinem Freund die Lage eines kostbaren Schatzes zu beschreiben, den er versteckt hat und der sein Lohn für die freundliche Behandlung sein soll. Mehrfach sucht Elster die beschriebene Ecke im Gebäude des alten Serail auf, doch kommen ihm Griechen zuvor, und er geht leer aus. Schlimmer: Kolokotroni hat von der Sache erfahren, und das Leben der drei Deutschen ist in Gefahr. Also bepacken Elster und seine Kameraden nachts um eins den Maulesel und verlassen mit ihrem griechischen Diener die Stadt.
Kapitel 8: Kämpfe und Liebe im Archipelagus.
Nach einem malerischen Ausblick auf das in der Morgensonne ruhende Tripolitza schließen sich die Deutschen einer Abteilung von Kolokotronis Heer an. Vorbei an unbestatteten türkischen Kriegern gehen sie auf die Stadt Milos zu. Zwischen dieser Stadt und dem bedeutenderen Argos lagern Heerscharen heruntergekommener Flüchtlinge, die nach dem Angriff auf Chios ihre Häuser verlassen haben und sich bettelnd durchschlagen müssen. Es gelingt den Männern um den Erzähler, ein Schiff zu finden, doch der Versuch, auf der Insel Spezzia anzulanden, scheitert angesichts des wütenden Widerstands der deutschenfeindlichen Bewohner. Der Empfang auf dem sechs Seestunden entfernten Hydra ist freundlicher, die Fremden werden von dem Oberadmiral Steffanidy Miaulis wohlwollend begrüßt und vorübergehend auf der Insel aufgenommen. Am Folgetag kreuzen Miaulis Schiffe gegen die türkische Flotte, die auf dem Weg nach Nauplia vorbeikommt, und der Erzähler wird als Arzt auf Spezzia gebraucht. In den Gewässern um diese Insel tobt bald eine rücksichtslos geführte Seeschlacht, in der die Griechen die Türken an der Einfahrt in den Golf von Nauplia hindern können, so dass diese abziehen. Der Erzähler kehrt mit den griechischen Booten nach Hydra heim und ist fortan ein gefragter Arzt und gesuchter Gesellschafter. Vor allem im Hause des Admirals Miaulis und seiner noch jungen Frau ist er ein gern gesehener Gast, und bald entwickelt sich eine zärtliche Beziehung zu der jüngeren Schwester der Hausfrau, der Smyrniotin Aglaja. Elster trennt sich von Raybaud und Gollmann, als Miaulis ihm die Hand seiner Schwägerin anbietet. Doch bleibt er der leidenschaftlichen Aglaja gegenüber reserviert und flieht schließlich ein weiteres Mal vor einer verantwortlichen Bindung. Über Nacht bringt ihn ein schnelles Schiff unter sternenbesätem Himmel nach Egina, das am anderen Morgen erreicht wird. Mit einem Fischerboot ist er abends bereits wieder auf dem Kurs nach Athen, wo er die Freunde vermutet.
Kapitel 9: Athen.
Der erste Strahl der Morgensonne findet den Erzähler mit einem griechischen Führer und dessen Maulesel auf dem Weg in die kleine, armselig wirkende Stadt. Die schmutzigen, engen Straßen und einfachen Häuser stehen in starkem Kontrast zu den die Umgebung schmückenden Resten einer erhabenen Vergangenheit. Elster begibt sich in das Haus des österreichischen Konsuls Gropius, der ihn mit aufrichtiger Anteilnahme aufnimmt und ihm seinen Sekretär, den Schweizer Professor Stähli, als Stadtführer mitgibt. Bei der Besichtigung des Theseustempels begegnet der Erzähler einem Studienkameraden aus Jenaer Tagen, dem Griechen Phillas, und dieser schließt sich der weiteren Stadtführung an. Gemeinsam bewundern die Freunde den Rednerstuhl des Demosthenes, eine Pan-Höhle, die Festung und das Theater des Herodes, den Kerker des Sokrates und als Krönung die Propyläen und die Akropolis. Dann folgt Elster der Einladung des Griechen und teilt mit ihm sein leeres Haus und seine kriegsbedingte Armut. Mit dem Regiment Gouvernatis kommt der Rest der Philhellenen von Missolunghi nach Athen, und Elster bittet Gropius, den leidenden Kameraden zu helfen. Wenig später hält der Heerführer Odysseus seinen Einzug in die Stadt. Elster sucht umgehend dessen Wohnsitz auf und trifft zunächst den Türkenfresser Nikitas, der trotz seiner militärischen Erfolge zuerst um ein wenig Zithermusik bittet und Elster eine prall gefüllte Börse schenkt. Dann begeben sich die Freunde zu Odysseus, und Elster erneuert seine Bitte, in dessen Dienste treten zu dürfen. Erst am nächsten Tag klärt sich, dass Elster als Arzt und Spion zu seinem ungetreuen Untergebenen Gouras auf die Akropolis geschickt werden soll, doch Elster geht erst, als der Heerführer von dem Ansinnen, er solle Gouras ausforschen, Abstand genommen hat. Der Empfang des deutschen Arztes auf der Akropolis ist wenig ermutigend, und Elster ist froh, den treuen Phillas mitgenommen zu haben. Doch dann lernt er die unvorstellbare Grausamkeit und Unbeherrschtheit von Gouras kennen und lässt sich daher gern mit Depeschen an Odysseus nach Athen zurückschicken. Phillas warnt vor einer Falle, bewaffnet sich selbst notdürftig und begleitet den Freund auf die gefährliche Fahrt.
Kapitel 10: Tiefste Noth auf fremder Erde.
Der ruhige Ritt der beiden Männer durch die vom Krieg verwüstete Ebene vor Athen wird unerwartet durch einen Schuss unterbrochen: Der Kapitani vom See Laspi hat in Gouras Auftrag auf den Erzähler angelegt, aber nur sein Pferd getroffen. Daniel erwidert den Schuss und tötet den Schurken. Phillas weiß, dass sein Freund nun in Athen nicht mehr sicher ist; er bringt ihn am Abend mit allem Gepäck an den Hafen und lässt ihn von einem Fischer auf die Insel Zea bringen. Diese wird am nächsten Morgen erreicht. Der neapolitanische Konsul von Athen, Vitalis, nimmt den Erzähler an Bord seines Schiffes in das unter französischem Kommando stehende Syra mit. Während sie dort in einem Gasthof bei Tische sitzen, betteln zwei deutsche Philhellenen um Almosen. Elster sucht den wegen seiner Hilfsbereitschaft bekannten französischen Konsul Fobel auf, und bittet ihn, für die Überfahrt der mittellosen Kameraden nach Italien oder Frankreich zu sorgen. Bei seiner Rückkehr an den Hafen gerät Daniel in ein Handgemenge, wird verwundet und seines gesamten Besitzes beraubt. Der Konsul rettet ihn aus Gefangenschaft und empfiehlt ihn an einen französischen Kapitän auf der Insel Tino, der ihn nach Marseille zurückbringen soll. Doch ist dieses Schiff gerade unter Segel gegangen, und Daniel muss den Goldring, den Röschen ihm gegeben und den er in vielen Schlachten und gefährlichen Situationen getragen hat, verkaufen, um sich das Nötigste zum Überleben zu besorgen.
Kapitel 11: Trost von Oben.
Völlig verzweifelt überlässt sich Daniel in den Felsen von Tino seinen trüben Gedanken, als ein wunderbarer Klang ihn weiter den Berg hinaufsteigen und ein Kloster finden lässt. Zwei Mönche geben dem Entkräfteten zu essen, lassen ihn schlafen und erfüllen ihm dann den Wunsch, auf der Orgel ihrer Kapelle zu spielen. Ergriffen steht der Prior neben dem selbstvergessen Improvisierenden und lädt ihn dann ein, als Mönch in seine Gemeinschaft einzutreten. Doch die Musik, des Musikers Muse, Göttin und Geliebte zugleich (S. III 173), hat Elster gestärkt und sein Denken geklärt, er macht sich nach einer weiteren Nacht im Kloster wieder auf seine dornenvolle Pilgerbahn (S. III 174).
Kapitel 12: Nach Klein-Asien.
Als der Erzähler in die Stadt zurückkommt, gerät er wieder in ein Handgemenge, wird gesteinigt und ohnmächtig am Meeresufer liegengelassen. Fobel rettet ihn erneut; in seinem Haus bricht das Fieber aus, das Elster auch noch an Bord eines französischen Kauffahrers mit furchtbaren Phantasien martert. Vor Smyrna bringt man den noch immer Fiebernden an Land und überlässt ihn seinem Schicksal. Elster schleppt sich in die Stadt und trifft dort seinen Freund Moring wieder, der ihn zum französischen Generalkonsul begleitet. Dieser Konsul David lässt Elster ins Hospital bringen und macht ihm Hoffnung auf baldige Rückkehr nach Europa. Der Patient erholt sich langsam, muss jedoch bald Abschied von dem Freund nehmen, der nach Hause zurückfahren kann.
Kapitel 13: Beim (Bei dem) Consul David.
Elster nimmt die Geburtstagsfeierlichkeiten zu Ehren des Konsuls zum Anlass, diesem einen dankbaren Besuch abzustatten. Er wird ungeachtet seiner ärmlichen Kleidung zu Tisch gebeten und auch nach seinen musikalischen Talenten gefragt. Bald sitzt er am Klavier und besticht die vornehme Gesellschaft mit seinem improvisierenden Spiel und der anschließenden Tanzmusik. Damit ist Elsters Glück wieder einmal gemacht: Der Konsul lässt ihn mit der nötigen Garderobe ausstatten und in ein orientalisches Bad begleiten. Während der Erzähler die vielerlei Wohltaten geniesst, mit denen man ihn dort verwöhnt, denkt er mit wachsendem innerem Abstand an die überstandenen Strapazen.
Kapitel 14: Musikalisches Leben in Smyrna.
Nach zeitraubenden Vorbereitungen kann in Smyrna ein erstes Konzert gegeben werden. Es wird für Daniel und seine Mitstreiter, einen Herrn Greitner aus Würtemberg und vier böhmische Glashändler, ein großer Erfolg. Konsul David, der sein Piano hergeliehen hat, gratuliert zu den üppigen Einnahmen und der Aussicht auf zwei weitere Konzertprogramme. Ein Besuch auf dem französischen Kriegsschiff, das vor Smyrna ankert, verläuft ebenfalls zur vollen Zufriedenheit des Erzählers. Nach dem großzügigsten Festmahl seines Lebens gibt Elster auch hier eine Probe seiner musikalischen Talente, wird dann durch das gesamte Schiff geführt und verlässt es erst nach zwei festlichen Tagen. Der Sohn des ehemaligen österreichischen Generalkonsuls Kramer lädt den deutschen Musiker ein, in seinem Stadtpalast zu wohnen. Elster führt viele Gespräche mit dem jungen Mann und wird sein Freund; stundenlang genießt er die herrliche Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen, die die neue Wohnung ihm bietet. Er gibt wieder allerhand Musikunterricht, übt mit dem böhmischen Quartett, komponiert und arrangiert manches Stück für seine Konzert-Programme. Auch das zweite Konzert wird ein Erfolg, und Konsul David kündigt dem Erzähler eine feste Bestallung an. Dieser ist geneigt, anzunehmen; Röschen ist nurmehr eine wehmütige Erinnerung.
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Kapitel 15: Ein musikalischer Sonderling.
Eines Tages nimmt Kramer seinen Freund zu seinem reichen Onkel Lionel mit, der in einer winzigen Stube seines Warenlagers seinem Musikenthusiasmus frönt. Die Geschäftsräume weisen köstliche orientalische Einrichtung auf, seine Privatwohnung, die er mit Frau und zwei Töchtern bewohnt, ist in englischem Geschmack gehalten. Am folgenden Abend sind der Erzähler und Kramer bei Familie Lionel eingeladen. Nachdem Elster am Klavier eigene Kompositionen vorgetragen hat, wird er aufgefordert, eine sonderbare Musik (S. III 208) zu begleiten, die Lionel fast ohne Takt und Satz, bzw. in sehr ungewöhnlichen Taktabfolgen als eine Art Urwelt von Tönen (S. III 209) auf der Viola spielt. Das kleine Publikum folgt mit großer Konzentration, und die älteste der beiden Töchter, Viola, bedankt sich bei Elster für die Mühe. Am nächsten Abend wird der Deutsche erneut von dem alten Sonderling einbestellt und wird mit seiner musikalischen Theorie konfrontiert, die eigentlich eine Lebensphilosophie ist. Lionel fühlt sich von Elster tief verstanden und bittet ihn, ihn auch zukünftig bei seinen nächtlichen Privatkonzerten zu begleiten.
Kapitel 16: Viola.
In dieser Vollmondnacht im Winter 1823 spielt Lionel in einer Laube auf dem Dach seines Hauses, im Angesicht des schimmernden Meeres und eines überwältigenden Sternenhimmels. Während der Erzähler ergriffen den ungewöhnlichen Violen-Klängen lauscht, schaut die schöne Viola aus einem Fenster nach den beiden Männern hinüber. Als die Uhr Eins schlägt, verstummt die Altstimme der Bratsche, und Elster verspricht dem glücklichen Komponisten, seine Improvisationen in Noten umzusetzen. Vier Wochen lang treffen sich nun die beiden Musikanten nachts zwischen zwölf und ein Uhr auf dem Dach, hören, notieren und wiederholen die musikalischen Gedanken des Alten. Zwar nimmt Elster die Anwesenheit der ernsten Viola gelegentlich wahr, doch ahnt er nichts von ihren Gefühlen. Für das dritte geplante Konzert sollen einige von Lionels Kompositionen, die Elster inzwischen in einem handgeschriebenen Prachtband gesammelt hat, Verwendung finden. Da landen die Teilnehmer einer neuen Philhellenen-Expedition unter Führung des schlecht beleumundeten Kephalos nachts in Smyrna an. Bei einem feindseligen Empfang finden einige den Tod, die übrigen flüchten zunächst in den Hof eines Konsulats-Gebäudes und anschließend, zu ihrer größeren Sicherheit und weil ihnen jede Hilfe verweigert wird, an Bord einer Barke. Bei einem Spaziergang am Ufer vernimmt Elster zufällig deutsche Laute, und er mietet die Unglücklichen in einem Haus am Stadtrand ein. Dann versucht er, auf zahlreichen Bittgängen die Mittel für die Rückfahrt der Landsleute nach Europa zusammenzutragen; schließlich gibt er alle eigenen Ersparnisse her und sieht die Dankbaren unter Segel gehen. Das dritte Stadt-Konzert und Lionels Großzügigkeit füllen seine Kasse zwar bald wieder, aber das Klima Smyrnas schadet seiner Gesundheit. Er zieht zu Lionels Familie, und Violas stille, freundliche Pflege lässt ihn noch einmal gesund werden. Ein weiteres großes Konzert im Hause Lionel beginnt mit einer festlichen Tafel, bei der Viola als Elsters Tischdame etwas von ihrer leidenschaftlichen Zuneigung erkennen lässt. Es kommt zu zwei unbeobachteten Treffen, Liebesschwüre werden getauscht, Treue wird gefordert. Lionel tritt argwöhnisch in Violas Zimmer.
Kapitel 17: Abschied vom Orient.
Nach unruhiger Nacht begibt sich Elster am anderen Morgen zu Lionel, der ihn zornig empfängt und Bedingungen für eine Heirat mit Viola stellt. Doch der deutsche Musikant rät selbst von dieser unstandesgemäßen Verbindung ab, und sein Gönner zieht sich beleidigt zurück. Als in tränenreicher Aussprache auch Viola ihn freigegeben hat, schreibt der Erzähler erstmals nach Hause, um nach Röschens Entscheidungen und Schicksalen zu fragen. Dann zieht er im Februar zu Kramer zurück, dessen Haus er während der warmen Jahreszeit verwalten soll. Doch die Fieber kehren zurück, und so nimmt er das Angebot an, auf ein Schiff und in die freie Meeresluft zu flüchten, wo es ihm bald soviel besser geht, dass er Kramers Angebot annehmen kann, ihm auf sein Landgut zu folgen. Bis Mitte Mai schreibt er dort das in Peta verlorene Tagebuch neu und komponiert ein wenig. Doch die Rückkehr nach Smyrna und zu den alten Gewohnheiten lässt das Fieber bei dem Erzähler wieder so gefährlich ausbrechen, dass nur die Verbringung an Bord des Schiffes ihn rettet. Er nimmt Abschied von Kramer und den Familien David und Lionel und sticht mit einer Flotille französischer Kauffahrer im Juni 1823 in See. An den griechischen Küsten entlang wird bei wechselndem Wetter Anfang Juli Sizilien erreicht. Bei Messina geht die Besatzung an Land und verproviantiert die Schiffe neu, und nach der Passage der kalabrischen Meerenge wird die Nacht in Sichtweite des Vulkans Stromboli verbracht, dessen Ausbruch Daniels Schiff mit einem Aschenregen bedeckt. An der italienischen Küste nordwärts, vorbei an Sardinien und Korsika und nach wehmütigen Blicken auf die Ufer vor Bastia und Rogliano erreicht der Erzähler die französische Küste und geht sofort in Quarantäne.
Kapitel 18: Quarantaine in Marseille.
Die vierzig Tage in dem verschlossenen und bewachten Areal außerhalb der Mauern von Marseille werden für den heimwehkranken Heimkehrer zur Qual. In teuren, düsteren Zimmern, die sie nicht verlassen dürfen, leben die Quarantainiers und müssen für jeden Stuhl und jedes Lebensmittel teuer bezahlen. Einem der Zimmernachbarn des Erzählers, einem musikinteressierten Marseiller Kaufmann namens Blaquet, wird erlaubt, Daniel Elster zu besuchen. Die beiden beschaffen sich eine Gitarre aus der Leihanstalt und vertreiben sich bald die Zeit mit Musizieren, Komponieren und Rezitieren. Eines Tages wird Blaquet in den Gesprächsraum gerufen, und als Daniel ihn begleitet, meint er, vor seinem Röschen zu stehen, doch es handelt sich bei den beiden verschleierten Damen um Mme Blaquet und ihre Schwester Irene. Niemand nimmt den Irrtum übel, vielmehr will Blaquet, in seine Zelle zurückgekehrt, die ganze Geschichte hören. Ergriffen von Daniels Verlassenheitsgefühl drängt er diesen, einen weiteren Brief in die Heimat zu schreiben. Unterdessen vertreiben sich die beiden Männer die Zeit damit, den Zoll zu überlisten: Sie nähen zwei kostbare Mitbringsel, eine größere Menge türkischen Tabak und einen türkischen Schal, in Daniels Kleider ein. Am Tag der Entlassung bringt Elster die nicht ungefährliche Fracht unauffällig sowohl durch die Desinfektion des Räucherzimmers als auch durch die Douane.
Kapitel 19: Sänger und Musiker.
Wieder einmal betritt Elster den Boden des alten Marseille, und Blaquet nimmt ihn mit in sein großes, wenn auch bescheiden eingerichtetes Haus. Daniel hat Empfehlungsbriefe von Smyrnaer Geschäftsleuten dabei, die ihm manche Tür öffnen und ihm schon bald ermöglichen, seinen Lebensunterhalt mit Konzerten und Musikstunden zu verdienen. Auch den beiden unverheirateten Schwestern von Mme Blaquet kommt Daniel über den Musikunterricht nahe. Die jüngere heißt Aegle, und die ältere ist die Röschen so ähnliche Irene, zu der der Lehrer eine besondere Neigung entwickelt. Doch dann geht Blaquet auf Geschäftsreise, und der Anstand erfordert, dass Daniel in den Gasthof Zum Prinzen umzieht. Dort lernt er den Sänger Graillard kennen und lässt sich am Ende eines Gesangsabends dazu hinreißen, die von der nationalistisch gestimmten Gesellschaft intonierte Marseillaise auf dem Klavier zu begleiten. Man wird auf ihn aufmerksam, und bei Punsch und weiteren Liedern befreunden sich Graillard und der Deutsche. Dieser Abend im Gasthof macht Elster in der ganzen Stadt bekannt, und sein kurzfristig anberaumtes Konzert mit dem Sänger wird ein Erfolg. Die beiden Künstler beschließen, gemeinsame Kunstreisen durch Frankreich zu unternehmen. Da langt ein Paket Briefe aus der Heimat bei Daniel an. Sein alter Vater, so liest er, hat die Hoffnung auf ein Wiedersehen aufgegeben, sein Bruder rät ihm, einen Rosinenhandel aufzumachen. Erst das dritte Schreiben enthält die alles entscheidende Nachricht: Röschen hat einen anderen geheiratet. Graillard verhindert, dass der Freund in Melancholie versinkt: Er plant fast tägliche Konzerte und eine Musikreise nach Paris. Auch die Damen Blaquet suchen den Verstörten zu trösten, und Graillard entführt den Freund schließlich zu einem ländlichen Fest an der Küste von Toulon. Zu Fuß erreichen sie die kleine Stadt Ciotat, erfreuen sich an einer feierlichen Prozession und anschließenden ländlichen Tänzen. Dann fordert eine Art Jahrmarktschreier zur Besichtigung einer jungen Riesin auf. Dabei kommt es zu Tumulten, Betrug wird vermutet, und die Frau kann mit ihrem Begleiter nur knapp dem Volkszorn und der Festnahme durch die Polizei entkommen. Daniel sucht sie anderntags auf, weil er sie hat deutsch sprechen hören, und sie erzählt ihm die Geschichte ihrer Entführung aus Magdeburg. Sie bittet den Landsmann, sie in ihre Heimat zu begleiten, aber der weigert sich und kehrt zu Schiff nach Marseille zurück.
Kapitel 20: Künstlerfahrt in Südfrankreich.
Der lebenslustige Graillard nimmt Elster auf eine Künstlerfahrt nach Toulon mit. Extrapost und das erste Hotel am Platze sind für die beiden gutverdienenden Musiker selbstverständlich. Die musikalische Welt der kleinen Stadt empfängt die Fremden mit dem gebührenden Respekt, und die erste Soirée im Haus des Kommandanten wird ein Erfolg. Mit gefüllter Kasse geht es weiter nach Aix, wo der Erzähler auf der Esplanade drei der Griechinnen aus Marseille trifft. Er führt sie in sein Hotel, wo Graillard Aegle mit einem Freudenschrei um den Hals fällt: In Paris hatten sich die Liebenden kennengelernt und sich dann unerwartet aus den Augen verloren, jetzt kniet Graillard zu Füßen von Aegles Mutter und bittet um die Hand der Geliebten. Die Damen reisen nach Marseille zurück, und die Musikanten setzen ihre Konzertreise nach Nimes fort. Sie besichtigen dort die römischen Altertümer, können sich aber nicht entschließen, in der schmutzigen, engen Stadt ein Konzert zu geben, sondern fahren über Privas und Journan nach Vienne weiter. Hier freuen sich Graillards Eltern über den Besuch des Sohnes, doch diesen zieht es weiter nach Lyon. Die Konzerte dort sind ausnahmslos gut besucht, und Elster ist, trotz seines Kummers um den Verlust der Verlobten, mit seinem freien Leben zufrieden. Graillard allerdings ist nicht mehr der alte: Die Sehnsucht treibt ihn nach Marseille zurück in die Arme seiner Aegle, und so gibt Elster ihn frei.
Kapitel 21: Deutscher Volksgesang.
Ohne Graillard traut sich Elster weder in Genf noch in Bern, ein Konzert anzukündigen, erst in Basel kann er einen gutbesuchten Musikabend geben. Als man ihm eine Stellung als Klavierlehrer anbietet, greift er zu und genießt das bescheidene, ruhige Leben in seiner Dachstube. Bereits nach vierzehn Tagen kann er in ein neugegründetes Musikinstitut im Kanton Aargau wechseln, wo er in gutem Einvernehmen mit den übrigen Lehrern seine theoretischen Studien fortsetzt. Er freundet sich mit (Hans Georg) Nägeli an, dem Patriarchen des Gesanges in der Schweiz (S. III 286). Trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten schließt er sich eng an diesen Förderer des Volksgesangs an, und diese Freundschaft sorgt dafür, dass Elster die Stelle eines Professors in einer nicht genannten katholischen Stadt erhält. Hier hat er mancherlei Widerstände zu besiegen, doch gelingt ihm der Aufbau eines Männerchors und einer Liedertafel im Sinne Nägelis. Im ganzen Kanton kommt es zur Zusammenarbeit mit den Schweizer Schützenkompanien, und bis auf deutschen Boden wirken diese Entwicklungen weiter. Daniel könnte zufrieden sein, aber er sehnt sich nach einer eigenen Familie.
Kapitel 22: Die blinde Dichterin.
Besonders stolz ist Elster auf den Unterricht, den er der blinden Dichterin Louise geben kann und in dessen Verlauf die junge Frau eine hervorragende Altstimme entwickelt, Klavier spielen und Lieder komponieren lernt. Sie ist ihm dankbar für den zusätzlichen Sinn, den ihr Leben dadurch erhält, und er überlegt, ob sie die Frau ist, mit der er die ersehnte eigene Familie gründen und für die er endlich Verantwortung übernehmen kann. Doch trotz der Glücksgefühle, die ihn in Louises Nähe erfüllen, bebt er vor der alles entscheidenden Frage zurück.
Kapitel 23: Fragmente aus Röschens Tagebuche.
Die nachdenklichen Seiten aus dem Tagebuch von Elsters Röschen zeichnen die Reifungsprozesse nach, die aus dem unsicheren, abhängigen Mädchen von einst (Kap. III 1) eine mutige und kluge Frau gemacht haben, die sich auf das Wichtige in ihrem Leben zu konzentrieren weiß. Über das menschliche Herz sinniert sie hier, zunächst anhand einiger Verse aus Schillers Tasso. Dann überlegt sie, wie unterschiedlich die Begriffe sind, die ihre Muttersprache von beherzten Männern und von Frauen mit Herz hat. Treu ist sie ihrem Mann geblieben, doch denkt sie noch immer auch an die erste Liebe ihres Lebens. Das Gefühl, das sie dann erfüllt, nennt sie das Heimweh nach einem Herzen, bzw. ihr Seelenheimweh (S. III 310). Nur Gott, so erkennt sie, kann da helfen, und in ihrem Fall wird wohl nur ein kalter Umschlag von Erde auf das warme Herz in Frage kommen (S. III 311). Bis es soweit ist, will sie ihren Pflichten und für die Kinder leben.
Kapitel 24: Treuer Liebe Lohn.
Wider Erwarten bringt der Briefträger Daniel ein ganzes Paket Briefe aus der Heimat. Er erfährt, dass sein Vater hochbetagt gestorben ist, und findet ein ausführliches Schreiben von Röschen. Darin teilt sie mit, dass sie seit einem dreiviertel Jahr Witwe und zurück in das Haus ihrer Eltern gezogen ist. Sie grüßt den Jugendfreund und wünscht sich, dass er seiner Heimat und ihren Menschen vergibt, was sie ihm angetan haben. Daniel Elster löst umgehend seinen Schweizer Haushalt auf, nimmt schmerzlichen Abschied besonders von Louise und kehrt nach Thüringen zurück. Im Haus seiner Brüder wird er freudig empfangen, doch es zieht ihn sofort zu der Geliebten. Nach den Treueschwüren vor dreizehn Jahren kommt es im Gartenhäuschen zu einem innigen Wiedersehen. Es gibt noch etliche Kämpfe zu bestehen, aber das Glück ist dem fahrenden Musiker endlich hold. Neben das alte Gartenhaus baut er sich einen griechischen Pavillon, in dem er die Abenteuer seiner Fahrten niederschreibt. Doch Röschen stirbt früh. Der Erzähler schaut seither aus seinem Gartenhaus sehnsüchtig nach jenem Gräbergarten (S. III 321) hinüber und meint zu wissen, dass er erst im Tod wieder wirklich glücklich sein wird.
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4. Teil: Der Musikdirektor (21 Kap.)
Dieser letzte Abschnitt des Romans findet sich nur in der 2. Auflage in zwei Teilen. Frankfurt/M. (Meidinger) 1854/5.
Kapitel 1: Vorspiel.
Röschens früher Tod hat den Erzähler tief getroffen und einsam gemacht. In den letzten Lebensjahren seiner Frau hat Elster auch in Franken begonnen, für einen Männerchor zu werben. Zusammen mit dem Oberlehrer Hummel gibt er mehrere gelungene Konzerte, zuletzt im März 1832 mit 600 Sängern. Der Herzog von Meiningen lädt den Chor in die Residenz ein, und die Konzerte unter seiner Schirmherrschaft werden zum Vorspiel für die späteren Liederfeste und für die ersehnte politische Einheit der deutschen Lande. Doch die europäischen Entwicklungen nach der französischen Revolution, besonders die begeisterte Unterstützung für die polnischen Flüchtlinge, die das durch den polnischen Aufstand geteilte Land haben verlassen müssen, werden dem Sängerbund zum Verhängnis: Als die fanatisierten Polenvereine verboten werden, muss sich auch Elsters Chor auflösen. Dass dieser Verlust mit der persönlichen Trauer um Röschen zusammenfällt, bringt den Erzähler an den Rand eines Abgrunds, doch schützt ihn seine Liebe zur Führerin, Trösterin, Retterin (S. IV 189) seines Lebens, der Musik.
Kapitel 2: Ein Opernbuch.
Elster hatte während seiner Zeit in Baden Geschmack an der dramatischen Musik gefunden und als Violonist Opernaufführungen begleitet. Zu seiner Übung begann er, eine Oper über Richard Löwenherz zu komponieren. Nachdem mancherlei Auseinandersetzungen um Röschens Nachlass beendet sind, greift er nun die aus Mangel an einem geeigneten Textbuch liegengebliebene Arbeit wieder auf. Die Uraufführung am Residenztheater in Meinungen wird ein Achtungserfolg. In einem Streitgespräch kann er daraufhin den befreundeten Dichter Ludwig dafür gewinnen, ihm ein Libretto für ein weiteres Musikdrama zu schreiben. Die begeisterte Arbeit an dem Werk mit dem Titel Des Bettlers Tochter ist Balsam für seine trauernde Seele, doch leider kommt diese zweite Oper nicht zur Aufführung.
Kapitel 3: Lustige Gesellen.
Elster genießt nach den großen Irrfahrten seines Lebens jetzt die Gespräche und Freundschaften, aber auch die materiellen Genüsse, die die Heimat ihm zu bieten hat. Ein lustiger Freundeskreis leistet sich manche Posse, so das Austern-Essen in Schleusingen oder die denkwürdige Rückfahrt von einem Opernbesuch in Meiningen, bei der Elsters Kutsche ein Rad verliert. Dadurch verspätet sich zwar am nächsten Morgen die Abfahrt zu einer Geburtstagsfeier in Ilmenau, aber die Orchesterbegleitung zu dem großen Festtagspoem (Schillers Taucher), das der Dichter Ludwig vorträgt, gelingt mit Hilfe ausreichender Mengen Wein hervorragend.
Kapitel 4: Immer die Nämlichen.
An einem kalten, schneereichen Osterfest besucht Elster mit seinen beiden Ludwigen, dem Dichter aus Meiningen und dem aus Gotha, die Hochzeitsfeier eines jungen Weinhändlers in seinem Heimatort Hildburghausen. Für den Tag nach diesem Fest liegen gleich zwei Einladungen vor, ferner werden weitere Freunde als Gäste erwartet. Nach dem Mittagessen bei Elsters Tante schläft einer der Ludwige so fest ein, dass er zu der Kutsche, die die kleine Gesellschaft nach Suhl bringen soll, getragen werden muss. Er wird wieder munter, als man die Kutsche aus Schleusingen anhält und zwei weitere Freunde in den Wagen nach Suhl umsteigen. Die Enge im Wagen und ein schreckliches Wetter draußen lassen die Stimmung weiter steigen. In Suhl findet man jedoch den jugendlichen Gastgeber unvorbereitet, schnell wird ein kaltes Abendessen und saurer Wein serviert. Enttäuscht treten die Freunde den Rückweg nach Hildburghausen an. Auch die sehr fröhliche Pfingstfahrt (S. IV 217) dieses Jahres geht nach Ilmenau, wo der eine Dichter Ludwig zu dem köstlichen Kardinal (Getränk etwa wie Punsch) des Hausherrn eine passende Rede, der andere ein gereimtes Rezept beisteuert.
Kapitel 5: Abermaliger Ausflug.
Der Erzähler berichtet, wie einer der Ludwige seine Hochzeit in seinem Haus feiert. Es wird ein rauschendes Fest, und der andere Ludwig trägt ein selbstgefertigtes großes Sagengedicht vor. Dann kommt es bei einer Flasche Wein zu einem Fachgespräch mit einem tonkunstfreudige(n) Freund (S. IV 227) über die Qualitäten und Schwächen von Elsters Oper Richard und Blondel. Fehlende Bühnenpraxis wird dem Komponisten vorgeworfen; das ist der Auslöser für den Entschluss, eine angebotene Stelle als Musikdirektor in Bamberg anzutreten.
Kapitel 6: Ein neuer Freund.
Beim ersten Besuch des Bamberger Theaters in Begleitung der Frau von Theaterdirektor Fels lernt Elster in deren Loge den klugen, belesenen Buchhändler und Kritiker Funck kennen, der zu seiner Überraschung das dichterische Werk seiner beiden Ludwige besser kennt und ebenso schätzt wie er selbst. Am Schluss des insgesamt unbedeutenden Stücks kommt es noch zu einem Treffen mit der ersten Sängerin, die seinerzeit zum Erfolg von Elsters Richard beigetragen hat. Die Pflege der neu entstehenden Freundschaft wird jedoch schwierig, weil die Zeit für die beiden neu einzustudierenden Opern sehr kurz ist. Trotzdem findet ein gemütlichers Abend statt, Elster muss dem neuen Freund von seinen Ludwigen und den Abenteuern seiner Fahrten berichten, und Funck erzählt selbst von dem berühmten Amtsvorgänger E. Theodor Amadeus Hoffmann. Doch die Arbeitsverhältnisse in Bamberg sind auf Dauer so einengend, dass der Erzähler in seinen heimathlichen Waldort (S. IV 240) zurückflieht.
Kapitel 7: Eine Tag- und Nachtfahrt.
Sein Kontrakt zwingt Elster, nach Bamberg zurückzukehren und dort unter erheblichen Schwierigkeiten seine Arbeit wieder aufzunehmen. Mit großen persönlichen Opfern dirigiert er alle geplanten Opern der Spielzeit zu Ende und kann dann, ernstlich krank geworden, die Kutsche für eine endgültige Rückkehr in die Heimat besteigen. Hier trifft er mit einer schwarz verschleierten Dame und zwei Schweizer Studenten zusammen, mit denen er sich über die hohe Bedeutung von Nägelis Wirken unterhalten kann. Beim Halt an der Mittagsstation hebt die scheinbar trauernde Witwe den Schleier und entpuppt sich als jene erste Sängerin, die die Abschiedsfahrt des geliebten Komponisten mit ihm teilen wollte. Auf der zweiten Hälfte der Reise singt sie mit ihm und den beiden Studenten Nägeli-Lieder, bis in Coburg die Abschiedsstunde schlägt. Von hier geht es abends in einer wenig komfortablen Beikutsche weiter nach Hildburghausen. Mit dem Kondukteur gibt es Schwierigkeiten, weil Elster seinen Dackel dabei hat, aber die Liebe zu Krummstiefel siegt.
Kapitel 8: Wieder Musikdirektor.
In der Heimat zurück feiert Elster sofort ein Wiedersehens-Fest mit vielen Freunden. Bereits wenig später erhält er ein im Vergleich zu Bamberg äußerst günstiges Angebot für eine Direktorenstelle in einer nicht genannten Stadt im Erzgebirge und macht sich nach anfänglichem Zögern auf den Weg dorthin. Über Ilmenau geht es nach Altenburg, wo Elster im heiteren Gespräch mit dem trinkfesten Weinhändler Lux seine Kutsche verpasst. Doch kann er mit dem neuen Freund weiterfahren. Der Empfang durch den Theaterdirektor Kaufmann und seine Frau ist freundlich, das Schauspielhaus erweist sich als bestens ausgestattet. Die Zusammenarbeit mit Chor und Orchester lässt sich weit besser an als in Bamberg, allerdings ist dem Amts-Vorgänger noch nicht gekündigt worden, und dieser versucht immer wieder, Elsters Arbeit zu stören. Doch der neue Musikdirektor setzt sich schließlich gegen seinen Kontrahenten und dessen Parteigänger durch.
Kapitel 9: Eine Uebersiedelung.
Das kulturelle Leben von Elsters neuer Heimatstadt ist rege und spontan, die Wintersaison wird mit einer gelungenen Einstudierung des Don Juan und einem Ball beendet. Ein Zentrum der Künste stellt die so gen. Kuckucksgesellschaft dar. Als Mitglied derselben nimmt Elster auch an den sommerlichen Tourneen durch andere sächsische Städte teil. Ein geplanter Aufenthalt in Freiberg weckt viele Jugenderinnerungen an die Stadt, in der zuerst der junge Daniel Elster mit dem Theater in Berührung gekommen ist. Die Schauspieltruppe wird freundlich aufgenommen, doch das für ihn vorgemerkte Quartier wird Elster von den zwei vermietenden Damen verweigert, weil er nicht von Adel ist. Ärgerlich geht er in den Gasthof und trifft seinen Freund, den Weinhändler Lux. Dieser weiß wie üblich Rat und vermittelt Elster eine geräumige Wohnung aus dem Besitz eines befreundeten Speditionskaufmanns, in der erst einmal den ganzen Abend gelacht und gefeiert wird.
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Kapitel 10: Freuden des Wiedersehens.
Vor der ersten Probe zu Don Juan im neuen Wirkungsort erkennt Elster im Orchester zahlreiche Bekannte aus seiner Jugendzeit, die ihn freudig begrüßen und dann die fremden Gesangskünstler mit so viel Aufmerksamkeit und Genauigkeit begleiten, dass dem Dirigenten Tränen der Rührung in die Augen treten. Ebenso liebevoll gestaltet sich das Wiedersehen mit einigen der alten Lehrer. In einer Bergmannskneipe sieht Elster wenig später ein bekanntes Gesicht, und plötzlich gibt sich jener Verbindungsstudent Wächter zu erkennen, der Elster bei seinem ersten Fechtkampf als Student in Leipzig im Gesicht verwundete. Er ist Pfarrer in einem Dorf der näheren Umgebung geworden und nimmt den alten Freund dorthin mit. Elster hört im Kreis der Pfarrerin und ihrer acht Kinder Wächters einfache Lebensgeschichte. Der Gast nimmt mit der Familie das bescheidene Abendessen ein und bekommt dann von zwei Bergknappen ein Konzert mit Bergmannsliedern für Zither und Singstimme geboten, die das Heimweh in ihm wecken. Der sächsische Rotwein allerdings, den Wächter dem Freund zu Ehren auf den Tisch bringt, trifft nicht ganz den Geschmack des verwöhnten Großstädters.
Kapitel 11: Ein alter Freund, und Orchesternoth.
Sein Quartier bei dem Spediteur kündigt Elster bald, weil er die Trompetenübungen eines Zimmernachbarn schlecht erträgt. Seine neue Wohnung nimmt er im Haus eines alten Wundarztes, der sich jedoch seinerseits jeden musikalischen Lärm verbittet. Bald schon bringt er dem neuen Mieter einen weiteren alten Jugendfreund auf die Stube: August Schwarz. Auch der lebt als kinderreicher Pfarrer in einfachsten Verhältnissen und scheint einen Kummer zu verbergen. Das Wiedersehen, das sich die Männer bei ihrem bewegten Abschied versprechen, kommt allerdings nicht zustande, weil wenig später die Gesellschaft Freiberg verlässt und nach Pirna weiterzieht. Das örtliche Orchester dort ist so schlecht besetzt, dass Elster die fehlenden Stimmen auf einem eigens herangeschafften Flügel selbst beisteuert. Als eines Abends die Orchestermusiker betrunken zur Aufführung des Figaro erscheinen, schließt Elster sie ganz von der Aufführung aus und begleitet seine Sängerinnen und Sänger selbst am Klavier. Das Experiment gelingt einigermaßen, nur ein offensichtlich geistesgestörter Zuhörer bekundet laut seine Unzufriedenheit.
Kapitel 12: In Lebensgefahr.
Auf der nächsten, ungenannt bleibenden Station der Tournee kann Elster zunächst kein für ihn angemessenes Quartier finden. Schließlich bezieht er einen parterre gelegenen Raum im Haus eines Maurers mit Blick auf die Stadtmauer und ein mit Grab-Steinen besätes Rasenstück, auf dem eine Gans ihr karges Auskommen sucht. Elster füttert und tränkt das Tier, und so gewöhnen sich die seltsamen Nachbarn aneinander. Im barackenartigen Hintergebäude des Nachbarhauses lärmt indessen viel einfaches Volk, an Ruhe für konzentrierte Arbeit ist kaum zu denken. Eines Nachts weckt das Geschrei der Gans den Musikdirektor aus unangenehmen Träumen und rettet ihn vor dem Ersticken, denn das Nachbarhaus brennt. Als Elster mit Not seine Sachen in Sicherheit hat bringen lassen, findet er die Gans tot vor seinem Bett. Er mietet eine schönere Stube bei einem Kleiderhändler, wird aber bald von Heerscharen von Wanzen geplagt. So ist er froh, dass er das Haus verlassen kann, um einen Ball zu besuchen. Dieses festliche Vergnügen wird kurz unterbrochen durch die Nachricht, die große Trommel des örtlichen Orchesters sei von einem Spaßvogel gestohlen worden.
Kapitel 13: Eine trauernde Wittwe.
Elster übernachtet sicherheitshalber im Gasthof, um am Morgen des Folgetages seinem Trödelwirt die Wohnung aufzukündigen. Er findet eine neue Bleibe bei einer Witwe mit Namen Heinrich, die ihm das Sterbezimmer einer Verwandten zu sehr günstigem Preis anbietet. Als er spät abends in die neuen Räume zurückkehrt, geschehen seltsame Dinge, und er kann den Zusammenhang mit einem der Grabsteine an der Stadtmauer herstellen. Am nächsten Abend beim Tee spricht Frau Heinrich von ihrer Tochter Elise, mit der sie sich auch nach ihrem frühen Tod auf geheimnisvolle Weise verbunden fühlt. Als es elf Uhr wird, schlägt wieder Elises Uhr, ohne aufgezogen zu sein, und dasselbe Rauschen geht durch ihren Flügel wie am Vorabend: Dies war vor 12 Tagen ihre Sterbestunde.
Kapitel 14: Man schlägt sich, man verträgt sich.
Die Gespräche mit Frau Heinrich setzen sich fort, so dass Elster ungern an den nahenden Abschied von der, wie jetzt verständlich wird: aus Gründen der Diskretion nicht genannten Stadt denkt. Inzwischen wird die bewährte Harmonie der Theatergesellschaft durch das Hinzukommen eines neuen Liebhaberpaars gestört. Streit und Intrigen breiten sich aus, und gerade die besseren Mitglieder der Truppe kündigen, so dass durch ständige Neu-Engagements der ursprüngliche Zusammenhalt verloren geht. Auch Elsters Arbeit ist betroffen, doch bessert er unnachgiebig an den schlechten Leistungen der beiden Sänger, die sich dafür mit gemeinen Gerüchten rächen. Als der Theaterdirektor den Intriganten auch noch zum Opernregisseur befördert, beschwert sich Elster und es kommt zum Bruch zwischen ihm und dem wenig weitblickenden Kaufmann. In Dresden, der nächsten Station der Tournee, sucht sich Elster nach lauten gegenseitigen Beschimpfungen ein eigenes Quartier, und andere folgen seinem Beispiel. In seinem Gasthof trifft er Lux wieder und teilt für einige Tage dessen Weinvorräte und eleganten Reisewagen. Als er zu seinem besorgten Direktor zurückkehrt, erinnert der ihn an vertraglich vereinbarte weitere sechs Wochen musikalischer Arbeit. Der beleidigte Liebhaber hat zudem mit einem Prozess gedroht, so dass Elster es vorzieht, ein großes Versöhnungsfest zu geben, das ein Erfolg wird.
Kapitel 15: Varietas delectat.
Etwa um diese Zeit langt ein Brief des Jugendfreundes Schwarz an, der sich sorgt, bei seinem Besuch einen schlechten Eindruck auf Elster gemacht zu haben. Er beschreibt die Mühen, die es ihn kostete, eine ausreichende Versorgung für sich und seine Familie sicherzustellen, er spricht von seiner Krankheit, die ihn an das Haus fesselt, und von Leseabenden, in denen die von Freund Ludwig beschriebenen Fahrten des Musikers eine Rolle gespielt haben. Das Schreiben endet mit der Zusage zuverlässiger Freundestreue und einer Einladung in das Dorf bei Großenhain, in dem Schwarz mit Frau, Kindern und Pflegekindern lebt. Spontan entschließt sich Elster, dieser Einladung zu folgen, doch ist er noch für einige Zeit an Kaufmann und seine Theatertruppe gebunden. Zunächst, auf der Reise zu einem weiteren Engagement in Norddeutschland, fährt er über Leipzig und frischt dort viele alte Bekanntschaften aus seiner Studentenzeit wieder auf.
Kapitel 16: Fahrende Musikanten.
Die Postkutsche nach Braunschweig kann Elster gerade noch bezahlen, auf der Fahrt dorthin muss er aus Geldmangel bei den Mahlzeiten bereits sehr sparsam wirtschaften. Beim ersten Halt in Halle sieht der ehemalige Musikdirektor einen fahrenden Musikanten allerhand Kunststücke auf der Geige mit einem gepflegten Bassgesang begleiten und anschließend einige Münzen als Belohnung einsammeln. Der Mann kommt ihm bekannt vor; während der Weiterfahrt hört er ihn von Frankreich, Italien und Spanien als von Ländern sprechen, die er durchfahren hat. Nach dem Mittagshalt, den der bettelnde Virtuose für eine klassisch-ernste Musikeinlage genutzt hat, kommen die beiden in der Postkutsche ins Gespräch. In seiner Zeit in Bastia hat Elster mit diesem Elmann bei der Obristin Morphy zusammen gespielt. Bewegte, häufig enttäuschende Lebensschicksale haben aus diesem Musiksoldaten einen einsamen Mann gemacht, der aber Charakter und Prinzipien bewahrt hat und freiwillig unter die Straßenmusikanten gegangen ist. Als er erfährt, dass seinen ehemaligen Kameraden Geldsorgen plagen, bietet er ihm für die geplante Bettelsaison in Hamburg eine Beteiligung an.
Kapitel 17: Musikalische Genüsse.
Bereits am nächsten Tag macht Elmann in einer nicht unbedeutende(n) Stadt an Thüringens Nordgrenze" (S. IV 327) einen ersten Versuch mit dem neuen Kompagnon. Mit großer Meisterschaft spielen die beiden fahrenden Musikanten vor einer Mittagstafel preußischer Offiziere auf und teilen den Gewinn. In Braunschweig endlich angekommen, spricht Elmann dankbar und heiter von seiner Frau, die ihm aus Italien in sein einfaches Leben gefolgt und sein treuester Kamerad geworden ist. Über seine Lebensfahrten allerdings möchte er nicht im Detail berichten, sondern verabschiedet sich schnell. Elster wird von Verwandten leidlich aufgenommen; sie verschaffen ihm den Genuss, die Brüder Müller mit ihrem berühmten Beethoven-Quartett kennenzulernen. Am Folgetag macht sich Elster durch die Lüneburger Heide auf den Weg zu seinem neuen (wiederum ungenannt bleibenden) Bestimmungsort. Er findet dort die finanziellen Verhältnisse äußerst knapp und einen Theaterdirektor ohne Umsicht und Durchsetzungswillen vor. Als dieser verantwortungslose Mann eines Tages mit den gesamten Einnahmen unsichtbar geworden (S. IV 332) ist, folgt Elster der Einladung jener Braunschweiger Verwandten, noch einmal eine Zeit als Gast bei ihnen zu verbringen. Er nimmt drei bettelarme Sänger seines Opern-Ensembles mit, mit denen er Quartett-Literatur einstudiert und bereits auf der ersten Station der Fußreise durch die Lüneburger Heide, in Uelzen, ein Konzert gibt.
Kapitel 18: Eine Sängerfahrt.
Die improvisierte Veranstaltung wird ein Erfolg: Versiert und wahrhaftig vorgetragen, findet die Musik zu den Herzen der zahlreich erschienenen Zuhörer, die sich anschließend mit freundlicher Bewirtung und frohem Mitsingen revanchieren. Am nächsten Morgen wandern die vier Schicksalsgenossen wiederum singend zum Städtchen hinaus und erreichen in vier Fußstunden den Bauernhof in der Heide, von dem die Postkutsche nach Braunschweig abgeht. Den Gästen, die dort auf einen Kaffee Pause machen, geben die Vier nach einigen lustigen Wortwechseln ebenfalls ein kleines Gesangskonzert. Weiter geht es nach Gifhorn, wo Elsters Gefährten ohne ihn als Terzett auftreten müssen. Er selbst nimmt die Postkutsche nach Braunschweig, wo seine Verwandten ihm diesmal den bewunderten Komponisten Albert Methfessel vorstellen. Als er eines Abends sich mit diesem im Hinterzimmer eines Gasthofs unterhält, ist entfernt Männergesang und dann ein lautstarker Streit zu hören. Vom Fenster aus sieht Elster, wie seine drei Sänger von der Braunschweigischen Polizei aus der Stadt geführt werden. Über Wolfenbüttel, Goslar und Göttingen macht sich der gescheiterte Musikdirektor endlich auf den Rückweg in die Heimat. Nachdem auch Heiligenstadt, Mühlhausen und Langensalza hinter ihm liegen, beschließt er, das letzte Stück des Weges im erwachenden Frühlingsgrün (S. IV 341) zu Fuß weiterzuziehen.
Kapitel 19: Nach der Heimath zurück.
Bereits in Sichtweite des heimatlichen Gebirges hört der nachdenklich gewordene Heimkehrer ein Gespann hinter sich und wird von dem sangesfrohen Freund Lux in dessen bequemen Wagen geladen. Der Gothaer Ludwig wird besucht und begleitet die beiden Reisenden bis Ilmenau. Dort wird jener Freund beehrt, der in seinem Gartenhaus den köstlichen Kardinal zubereitet, und Lux steuert ein paar Flaschen Champagner, der Gothaer Ludwig ein festliches Bergmannsgedicht zu dem Getränk bei. Dann sind Lux und der Erzähler wieder allein in mancherlei Gespächen auf dem Weg nach Schleusingen, wo weitere Bekannte begrüßt werden. Endlich ist Hildburghausen erreicht, wo dem verlorenen Sohn ein festlicher Abend gewidmet wird, an dem auch der Ludwig aus der nahen Stadt (S. IV 348) teilnimmt. Lux verabschiedet sich am anderen Tag, und Elster richtet sich in seinem Haus für ein paar Tage der ländlichen Ruhe ein. Er macht sich an die Pflege seines vernachlässigten Gartens und zieht die Bilanz seiner soeben beendeten letzten musikalischen Fahrt.
Kapitel 20: In die Schweiz.
Im Herbst des Jahres 1839 hat Elster sich wieder in Thüringen eingelebt, doch sehnt er sich nach einer verantwortlichen Bindung und einem eigenen Hausstand. So kommt ihm eine Einladung in die Schweiz gerade recht. Bald ist er wieder über Würzburg auf dem Weg nach Süden. In Stuttgart besucht er jenen Freund, den er einst in Leipzig von einer gefährlichen Duell-Wunde kurierte, findet den inzwischen berühmten Schauspieler jedoch kalt und die Begegnung enttäuschend. Bei Schaffhausen passiert Elster die Grenze und fühlt sich, als ob er in eine zweite Heimat zurückkehrt. Besonders Zürich scheint ihm noch schöner als früher zu sein. Die alte Stadtmauer und das Staatsgefängnis sind abgebrochen worden, überall ist frische Luft und freier Blick. Die Begegnung mit der Theaterdirektorin, die Elster die Stelle eines Musikdirektors angeboten hat, verläuft zufriedenstellend. Auf dem Rückweg von ihrer Villa in den Gasthof begegnet dem jetzt vierzigjährigen Erzähler auf der neuen Marmorbrücke über die Limmat ein junges Mädchen; er zögert angesichts der vertrauten Züge, sucht die schnell Verschwundene vergeblich und bleibt mit dem Gefühl einer ersten Liebe (S. IV 357) zurück.
Kapitel 21: Franciska.
Seither geht er suchend nach jener holden Erscheinung (S. IV 358) durch die Straßen. Die Arbeitsverhältnisse gestalten sich erträglich, wenn auch dem Schauspiel in Zürich mehr Interesse entgegengebracht wird als den musikalischen Aufführungen. Auch die politischen und religiösen Gärungsprozesse machen das Zürich jener Tage zu einem schwierigen Pflaster, doch entschädigt so manche anregende Bekanntschaft dafür: Elster lernt den Dichter Follen, den Maler Morhagen und den Juristen Ulrich kennen. Als im Frühling die Bühne schließt, will er einige seiner Schweizer Freunde besuchen. Zunächst wendet er sich nach Baden und wohnt dort im neuerbauten Freihof, weil er den Kindern des Wirts früher Unterricht gegeben hat. Nach einem Ausflug in die Umgebung sitzt der Erzähler mit seiner Begleitung und weiteren Gästen im Saal und feiert sein Wiedersehensfest. Da tritt die zarte Mädchengestalt von der Limmatbrücke ein und fällt ihm mit Freudentränen um den Hals. Franciska ist es, eine ehemalige Gesangsschülerin, die jetzt im Haus des Wirtes aushilft, der ihr Vormund ist. Vertrauensvoll erzählt sie dem Tischnachbarn von ihrer Ausbildung und dem Tod ihrer Eltern. Bald sitzen die beiden in einer Laube, und der liebeselige Daniel trägt der Wiedergefundenen Herz und Hand an zu lebenslänglicher Verbindung (S. IV 362). Das Festmahl wird unversehens zum Verlobungsessen, und Fränzchens Pflegeeltern geben gern ihren Segen. Daniel fordert aus der Heimat die nötigen Papiere an und besucht noch einmal Freunde am Schweizer Ufer des Bodensees, wohin ihm die Braut mit ihrer Schwester für glückliche Ferientage folgt. Bei der Rückkehr nach Zürich sind die Papiere da, und Daniel Elster bittet einen lieben alten Freund, der Pfarrer ist, ihn am Sterbetag seines Röschens mit Franciska zu trauen. Trotz seiner Sehnsucht nach der thüringischen Heimat kehrt er nicht in sein Haus zurück, sondern wird ein freier Bürger der Schweiz (S. IV 366).
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Sie können sich die Inhaltsangaben zu den frühen Romanen von Ludwig Bechstein auch als PDF-Datei herunterladen.
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