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Inhaltsangaben zu:
Novellen von Ludwig Bechstein
Das frühe Werk
Ludwig Bechstein
(*24.11.1801 Weimar +14.05.1860 Meiningen)
Ludwig Bechsteins Gesamtwerk enthält in allen drei Schichten so gen. „kleine Novellen“. Von der zeitgenössischen und der späteren Kritik (Gubitz, Wasserfall, Goedecke) wurde besonders das Frühwerk geschätzt. Es umfasst drei große Sammlungen mit insgesamt 26 Texten, die in enger zeitlicher Aufeinanderfolge erschienen. Es handelt sich um die Erzählungen und Phantasiestücke von 1831 (13 Novellen in 4 Bänden), die Novellen und Phantasiegemälde von 1832 (6 Novellen in 2 Bänden) und die Novellen und Phantasieblüthen von 1835 (7 Novellen in 2 Bänden). Zu den frühen Novellen gehört auch die einzige in eine Reisebeschreibung eingestellte Novelle:l Die Geschichte vom zweiten Gesicht in Die Reisetage von 1836 (S. 45-62). Mit der Anthologie Aus Heimath und Fremde (2 Bände 1839) als Übergang setzt auf dem Gebiet der Novelle das reife Bechstein-Werk ein. Hierher gehören Volks-Erzählungen (2 Titel in einem Band 1853), Hainsterne. Berg- Wald- und Wander-Geschichten (4 Bände 1853) und die berühmten Hexengeschichten (1854). Zum späten Werk zählen zumeist heitere Erzählungen wie Der gute Sohn (1854), Der Pechmüller (1854), Der Riese Wuth (1856), Der Almputz. Tiroler Alpensage (1856), Eine Alpenwanderung (1858), Spiritus familiaris (1859), Der Wunderdoktor von Schneeheim (postum 1860), Das Terzl von Partschins (postum 1862), Der Zauberer von Plön (postum 1862), Ein holder Wahn (postum 1863) und Gemeiner Stadt Feinde (postum1863)
(Zu den Anmerkungen: Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.1. Inhaltsverzeichnis: Novellen
Das frühe Werk
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4.1.1. Inhaltsverzeichnis: Erzählungen und Phantasiestücke. Stuttgart (Hallberger) 1831
Die erschienenen vier Bände enthalten:
I.1: Die Opfer des Wahns,
2: Der Maskenball,
3: Des Schicksals Walten und
4: Die arme Seele.
II.1: Manoel,
2: Der Pedell.
3: Die Vision.
III.1: Zettelträgers selige Nächte,
2: Die beiden Rosen und
3: Die Singstube.
IV.1: Die Babenberger. Historische Skizze aus dem ersten Jahrzehend des zehnten Jahrhunderts,
2: Der Mönch. Ein Nachtstück und
3: Der Naturforscher. Ein Phantasiestück
4.1.2. Inhaltsverzeichnis: Novellen und Phantasiegemälde. Hildburghausen (Kesselring) 1832
Band 1 enthält:
PhanGem I 1: Der dunkle Mime,
PhanGem I 2: Der Maler Sebaldus und
PhanGem I 3: Der Lehrling zum König Salomo.
Band 2 enthält:
PhanGem II 1: Meister Wolfram und seine Thürme,
PhanGem II 2: Mater dolorosa und
PhanGem II 3: Maravi.
4.1.3. Inhaltsverzeichnis: Novellen und Phantasieblüthen. 2 Teile. Leipzig (Friedrich A. Leo) 1835
Die beiden Teile in einem Band enthalten:
I 1: Der Astralgeist,
2: Der Rabe und
3: Der Versöhner.
II 1: Fanny,
2: Der Herr Gevatter und
3: Der Gehülfe zum König Salomo.
4.1.3.2. Inhaltsangabe zu: Die Geschichte vom zweiten Gesicht. In: Die Reisetage von 1836
4.1.4. Inhaltsverzeichnis: Aus Heimath und Fremde. 2 Bände. Leipzig (August Taubert) 1839
Die beiden Bände enthalten neun z.T. in zurückliegenden Jahren entstandene Novellen:
I 1: Die seligen Fräulein,
2: Der Förster von Belrieth,
3: Der Geist auf Christburg,
4: Das Hausgesinde und Der Zaubergarten.
II 1: Der Pseudo-Barbarossa,
2: Der Sohn der Hexe,
3: Der Herr von Selerinski und
4: Unterirdische Liebe.
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4.1.1. Inhaltsangaben zu: Erzählungen und Phantasiestücke. Stuttgart (Hallberger) 1831
Inhaltsangabe zu: PhanSt I 1 Die Opfer des Wahns. Eine Erzählung aus der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts
1.
1348 in Meiningen. Ein jüdisches Paar feiert in der christlichen Stadt seine Hochzeit: Levi Elkana und Rahel, die Tochter des reichen Rabbiners Samuel. Zum engeren Kreis der Gäste gehören Aaron Manasse, der Vorsänger, und Isaak Samuel, der Bruder der Braut. Mit feierlicher Ruhe werden die uralten Bräuche vollzogen, schließlich wird der Bräutigam zu seinem Haus zurückbegleitet.
2.
Die Söhne des Stadtamtmanns, Lorenz und Guido Reinhold, ihr Vetter Ralph und der junge Handelsherr Leopold Trautmann schauen dem festlichen Treiben aus der Ferne zu. Lorenz gilt als grober Geselle, der feinsinnige Guido jedoch und Leopold sind Freunde, und so gestehen sie sich ein, dass sie sich für die schönen Schwestern der jüdischen Braut, Lea und Sara, interessieren. Umso mehr freuen sie sich über die Einladung, an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen.
3.
In diesen sechs Festtagen begründet sich eine tiefe Liebe zwischen den beiden Christenmännern und den jungen Jüdinnen. Lorenz tanzt mit Hanna, der Schabbes-Goje, die als Christin an Feiertagen in jüdischen Häusern aufwartet, und der kleine Vorsänger Aaron Manasse schaut eifersüchtig zu.
4. Zehn Wochen später sitzen die beiden Paare, Lea mit Guido und Leopold mit Sara, im Garten des alten Samuel und sprechen über die in andern Städten, z.B. in Erfurt, aufgeflammten judenfeindlichen Unruhen. Leopold und Guido erneuern ihre Liebesschwüre und kreuzen die Schwerter, während ein Gewitter drohend heranzieht.
5.
In der Schenkstube des Erasmus Diez wird bei Bier und Wein über die Gerüchte gesprochen, die anderwärts zu Judenvertreibungen geführt haben. Allerhand Schauergeschichten machen die Runde. Als Lorenz den Aufrührern zuprostet, wählen sie ihn zum Anführer für den Fall, dass es losgeht. Die detaillierten Planungen werden vorerst durch den Ausbruch des Gewitters unterbrochen.
6.
Ein junger Jude, Moses Ephraim, kommt herein und berichtet von den Erfurter Greueln, mit Mühe hat er sein Leben gerettet, hat Eltern, Geschwister und seine Braut verloren. Er will Isaak Samuel, der sein Freund ist, um Hilfe bitten. Die wütende Versammlung der betrunkenen Bürger reagiert darauf mit Drohungen, es kommt zum Handgemenge, und Lorenz tötet den schönen blassen Fremden mit einem Faustschlag. Dann verlangt er von den Zechern, dass sie im Verhör zusammenhalten und den Juden als Anstifter des Streits hinstellen, droht andernfalls mit Fluch und Selbstmord. Als der Wirt hereinkommt, wird ihm als erstem die Lüge vom lästernden Juden aufgebunden. Als das sein Gejammer nicht zum Schweigen bringt, wird er von Lorenz mit Geld bestochen.
7.
Im verrollenden Donner einer furchtbaren Mondnacht reitet Isaak Samuel heimlich aus der Stadt, um sein Leben zu retten. Plötzlich scheut sein Pferd, er meint die Stimme des Freundes Moses Ephraim zu hören und sieht einen schwebenden Schatten. Im Licht des nächsten Blitzes ist die Erscheinung verschwunden. Eine düstere Ahnung kommt dem Flüchtenden; er wird den Tod seines Glaubensgenossen rächen.
8.
Zum Meininger Stadtamtmann, dem alten Reinhold, kommt sein Neffe Ralph in die Amtsstube und fordert in harschen Worten ein Ende der Nachsicht, mit der sein Ziehvater die Juden behandelt. In einem ruhigen Streitgespräch tauschen die Männer ihre Argumente für und gegen die Duldung der aus allen Landstrichen hereinflüchtenden Israeliten aus. Guido kommt hinzu und ergreift die Partei seines Vaters. Ralph fühlt sich missverstanden und entfernt sich verstimmt.
9.
Guido will die weiche Stimmung des Vaters nutzen, um ihm seine Liebe zu Lea einzugestehen, da hört und sieht er, wie eine aufgebrachte Menge den Wirt Erasmus aus seinem Gasthaus zerrt. Der Amtsdiener bringt schlechte Nachrichten: Der Mord an Moses ist ruchbar geworden, Isaak hat öffentlich Rache geschworen, und Lorenz Reinhold war unter den beteiligten Gästen! Der alte Reinhold gibt betroffen die nötigen Anweisungen, um die Sache zu klären: Er lässt Ralph, der die Scharwacht anführt, zu Hilfe rufen, und der befreit das Haus des Stadtoberhaupts von einer regelrechten Belagerung durch eine wütende Menge jüdischer Bürger.
10.
Isaak kehrt nach kurzer Haft in das Haus des alten Samuel und seiner Schwestern zurück, bis zum Äußersten aufgebracht und uneinsichtig verhärtet in seiner Rachgier gegen Lorenz. Die Schwestern fliehen vor ihm, der alte Vater jedoch lässt ihn aus den Bibelrollen vorlesen und führt ein beschwichtigendes Gespräch mit dem Sohn, der sich unverstanden fühlt und sich der Situation eilig entzieht.
11.
Vor dem Stadtrat und Gericht stehen Lorenz und Isaak und wiederholen, der eine seine Klage gegen den Mörder des Freundes, der andere seine verlogene Darstellung der Vorgänge im Gasthaus. Die Freunde von Lorenz und er selbst werden in die Ratskapelle zum Eid geladen und dürfen sich noch einmal beraten. Wieder droht die Situation zum Nachteil von Lorenz Reinhold zu kippen, doch gelingt es dessen Skrupellosigkeit ein zweitesmal, die Komplizen mit schrecklichen Argumenten bei der Stange zu halten. Der falsche Eid wird geschworen, es ergeht ein für Isaak ungünstiges Urteil, der seiner Verachtung für dieses Gericht überlauten Ausdruck gibt und den Ort seiner Demütigung fluchtartig verlässt. Zwei der Ratsherren vernichten heimlich ein Schreiben des alten Reinhold, dessen Inhalt niemand erfahren darf.
12.
Im stillen Garten des Rabbiners Samuel sitzen bei Mondschein Lea und Guido, glücklich und sorgenvoll, und wieder einmal schlägt die Freundin dem verliebten Mann seine Bitte ab, sie möge seine Frau werden. Auch Guidos Gedanken an gemeinsame Flucht mag Lea mit Rücksicht auf die Familien nicht folgen. Als Guido nach weiteren Liebesschwüren über die Gartenmauer verschwunden ist und Lea zur Zither ein sehnsüchtiges Lied gesungen hat, taucht aus dem Dunkel der wilde Isaak auf und wirbt für Manasse um seine Schwester. Die lehnt die nicht standesgemäße Verbindung ab. Als der Vorsänger dies erfährt, bietet er dem Freund die Krone Israels im Tausch gegen die Hand der schönen Schwester, aber Isaak verweist ihn auf ihre geheime politische Aufgabe. Am Ufer der nächtlichen Werra treffen sich in dieser Nacht die militanten Meininger Juden und feiern den Sabbath mit Fackeln und Psalmen; dabei schmiedet Isaak mit seinem Schwager Elkana furchtbare Pläne.
14.
Im nächsten Frühling hat sich an der Lage in Meiningen nichts geändert: Überall drängen sich jüdische Flüchtlinge zusammen, der Widerstand der Bürger gegen die städtische Regierung unter des Amtmanns Reinhold Führung, die kein Mittel gegen dieses Übel findet, wächst von Tag zu Tag. Da endlich verkündet der Ausrufer im Namen des Stadtrats, dass alle Juden innerhalb von drei Wochen das Meininger Gebiet zu verlassen hätten. Der Jubel auf der einen und der Jammer auf der anderen Seite drohen in Gewalt umzuschlagen, aber Ralph und seine Soldaten sorgen ein zweites Mal für Ordnung.
15.
Rahel stickt an einer Fahne für die Synagoge, als Lea und Sara bei ihr eintreten, der Amme jauchzend den kleinen Sohn der Schwester abnehmen und die Handarbeit bewundern. Doch Rahel eröffnet ihnen mit tiefem Ernst, dass sie um ihre sündhafte Liebe weiß und Verzicht von ihnen erwartet. Dann geht sie mit ihnen in ein anderes Zimmer, um ihnen ein Geheimnis von großer Wichtigkeit anzuvertrauen.
16.
Am Abend des Palmsonntags tritt Isaak Samuel vor die in der Synagoge versammelten Männer und kündigt den Beginn des Kampfes gegen die christlichen Unterdrücker an. Zum Zeichen ermordet er vor der Versammlung ein Christenkind. Sein herbeieilender greiser Vater kann die Untat nicht mehr verhindern und bricht krank vor Kummer zusammen. Isaak errichtet das Schlachtbanner unter Manasses besonderen Gebeten und stachelt die Glaubensgenossen zum Kampf auf.
17.
Hanna bringt Leopold heimlich einen Brief von Sara, und der Liebende eilt zum nächtlichen Treffpunkt. Er findet die junge Frau in tiefem Kummer und bereit zu der notwendigen endgültigen Trennung. Gerade hat Leopold sie überredet, ihm die geheimen Gründe für diesen Entschluss zu nennen, da schwebt eine unheimliche Lichterscheinung über das Paar hin und verschließt der jungen Frau den Mund.
18.
In den Kellern von Samuels Haus werden in Isaaks Auftrag heimlich Waffen für den Aufstand der Juden geschmiedet. Der junge Anführer erscheint selbst, herrlich gerüstet, und sucht die Mitstreiter durch eine religiöse Feier zu ermutigen.
19.
Es ist der Karfreitag des Jahres 1149. Die verschworenen Juden schleichen mit Rüstungen unter den weißen Gewändern in die Synagoge, Manasse hat das Jehova-Banner an sich genommen. Auch die christlichen Kirchen füllen sich mit Betern. Die Christin Hanna, die sich zum Kirchgang rüstet, kommt dabei an der Synagoge ihrer Auftraggeber vorbei. Entsetzt versteht sie einzelne Worte und ahnt die Zusammenhänge. Sie stürzt zur Liebfrauenkirche und bricht bei ihrer verzweifelten Warnung im Gottesdienst zusammen.
20.
Ehe die Juden sich über ihr weiteres Vorgehen einigen können, sind die Zünfte bewaffnet, zieht die Scharwacht durch Meiningens Straßen. Während die Sturmglocken läuten, kommt es zu unkontrollierbaren Straßenschlachten. Gegen Ende der blutigen Auseinandersetzungen trifft Isaak auf Lorenz und kann an ihm seinen Freund Moses rächen. Er tötet den Mörder, bevor dessen Komplizen ihn und Manasse niedermähen. Damit ist das israelitische Banner in siegreicher christlicher Hand, und die restlichen jüdischen Kämpfer fliehen. Da zieht Ralph entschlossen auf die Synagoge, kann sie aber erst im zweiten Ansturm einnehmen, als der Brand, den seine Männer gelegt haben, Elkanas kleinen Haufen zusätzlich bedrängt. Bis auf Johann Springer finden alle Männer, die damals den Meineid abgelegt haben, den Tod.
21.
Springer dringt daraufhin mit Bewaffneten in das Haus des Rabbi Samuel ein, in dem die Töchter den Schlaf des immer noch Leidenden bewachen. Mit großer Grausamkeit werden die drei Menschen aus dem Hinterzimmer geschleift; ihr Leben ist in Gefahr, doch Guido und Leopold treffen rechtzeitig ein, um ihre Freundinnen befreien. Da meldet der Amtsdiener, dass Guidos Vater im Sterben liegt. So lässt dieser Samuel und die beiden Frauen in Leopolds Obhut, der sie schweren Herzens in einen schützenden Gewahrsam bringt.
22.
Zu dem völlig verwahrlosten Isaak kommt ein Mönch in den Kerker und fordert ihn zum Glaubenswechsel auf, damit er sich in ein Kloster retten kann. Doch Isaak zerschmettert wütend das hölzerne Kruzifix und quittiert den Fluch des Mahners mit einem wahnsinnigen Lächeln.
23.
Guido muss nach drei Tagen den Vater zu Grabe tragen, der seinem Sohn Lorenz in den Tod gefolgt ist. Ralph und Leopold und ein Zug trauernder Bürger geben dem Sarg das Geleit. Rahel hat ihren Sohn und sich selbst getötet, als man sie zur Taufe zwingen wollte, und auch die übrigen eingekerkerten Juden sehen sich entsprechender Drangsal ausgesetzt. In das enge Gemach zu Lea und Sara kommen die geliebten Männer ebenfalls in Mönchsgewändern, und Guido bittet die Frauen, ihren Glauben aufzugeben und in die Hochzeit zu willigen. Auf ihre Weigerung hin muss er das Urteil des Würzburger Bischofs mitteilen, der alle ungetauften Juden dem Feuertod überantworten will. Aber Sara und Lea bleiben standhaft, es kommt zu einem Abschied für immer.
24.
Als man Isaak zum Scheiterhaufen bringen will, liegt der Gefangene mit gespaltenem Schädel am Boden seines Verließes. Ein langer Zug bewegt sich inzwischen durch Meiningen, die Würdenträger und Soldaten voran, die gefangenen Israeliten, unter denen sich Sara und Lea befinden, hinter ihnen. Noch einmal versucht der Bischof Albert von Würzburg, die Verstockten zu bekehren, doch sie beleidigen ihn mit einem jüdischen Gebetsgesang. Damit haben sie alle dem Verderben überantwortet. Im Jahre 1166 sitzt Ralph Reinhold mit seiner jungen Frau und einem Töchterchen in seinem Haus und gedenkt der verschollenen Freunde Guido und Leopold, von denen seither keinerlei Kunde zu ihm gedrungen ist. Da bringt der Diener einen Umschlag mit fremdem Siegel, aus dem ein Brief mit Guidos Handschrift herausfällt. Diese Post gibt Auskunft darüber, dass Guido nach einer Schlacht trotz Leopolds Rettungsversuchen gestorben ist, den Namen der toten Geliebten auf den Lippen. Ralph und seine Frau weinen um die verlorenen Freunde.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: PhanSt I 2 Der Maskenball. Ein Phantasiestück
In einer kleinen Residenzstadt werden die Vorbereitungen für einen Maskenball getroffen, und der Erzähler beschließt unter dem Eindruck der Erzählung Der Herr von Rumpelmeier von Carl Weisflog (auch: Karl Weißflog, 1770-1826) sich als Knochenmann zu verkleiden, ohne dass seine Freunde oder die Geliebte Thusnelda davon wissen. Am Ballabend schleicht der Mann, einen weiten dunkeln Mantel über das grausige Kostüm geworfen, durch die weiten Säle der Redoute auf der Suche nach der Aurora, in die sich Thusnelda verwandelt hat. Schließlich glaubt er sie gefunden zu haben, und wird eifersüchtig auf den Tanzpartner, mit dem sie schäkert. Als er ihr folgen will, hat er seltsame kleine Erlebnisse, die ihn daran hindern, bis er die Freude an dem Fest zu verlieren beginnt und sich unter den Hunderten Tanzenden ganz einsam fühlt. Am Büffet stürzt er mehrere Gläser Burgunder hinunter und holt sich dann die Eos zu einem wilden, langen Tanz, bei dem die Frau in Ohnmacht fällt. Schon eilt der Tänzer zur nächsten, dreht sie im Tanz und tötet sie mit der angebotenen eiskalten Limonade. Er sucht und findet eine Dritte und so weiter, bis er sich jeder Partnerin in verzweifeltem Scherz als der Herr von Rumpelmeier vorstellt und sich nun wirklich so fühlt, als wäre er es. Schließlich fällt eine Griechin aus seinen Armen auf die kalten Dielen des Salons, auch sie ist tot, und als man ihr die Maske abnimmt, ist es Thusnelda. Der Erzähler versinkt in einen schweren Schlaf, aus dem ihn die zwölf Glockenschläge der Mitternachtsstunde wecken. Um ihn sitzen die Mädchen, die er totgetanzt hat, und ein unheimlicher Karthäusermönch, der ihm schon mehrfach begegnet ist, tritt auf ihn zu und hat unter dem Gewand das gleiche Knochenkostüm. Dieser Doppelgänger schwenkt den betäubten Erzähler in einem rasenden Drehtanz, der ihm eine Warnung sein soll, und entlässt ihn mit der Mahnung, nicht andere Schriftsteller nachzuahmen. An dieser Stelle erwacht der Erzähler und wendet sich humorvoll an seine Leser. Noch ganz verwirrt sucht der junge Mann seine Thusnelda auf, die ihm freundlich ihr Diana-Kostüm zeigt und ihm einen Endymion anbietet; die Knöchlermaske ist vergessen. Der wirkliche Maskenball wird ein wunderbares Erlebnis, und am Tag darauf heiratet der Erzähler seine Thusnelda. Am Schluss wendet er sich noch einmal mit der Warnung an seine Leserinnen, wenn ihnen auf Bällen der rasende Herr von Rumpelmeier begegnet, sich nicht nur vor seinem wilden Tanz, sondern auch vor seiner Eislimonade zu hüten.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu PhanSt I 3 Des Schicksals Walten. Eine Erzählung
Meiningen 1757. Auf der Durchreise nach Italien fährt der Freiherr Ottmar von Thalberg in einer Postkutsche beim Gasthof zum Hirschen vor, der Postmeister Brauer begrüßt ihn, trinkt mit ihm ein Gläschen und begleitet ihn dann auf einem Gang durch die alte kleine Stadt. Dabei treffen sie auf die Kanzlistenwitwe Gawner und ihre Töchter Eva und Sophie, und der Freiherr fühlt sich so zu der schönen Sophie hingezogen, dass er sofort in seinen Gasthof zurückkehrt und Brauer um nähere Angaben fragt. In der Nacht schlafen die beiden jungen Menschen nicht: Sophie ist verliebt, und der Freiherr denkt sorgenvoll an den Verzicht, den seine strenge Familie von ihm fordert. Trotzdem verschiebt er seine Weiterreise, und in seinem Auftrag lockt eine der Töchter Brauers die schöne Sophie in ihr Elternhaus, in dem der Freiherr bereits ungeduldig auf sie wartet. Durch eine List kommt es zu einer Begegnung, man verbringt den Nachmittag und Abend gemeinsam, und die beiden jungen Menschen verlieben sich ineinander. In der Nacht, während am Himmel ein Gewitter tobt, tobt Ottmar in seinem Gastzimmer, wirft die lästigen Bande, in die ihn die Verwandten eingebunden haben, wie seine edeln Prunkkleider von sich: Er will dem Schicksal die Geliebte abtrotzen. Am nächsten Morgen schickt er den verdutzten Postmeister, um für ihn bei der Witwe Gawner um Sophies Hand anzuhalten. Die lässt sich von der innig liebenden Tochter überreden, ihre großen Bedenken hintanzustellen, und gibt ihre Einwilligung. Noch am selben Abend wird im Hause Gawner die Verlobung gefeiert, am nächsten Morgen wird das junge Paar getraut, und eine halbe Stunde später besteigt Sophie die Kutsche, die sie in die Villa des Freiherrn nahe Neapel bringen wird. Sie blüht auf unter Italiens Sonne und lernt dem verehrten Mann zuliebe Sprachen und Musik. Beim Frühstück auf der Terrasse, mit dem Blick über den sonnenbeschienenen Golf, denkt sie ohne Sehnsucht an ihre Heimat im Norden. Das Glück ist vollkommen, als der erste Sohn Luigi geboren wird. Diesem gesellt sich zwei Jahre später ein weiterer Knabe zu, über dessen Namen es zum ersten Streit zwischen den Gatten kommt. Von diesem Tag an ist Ottmar verändert, und in demselben Moment, in dem Sophie unter seinen Sachen einen Mantel mit einem großen weißen Kreuz findet, tritt er bleich zur Tür herein, einen Brief in der Hand. Er gesteht ihr, dass er als Zwölfjähriger zum Edelknaben des Großmeisters in Malta gewählt wurde und als Sechzehnjähriger die Gelübde eines Malteserritters abgelegt hat. Er ist im Auftrag des Ordens durch die Welt gereist und war auf dem Rückweg nach Malta, als er Sophie begegnete. Er hat alle seine Gelübde gebrochen, als er sie heiratete. Jetzt hat ein guter Freund ihn vor den Nachstellungen des Ordens gewarnt und zur Flucht aufgefordert. Diese wird sorgfältig vorbereitet, ein Schiff bringt mit günstigem Wind die kleine Familie nach Genua. Von dort reisen die Flüchtlinge über Mailand und die Schweiz den Rhein hinunter nach den Haag, wo ein Freund ein kleines Haus für Thalberg gekauft hat. Dort leben sie unter falschem Namen und fühlen sich sicher. Doch eines Abends dringen Bewaffnete in das Haus ein, Ottmars Familie und der Orden haben das österreichische Kaiserhaus für ihre Sache gewonnen, und Sophie findet sich, nach langer, einsamer Fahrt, in einem Kerker in Wien wieder, getrennt und ohne Kunde von Mann und Kindern. Die Tochter des Kerkermeisters, Lenore, nimmt sich schließlich der Dulderin an und führt den Kaiser bei einer Gefängnisbesichtigung in Sophies Zelle. Krank und abgezehrt kann sie das Gefängnis verlassen und in die Heimat zurückkehren, unter der Bedingung, dass sie nicht nach dem Verbleib ihrer Lieben fragt. Sie stirbt und wird auf dem Meininger Friedhof beerdigt, kurz bevor ein Brief von Thalberg für sie eintrifft, der nach kurzer Haft die Dispensation für sein Vergehen erkämpft und Sophies Aufenthalt erkundet hat. Thalberg widmet sein weiteres Leben den ebenfalls geretteten Kindern.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanSt I 4 Die arme Seele. Ein Klostermährchen
In einem griechischen Kloster tafeln die Mönche unter rohem Gelächter, besonders tut sich der Abt Higumenos Euphemius hervor, der die Regeln des gottgefälligen Lebens schon lange vergessen zu haben scheint. Da treten, von niemandem wahrgenommen, zwei Unsichtbare hinter seinen Stuhl und schauen zu, wie er die letzten fetten Bissen in sich hineinstopft, während die übrigen Mönche bereits ihre Zellen für ein Mittagsschläfchen aufgesucht haben oder betrunken am Tisch eingeschlafen sind. Das eine Gespenst, ein langer Grauer, zieht eine fast abgelaufene Sanduhr aus dem Gewand und zeigt sie seinem Gefährten, dem kleinen Braunen, und die beiden lachen sich zu. Als das letzte Sandkorn gefallen ist, legt der kleine Braune die Hand auf des Abtes Gesicht, der ringt vergebens nach Atem, verfärbt sich und fällt, nachdem der Graue seinen Sessel umgestürzt hat, der Länge nach in den Saal. Verdattert sammeln sich die Brüder, tragen ihren Abt von dannen, begraben ihn und verlassen das unheimliche Kloster.
In einem Weinkeller sitzt, sichtbar diesmal, der Braune vor einem Glas Branntwein, und unsichtbar neben ihm blickt der Graue zu drei Bauern hinüber, die unter Schimpfen und Fluchen ebenfalls des Teufels Erfindung, den Schnaps genießen und dazu Karten spielen. Plötzlich entsteht Streit, ein Messer blitzt, und einer der drei Schluckspechte liegt in seinem Blut. Da wächst ein langer Arm aus dem Gewand des kleinen Braunen, schnappt sich die Seele des Sterbenden und will sie in einem schwarzen Döschen verwahren, in dem schon die Seele des Abtes Euphem zappelt. Bei dieser Prozedur wird er gestört, genug, um der Seele des Abtes Gelegenheit zum Entwischen zu geben. Diese irrt einsam durch die Welt, gibt dem Erzähler Anlass zu philosophischen Überlegungen, die Unsterblichkeit betreffend. Er redet die Seele auch an, begleitet sie bei ihren verzweifelten Versuchen, sich in den Elementen Feuer und Wasser zu vernichten. Auch die Flucht auf andere Sterne und die Suche nach einem neuen Körper sind zum Scheitern verurteilt. Sie erfährt von den furchtbaren Folgen ihrer eigenen und fremder Missetaten und kann sie nicht verhindern. Da sucht Euphems Seele Zuflucht im Sarg einer eben Gestorbenen und lässt sich mit ihr begraben. Doch die Scheintote erwacht und verflucht den Abt, der sie verführte und zum Mörder ihres Kindes wurde. Und als sie stirbt, muss ihre Seele Jahrzehnte mit der Seele des Gehassten im verschlossenen Sarg bleiben, bis das Holz modert und beide freigibt. Da erhebt sich die Seele der Frau, die des Verführers aber muss auf der Erde bleiben.
Um dieselbe Zeit lebt ein heiliger Greis, in dessen Nähe Euphems umirrende Seele gerät und der dessen furchtbare Geschichte im Traum erblicken kann. Da kniet er nieder und bittet Gott um Erlösung für den Gemarterten, der ihn in der Folge Tag und Nacht umschwebt und mit ihm betet. Als der Alte krank wird und seinen Tod nahen fühlt, ist es Euphems Seele, die wieder zwei Unsichtbare eintreten sieht. Ein blasser Jüngling mit silbernen Schwingen ergreift die Seele des frommen Greises, und die erlöste Seele des Abtes schwebt mit ihr unbekannten Fernen zu.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: PhanSt II 1 Manoel. Eine Erzählung aus der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts
In Lissabon auf der Tajobrücke träumt ein junges Liebespaar, der adlige Manoel und die schönen Isabella, von einer gemeinsamen Zukunft. Als ihr Vormund nicht in eine Heirat willigt, entführt Manoel die Geliebte auf sein Schloss. Dort in der Kapelle wird eine heimliche Trauung vollzogen, doch bald nahen die Verfolger, und der Priester muss eine verborgene Tür aufschließen und die Liebenden mit ihrem treuen Diener Juan in einen unterirdischen Gang entlassen. Eine Zeitlang bleiben die Flüchtlinge in einer großen Höhle, Juan versorgt sie, bis er in der Stadt bei Einkäufen erkannt und verfolgt wird. Da fliehen die Drei auf ein Schiff, um zu den kanarischen Inseln zu segeln und dort ein neues Leben zu beginnen. Auf dieser Fahrt entgehen die Reisenden glücklich einem Unwetter, dann aber wird das Schiff gekapert, Juan liegt blutend an Deck, Isabella und Manoel werden gefangengenommen und als Sklaven an der nordafrikanischen Küste zum Kauf angeboten. Dabei werden die Liebenden getrennt, und bald zeigt ein Traum dem verlassenen Manoel an, dass seine Frau nicht mehr lebe. Er ist untröstlich, findet jedoch Halt in der Freundschaft des vornehmen Reisebegleiters Selim, mit dem er portugiesisch sprechen kann. Dieser schützt den Europäer, der in die Wirren der marokkanischen Politik gezogen zu werden droht, auch vor den zahlreichen Gefahren eines langen Marsches durch die Sahara. Erschöpft erreicht die Karawane das versteckt zwischen hohen Bergen gelegene Reich des Judenkönigs Josaphat, wo die Gäste freundlich empfangen und bewirtet werden. Doch Raschid, Selims Herr und einer der drei zerstrittenen Söhne des alten Herrschers, beginnt mit Hilfe des Riesen Abu Melek einen blutigen Krieg, in dem er die Herrschaft im Reich der Juden und später auch einen verlustreichen Sieg über die Heere seines Bruders Mohamed erringt. Im Gefolge des grausamen Siegers ziehen Manoel und Selim in Marokko ein und werden von Raschid im Zuge der staatlichen Neuordnung in seinen Dienst übernommen. Dennoch ist Manoel traurig, er bittet in einem nächtlichen Gebet um seinen Tod und die Wiedervereinigung mit Isabella. Da führt sein Freund ihn in eine Laube der mondbeschienenen Gärten, wo Manoel die Geliebte und sein Töchterchen in die Arme schließen kann. Selim heiratet die schöne Mimuna, als deren Dienerin und Freundin Isabella gelebt hat. Dann müssen alle vor der Raffgier Raschids fliehen, der es auf Selims Reichtümer abgesehen hat. Auf der Galeere, die die Flüchtlinge nach Teneriffa bringen soll, finden sie den totgeglaubten Juan als Rudersklaven wieder und können ihn befreien. Auf den Inseln wird er zu ihrem landeskundigen Führer, der ihnen das geheime Reich friedlicher Ureinwohner öffnet, wo alle in Glück und Frieden leben. Sie bauen eine schlichte Kirche, in der Mimuna, Selim und ihr kleiner Sohn getauft werden. Raschid wird inzwischen in Afrika von Abu Melek mit Hilfe eines Zauberpferdes getötet.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanSt II,2 Der Pedell. Ein Nachtstück in zwei Hälften (Vormitternacht Nachmitternacht).
1. Hälfte:
Spielt 1770 in der Universität von Leipzig, dem Paulinum. Eine geistig verwirrte alte Frau steht jeden Morgen auf einer schmalen Treppe vor ihrer bescheidenen Wohnung im alten Universitätsgebäude. Die Studenten fragen kaum, wer sie ist, ein Erzähler-Wir ergründet ihr dunkles Schicksal. Anna, die Tochter des alten Pedells Volkmar, ist ein niedliches kleines Mädchen und wird später eine schöne junge Frau. Eines Wintertags stürzt sie auf einer vereisten Treppe, als sie einigen Studenten ausweicht, die sie necken. Einer der Schuldigen, Viktorin von Klingen, verliebt sich in sie, und Anna erwidert seine Gefühle. Eifersüchtig und intrigant beobachtet der junge Pedell Hubert das Paar, verleumdet Anna bei ihrem Vater und sorgt dafür, dass Viktorin unschuldig in den Karzer muss. Doch Anna, die nach dieser heiteren Zeit einer tief erlebten Liebe schwanger ist, befreit heimlich den Geliebten, den seine Familie nach dem Tod des Vaters zurückruft. Dem nächtlich fliehenden Viktorin stellt sich Hubert in den Weg, aber der Student schlägt den Widersacher nieder.
2. Hälfte:
In einem einfachen Stübchen derselben Universität sitzt ein armer Theologiestudent über den Examensvorbereitungen: Eusebius. Er teilt mit seiner "Muhme", einer stillen, einfachen Frau, sein kärgliches Auskommen und wird von ihr dafür bemuttert. Bei den schwarzen Brettern am Haupteingang der Universität trifft er nach den Vorlesungen den lauten, gewalttätigen Kommilitonen Dagobert von Klingenberg, der ihn auffordert, einen Brief bei ihm abzuholen. Als Eusebius am Abend in dessen vornehmer Wohnung erscheint, findet dort ein wildes Gelage statt, dem er sich zunächst nicht entziehen kann. Erst als Dagobert und seine Freunde den Pedell Hubert verhöhnt und mit ihren Hunden bedroht haben, findet Eusebius den Mut, seinen Brief zu verlangen. Dieser enthält eine erhebliche Summe Geld und ein Schreiben an die Muhme, aber keinen Absender. In den folgenden Tagen macht der junge Mann die schmerzliche Erfahrung, dass sich die Menschen, die ihm wichtig sind, aus unerklärlichen Gründen von ihm zurückziehen. Nur die geliebte Pfarrerstochter Elise wagt ihm zu sagen, welche Verleumdungen Hubert über ihn verbreitet. Als die Muhme ihn so leiden sieht, erzählt sie ihm die Vorgeschichte; diese erklärt, warum Hubert ihn mit seinem Haß verfolgt. Erst hier wird klar, dass die stille Frau Anna ist und Eusebius ihr Sohn, der von Zeit zu Zeit von seinem ihm unbekannten Vater eine Unterstützung erhält. Dagobert, der eine Zeit im Karzer gesessen hat, fordert, wieder in Freiheit, Eusebius zu einem ungleichen Duell, bei dem der in die Enge getriebene Theologe den gewandten Fechter in Notwehr erschlägt. Von der entsetzten Anna erfährt er daraufhin, dass Dagobert sein Halbbruder war, und nimmt sich verzweifelt das Leben. Anna sinkt in tiefe Umnachtung, doch auch den Intriganten Hubert ereilt eine gerechte Strafe. Am Ende erfährt man, dass die alte Anna, die täglich auf der Treppe zu ihrer Wohnung auf Eusebius wartet, eines Tages an dieser Stelle tot aufgefunden wurde.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanSt II 3 Die Vision. Ein Phantasiestück
Der Erzähler ist der Schwiegersohn eines Himmelsforschers, den er eines Morgens tot im Sternwartenturm des Hauses auffindet. Der alte Mann hat in seinen letzten Minuten einen Brief an die Tochter Cölestine und den Schwiegersohn geschrieben, in dem er ein visionäres Erlebnis schildert. Er beschreibt in großen Bildern, wie er körperlos und selig durchs All flog, bis ein verheerender Komet der Erde gefährlich nahe kam. An dieser Stelle bricht das Schreiben ab, es verweist auf das Jahr 1836. In den sechs folgenden Jahren wird der Erzähler ebenfalls Astronom und Professor; Cölestine und er bekommen vier Kinder und leben in Freude und Liebe miteinander. Da bringen Studenten die Nachricht vom Nahen des Kometen. Unruhe, dann Panik ergreift die Menschen, schreckliche Vermutungen mischen sich mit den Katastrophenmeldungen aus aller Welt. Der Erzähler zieht sich am Tage der erwarteten Kollision mit seiner Familie in die Sternwarte des Schwiegervaters zurück, er sieht den Feuerball nahen und bald den ganzen Himmel bedecken, da erwacht der Schläfer und alles war ein Traum.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanSt III 1 Zettelträgers selige Nächte. Ein Nachtstück aus den Papieren eines Freundes
Der Ich-Erzähler des Rahmens hat die Rolle mit der folgenden Erzählung von einem Unbekannten aus einem der oberen Fenster eines gefängnisartigen Hauses zugeworfen bekommen; aus den unteren Fenstern erscholl dabei ein schreckliches, höhnisches Lachen. Nach einer Feier mit Freunden im Gasthof liest der Empfänger des Manuskripts in der Geisterstunde die düstere Geschichte:
Niklas ist der Sohn unglücklicher Eltern: der jüngsten Tochter Marie aus hochgestellter Familie, die auf ihre unstandesgemäße Liebe zu dem Sekretär ihres Vaters nicht verzichten will. Die jungen Leute fliehen vor dem Zorn des Barons von und zu Woltenburg in eine fremde Stadt. Hier dringt ein unheimliches schwarzes Männchen (der Zwerg Gecko) in das Zimmer ein, wo die Mutter an der Wiege ihres Kindes sitzt, und bringt ihr den Programmzettel eines Wandertheaters. In diesem Augenblick stirbt der Vater, wenig später Niklas' Mutter, die den Kummer über ihre Armut und den väterlichen Fluch nie überwunden hat. Jetzt erst enthüllen sich ihre wahren Familienverhältnisse, der alte Baron ist inzwischen gestorben, so dass der Onkel von Niklas ihre Schulden zahlt; für das Kind der Schwester will er jedoch nicht aufkommen.
Man gibt Niklas in die schlechteste Pflege zu dem Amtsdiener und seiner Frau, wo er beschimpft wird und hart für seinen Unterhalt arbeiten muss. In der Schule wird er wegen des niedrigen sozialen Status seiner Pflegeeltern gemieden, aber der Kantor fördert den Jungen und öffnet ihm die Welt der Bücher und der Musik. Zu der sanften Tochter seines Gönners, der gleichaltrigen Natalie, fasst der Knabe eine kindliche Liebe und genießt die idyllischen Sonntage in ihrer Gesellschaft. Diese Beziehung reift an dem Abschied, auf dem die junge Frau besteht, als die Freundinnen sie mit Niklas aufzuziehen beginnen. Niklas leidet unter der Trennung, doch kommt er der Freundin wieder nahe an drei Theaterabenden einer Wanderbühne. Bei der ersten Vorstellung findet Niklas nach einem Kampf mit dem schwarzen Zwerg Gecko, der hier Türhüter ist, einen Platz hinter Natalie und folgt fasziniert den Verwicklungen von Kabale und Liebe. Am zweiten Abend dürfen die Kinder mitspielen, und beim Warten auf ihren Auftritt stehen Natalie und Niklas in stummem Einvernehmen beieinander. Am Abend, als der Junge weinend im Gras vor dem kleinen Haus liegt, in dem er geboren wurde, hört er die Stimmen des Zwerges und einer unbekannten Dame, die seine Eltern sucht und nach dem Kind fragt.
Die Obrigkeit der (stets ungenannt bleibenden) Stadt N. hat beschlossen, den elternlosen Niklas in die Lehre zu den Schneidern zu geben. Doch vor der dritten Vorstellung spricht die fremde Dame den Jungen an; es ist die ältere Schwester seiner Mutter, Euphemie, die mit einem Schauspieler durchgebrannt ist; sie bietet ihm an, mit ihr auf Tournée zu gehen. Niklas nimmt Abschied von Natalie und schleicht sich nächtens aus dem Haus der Pflegeeltern in die Kutsche seiner Tante.
Es beginnen Jahre neuen Martyriums. Der Waisenjunge wird von den Theaterleuten herumgeschoben, verhöhnt und mit den niedrigsten Arbeiten betraut, u.a. mit dem Zettelaustragen. Bald erkrankt seine Tante und verlässt die Truppe; sie will Niklas mitnehmen, aber der wird vom Direktor nicht freigegeben. Niklas Leiden steigern sich nach diesem neuerlichen Abschied von einem geliebten Menschen derart, dass er an Selbstmord denkt. Da kommen in einer Nacht, die er auf der Hebebühne des Orchesters verbringt, herrliche visionäre Träume zu ihm, die in starkem Kontrast zu seinem elenden Alltagsleben und dem Streit mit Gecko stehen. Jeden folgenden Morgen geht er trauriger und bleicher an seine Arbeit, und in den Nächten erscheint ihm die geliebte Natalie in schönen Bildern. Nach der zweiten Traumnacht findet er Natalie tatsächlich in einer der Garderoben, sie ist die neue Schauspielerin der Compagnie, und er verzweifelt daran, sie je für sich gewinnen zu können. Am nächsten Tag jedoch nach einer dritten nächtlichen Schau wird Niklas Ohrenzeuge, als Gecko versucht, der schönen Kollegin Gewalt anzutun. In namenloser Wut bricht der Jugendfreund deren Wohnungstür auf, nimmt die brutalen Messerstiche des Nebenbuhlers hin und schleudert ihn so heftig gegen den Ofen, dass dieser zusammenbricht und den Zwerg unter sich begräbt. Das Manuskript endet mit dem Bekenntnis, dass der Schreiber sich in einer Anstalt wiederfand, als er zu sich kam, dass er gut versorgt wird und schon oft seine tragische Geschichte aufgeschrieben und aus dem Fenster geworfen hat. Diesmal jedoch fühlt er, dass es das letztemal gewesen ist, dass der Tod ihm nahetritt. Der Ich-Erzähler des Rahmens findet dem Manuskript beigeschlossen einen Brief von Euphemie, die ihrem Neffen ihr eigenes Schicksal mitteilt, in dem Gecko ebenfalls eine düstere Rolle spielt. Als er zu dem Haus zurückfindet, aus dem ihm die Rolle zugeworfen wurde, erkennt er es als Irrenanstalt und muss erfahren, dass der unglückliche Nikolaus Strahl, der siegreich gegen den Unhold Gecko kämpfte, in der Nacht zuvor gestorben ist. Ein Wärter beschreibt ihn als sanften Mann, der lächelnd stets dieselbe irre Geschichte aufschrieb. Den Schauspieler Gecko jedoch, der im untern Geschoß der Anstalt lebt und der durch einen Sturz gegen einen Ofen närrisch geworden sein soll, fürchtet er als böse und gewalttätig. In den Gasthof zurückgekehrt, findet der Erzähler einen Brief, in dem sein Vater ihn zur Rückkehr auffordert. Den Tod vor Augen, gedenkt der Alte seiner verschollenen Schwestern Euphemie und Marie und beschwört den Sohn Ferdinand, die ältere Schwester und den Sohn der jüngeren zu suchen, um sie für die Grausamkeit ihres Bruders und Onkels zu entschädigen. Ferdinand begreift weinend, dass der Fremde, der im Irrenhaus starb, sein Cousin war.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: PhanSt III 2 Die beiden Rosen. Eine Erzählung aus der Zeit des spanischen Feldzuges
1.
Die spanische Stadt Gerona bekommt die Folgen des heranrückenden Krieges zu spüren. Unter den Flüchtlingen, die Schutz in der Stadt suchen, ist die Familie des Antonio Matez aus Saria: seine Frau mit den kleinen Kindern Lucia und Esteve, die bei einer älteren Freundin, der Witwe Estrava und ihrer halbwüchsigen Tochter Rosa mit offenen Armen aufgenommen werden. Eines Morgens befindet sich Donna Matez mit ihren Kindern und in Begleitung eines Dieners der Donna Estrava, des Zigeuners Sastro, in der festungsartig verbauten Kathedrale von Gerona zur Messe, als draußen wilder Geschützlärm beginnt und unter den Friedensbitten des Priesters die ersten Einschläge den gotischen Bau erreichen. Als einer der ersten wird der kleine Esteve tödlich getroffen. Donna Matez, aus einer kurzen Ohnmacht sich aufraffend, und Sastro führen und tragen die Kinder in den sichern Bombenkeller der Donna Estrava, der für Wochen die Wohnung der Familie werden muss. Die größte Sorge ist der Mangel an Lebensmitteln, bis ein weiterer Angriff die kleine Lucia unter einem tödlichen Trümmerhagel begräbt. Als die Freundin mit Hilfe Sastros das Kind im Garten neben Esteves kleinem Grab beerdigt hat, ist Donna Matez spurlos verschwunden.
2.
Auf einem Rittersitz bei Halberstadt trauert indessen die schöne Rosalie von Zahren um ihren Geliebten, der im fernen Spanien kämpft. Zwei Bewerber rangen einst um ihre Gunst, der stille, schüchterne Richard von Bingen und der gefällige, ein wenig oberflächliche Karl von Adelburg. Während einer Harzreise spitzte sich die Situation zu: Bingens Aufmerksamkeit war durch den Besuch seines alten Freundes, des Arztes Friedrich gebunden, und Adelberg wusste mit Komplimenten und Gedichten zu imponieren; so entschied sich Rosalie für eine Verlobung mit dem glänzenderen Karl, die von ihrer entzückten Mutter sogleich unter allgemeinem Jubel der übrigen Gesellschaft mitgeteilt wurde. Der enttäuschte Bingen fand Trost bei seinem Freund. Bald darauf wurden die beiden Nebenbuhler gleichzeitig zu den Waffen gerufen und für einen ersten Einsatz nach Spanien entsandt.
3.
Auf Posten nahe Gerona entdeckt der Leutnant Adelberg, wie eine Frau sich dem Lager nähert, stellt und befragt sie. Es ist Donna Matez, die der Schmerz über den Tod der Kinder fast um den Verstand gebracht hat. Adelberg erfüllt ihren Wunsch und lässt sie heim nach Saria bringen. Dort findet sie ihr Haus in ein Spital verwandelt, im verzierten Bett in ihrem früheren Zimmer ruht ein verwundeter deutscher Soldat. Bingen arbeitet in diesem Hospital, und plötzlich tritt er mit einem weinenden Kind auf dem Arm herein. Donna Matez entreißt es ihm aufgeregt, erzählt erstmals klar von ihrem Schicksal und bittet den Deutschen um Schutz für das Haus ihrer Freundin Estrava und um das Pflegerecht für den geschwächten Knaben. Bingen gewährt ihre Bitten und berichtet, wie er den etwa Zweijährigen neben seiner im Krieg getöteten Mutter auf dem Fort Monjouy fand. Bingen hängt mit Liebe an dem Kind, das mit seiner Pflegerin fortan am Lagerleben teilnimmt, und bewacht es mit Eifersucht. Auch Adelberg langt am Folgetag in Saria an.
4.
Im nächtlichen Hof eines Klosters nahe Gerona ruht Adelberg mit einem kleinen Soldatentrupp um ein Feuer, in das von Zeit zu Zeit einer der kostbaren mittelalterlichen Folianten der Klosterbibliothek geworfen wird. Der Leutnant träumt von einem trauernden Mädchen, das tot zwischen zwei Rosenbüschen niedersinkt. Dann weckt ihn sein Unterleutnant, weil es aus den Klostermauern die ganze Nacht hindurch wie eine Wehklage tönt. Während sie über die Wahrheit von alten Sagen- und Märchenerzählungen diskutieren und furchtsam auf ferne, unheimliche Glockentöne horchen, bricht plötzlich ein Kugelregen aus allen Fenstern des Klostergebäudes, tötet einige und verwundet viele der lagernden Soldaten. Erst am Morgen wagt Adelberg, in das Gebäude einzudringen, findet zunächst niemanden, folgt aber einer frischen Blutspur in die Klosterkirche, wo auf der Empore ein Mönch gefangengenommen wird. Der trägt alte Pergamentblätter bei sich, die er aus der Bibliothek retten wollte, bittet um Verschonung und zahlt dafür mit einem Beutel Gold. Die Münzen erweisen sich bald als wertlos, doch der Mönch ist verschwunden, und als Adelberg zurück zum Lager zieht, erfährt er, dass Gerona gefallen ist.
5.
Rosalie trauert unterdessen um die nach kurzer Krankheit gestorbene Mutter. Dazu kommt die Sorge um Karl, von dem lange keine Nachricht gekommen ist. Für kurze Zeit entflieht sie den trüben Gedanken und sitzt träumend im Garten, da sieht sie, wie der alte Adam Müller im Namen seiner Gutsherrschaft gewaltsam fortgeführt wird, weil er mit den Abgaben im Rückstand ist. Sein Sohn Georg verfolgt die Knechte, die den Vater in ihrer Mitte halten, mit erhobener Axt. Schlichtend tritt sie zwischen die Streitenden, stellt jeden zur Rede und verzichtet auf die Zahlungen des alten Bauern. Dankbar fallen darauf Vater und Sohn der jungen Gutsherrin zu Füssen und bieten ihr ihre Dienste an. Am nächsten Morgen fragt Rosalie den kräftigen Georg, ob er, mit Geld und gutem Rat ausgerüstet, für sie als Bote nach Spanien gehen würde. Nach starken Bedenken auf beiden Seiten beschließt Georg, die Reise zu machen und Rosalies Brief an Karl zusammen mit vielen anderen Botschaften für deutsche Soldaten zu überbringen.
6.
Im Jahre 1809 muss sich Gerona, nach dem Fall der Feste Monjouy, den belagernden Truppen öffnen. Auch Adelberg und Bingen sind bei den Truppen, die durch eine Bresche in den Befestigungsanlagen eindringen. Bald findet Adelberg Donna Estravas Haus und lässt sich dort einquartieren. Hier sieht er im Garten eine in Schwarz gekleidete junge Frau zwischen zwei Grabhügeln stehen, auf denen Rosenbüsche wachsen. Flüchtig erinnert er sich an seinen Traum; es ist Rosa, die er fasziniert betrachtet und die ihn an Rosalie erinnert. Erfreut lassen sich Donna Estrava und ihre Tochter vom weiteren tröstlichen Schicksal ihrer Freundin Donna Matez berichten. Adelberg weiß sich auch hier angenehm zu machen, und bald hat er die deutsche Braut vergessen und in der jungen Rosa die erste Liebe entfacht. Da Donna Estrava ihre Tochter nur mäßig bewacht, musizieren die beiden häufig, Adelberg lehrt die junge Spanierin Lesen und Schreiben und dichtet ein deutsches Lied für die Geliebte, das von einer Rose handelt. Nur Sastro verfolgt den Deutschen mit hasserfüllten Blicken und verweigert ihm jeden Dienst. Eines Tages kommt Donna Matez zu Besuch, und noch während sie von ihrem neuen Leben mit dem Pflegekind erzählt, betritt ein Geistlicher den Raum, der als Bruder der Donna Estrava freudig begrüßt wird. Er erkennt in Adelberg seinen Retter. Dieser Franzisko sorgt dafür, dass die Treffen des Deutschen mit der schönen Rosa kürzer und seltener werden und stellt den Gast eines Tages in Bezug auf die Ernsthaftigkeit seiner Absichten zur Rede. Adelberg verschweigt geschickt seine Beziehung zu Rosalie und bittet um Rosas Hand, die ihm freudig zugesagt wird. Sastro bricht auf, um Rosas Bruder Fernando zu informieren, und Adelberg kämpft mit der Erinnerung und seinem schlechten Gewissen.
7.
Georg hat auf dem langen Weg nach Spanien mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Erst als er im Süden Frankreichs andere Deutsche trifft und fragen kann, kommt er zügiger voran und wandert eines Abends im Mondlicht das letzte Tal entlang auf dem Weg in die gesuchte Stadt Gerona. Da wird er von Guerillas überfallen, niedergestochen und ausgeraubt. Nur Rosalies Brief hat er noch bei sich, als er aus seiner Ohnmacht erwacht. Soldaten retten den Blutenden, speisen und kleiden ihn und fahren ihn ins Spital nach Gerona. Dort hören Bingen und dessen Freund von seinem Schicksal, Richard stellt sich dem Verwundeten vor und bekommt von ihm das Päckchen mit Rosalies Brief ausgehändigt. Bingen lässt den jungen Bauern gesundpflegen und nimmt sich vor, den Boten selbst zu dem treulosen Adelberg zu führen.
8.
Der finstere Sastro hat Tarragona erreicht, und der junge Offizier Fernando reagiert mit solcher Wut auf die ihm überbrachte Botschaft, dass sein Gouverneur Contreras erscheint, um nach dem Rechten zu sehen. Sastro hat auch für ihn einen geheimnisvollen Brief, die beiden flüstern miteinander. Es dauert Tage, bis alle politischen und persönlichen Entscheidungen gefällt und schriftlich niedergelegt sind, dann erst kann Sastro im Dunkel der Nacht und auf geheimen Seitenwegen den Rückmarsch nach Gerona antreten. Dort hat inzwischen Adelberg auf schnelle Heirat gedrungen und dafür Franziskos Zustimmung erhalten. Am Morgen des Hochzeitstages erfährt Bingen bei einer Begegnung mit Donna Matez von diesen Plänen und führt Georg in dem Augenblick in Donna Estravas Haus, als Sastro dorthin zurückkehrt. Die schlichte Trauung ist bereits vollzogen, da kommt es bei der Briefübergabe zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Bingen und dem zu brutaler Gegenwehr greifenden Adelberg. Bei den Frauen des Hauses löst Fernandos Widerstand gegen die Heirat Tränen aus. Adelberg ahnt, dass er zu weit gegangen ist. Er wird zu seinem Regiment gerufen, nimmt die höhnischen Glückwünsche der Kameraden zähneknirschend entgegen und muss erleben, dass sein Oberst die Zusammenhänge kennt und einzuschreiten gedenkt. Rosa ist unglücklich, weil Adelberg mit seiner Truppe nach Jounquera abberufen wird. Franzisko verspricht, dass sie dem Geliebten folgen darf; er selbst wird sie begleiten.
9.
Rosalie macht sich schwere Vorwürfe, weil Georg nicht zu seiner Familie zurückkehrt. Als ihre alte Tante erkrankt, ruft sie Richards Freund, den Arzt Friedrich zu sich, in der Hoffnung auf Nachrichten von dem fernen Bräutigam. Friedrich ist durch Bingens Briefe über alles unterrichtet und gibt möglichst schonend Auskunft, doch fällt die Verlassene nach einer Ohnmacht in ein andauerndes schweres Leiden. Der alte Adam Müller und Georgs Verlobte siechen ebenfalls dahin, mögen schon nicht mehr an die Rückkehr des Boten glauben. Da springt der schmerzlich Erwartete über die kleine Hofmauer. Als Georg vor der trauernden Rosalie Bericht erstattet, erwähnt er Adelberg nicht, betont jedoch die lebensrettenden Wohltaten, die Richard von Bingen, inzwischen zum Hauptmann befördert, ihm erwiesen hat.
10. Inzwischen liegen Bingen und Adelberg mit ihrem Regiment vor dem französischen Figueras. Das oberhalb der Stadt gelegene Fort San Fernando soll durch eine List über die Vorratskammern genommen werden. Sastro führt die Truppen des Generals Martinez. Der lautlose Überfall gelingt, die Zugbrücke fällt und die spanischen Truppen marschieren ohne weiteres Blutvergießen ein. Am nächsten Morgen wird der als Knoblauch-Händler verkleidete Sastro gefangen vor Adelberg geführt; sein Angriff mit einem verborgenen Stilett auf den Verhassten misslingt und der Spion wird gehängt. Nachdem die stille Einnahme des Forts durch die Spanier bemerkt worden ist, bereiten die deutschen und französischen Truppen eine Belagerung vor. Da die Spanier gewaltige Verstärkung erhalten, kommt es zu einer blutigen Schlacht, in der das Fort wieder in französische Hände fällt. Antonio Matez findet bei diesem Kampf den Tod, Bingen und Adelberg werden verwundet. Ihr westfälisches Regiment bricht erst jetzt nach Jounquera auf. Rosa und ihre Familie warten in der Nähe der Pyrenäen-Stadt auf Adelberg. Unter dem Martinsfels, in einem mondbeschienenen Tal, sehen sich die beiden Liebenden beim Gesang der Nachtigallen wieder. Plötzlich sind sie von Fernandos Soldaten umringt, doch der Bruder hat sich mit der Heirat der jungen Spanierin abgefunden und schmückt sie zum Abschied mit einer kostbaren Goldkette. Da Adelbergs Wunde ihn am weiteren Kriegsdienst hindert, bringt er seine Frau in die deutsche Heimat. Bingen versorgt Donna Matez mit den für die weitere Pflege des Findlings nötigen Mitteln und kehrt ebenfalls nach Deutschland zurück.
11.
In der Hauptstadt Westfalens dauert Rosas Glück nur kurze Zeit. Die mächtigen Feinde ihres Mannes blockieren seine Karriere, und Karl von Adelberg, an Misserfolge nicht gewöhnt, wird zum Trinker und Verschwender. Als sein und der Gattin Vermögen verbraucht sind, flieht er vor seinen Verbindlichkeiten mit einer fremden Frau. Rosa zahlt die Gläubiger aus und bleibt verstört in der bereits gekündigten Wohnung zurück. Bingen erfährt von ihrem Unglück und beschafft die Mittel für ihre Rückreise nach Spanien. Im Haus ihrer inzwischen verstorbenen Mutter findet sie Donna Matez mit dem kleinen Richard wohnen. Sie vertraut sich der Pflege der mütterlichen Freundin an, doch welkt sie wie der rote Rosenstrauch auf den Kindergräbern dahin, und nach kurzer Zeit ereilt sie der Tod. Adelberg bleibt verschollen, doch Bingen kehrt, als Major ehrenvoll entlassen, zu seinem Freund Friedrich nach Halberstadt zurück. Es kommt zu einem Wiedersehen mit Rosalie; das Rot ihrer Wangen ist blasser geworden, aber sie steht wie der weiße Rosenstrauch auf den Gräbern in Gerona in voller Blüte. Da lebt die alte Liebe neu auf, und wenige Wochen später heiratet das Paar. Zur Hochzeitsfeier erscheinen Georg und sein Gretchen ebenfalls als Brautleute, beide Ehen werden glücklich.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: PhanSt III 3 Die Singstube. Phantasiestück (Der vollständige Text der Novelle ist auf dieser Homepage verfügbar: siehe TEXTE Novellen-früh)
Ein Ich-Erzähler, der sich später als angehenden Dichter von Erzählungen und Phantasiestücken apostrophiert, berichtet vom alten Steinhaus" in seiner (ungenannt bleibenden) Stadt, das dem Doktor Mälar und seiner Frau gehört und in dessen Gästezimmer es nicht ganz geheuer zugehen soll. Eines Herbstabends in gemütlicher Männerrunde bei Bier und Schnupftabak kommt der Doktor selbst auf übersinnliche Themen zu sprechen, während draußen ein Sturm den Regen gegen die Fenster peitscht. Zunächst erzählt er von einem Hirten, der unter grauenvollen Umständen an der so gen. Wasserscheu (Hydrophobie) sterben musste. Doch dann bringt ihn die Runde dazu, die Geschichte seiner Singstube" zu erzählen. Da berichtet er, wie er als junger Badearzt kurz nach seiner Heirat die schöne italienische Contessa Adelaide Manfroni zu behandeln hat, die den Männern im Kurort die Köpfe und Herzen verdreht. Doch die herrliche Frau bleibt kühl gegen jedermann, bis der Graf Edgar von Leitzen eintrifft, in den sie sich sogleich verliebt. Er erreicht, was sonst niemand geschafft hat: Adelaide bestürmt ihren Arzt, das ihr auferlegte Sing- und Tanzverbot zu lockern. Ungern nur gestattet der Doktor der jungen Frau die Teilnahme an dem großen Ball, der zur Feier des Geburtstags der Landesfürstin gegeben wird. Zum allgemeinen Entsetzen bezahlt sie ihren Leichtsinn mit einer Ohnmacht und anschließender lebensgefährlicher Krankheit. Die Kunst Mälars kann sie zwar retten, aber auf dem Gewissen des Arztes lastet schwer das Geständnis des überstürzt abgereisten Grafen, der an das Krankenbett seiner fernen Braut eilen muss und Mälar bittet, bei der Geliebten um Verständnis und Vergebung für seine Verfehlung nachzusuchen. Nach anfänglichem Zögern und heftigen Vorwürfen willigt der Arzt ein, Leitzens Interessen bei Adelaide zu vertreten, und erhält als Dank ein Billet, dessen Inhalt er nicht preisgibt, und die mosaikgeschmückte römische Schnupftabaksdose, die er gerade im Gasthaus kursieren lässt. Adelaide akzeptiert seine gutgemeinten Lügen und zieht über den Winter, da ihre Gesundheit ihr keine Heimreise erlaubt, in das Haus des Doktors und seiner Frau. Nach guten Zeiten, in denen die Kranke ihren wunderbaren Gesang besonders nächtens wieder üben kann, trifft sie die Nachricht von der Heirat des Grafen von Leitzen wie ein Blitzschlag. Mälars Kunst kann noch einmal ihr Leben retten, doch verklärt wie eine Heilige muss die schöne Contessa wochenlang still in ihrem Zimmer liegen und ganz auf die Pflege der Doktorsfrau vertrauen. Eines Nachts vernimmt diese wieder den feinen Gesang und muss mit anhören, wie er durch ein Husten und Stöhnen unterbrochen wird: Adelaide ist an einem Blutsturz gestorben.
Der Doktor Mälar beendet hier seine Erzählung. Vorsichtiges Nachfragen nach dem Gerücht über seine Singstube" weist er wie auch schon vor seiner Erzählung heftig als dunklen Aberglauben zurück. Wenig später bringt der Arzt einen neuen Gast in sein Haus, den bleichen Grafen Eitel von Zarndeg, den er dem Erzähler mit einem bedeutsamen Blick vorstellt. Erst später erfährt der junge Dichter den Schluss der Geschichte. Zarndeg hatte in der Gaststube des Arzthauses einen visionären Traum: Er sah sich im Grabe liegen; aus unendlichen Fernen schwebte ein blasser Stern durch das Mondlicht auf ihn zu, kam näher, ohne eigentlich größer zu werden und war das herrliche, bleiche Angesicht eines Mädchens, das er zu kennen schien und von dessen kaltem Kuss der Schläfer beim Klang eines wundersamen Gesangs erwachte. Hinter einem von der Nachtluft bewegten Schleier findet er dasselbe Gesicht auf einem Bild an der Wand seines Zimmers. In der nächsten Nacht drückt ihn derselbe Traum, und eine Stimme sagt ihm, dass er nun immer so träumen müsse, bis er wirklich gestorben sei. Er vertraut sich den Mälars an, lehnt aber einen Wechsel des Schlafzimmers ab. So kommt der Traum ein drittes Mal, nur schrecklicher, über ihn, bis er einen Blutsturz erleidet. Wieder kann Mälar nur knapp das Leben seines Gastes retten, Zarndeg siecht dahin. Bei einem Spaziergang findet er auf dem Friedhof das Grab der Manfroni und kauft von dem alten Totengräber den Platz daneben. In der folgenden Nacht stirbt er an einem weiteren Blutsturz. Der Gesang im Steinhause verstummt von da an für immer.
Der Erzähler kommt wenig später mit dem Doktor noch einmal allein in der Wirtsstube ins Gespräch, und zu seiner großen Überraschung vertraut der ihm den Rest der geheimnisvollen Geschichte unter dem Siegel der Verschwiegenheit an. Der Name Edgar von Leitzen ist ein von Mälar aus Schutzgründen benutztes Anagramm, der jüngst verstorbene Gast der Mälars, Eitel von Zarndeg, war identisch mit jenem Mann, der damals Adelaide verließ. In dem doppeltem Boden der Tabaksdose ruhen ineinander verschlungen zwei Locken der Liebenden, die füreinander bestimmt zu sein schienen und einsam sterben mussten. Am nächsten Tag zeigt Mälar dem jungen Dichter das Sterbezimmer und übergibt ihm einige Briefe, die dieser da auch Mälar inzwischen verstorben ist im Anhang mitteilt. Aus diesen Dokumenten setzt sich mosaikartig ein tragischer Familienhintergrund zusammen, wonach Adelaide und Eitel Halbgeschwister waren: die Kinder einer schönen, ungetreuen Frau, die ihren Mann, den alten Grafen Zarndeg, mit einem Mafroni verließ und diesem die Tochter gebar.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanSt IV 1 Die Babenberger. Historische Skizze aus dem ersten Jahrzehend des zehnten Jahrhunderts
Würzburg 902. Bischof Rudolph von Würzburg sitzt mit seinen Brüdern Eberhard und Gebhard und der schönen Bertha von Baunach, seiner verwaisten Verwandten, an der er Vaterstelle vertritt, zu Tische. Ein schwarzer Ritter mit geschlossenem Visier bringt den Fehdehandschuh der Grafen von Babenberg, die nicht länger die Vasallen des Bischofs sein wollen. Dieser Bote ist der jüngste der Babenberger, Adelhard, der Bertha heimlich liebt und sie wiedersehen wollte.
Als Adelhard zu seinen Brüdern, den Grafen Heinrich und Albert heimkehrt, wird auf der Babenburg sofort zum Kampf gerüstet. Es kommt zu einer blutigen Schlacht, in deren Verlauf Rudolphs Brüder Eberhard und Gebhard den Babenberger Heinrich erschlagen, der von Adelhard durch den Tod Eberhards gerächt wird. Adelhard wird gefangengenommen und schmachtet bald in einem Verließ der Würzburg. Der alte Kammerdiener des Bischofs, Kurt, und auch Bertha erscheinen in der Finsternis seines Kerkers und versuchen vergebens, ihn dazu zu bewegen, sich dem Bischof zu Füßen zu werfen.
Da opfert sich Bertha, um das Leben des Liebenden zu retten: Sie ist dem Bischof zu Willen und schmeichelt ihm die Begnadigung Adelhards ab. Doch Kurt verrät ihre List, und der wütende Rudolph lässt den jungen Babenberger sofort hinrichten und seine schöne Fürsprecherin in dessen Kerker werfen, den sie lebend nicht mehr verlässt.
Albert, der ältere Bruder des Gerichteten, plant zwei lange Jahre seine Rache, beginnt dann, mit seinen Truppen mordend und brennend durch des Bischofs Gebiet zu ziehen. Kurt bringt seinem Herrn die böse Nachricht mit so unverhohlener Schadenfreude, dass Rudolph ihn umgehend mit Gift aus der Welt schafft. Der Krieg, den Gebhard für seinen geistlichen Bruder führt, tobt lange hin und her, mit furchtbaren Verlusten vor allem auf Seiten der Würzburger. Albert ist nicht zu besiegen, auch nicht, als der Ostfranke Konrad seinem Bruder mit einem bedeutenden Heer zu Hilfe kommt. Albert erschlägt den Bischof im Zweikampf, seine Mannen triumphieren, brennen und morden weiter.
Der schwache König Ludwig (das Kind) lädt ihn auf einen Reichstag, zu dem er nicht erscheint, worauf er in Reichsacht getan wird. Ludwig selbst zieht mit seinem Heer gegen den Unruhestifter, der sich oberhalb des Klosters Theres in einer uneinnehmbaren Burg verschanzt hat. Nach verlustreichen Stürmen können die königlichen Truppen zwar eines Morgens unbehelligt in die Burg einziehen, aber Albert und seine Soldaten haben den Ort in der Nacht durch einen unterirdischen Gang heimlich verlassen. Auf seiner Stammburg wird der Babenberger ruhiger, gelassen schaut er auf die Belagerer, die ihm gefolgt sind.
Da greift der Mainzer Erzbischof Hatto zu einer List. Er beredet den Kampfesmüden, vor Ludwig zu treten und um Verzeihung und Frieden zu bitten. Albert willigt schließlich ein, argwöhnisch zwar wegen verschiedener warnender Zeichen, aber immer wieder beruhigt durch neue Lügen. Auf eine letzte ernste Frage Alberts hin sieht sich Hatto gezwungen, seiner eigenen Seele Seligkeit ins Spiel zu bringen: Bringe ich selbst Euch nicht mit sicherm Geleit noch vor dem Essen wieder in Euer Haus zurück, ... so will ich keinen Theil an der ewigen Seligkeit haben." (S. 84) Am nächsten Morgen zieht Hatto mit Albert sehr früh aus dessen Burg, angeblich, um ihn zu einer Aussprache mit dem König in das Heerlager zu bringen. Das angebotene Frühstück verweigert er zunächst, täuscht jedoch nach wenigen Metern ein Unwohlsein vor und kehrt auf das Anerbieten des Hausherrn mit diesem in die Burg zurück, um eine Stärkung zu sich zu nehmen. Als Albert in das Lager kommt, wird er sofort gefangengenommen. Höhnisch erklärt der Verräter: Ich gelobte, Euch vor dem Essen wieder in Euere Burg zurückzubringen, habe ich das nicht gethan?" (S. 87) Der letzte Babenberger wird enthauptet, aber schon ein Jahr später ringt Bischof Rudolph unter furchtbaren Qualen mit dem Tode, und auch Gebhard fällt ein weiteres Jahr später in einer Schlacht. Der Schluss der Novelle versichert, dass es über das Schicksal Hattos keine historischen Nachrichten gäbe, zitiert aber eine Chronik, die berichtet, der Teufel habe ihn mit Leib und Seele in den Berg Ätna entführt.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: PhanSt IV 2 Der Mönch. Ein Nachtstück
Der Böhme Weimann und sein deutscher Freund, der Maler Selig, machen eine Reise durch das Heimatland des Erstgenannten. Gern zeigt der Kreisgerichts-Aktuar dem jungen Künstler die Schönheiten seines Böhmen: seine Sagen, Schlösser, Klöster, ehrwürdigen Ruinen und gesegneten Landschaften. Der will aber nicht nur solche unbelebten Motive auf seine Leinwand zaubern, sondern nimmt überall regen Anteil an den Menschen des Landes, ihren Gesichtern, Bewegungen und Kostümen. In dem Dorf Horschowitz nehmen sie am Kirchfest teil, mischen sich unter das feiernde Volk und lauschen einem blinden Liedersänger. Dann nehmen sie den Fußweg zum Kloster St. Benigna, wo sie am Abend eintreffen, nach ruhigen, aber auch strittigen Gesprächen über die Funktion der Künste und der Klöster in einer Gesellschaft. An der Pforte ist der Empfang für die Freunde eher kühl, nur ein Empfehlungsschreiben, das Weimann mit sich führt, öffnet ihnen den Weg ins Refektorium. Bei Tisch fällt dem Maler der jüngste der Mönche auf, der die Fremden still und mit kaltem, misstrauischem Blick mustert. Als sie im Gästezimmer allein sind, bricht aus dem völlig verdüsterten Weimann eine furchtbare Erzählung hervor. Auch er hat mit großer Angst die Blicke des finsteren Mönchs wahrgenommen und in dessen Gesicht die Züge seines verhassten Bruders zu erkennen geglaubt, der seine Eltern und ihn mit seiner Skupellosigkeit zur Verzweiflung und in den Ruin getrieben hat.
Am nächsten Morgen erwacht Weimann aus unangenehmen Träumen, und als der unheimliche Dezelin den Gästen die Sehenswürdigkeiten des Klosters zeigen will, schützt er ein Kopfweh vor und lässt den Freund allein gehen. Im Chor der Klosterkirche erzählt der Führer dem schaudernden Maler die Geschichte der siebzehn Schädel und des Dreschflegels, die dort aufbewahrt werden. Es ist die Geschichte eines Angriffs des Heerführers Ziska auf das Kloster, dem siebzehn später heiliggesprochene Brüder zum Opfer fielen; den letzten, ältesten rettete die Statue der Madonna vor dem tödlichen Schlag mit dem Dreschflegel. Seligs Versuche, den Mönch nach seiner Vorgeschichte auszufragen, scheitern. Liduschka, eine junge Braut aus dem Dorf Roth-Lhotka, sucht den Pater auf, um vor ihrer Hochzeit zu beichten, Selig kehrt allein zu seinem Reisebegleiter zurück. Während die Freunde ihre Wanderung fortsetzen, betrachtet Dezelin die betende Liduschka mit lüsternen Blicken. Als sie gebeichtet hat, versucht er ihr von der geplanten Heirat abzuraten und sie für sich und eine verbotene Verbindung zu gewinnen. Als ihm dies misslingt, schwört er furchtbare Rache. Liduschka kehrt aufgeregt zu ihrer Mutter und dem geliebten Nachbarssohn Wolny Slawik zurück, spricht aber aus Angst nicht über das Erlebte. Als das Brautpaar am Abend in die Klosterkirche tritt, müssen ihre Verwandten und Gäste, wie es Brauch ist, im Vorraum warten. Dezelin quält die jungen Leute mit einer schrecklichen Predigt, bis der Bräutigam fassungslos aus der Kirche stürzt. Der Priester rennt ihm nach, und entsetzt muss Wolnys Vater mitansehen, wie es unter einer alten Tanne am Felsabgrund zu einem Kampf kommt und jemand in die Tiefe stürzt.
Auf der anderen Seite des Tales malt indessen Selig an einem Bild des Klosters, das über den steilen Felswänden im Abendlicht daliegt. Weimann unterhält sich mit dem Frater, der die für die Klostergemeinschaft gespendeten Naturalien der Dörfler einsammelt. Da hören sie einen Schrei, sehen einen Körper von der Felskante bei der Tanne abstürzen, und etwas Weißes flattert hinterdrein. Es ist das Stück einer Stola, das zu den Dreien hinübergetragen wird und dem Aktuar ins Gesicht weht. Die Freunde finden Wolny tot zwischen den Sträuchern, und als sie ins Gasthaus zurückgekehrt sind, kommt ein Mönch und bittet Weimann, den Kriminalfall vorläufig zu übernehmen. Während die Frauen sich um die apathische Liduschka bemühen, versichert der alte Slawik dem Prior von St. Benigna, dass es der Pater war, der Wolny in die Tiefe stürzte. Weimann ordnet die Verhaftung von Dezelin an. In der folgenden Nacht hört Selig im Gasthaus seinen Freund im Schlaf stöhnen und Worte sagen, die andeuten, dass er in die Untaten seines Bruders verwickelt ist.
Die Freunde trennen sich, Selig reist in die Heimat zurück und wartet auf Nachrichten vom Aktuar, aber es kommt kein Brief, keine Antwort. Deshalb ist er froh, als ein hoher Gönner ihn nach Prag schickt, alte Bilder zu prüfen und für ihn einzukaufen. Als er eine Tagesreise vor der Hauptstadt einkehrt, erkennt er in dem Wirt den Besitzer jenes Gasthauses in Roth-Lhotka, in dem er vor mehr als einem Jahr mit Weimann gewohnt hat. Bei einem Glas Ungarwein erzählt dieser dem entsetzten Deutschen, dass sein Freund sich seinerzeit nach dem dritten Verhör des Priesters selbst erschossen hat. Dezelin hatte Weimann vor Zeugen des Betrugs, des Meineids und des Mordes beschuldigt, und es erwies sich, dass sie Brüder und in einem unglücklichen Elternhaus aufgewachsen waren. Dezelin, der Jüngere, hatte bis zum Tod der Mutter unter deren Schutz gestanden, danach behandelten der Vater und der ältere Bruder den Jungen so grausam und ungerecht, dass er auf die schiefe Bahn und ins Gefängnis kam. Rettung schien möglich, als sich eine zarte Liebe zu der Nachbarstochter Cäcilie anbahnte, doch auch dieses Glück raubte der ältere Bruder dem jüngeren, so dass dieser nach einiger Zeit im Irrenhaus mit den Wertsachen des Vaters in die Freiheit floh. Er verbarg sich lange wie ein Tier im Wald, bis die Mönche von St. Benigna ihn fanden, aufnahmen und seine Seele retteten. Als er vom Tod des Vaters hörte, verlangte er vom Bruder seine Hälfte des Erbteils, erhielt aber nur eine höhnische Absage. Selig schaudert bei dem Gedanken an den ehemaligen Freund, von dem Wirt erfährt er, dass über Dezelins weiteres Schicksal nichts bekanntgeworden sei. Später in einem Prager Krankenhausgarten sieht er ein Mädchen still und wie träumend spazierengehen, sie schaut ihn mit einem unvergeßlichen Blick an und geht vorüber: Es ist Liduschka.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanSt IV 3 Der Naturforscher. Ein Phantasiestück (Der vollständige Text der Novelle ist auf dieser Homepage verfügbar: siehe TEXTE Novellen-früh)
Der Ich-Erzähler und Dichter Eduard erhält nach Jahren des Schweigens die Einladung eines alten Studienfreundes, August Dielke, ihn und die Schwester im neuen Gutshaus zu besuchen. Unterwegs hört er von verschiedenen Leuten Andeutungen, die skurrile Angewohnheiten des Naturforschers betreffen. Als er die Schwester seines Freundes, Luise, kennenlernt, entsteht zwischen ihr und dem Besucher sofort ein tiefes Vertrauen. Auch Luise macht Andeutungen über eine Schwäche des Bruders. Die Abendmahlzeit wird in einem Zimmer eingenommen, dass als Tempel der Flora eingerichtet ist. August verabschiedet sich früh, und Luise spricht offen von seiner Krankheit, einer Verwundung von Leib und Seele. Dann wird Eduard auf sein Zimmer geleitet und sieht Luise, wie sie sich bei Vollmond im nächtlichen Garten bewegt; später wird sie ihm sagen, dass sie Blumen für ein Grab zusammengetragen hat. Am nächsten Morgen kommt der Gast an der kleinen Menagerie der Gastgeber und ihrem besonderen Garten vorbei zum Frühstück in die Laube. Als er einen Trauermantel fangen will, halten beide Dielkes ihn bittend zurück. Nach dem Frühstück zeigt August dem Freund seine Sammlungen: die Mineralien, Muscheln und Schnecken und schließlich die sechs Mahagonikästen mit Schmetterlingen. Die kostbaren Exemplare werden einzeln mit Namen genannt, bis die Freunde von der sorgenden Luise wieder zu Tisch gebeten werden, diesmal im Gartensalon. Mit Champagner trinken die Drei fröhlich auf ihre Freundschaft, und Eduard darf Luise küssen. August macht allerlei Späße und zündet sich eine Pfeife an. Zufällig entfaltet Eduard den Fidibus, findet einen Streifen vom Titelblatt eines wertvollen naturkundlichen Manuskripts und macht sich entsetzt auf die Suche in den Sammlungen der ersten Etage. Dort zeigt ihm die Haushälterin, dass alle Schmetterlinge, die er vorhin bewundert hat, aus Kupferstichbänden ausgeschnitten sind. Als August den Freund zurückholen will, findet er ihn weinend und erzählt, um seine besorgten Lieben zu trösten, die Geschichte seiner unglücklichen Liebe. Diese Erzählung ist das Hohelied der unsterblichen Seelen, und die Schmetterlinge sind das Symbol des untrennbaren Zusammenhangs zwischen Psyche und göttlicher Kraft. Am Ende dieses Bekenntnisses richtet August das Wort an seine Doris, die an dem Schmerz starb, den er ihr zufügte, und bricht ohnmächtig zusammen. Luise bemüht sich liebevoll um den Bruder und bittet Eduard, solange allein in den Garten zu gehen. Dort entdeckt dieser das Marmorgrabmal von Theodora, an dem ein frischer Blumenkranz hängt. Am Abend dieses Tages führt der Gärtner die kleine Gesellschaft in den Gartensalon zu dem von Lampen und Kerzen umstandenen Cactus grandiflorus, dessen drei Knospen sich zu öffnen beginnen. Schweigend verständigen sich die drei Menschen darüber, dass auch Blumen eine Seele haben und verkörperte Engel sind. Langsam öffnen sich die silber-goldenen Kelche, die Bedienten anwesend entfernen sich allmählich. Dann geht auch August, kurz bevor der Kaktus voll erblüht. Luise berichtet Eduard in dieser einsamen Nacht den zweiten Teil von ihres Bruders Leidensgeschichte. Theodora war die Tochter eines Predigers und erwiderte die Liebe des eben von der Universität zurückgekehrten August, so dass der Vater sie bereits getraut hatte. Ihr eigenes Verhältnis zu Theodora schildert Luise als eine kostbare Freundschaft zu der ihr in allem überlegenen jungen Frau. Doch war die Verstorbene sehr empfindsam, und bei einem Spaziergang bat sie den ausgelassenen August, einen Falter freizulassen, den er für seine Sammlung gefangen hatte. Er verweigerte ihr die Bitte und wollte das Tier mit der Nadel durchstechen, da griff sie zu, verletzte sich an der Nadel und beschädigte einen der schillernden Flügel. Nach Augusts Zornausbruch brach seine Braut mit einem Nervenfieber zusammen und starb neun Tage später. Erschüttert schildert Luise den starren Schmerz des Bruders und ihre eigenen Tränen. Dann kam die Besserung durch den Ortswechsel und die Heilkraft der Natur in der Umgebung des Gutshauses. Nur die Schmetterlingssammlung hat August zerstört, der seit dem schrecklichen Vorfall an die Verschwisterung der Schmetterlingsseele mit der seiner geliebten Doris glaubt. Luise bittet den weinenden Eduard, bei dem Bruder zu bleiben und ihn mit seiner Teilnahme zu heilen. Da gesteht er ihr seine Liebe, und während die Kaktusblüten sich öffnen, umarmen sich die Liebenden. Im mondbeschienenen Garten schwören sie sich ewige Treue, an Theodoras Grab beten sie um ihr Lebensglück und das des Bruders. Am nächsten Morgen bittet Eduard den Freund um Luises Hand, er gibt seine Stelle als Gymnasiallehrer auf und heiratet Luise. Augusts Verfassung heitert sich so auf, dass man auf seine vollständige Genesung hoffen kann. Der Textschluss ist eine Einladung an den Leser, die Zauberwelt des Gutshauses zu besuchen, aber : brich im Garten keine Blume, hüte Dich [...] den Farbenstaub von den Flügeln eines Schmetterlings zu streifen. " (S. 252)
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.1.2. Inhaltsangaben zu: Novellen und Phantasiegemälde. Hildburghausen (Kesselring) 1832
Inhaltsangabe zu: PhanGem I 1 Der dunkle Mime (Der vollständige Wortlaut der Novelle steht auf dieser Homepage unter Novellen. Das frühe Werk zur Verfügung)
1.
In einer ungenannt bleibenden kleinen Residenzstadt ist die Geschichte des Schauspielers Arno angesiedelt, der die Rolle des Faust spielt.
2.
Der junge Mann hat sich von der still liebenden, bescheidenen Franziska ab- und der leidenschaftlich-anspruchsvollen Heroine zugewandt. Die beiden Frauen stehen täglich mit ihm in Klingemanns Stück auf der Bühne, dessen Aufführung der Landesfürst Wollmar in Auftrag gegeben hat.
3.
Im Gasthaus zum roten Drachen lauscht indessen das Theatervölkchen der Sage vom dunklen Mimen, der wiederholt bei Faust-Aufführungen als ungebetener Mitspieler erschien und für den Teufel gehalten wird. Da betritt ein Fremder die Gaststube, stellt sich Venuto, dem Direktor der Truppe, als Spezialist für die Rollen von Bösewichten vor und bittet um ein Engagement. Arno begegnet der finsteren Gestalt noch einmal auf seinem Heimweg und muss sich derart beleidigende Bemerkungen über seine Geliebte Heroine anhören, dass er diesen Schwarz auf Pistolen fordert.
4.
Das Duell am andern Morgen geht für Arno wenig ehrenvoll, aber unblutig aus, und Heroine hat den argwöhnisch nachfragenden Verehrer noch einmal beruhigen können.
5.
Nachmittags ist alle Aufmerksamkeit auf die Faust-Aufführung in Anwesenheit des Fürsten Wollmar konzentriert. Während des Spiels kommt es hinter den Kulissen zu allerhand störenden Zwischenfällen, die enge Bezüge zu den Geschehnissen auf der Bühne haben. Als der Darsteller des Widersachers plötzlich leblos in seiner Garderobe aufgefunden wird, übernimmt der unheimliche Schwarz dessen Part. Arno leidet unter der Situation, neben dem furios spielenden Nebenbuhler bestehen zu müssen.
6.
Sofort nach der Vorstellung stürzt er zu Heroine, um sie noch einmal nach ihrem Verhältnis zu Schwarz zu befragen. Wieder sucht sie ihn zu beruhigen, doch diesmal gibt Arno keine Ruhe. In dem Augenblick, als er ihr das Schimpfwort zuruft, das er von Schwarz über sie gehört hat, tritt überraschend der Landesfürst ins Zimmer. Entsetzt muss Arno erkennen, dass auch dieser Mann die Gunst der schönen Frau genießt, und schon tritt wie ein Geist der unheimliche Schwarz herein, gibt sich als der dunkle Mime zu erkennen und entführt Heroine, von der er sagt, dass sie den Blutbund mit ihm gebrochen habe. Am nächsten Tag erhält Venuto die Aufforderung, die Residenz mit der Truppe sofort zu verlassen, dazu die stattliche Abfindung von tausend Talern. Überall kehrt Ruhe ein, auch Arno und Franziska finden wieder zueinander.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: PhanGem I 2 Der Maler Sebaldus
1.
Der junge Maler Sebaldus kehrt nach Studienjahren in Italien zu seinem Vater und seiner Verlobten Rosalinde zurück. Die Freude in dem norddeutschen Städtchen Niederheim über diese Heimkehr wird getrübt durch einen Fluch, den ein römischer Priester auf die rechte Hand des Künstlers gelegt hat, als er frevlerisch, weil heimlich, in dessen Kirche das Porträt der schönen Bianka gemalt hat.
2.
Der Heimgekehrte stürzt sich jedoch voller Hoffnungen in seine Arbeit, malt die Bildnisse seiner Eltern, Geschwister und der Geliebten und kann sich aufgrund ausreichender Aufträge auf eine Zukunft als anerkannter und materiell gesicherter Porträtist, glücklicher Ehemann und Vater freuen.
3.
Wenig später trägt die Familie den alten Vater Sebaldus zu Grabe, und bereits im darauffolgenden Jahr, bei einem Spaziergang an einem heiteren Wintertag, müssen Rosalinde und der Maler zusehen, wie dessen Geschwister auf dem zugefrorenen See ins Eis einbrechen. Sie können nur tot geborgen werden, und ihre Mutter folgt ihnen erfüllt von bitterem Gram in den Tod.
4.
Jetzt erkennt Sebaldus den Zusammenhang zwischen diesen tragischen Ereignissen und dem Fluch auf seiner malenden Rechten, und die Sorge um die kränkelnde Rosalinde verlässt ihn nicht mehr, bis sie in seinen Armen stirbt.
5.
Die Last der zahlreichen Verluste verdunkelt Sebaldus' Geist, so dass er auf die Fürsorge seiner Freunde angewiesen ist. Doch erwacht nach einer Zeit der Erstarrung das Interesse des Künstlers an seiner Arbeit erneut. Täglich zieht er sich zum Malen in sein verschlossenes Zimmer zurück und beantwortet alle Fragen, die das entstehende Bild betreffen, ausweichend. Eines Tages im folgenden Winter muss seine Tür aufgebrochen werden, und Sebaldus wird tot neben zwei herrlichen Gemälden gefunden: einem Altarbild für die Kirche in Niederheim und einem meisterhaften Brustbild des Malers selbst.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanGem I 3 Der Lehrling zum König Salomo
1.
Am Michaelistag des Jahres 1818 langt der junge Wanderer Ludolph vor den Toren einer (ungenannt bleibenden) thüringischen Kleinstadt an. Ein Mädchen begrüßt ihn vom Fenster ihres Hauses aus; wenig später wird er sich in die schöne Elise verlieben.
2.
Nach einem enttäuschend ausgegangenen Versuch, als Künstler zu arbeiten, verdingt er sich als Lehrling in der Apotheke Zum König Salomo. Zwar bleibt das Verhältnis zu dem cholerischen Prinzipal, Herrn Stark, und dessen unscheinbarer Frau eher gespannt, doch sind die Unterrichtsstunden bei dem Provisor, Herrn Semen, für den jungen Mann von einigem Interesse.
3.
Besonders liebt Ludolph die hellen Kräuterböden des geräumigen Hauses und die freien Sonnabende in der Natur. Auch zu der angebeteten Elise Wellen und dem Gymnasiasten Felix hat sich mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Nicht gewöhnen kann sich Ludolph jedoch an die Angst, die ihn bei der Arbeit in den Kellern mit den Fetten und Ölen gelegentlich befällt.
4.
Als eines Tages Elise zum erstenmal in die Apotheke kommt und eine Substanz für den Haushalt verlangt, bedient sie Ludolph so aufgeregt, dass er zwei Drogendosen verwechselt. Kurz darauf stürzt ihr Vater in den Laden, um sich über den unaufmerksamen Lehrling zu beschweren, und Ludolph sieht sich an jenen Vorgänger Werner erinnert, der sich aus gleichem Grund auf dem Dachboden der Apotheke erhängte.
5.
Am folgenden Sonntag schleicht Ludolph bedrückt dort hinauf und findet nach anfänglichem Schrecken in einem Kabinett neben andern Merkwürdigkeiten das alte Werk des Albertus Magnus über das Geheimnis der Weiber. Er schläft über der Lektüre ein und erwacht nach langen wirren Träumen so aufgewühlt, dass er in eine gefährliche Fieberohnmacht fällt. Als er nach neun Tagen erwacht, sitzt Felix an seinem Bett und teilt ihm mit, dass er beschlossen hat, Medizin zu studieren.
6.
Nach dieser Krise geht es Ludolph im Hause des Herrn Stark besser. Er darf die geliebten Experimente machen, und das Verhältnis zur Familie Wellen hat sich so geglättet, dass nach scheuen Anfängen aus der Freundschaft zu Elise eine innige Liebe wird. Wieder an Michaeli sind die Lehrjahre herum, und Ludolph beschließt, auch als Gehilfe in der Apotheke Zum König Salomo zu bleiben.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanGem II 1 Meister Wolfram und seine Thürme
1.
Der junge Architekt und Baumeister Heinrich Buhle kehrt an einem Maiabend des Jahres 1472 aus Prag kommend in das thüringische Arnstadt zu Mutter und Schwester zurück. Er will an der Erneuerung der fünfhundert Jahre alten Marienkirche mitwirken. Auf dem Marktplatz trifft er vor einer Galerie mit seltsamen Arabesken einen Freund aus der Prager Zeit wieder, den Maler Hans Traurig. Voller Freude ziehen die Beiden in das Wirtshaus Zum güldnen Mond auf ein Glas Wein.
2.
Der Leiter der Instandsetzungsarbeiten, Meister Wolfram, sitzt indessen mit seiner Tochter Gertrud vor seinem Haus und bespricht mit dem italienischen Architekten Ezelino die Baupläne. Gertrud wendet sich ihrem Pudel zu, um dem glühenden Blick des Italieners auszuweichen.
3.
Im Wirtshaus fordert Heinrich gerade vor den am Bau beteiligten Künstlern zum Zusammenwirken aller Kräfte zur Ehre Gottes, als Ezelino eintritt und ihn und andere Anwesende mit abfälligen Bemerkungen beleidigt.
4.
Hänslein Traurig nimmt den Freund mit in sein Haus, wo sie von seinem scheuen Diener Huldibert umsorgt werden. Vor dem Einschlafen erzählt der Maler, dass er sich in die Tochter seines Prager Meisters, die schöne Hulda, verliebt und es gewagt hat, heimlich ihr Bildnis zu malen. Zur Strafe hat der alte Pleydenwurf seine Hand verflucht für den Fall, dass er noch einmal einen Menschen porträtieren wollte.
5.
Am nächsten Morgen wirft Heinrich einen verstehenden Blick auf den geschäftigen Huldibert und geht zum Marktplatz, wo er den Baumeister Wolfram findet und ihm seine Dienste anbietet.
6.
Wolfram lädt den jungen Mann und Ezelino zu sich ein, und vor Gertruds erschrockenen Augen kommt es erneut zu einem Streit über künstlerische Prinzipien zwischen dem deutschen und dem italienischen Gehilfen. Da schlägt der Meister vor, dass jeder der beiden einen der beiden geplanten Türme ausführen soll, und verspricht demjenigen, dessen Bau dem Volk besser gefällt, seine Tochter zur Frau.
7.
Elisabeth vertraut ihre Freude über den Entschluss des Vaters ihrer Freundin, einer Klosterfrau, an. Heinrich macht inzwischen mit dem Maler Hans und dessen stillem Diener Huldibert einen Spaziergang. Auch Heinrich spricht mit dem Freund über seine Hoffnung, dass er den hohen Preis für seinen Turm gewinnen könnte. Hänslein hingegen klagt über seine verlorene Liebe Hulda, und Huldibert hört aufmerksam zu.
8.
Während die Bauarbeiten gute Fortschritte machen, wächst eine zarte Neigung zwischen Heinrich und der Tochter des Meisters, die dem Geliebten ihren Hund zum Zeichen der Verbundenheit schenkt.
9.
Ezelino sieht sich an den alten Wolfram verwiesen, den er mit düsteren Andeutungen für einen geheimen Bund zu gewinnen sucht.
10.
Indessen mehren sich die Zeichen, die auf ein kommendes Unglück hindeuten, und tatsächlich bricht, nachdem ein furchtbarer Brand die Nachbarstadt Erfurt in Schutt und Asche gelegt hat, in Arnstadt die Pest aus.
11.
Der Kirchenbau stockt, Heinrich eilt besorgt zwischen dem Haus des alten Wolfram und dem von Hänslein Traurig hin und her und kann die Leben der Geliebten, ihres Vaters und auch das des Freundes retten.
12.
Dann führt er den ehemaligen Diener Hulda dem Maler in Frauenkleidern zu und freut sich über das innige Wiedersehen der Liebenden. Die Arbeit an den Türmen geht bald wieder voran, und das Volk zeigt bereits eine erkennbare Vorliebe für Heinrichs Bau mit seinen sinnreichen Details.
13.
Da überrascht der düstere Ezelino die beiden jungen Paare in der Laube von Meister Wolfram beim Austausch von Zärtlichkeiten und nimmt den erschrockenen Alten beiseite.
14.
Wenig später wird Buhle von guten Freunden vor Verleumdungen des Italieners gewarnt, und versichert, dass er auf der Hut vor dessen Bosheit sein wird.
15.
Von den wahren Plänen des Nebenbuhlers ahnt er nichts. Schon wenig später führt Ezelino Wolfram und Heinrich in die neuen Türme hinauf, angeblich, um auf Baufehler des Konkurrenten aufmerksam zu machen. Als Wolfram aus einer Luke schaut, hört er Heinrichs Todesschrei und begreift, dass der grausame Ezel den Gegner zum Turm hinausgestoßen hat.
16.
Gertrud stirbt an ihrem Schmerz um den Geliebten, während Heinrich zu Grabe getragen wird. Ihr Pudel kriecht auf den frischen Grabhügel und folgt seinem Herrn in den Tod. Als Erinnerung an das Unglück und die Treue des Tieres setzt einer der Bildhauer den beiden ein steinernes Denkmal außen an Heinrichs Turm. Erst jetzt findet Wolfram die Kraft, Ezelino mit seinem Verdacht zu konfrontieren, und der rächt sich auf teuflische Weise: Er erzählt überall, der alte Baumeister selbst habe Heinrich vom Turm gestürzt, weil er dessen Liebe zu seiner Tochter missbilligte, und aus der vom Volk bereitwillig aufgegriffenen Lüge wird eine Sage.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanGem II 2 Mater dolorosa. Ein Nachtstück
Beate Friedmar erfährt durch einen Brief ihres Sohnes, dass dieser nach dem Tod seiner Frau Laura aus Italien nach München zurückzukehren gedenkt. Sie sucht in ihrer Antwort den Tiefgetroffenen über den Verlust hinwegzuströsten. In Erwartung seiner Rückkehr schätzt sich selber glücklich bei dem Gedanken, dass Engelbert, der ihr einziger Lebensinhalt ist, seine Werkstatt in ihrem Hause einrichten wird. Indessen wandert der junge Bildhauer über die Alpen nach Norden, sehnt sich nach Laura und sorgt sich, ob er nach ihrem Tod noch einmal die Kraft haben wird, vom reinen Handwerk zu wirklich künstlerischem Ausdruck vorzudringen. Beate geht ihrem Sohn durch die Tore der Residenz entgegen. Schaudernd gewahrt sie die mancherlei Hinweise auf Tod und Vergänglichkeit, die ihr auf diesem Wege begegnen. Im frühlingsgrünen Wald bei dem Dorfe Sendlingen fallen sich Mutter und Sohn in die Arme. Der erste Auftrag, den der junge Künstler erhält, ist ein Marmorgrabmal für ein frühverstorbenes Kind der Landesfürstin. Beunruhigt registriert Beate erneut die Nähe von Tod und Sterben, aber auch die Distanz, die ihr Sohn seit den Studienjahren in Rom zu den Symbolen der christlichen Kunst einhält. Das fertige Grabmal fällt zur Zufriedenheit der fürstlichen Auftraggeber aus, es folgen weitere Aufträge, doch da rafft eine rätselhafte Krankheit den jungen Bildhauer innerhalb von wenigen Tagen dahin. Beate, die jede Nacht an seinem Krankenlager gewacht hat, ist untröstlich. Verzweifelt bittet sie die Schmerzensmutter Maria um ein Wunder, und tatsächlich spricht der tote Sohn zu ihr und bittet sie, ihm mit ihren Klagen nicht die Grabesruhe zu rauben. Da erinnert sich die Frau an die Sage vom Tränenkrug und hört auf zu weinen. Auf dem Rückweg von Engelberts Beerdigung kommt Beate an eine Marien-Kapelle und kniet erschöpft zu einem Gebet nieder. Als die beschließt, in den reißenden Fluten der Isar den Tod zu suchen, fällt plötzlich ein Mondstrahl auf die Inschrift: Kommet und sehet, ob ein Schmerz ist, wie der meine!, und die Tür öffnet sich auf wundersame Weise. Am Altar erblickt Beate statt der Schmerzensmutter eine Madonna in der Glorie, die sich tröstend zu ihr herabneigt. Stumm und in ihr Schicksal ergeben kehrt die Frau in ihr Haus zurück. Sie stirbt bald darauf und wird neben ihrem Sohn bestattet.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanGem II 3 Maravi
Ein junger Apothekengehilfe beschreibt als Ich-Erzähler, wie er auf Post aus London wartet und von dort aus an einer Seereise nach Südafrika teilnimmt. Auf der Überfahrt nach Kapstadt versucht der niederländische Reiseleiter, Myn Herr Duyvel, den jungen Mann von seinem Heimweh und der Trauer über eine verlorene Liebe abzulenken, indem er ihn in der Sprache der Hottentotten unterrichtet. Bei der anschließenden Durchquerung des Kaplandes betrachtet der junge Reisende die Schönheit der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt. Auf dem Gelben Fluss geht es ins Landesinnere, und beim sehnsüchtigen Betrachten des tropischen Sternenhimmels beobachtet der Apotheker, dass Herr Duyvel niemals schlafend angetroffen wird, vielmehr in ständigem Gespräch mit unsichtbaren Kräften zu stehen scheint. Weil er zugleich der einzige ist, der sich mit den Einheimischen unterhalten kann, verfügt er über eine große Macht, zu der er sich jedoch nicht äußert. An der Quelle des Gelben Stroms wird der Urwald immer undurchdringlicher, und als Bücher und Landkarten versagen, denken die verängstigten Reisenden an Umkehr. Da verlangt Duyvel strikte Pflichterfüllung von jedem Einzelnen und verspricht, die Gesellschaft noch viel weiter bis in das rätselhafte Land Maravi zu führen, wo seine Großmutter Alleinherrscherin sei. Spricht es und schläft erstmals ein. Tatsächlich ist man mit wunderbarer Schnelligkeit bald in dem Zauberreich angelangt, und Duyvel führt die Gruppe in den Palast und vor den Thron einer überlebensgroßen Göttin mit vielen Brüsten unter einem wallenden Schleier. Als die Gäste vor ihr niederknien, beleben sich die Tiere und Pflanzen auf ihrem Umhang, und Herr Duyvel hat sich in einen milden Priester der Isis verwandelt. Er stellt sich als Horus, Sohn der Sonne, vor und die heilige Mohrenfrau, vor der sie knieen, als die Allmutter und Weltgebärerin. Der Priester fordert seine Begleiter auf, allem abzuschwören und die Natur als einzige Gottheit anzuerkennen. In einem verzweifelten Aufbäumen weigert sich der Erzähler, da ist ein Donnerschlag zu hören, das Götzenbild bricht zusammen, alle Gefährten sind tot, und der Erzähler wird vom alten Herrn Duyvel weit fortgeschleudert. Unter drei Monden und dem fahlen Licht eines Kometen findet er sich in einer ekligen fremden Uferlandschaft wieder, muss die Tritte des riesigen Mammuts fürchten und sieht die giftige Elephantenlaus unausweichlich auf sich zukommen da erwacht er in seiner vertrauten Apotheke zum weißen Schwan. Eine Bäuerin hat ihn geweckt, und er steigt auf die Leiter, um das von ihr Gewünschte herunterzuholen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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4.1.3. Inhaltsangaben zu Novellen und Phantasieblüthen. 2 Teile. Leipzig (Friedrich A. Leo) 1835
Inhaltsangabe zu: PhanBl I 1 Der Astralgeist
1.
Paris im 16. Jh. Die schöne Julion kniet betend in der Kathedrale Notre-Dame, lüstern betrachtet von dem Herzog Henry von Guise, der seinem Sekretär Bordalone und dem Diener Jeangris befiehlt, ihm die junge Magd für ein schnelles Abenteuer zuzuführen. Als der Schlossergeselle Rüdiger (Roger) die Geliebte nach Hause geleitet hat, lauern ihm die beiden herzoglichen Gesandten auf und fragen den Ahnungslosen nach seinen Gewohnheiten aus.
2.
In einem düsteren Haus an der Place du Temple laboriert der Alchemist La Pierre im Auftrag des Kardinals Louis von Guise, der der Bruder des Herzogs ist. Gerade haben die beiden beschlossen, einen letzten Versuch zu unternehmen, den Stein der Weisen für die Gewinnung von Gold finden. Das geheime Rezept verlangt eine beträchtliche Menge Menschenblut, und der Kardinal verspricht, es zu besorgen.
3.
Bald darauf werden Roger und Julion bei einem Spaziergang vor den Toren der Stadt Opfer eines Anschlags: Jeangris schickt Roger unter einem Vorwand weg, um sich in dessen Abwesenheit seiner Braut zu bemächtigen. Auf deren Hilferufe herbeigeeilt, schlägt Roger auf Jeangris ein und kommt dafür ins Gefängnis.
4.
Julion wird zum Herzog gebracht, dessen Werben sie nachgibt, um den Geliebten aus der Gefangenschaft zu befreien. Doch der Unglückliche ist inzwischen von dem rachsüchtigen Jeangris in seinem Kerker zur Ader und dann hilflos liegengelassen worden.
5.
Als Julion das Gefängnis betritt, um Rüdiger die teuer erkaufte Freilassung anzukündigen, erfährt sie von dem Sterbenden, was des Herzogs Leute ihm angetan haben. Vor den Augen der entsetzten Braut reißt er sich den Verband von der Wunde und verblutet. Julion flieht unter Flüchen in das Haus ihrer Mutter, wo ihr Rüdigers Geist erscheint und sie in die Seine führt, so dass sie ertrinkt.
6.
Als La Pierre von Jeangris erfährt, dass der Spender des Blutes inzwischen tot sei, ist er tief beunruhigt, da er Störungen des Experiments durch den Astralgeist des Verstorbenen befürchtet. Tatsächlich beobachtet er in der Nacht, wie eine bleiche Gestalt auf die Phiole mit dem Blut deutet und mehrfach furchtbare Schreie ausstößt. Dieselbe Erscheinung erblickt im Schloss der Herzog gleichzeitig mit seinem Diener. Von Guise gerät darüber so in Zorn, dass er Jeangris mit seinem Degen ersticht. In La Pierres Haus beschließen unterdessen der Kardinal und sein Laborant, das Experiment mit dem Blut abzubrechen. Als sie zu der Phiole treten, erblicken sie zu ihrem Schreck darin ein menschenähnliches Wesen mit verzerrten gelblichen Zügen. Louis von Guise beschwört den Alchimisten, diesen Homunculus zu vernichten, doch La Pierre beschließt, die Frucht seiner Forschungen heimlich zu behalten.
7.
Am nächsten Tag versammelt sich eine Menschenmenge auf der Place du Temple. Paris ist in Aufruhr, weil König Henri III. beim Reichstag von Blois die Brüder Guise hat ermorden lassen. Da hört man Detonationen aus dem Labor des Alchimisten, seine Dienerschaft stürzt ins Freie, und auch La Pierre rennt aus dem brennenden Haus, auf seinen Schultern ein blutiges Ungetüm. Da steinigt die empörte Menge den alten Mann, den sie für einen Teufelsbündner hält, und wirft seine Leiche in die Seine. Den furchtbaren Geist hat seither niemand wieder gesehen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanBl I 2 Der Albino
Bei Groß-Taberz im Thüringer Wald tritt ein geheimnisvoller Rutengänger an den in Liebeskummer dumpf dahinbrütenden Bauern Gottlieb heran und stellt ihn als Führer durch die Welt der geheimen Waldwege ein. Der junge Mann bringt auch Verpflegung für Andrea und einen zweiten Südländer, seinen Diener Rocco, die sich in einer Höhle eingerichtet haben und aus dem Fluss-Sand der Laucha Gold waschen. Auf dem Rückweg von einer Wanderung auf den Inselberg, wo Andrea und Gottlieb Drusen gesammelt haben, begegnen die beiden einer Gruppe von Dorfburschen unter Führung des unberechenbaren Vältenmichel. Im Verlauf des Streits, der sich sofort zwischen den alten Widersachern entspinnt, erfährt Gottlieb, dass seinem Nachbarn, einem reichen Fuhrmann, der Knecht fortgelaufen ist, und er lässt sich noch am selben Abend als dessen Nachfolger von dem alten Kohlhas einstellen. Diese Wendung der Dinge freut besonders das schöne Mariegretchen, die Tochter des Kaufmanns, die gegen den erklärten Willen des Vaters Gottliebs heimliche Liebe ist. Am nächsten Morgen, als Gottlieb wieder aufbricht, um Andrea wie gewohnt zu führen, folgen ihm Vältenmichel und seine Kameraden heimlich und greifen ihn im Höhleneingang an. Der entschlossene Widerstand der beiden Italiener zwingt sie jedoch zum Rückzug, und als sie am nächsten Tag in großer Zahl zurückkommen, finden sie den Platz verlassen. Der scheue Andrea hat Gottlieb ausbezahlt, ihm einen Ring und eine Edelsteindose überreicht und ist verschwunden. Den Amethyst hat der junge Wäldler seiner Mariegret geschenkt und fährt seither mit des alten Kohlhas Lastenwagen kreuz und quer durch die Lande. Vältenmichel nutzt diese Gelegenheit, sich um die Hand der jungen Frau zu bewerben, doch die bleibt dem Geliebten treu, der gerade mit neuer Fracht auf dem Weg nach Venedig ist. Dort trifft er vor einem herrlichen Ladenlokal mit Edelsteinen und Dosen aller Art den Diener Rocco, der ihn sogleich in die Wohnung seines Herrn führt. Andrea und seine Frau bedanken sich für die Dienste des jungen Deutschen, die sie reich gemacht haben, mit kostbaren Geschenken. Schnell reist der verliebte 'Teofilo' zurück nach Groß-Taberz und freit an einem sonnigen Tage zur Freude der Dörfler seine Mariegret, nur der listige Vältenmichel hat das Nachsehen. Später übernehmen die jungen Leute das Fuhrgeschäft und leben glücklich bis an ihr Ende. Der Novellenschluss betont, dass sich die Sage vom blassen Venezianer in der Gegend bis heute gehalten hat: Sie besagt, dass sich der Fremde in der Höhle an der Schönlaite verborgen halte, um das Gold aus der Laucha zu gewinnen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanBl I 3 Der Rabe (Der vollständige Wortlaut der Novelle steht auf dieser Homepage unter Novellen. Das frühe Werk zur Verfügung)
1.
Der Bischof von Merseburg, Thilo von Trotha, hat seine Amtsbrüder aus Naumburg und Meißen zu einer festlichen Jagd geladen, doch vor dem Ausritt vergießt der alte Kämmerer Johannes, von dem jungen Jäger Ullrich angerempelt, einen Becher Wein über die Hand seines Herrn. Der aufbrausende Trotha schlägt auf beide Missetäter ein, zwischen denen im selben Moment eine tiefe Feindschaft aufbricht.
2.
Die anschließende Jagd wird von einem schrecklichen Vorfall getrübt: Trotha erschießt im Zorn den Jäger Werner, weil der einen Edelhirsch erlegt hat, den der Bischof als seine persönliche Beute betrachtet hat. Da trennt sich der Bischof von Naumburg von dem Freund, der Meißner Bischof jedoch bleibt und tröstet den Amtsbruder mit klugem Rat. Dieser Gerhardt erweist sich als wahrer Freund und wechselt beim Abschied mit Thilo den Amtsring, um den Tiefbetroffenen dadurch täglich an die gelobte Besserung zu erinnern.
3.
Thilo bessert sich tatsächlich, aber in Ullrich brennt der Hass auf den treuen Johannes weiter. Als kurz nacheinander zwei Kostbarkeiten aus dem bischöflichen Privatbesitz verschwinden, schürt er den Verdacht seines Herrn gegen den Kammerdiener.
4.
Als der Bischof eines Tages auch Gerhardts Freundschaftsring vermisst, beruft er in furchtbarem Zorn die gesamte Dienerschaft ein. Da krächzt der Rabe die Worte: Hans Dieb, und bei einer eilig anberaumten Hausdurchsuchung fördert Ullrich einen lange vermissten Jagdbecher des Bischofs zutage.
5.
Der alte Diener wird gefangen abgeführt und gesteht unter der Folter eine Tat, die er nicht begangen hat. Er wird im Schlosshof dem Scharfrichter zugeführt. In dem Augenblick, wo sein Haupt unter dessen Schwertstreich fällt, ruft der Rabe zum Entsetzen des wahren Schuldigen: Ullrich Ullrich!
6.
Der Meißner Bischof erfährt von von der neuen Zornestat seines Freundes und macht sich beunruhigt auf den Weg nach Merseburg. Er macht Trotha ernste Vorhaltungen, und als er sich für ein nächtliches Gebet entfernt, bleibt dieser beunruhigt allein zurück.
7.
In sorgenvollen Gedanken betritt Der Meißner den Dom und wird Zeuge des dringenden Gebets, mit dem Elsbeth, Johannes' Enkelin, Gott um Aufklärung des Verbrechens bittet. Er tröstet die junge Frau und beauftragt den Jäger Ullrich, sie vor das Stadttor zum Haus ihrer Muhme zu geleiten. Auf dem Rückweg von diesem Gang holt die Angst vor der gerechten Strafe den Jäger endgültig ein.
8.
Auch den Bischof Thilo lässt der Gedanke an seine Verfehlungen nicht mehr los. Bei einem Spaziergang durch ein düsteres Wäldchen trifft er Elisabeth, die dort am ungeweihten Grab des Großvaters weinend betet. In der folgenden Nacht hat er einen beklemmenden Traum, der ihn veranlasst, ein neues Wappen zu entwerfen, das seinen Raben und die flehend ausgestreckten Arme des ermordeten Dieners zeigt.
9.
Als wenig später das Kirchweihfest begangen wird, zerstört ein Sturm die oberen Teile des alten Schlossturms, auf dem der Rabe sein Nest hatte. Bei den Reparaturarbeiten werden in dem Nest die drei Gegenstände gefunden, die dem Bischof abhanden kamen. Da verfällt der verzweifelte Trotha in eine schwere Krankheit.
10.
Bischof Gerhardt trifft erneut beim Gebet im Dom auf Elisabeth und segnet sie mit tiefempfundenen Worten. Ullrich hingegen treibt es in den Wäldern um, wo er in der Nähe des Platzes, an dem der Jäger Werner starb, den mahnenden Raben tötet. Plötzlich ist Bischof Thilo hinter ihm und hebt drohend den Arm, doch Elisabeth tritt hinzu und fordert Versöhnung. Thilo lässt sich ein letztes Mal besänftigen, er spürt, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Ullrich ist tot ins Gras gesunken, und Elisabeth geht kurz darauf als Nonne ins Kloster.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanBl I 4 Der Versöhner
1. In einer ungenannten Residenzstadt nimmt der junge Rechtsreferendar Ortolph Abschied von der Geliebten Madeline, da er beruflich in die Kleinstadt S. wechseln muss. In trüber Vorahnung bittet das Mädchen den Scheidenden nur um Treue. Er gelobt sie ihr und sich selbst.
2. Die Räthin Gilchheim, eine junge Witwe, ist die ungekrönte Königin der feinen Gesellschaft von S. Durch seinen Vorgesetzten, den Amtmann Stören, wird Ortolph in deren Salon eingeführt und gewinnt sogleich die Sympathie der schönen Gastgeberin, doch noch vermag Ortolph sich nicht einzugestehen, dass die stille Madeline vor seinem inneren Auge den Vergleich mit der blendend-fraulichen Erscheinung der Räthin nicht bestehen kann.
3. Zu der eifrig Briefe an den sehnsüchtig vermissten Bräutigam schreibenden Madeline kommt eine der Klatschbasen der Residenz und liest der Erbleichenden aus einem Brief des Amtmanns Stören vor, der das Verhältnis zwischen Ortolph und der Gilchheim als eine überall bekannte Liäson schildert, die die Verliebten sogar zusammen auf die Privatbühne der Räthin geführt habe. Nach einer Ohnmacht schreibt die Verschmähte in furchtbarer Erregung zwei kurze Briefe, gibt Ortolph in beißend-ironischen Worten den Abschied und zeiht die Nebenbuhlerin der Unmoral.
4. Die beiden Schreiben kommen gleichzeitig in S. an, während Ortolph und die Räthin das Stück Houwalds Heimkehr probieren. Die Räthin Gilchheim überfliegt die Zeilen in der Kulisse, durchschaut das doppelte Spiel des Geliebten und zieht sich sofort zurück. Für Ortolph überstürzen sich nach seinem Probenauftritt die Ereignisse: Die Lektüre von Madelines Brief lässt ihn schuldbewusst zurück, fast gleichzeitig gibt ihm die empörte Räthin ebenfalls schriftlich den Abschied. Ortolph reist sofort in die Residenz zurück, die Räthin bindet sich, um den Schein zu wahren, an den ungeliebten Stören. Ortolph kann ungesehen Madelines Wohnung betreten und findet die Unglückliche blass und krank im Bett. Er kniet vor der Schlafenden nieder und bittet sie im Augenblick ihres Erwachens innig um Verzeihung, die sie ihm, nach einem heftigen inneren Kampf, zusichert.
5. Als Gattin begleitet Madeline Ortolph nach S. und übersteht mit Anstand den Antrittsbesuch bei seinem Vorgesetzten Stören. Die Frauen begegnen einander mit tiefstem Hass und wechseln nur die notwendigen Begrüßungsfloskeln. Dennoch kehrt bei Ortolph und Madeline das Glück ein. Zwei Kinder werden ihnen kurz hintereinander geboren, und große Teile der kleinstädtischen Gesellschaft halten zu ihnen.
6. Anders im Hause des Amtmanns. Die ungleichen Gatten haben sich wenig zu sagen. Die aus ihrer Welt gerissene Salonlöwin altert vorzeitig und schaut mit bitterem Neid auf Madelines neuerblühende, immer noch mädchenhafte Schönheit. Auch Stören ist in dieser Ehe nicht glücklich geworden, er stirbt vorzeitig, und Ortolph wird nach einer schönen Karriere sein Nachfolger. Neidisch wünscht die inzwischen ebenfalls kränkelnde Amtmanns-Witwe dem jungen Paar alles Unglück der Welt. Als Ortolph nach einem Reitunfall fast zu Tode geschleift in sein Haus getragen wird, fällt Madeline vor Entsetzen in Ohnmacht, und bald weinen ihre Kinder auch an ihrem Krankenlager. Die Witwe Stören hört erschüttert von dem Unglück; sie fühlt, dass sie dem Tod ebenfalls nahe ist und erkennt die Sinnlosigkeit ihres Hasses. Sie erbittet Verzeihung und drückt Madeline ihr Testament in die dargebotene Hand, mit dem sie deren Kinder zu ihren Erben einsetzt. Versöhnt sterben die drei schicksalhaft miteinander verstrickten Menschen innerhalb weniger Tage, ihre Gräber auf dem Friedhof von S. liegen nebeneinander.
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Inhaltsangabe zu: PhanBl II 1 Fanny
Ingolstadt 1784/5. Ein gaffende Menge beschaut den Ort, wo gerade ein Maurer blutig vom Kirchturm gestürzt ist, als die durchreisende Familie des Münchner Freiherrn von Heppenstein das Gebäude besichtigen will. Es kommt zu einem kleinen Familienstreit zwischen der etwas herrschsüchtigen Frau Fanny, ihrer älteren Tochter aus erster Ehe: Fanny von Ickstätt und der biederen Jüngeren, Therese. Die allem Poetischen aufgeschlossene Ältere will unbedingt den Turm besteigen, doch die Eltern setzen sich durch: Man kehrt unverrichteter Dinge in den Gasthof zurück. Als alle zur Ruhe gegangen sind, steht die junge Fanny am offenen Fenster, den mondbeschienenen Kirchturm um Erfüllung ihrer Wünsche zu bitten, und er schlägt ihr ein dröhnendes Ja zurück. Der anschließende Traum lässt sie den Turm besteigen und eine wunderschöne Aussicht genießen, warnt sie jedoch vor einem jähen Fall. Am Morgen geht die unternehmungslustige Fanny mit Therese allein spazieren. Schließlich besteht sie darauf, sofort den Kirchturm zu besteigen, die Schwester folgt ihr warnend und zagend. Der Glöckner öffnet die Glockenstube, und Fanny entdeckt außen unter einem der Schall-Löcher das Brett, von dem gestern der Maurer stürzte. Schon steht die Übermütige draußen wie auf einer ruhenden Schaukel. Frau von Heppenstein sieht ihre Tochter vom Fenster des Gasthofs aus und fällt in Ohnmacht. Doch Fanny tritt unbeschadet wieder in die Turmstube zurück und steht einem fremden jungen Mann, Franz von Vilsegg, gegenüber, der den Schwestern bewundernd gefolgt ist. Fanny fertigt ihn kurz ab und steigt mit Therese die Treppen wieder herunter. Als sie ins Gasthaus zurückkehren, eilt Fanny an das Lager der Mutter, die verwirrt aus ihrer Ohnmacht erwacht ist und nur langsam erfasst, dass Fanny nichts geschehen ist. Die Rückfahrt der Familie wird an der Kirche unterbrochen, wo die drei Frauen der goldenen Madonna ein heißes Dankgebet weihen. Unter der Tür reicht ein glücklicher Franz ihnen den Weihwasserkessel, er weiß jetzt, wer Fanny ist und dass sie ihm eine ebenbürtige Partnerin wäre.
Die Familie Heppenstein bewegt sich besichtigend in und um Dachau. Fanny ist wie immer begeistert von jeder Kapelle, jeder Ruine, und Therese folgt ihr freundlich auf allen Streifzügen. Zwischen den Gatten wird wieder ein bisschen gestritten: Frau v. Heppenstein gedenkt, die jüngere Tochter in ein Kloster zu geben. Wirklich führt sie am nächsten Tag bei den Salesianerinnen in Ingersdorf die nötigen Gespräche mit der befreundeten Äbtissin Ulrika und deren Bruder, dem Pater Cornelius. Ein Jahr später jedoch muss sie ihr schreiben, dass sich die Verhältnisse durch die Werbung eines Herrn v. Vilsegg um Fanny geändert haben. In großer Gewissensnot bittet die Freifrau die geistliche Freundin um Entlassung aus dem Gelübde, Therese ins Kloster zu geben. Ulrika gibt den Brief auftragsgemäß an den Pater weiter, den bei der Lektüre heftige Gefühle übermannen: Er taucht ihn in das Weihwasserbecken an der Tür seiner Zelle und liest einen geheimen Brief zwischen den Zeilen. Es wird deutlich, dass er der Geliebte der Freifrau war und diese immer noch liebt. Fanny ist seine Tochter, und er beschließt, sich diesen Franz v. Vilsegg anzusehen.
Spätherbst 1785. In einer großen Münchner Abendgesellschaft beim Kanzler erfreuen sich die ältere und die junge Fanny an geistvollen Gesprächen, und der sie umgebende Klatsch kann keine von beiden beirren. In dem Zirkel um die Freifrau geht es um Mitleid, und Fanny v. Heppenstein weist dieses als verlogen empfundene Gefühl für die eigene Person entschieden zurück. Ein schwärmerisches Gedicht zu Ehren Petrarcas, dass Teil eines Gesprächs über Literatur ist, gewinnt der jungen Dichterin Fanny v. Ickstädt endgültig die Seele des Schriftstellers Anton Baumgartner, während sich dessen Freund, der Bewerber v. Vilsegg, im selben Moment von der Verlobten zurückzieht. Da tritt Pater Cornelius ein und übergibt nach der Begrüßung durch den Kanzler Frau v. Heppenheim einen Brief der Äbtissin. Auf allgemeinen Wunsch hin führt er mehrere seiner physikalisch-magnetischen Experimente an einem Modell der Frauenkirche vor. Baumgartner entwickelt den Plan, deren Türme einmal gemeinsam zu besteigen, und Fanny bettelt mit v. Vilseggs Hilfe ihrer besorgten Mutter die Erlaubnis ab, mitzugehen. Wieder zu Hause liest Frau von Heppenstein eine in Ulrikas Brief eingeschobene Passage von Pater Cornelius' Hand: Er befreit sie von dem Versprechen, die Tochter ins Kloster zu geben.
Im folgenden Winter wird Frau v. Heppenstein und ihrem Gatten der ersehnte männliche Erbe geboren. Zugleich werden wie in vielen Münchner Familien die Vorbereitungen für den Karneval getroffen. Fanny arbeitet an ihrem Kostüm in einem Nähzirkel bei der Modehändlerin Dumont, aber eines Tages schickt sie die Nanny mit dem halbfertigen Kleid voraus und tritt in die Frauenkirche, deren Schätze sie unter Führung des Mesners besichtigt. Dieser bringt sie auch auf den Turm und kehrt dann ins Kirchenschiff zurück, wo er der suchend zurückgekehrten Nanny begegnet. Während die Dienerin verzweifelt die Turmstufen hinaufstürmt, beugt sich Fanny oben aus einem der kleinen Fenster und genießt im Beisein des Türmers die herrliche Aussicht, ohne sich recht bewusst zu machen, dass sie der ähnelt, die sie damals im Traum gesehen hat. Plötzlich wird ihr schwindlig, und sie stürzt vor den entsetzten Augen des Wächters in die Tiefe. Besonders ihre Mutter ist fast bis zum Wahnsinn betroffen, vor allem, weil sich der Stadtklatsch sofort des Unglücks bemächtigt und Fanny zur Selbstmörderin stempelt. Therese jedoch vermag die Verzweifelnde durch ihre selbstlose Pflege zu retten, und diese hilft sich auch selbst durch das Schreiben von zahlreichen Briefen. In ihrer Not bittet sie den Pater, Ulrika und auch ihr ganz fremde Menschen um Mitleid und Hilfe. Cornelius jedoch muss seinen Kummer in seinem Herzen und seiner Zelle verschließen. Als er bald darauf stirbt, sendet Ulrika der Freundin neben allerlei Andenken einen gedruckten Aufsatz, in dem der heimliche Vater versucht, die Wahrheit über das Geschehen auf dem Frauenturm zu rekonstruieren, doch die Öffentlichkeit bleibt bei ihrer grausamen Version.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanBl II 2 Der Herr Gevatter
Im Harzwald nahe dem Blocksberg arbeitet der Köhler Klaus an seinem Meiler, während seine Frau mit Hilfe der Großmutter ihr neuntes Kind zur Welt bringt. Klaus freut sich, denn die Geburt ist glatt verlaufen, aber er bittet seinen Gott um mäßigeren Kindersegen, weil er nicht mehr weiß, woher die Paten nehmen. Er versucht es noch einmal im nahen Dorf Elend und bei den geizigen Verwandten, aber als er lauter Absagen und Ausreden gehört hat, geht er traurig in den Wald und steigt die Flanken des Brocken hinan. Da begegnet ihm der Herrgott und will ihm drei Wünsche erfüllen. Aber Klaus traut sich nicht, ihn zum Gevatter für das neugeborene Söhnchen zu bitten. Als die Sonne untergegangen ist, trifft er am Hexenbrunnen den Teufel. Der will gern sein Gevatter sein, aber Klaus verjagt ihn mit dem Hinweis auf die heilige Taufe. Als er in tiefer Nacht auf dem eisigen, kahlen Gipfel des Berges angekommen ist, bittet er in einem Augenblick großer Verlassenheit um seinen und seiner Familie Tod: das wäre der beste Gevattersmann! Da steht der dürre dunkle Mann schon bei ihm und steigt mit zu der armen Köhlershütte hinab. Es ist Klaus ein wenig unheimlich bei dieser Taufe, aber sonst ist alles wie immer, und der fremde Pate gibt dem Kind den Namen Heine. Klaus muss seinen Gevatter auf dessen Rückweg zum Blocksberg zu begleiten, und unterwegs an den Feuersteinklippen macht er mit ihm einen Vertrag. Daraufhin wird Klaus weder in seiner Hütte, noch überhaupt im Harzgebirge je wieder gesehen.
In einer alten Residenzstadt taucht ein Wunderdoktor mit Namen Dr. Klausnerus auf, der bald in dem Rufe steht, ungewöhnliche Heilungen bewirken zu können. Es ist Klaus, der ehemalige Köhler, der sich selbst zum Doktor promoviert hat und mit Hilfe seines Todespaktes sicher entscheidet, ob einem Kranken geholfen werden kann oder nicht: Sieht er den Gevatter zu Füssen eines Hilfesuchenden stehen, darf er ihn retten, steht der Tod zu Häupten eines Bettes, kann Klausnerus nichts mehr tun. Sein Ruhm steigt wie sein Reichtum beständig, da bricht in der Stadt eine furchtbare Seuche aus. Der Tod hält grausige Ernte, und die Bürger drohen dem hilflosen Doktor den Respekt zu versagen. Da ruft Klausnerus seinen Gevatter unter lauten Beschimpfungen, und die beiden machen einen neuen Vertrag: Wenn Klausnerus in der Residenz ein Leben, an dem ihm besonders liegt, erhalten will, so muss er dem Tod dafür eines der lieben Leben in der Harzhütte geben. In der Folge sieht sich der Doktor immer wieder an das Lager von Kranken gerufen, auf die der Tod bereits seine Hand gelegt hat. Gegen viel Geld die Summen steigen von Mal zu Mal verspricht der Verblendete trotzdem Hilfe, winkt den Tod beiseite und verliert zuerst sein ältestes Kind, schließlich das vorletzte, die Großmutter und seine Frau. Um das Jüngste kämpft der Tod als Pate mit dem entmenschten Vater am Sterbebett des alten Königs, vergebens: Klausner greift, um die gebotenen hunderttausend Goldgulden zu gewinnen, zu einer List und lässt das Bett von Dienern mehrfach umdrehen. Doch tritt der Tod unbeirrt jedesmal zum Kopfende zurück und verlässt schließlich grimmig den Raum: Der König ist gestorben. Da wendet sich das Blatt für den Wunderdoktor, ein empörter Pöbel stürmt sein Haus, er kann nur das nackte Leben retten und muss alle seine Reichtümer zurücklassen.
In Goslar sitzt ein einsamer Reisender im Wirtshaus, um sich schließlich schleppenden Schrittes auf den Weg zu seiner alten Köhlerhütte zu machen. Dabei kommt Klaus an dem grünen Plan vorbei, wo ihm Gottvater erschien, und er trifft auch den Teufel wieder, der ihn furchtbar beschimpft und ihm einen Stein an den Kopf wirft. Da wird er ganz wirr und meint, alles nur geträumt zu haben und zu seiner Frau zurückkehren zu können. Der Tod begleitet ihn unbemerkt das letzte Stück Wegs und weist ihm ein kleines menschliches Wesen, das unter dem verfallenen Dach der Hütte auf allen Vieren kriecht: Es ist sein jüngster Sohn, der ohne Pflege aufwachsen musste und zum Tier verkommen ist. Doch auch diesen entreißt ihm der Gevatter und nimmt ihn mit sich fort. Da wirft sich Klaus heulend auf die Erde. Er irrt noch eine Weile unstet durch die Wälder und stirbt dann einen elenden Tod.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: PhanBl II 3 Der Gehülfe zum König Salomo
Der Apothekengehilfe Ludolph verschönt seine arbeitsreichen Tage in der Apotheke Zum König Salomo mit den Tröstungen der Poesie. Eines Nachts werden er und der neue Lehrling Samuel mehrfach herausgeklingelt. Mit der Hebamme führt Ludolph ein tiefgehendes Gespräch über die Sorgen und Freuden ihres Berufs. Nach einem heiteren Morgentraum, in dem der junge Mann seine eigene Apotheke aufmacht und den Leuten das wahre Lebenselixir verkauft, bricht er zu einem frühen Botanisiergang auf. Beglückt gedenkt er unterwegs seiner großen Liebe Elise, weniger aussichtsreich erscheint ihm seine Apothekerlaufbahn. In den König Salomo zurückgekehrt ordnet der Gehilfe mit dem Lehrling die mitgebrachten Pflanzenschätze, dann läuft das Ladengeschäft an. Nachdem der geschwätzige Mosje Jean bedient ist, der nicht genug auf seinen Herrn schimpfen kann, wird es Zeit für den Frühstückskaffee bei der Prinzipalin. Diese ist eine unangenehme, tratschsüchtige Frau, der es niemand recht machen kann. An diesem Morgen allerdings erzählt sie eine ernste Geschichte aus der Anfangszeit ihrer Ehe mit dem Apotheker Stark. Dann ruft wieder die Ladenschelle. Ludolph freut sich über den Besuch der Zofe Jette, die jedoch wie Jean viel Unerquickliches über ihre Herrschaft ausplaudert, während die Apotheker die gewünschten Haushaltsartikel zusammenstellen. Es folgt der hagere Friseur und Leichenbitter Pfahl, der sein Gratis-Likörchen trinkt und dem Ludolph einen Brief an Elise mitgibt. Danach ist der Wärter des Irrenhauses zu bedienen, der sechs Rezepte auf einmal bringt und in der Wartezeit bereitwillig von seinen Patienten erzählt. Wenig später treffen die Doctores Baldrian und Kaktus in der Apotheke aufeinander; jeder schimpft auf den anderen und Dr. Kaktus auf die ganze Welt. Weil Markttag ist, wird es bald voll in der Apotheke. Der Prinzipal hilft beim Verkauf, bis ein alter Hausierer hereinkommt und eine Bemerkung macht, aus der Stark schließt, dass es in der Stadt brenne. Sofort stürzt er auf die Straße, denn er ist Mitglied des Feuerkomitees, und verbreitet dabei die irrtümliche Nachricht. Zornerfüllt und vorwurfsvoll kehrt er nach einiger Zeit ins Haus zurück. Seine Frau ist voller Schadenfreude, und an der Mittagstafel entlädt sich die Spannung in dem üblichen vehementen Ehestreit. Der Nachmittag wird ruhiger, der Markt ist vorbei. Eine Magd holt ein Abführmittel für das Kind ihrer Herrschaft. Während Ludolph es zubereitet, denkt er sehnsüchtig an seinen ruhigen Morgenspaziergang. Ein schönes Mädchen weint um ihre Mutter, während Ludolph das eilige Medikament für die Schwerkranke zubereitet. Dann erscheint der alte Bauer Valtin. Dessen Frau ist schon so lange leidend, dass er meint: wörd nüscht halfe und nur widerstrebend den verlangten Preis für die Arznei bezahlt. Schon steht eine Köchin breit am Rezeptiertisch, sie plaudert die Ehegeheimnisse ihres Herrn, eines Ministers, aus. Sie mag auch nicht eine Minute auf die Arznei warten, obwohl ihre Herrschaft meistens ganz vergißt, sie zu bezahlen. Eine andere Magd stürzt herein, ihre Hausfrau ist gerade gestorben, das bestellte Medikament braucht nicht mehr hergerichtet zu werden. Ludolph steht erschüttert in tiefen Gedanken. Ein Herr Müller, Diener des Landesfürsten, wartet auf seine Medizin bei einem großen Glase Kümmel, nicht ohne den Hang seines Herrn für allzu reichlichen Alkoholgenuss zu kritisieren. Als er weg ist, beginnt vor den Fenstern ein unruhiges Laufen, Dr. Baldrian berichtet, ein Bauer sei ertrunken. Felix, angehender Arzt und Ludolphs Freund, tritt ein und berichtet, der Tote sei der alte Valtin. Erschrocken hört Ludolph, dass der Mann betrunken in den Fluss gestürzt ist, das Medikament für seine Frau noch in der Tasche. Eine Bäuerin mit schwerem Einkaufskorb will die Arznei für ihren Mann zurückgeben, weil der schon tot war, als sie damit nach Hause kam. Sie kann nicht begreifen, dass die Apotheke fertige Medizin nicht wieder zurücknimmt, und geht fluchend von dannen. Am Abend kommt die Magd zurück, für die der Gehilfe am Vormittag das Abführmittel hergestellt hat, und soll nachfragen, was in dieser Arznei enthalten gewesen sei, dem Kind gehe es sehr schlecht. Ludolph fürchtet, sich vergriffen zu haben, nimmt für alle Fälle eine große Dosis Arsen aus dem Giftschrank, doch Felix ist ihm gefolgt und entreißt ihm das Pulver, noch bevor die erlösende Nachricht kommt, dass mit der Medizin alles in Ordnung und das Kind nicht mehr in Gefahr ist. Nach Feierabend der Prinzipal und seine Frau sind außer Haus sitzt Ludolph in Gedanken in der Offizin, schaut durch die Bogenfenster in den Abendhimmel und träumt einen phantastischen Traum, in dem die Flaschen und Dosen in den Regalen lebendig werden und die Kunden sich in einem langen Zug durch die Apotheke bewegen. Zum Schluss kommt der schwarze Herr Pfahl, und als Ludolph aufwacht, steht der leibhaftig vor ihm, mit einem Brief von Elise in der Hand. So kann er diesen Tag friedlich bei einem Spaziergang mit der Geliebten beschließen und Luftschlösser bauen. Allerdings, so weiß der Erzähler, wird sich keine seiner Hoffnungen erfüllen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
4.1.3.2. Inhaltsangabe zu: Die Geschichte vom zweiten Gesicht. In: Die Reisetage von 1836
Die einzige in eine Reisebeschreibung eingestellte Novelle ist Die Geschichte vom zweiten Gesicht in Die Reisetage von 1836 (S. 45-62). Sie hat die formale Besonderheit, dreifach 'verzwiebelt' zu sein: Bei der nächtlichen Kutschfahrt von Frankfurt an den Rhein bittet der Ich-Erzähler seinen Begleiter um „etwas lustiges oder düsteres, mährchen- oder novellenartig, neu und mundgerecht, daß sich etwa eine Novelle daraus machen läßt.“ (45) Auch der erste fiktive Binnenerzähler berichtet daraufhin aus seinem eigenen Leben (Ich-Erzählung; der Vorname Bernhard taucht erst spät im Text auf: 59). Er nimmt während seines Studiums in Kiel bei dem Schotten Mac Andreas Sprachunterrricht. Schnell entwickelt sich eine herzliche Freundschaft sowohl zu dem jungen Lehrer als auch zu seinem Heimatland, dessen Schönheiten er mit Begeisterung zu schildern weiß. Bald kommt die Sprache auf den Glauben des Volkes an grüne Elfen und Hausgeister. Irritiert fragt Bernhard, ob denn der Freund diesen Aberglauben teile. Der Schotte plädiert für fließende Grenzen zwischen Wahn und Glauben und berichtet von dem Respekt vor dem Hausgeist mit Namen Brownie, zu dem er erzogen wurde, und von zahlreichen Sagen von grünen Elfen, die man ihm als Kind erzählte. Dann beginnt er (erneut in der Ich-Form) eine Begebenheit zu erzählen, die ihn den Glauben an die Existenz der Jenseitigen lehrte. Sie stammt aus der Kinderzeit dieses zweiten Binnenerzählers. Am Abend seines siebenten Geburtstages schläft er im mondbeschienenen Garten seiner Eltern ein. Als er erwacht, gesellt sich ein braunhäutiger Junge zu ihm, setzt ihm eine Fingerhut-Blüte auf den Kopf und lädt ihn zu einem nächtlichen Ritt ein. Hanfstengel verwandelt er in Pferdchen und nimmt den überwältigten Jungen auf einen Flug unter dem Sommerhimmel mit, lässt ihn auch für einen Moment die Wolken von winzigen Elementargeistern sehen, die die Beiden begleiten: „Das war das gute Volk der Hügel.“ ( 51) Überall tanzen Elfen in dunklen Kreisen nach nie gehörten Harmonien, und auf dem Elfenhügel thront die Elfenkönigin. Zwar beendet der Brownie die Zauberreise abrupt und wenig freundlich, doch als ein alter Diener den Jungen im Garten gefunden und ins Haus seiner Eltern zurückgebracht hat, besitzt dieser die „Gabe des zweiten Gesichts“ (53). Er kann dem Diener Tom ansehen, dass dieser nicht mehr lange zu leben hat, und als die Mutter ihn fragt, warum er jetzt so oft weint, vertraut das Kind ihr diesen Kummer an. Noch in seinem 14. Lebensjahr kann Andreas manchen Menschen ihren bevorstehenden Tod ansehen, „just sieben Jahre nach jenem Kindestraum, der doch am Ende mehr als Traum war, mindestens unerklärbarer Einfluß einer Macht, die unsern Augen sich verborgen hält“ (54). Nach dieser Erzählung setzt der erste Ich-Erzähler seine Studien mit dem schottischen Freund so lange fort, bis dieser die Rückreise in seine Heimat vorzubereiten beginnt. Da verlässt er die Kieler Universität, begleitet Andreas bei der Überfahrt über die Nordsee und kommt mit ihm, nach kurzem Aufenthalt in Edinburg, in die „romantische Gegend“ (55) bei Kinnardine (Perthshire), die dessen Heimat ist. In dem ehrwürdigen Familien-Schloss begrüßen die Eltern und Geschwister den Gast aus Deutschland. Dieser freundet sich mit dem kranken jüngeren Bruder von Andreas an und verliebt sich in dessen schöne Schwester Dorthula. Am 21. Geburtstag von Andreas feiert die begüterte und gebildete Familie auch die Verlobung des jungen Paares. Am Abend dieses frohen Tages spazieren die Verlobten mit dem Bruder Andreas durch den mondhellen Schlosspark und finden an der Stelle, wo vor vierzehn Jahren Andreas „den wunderlichen Elfentraum träumte“ (58), einen kleinen Kranz aus Glühwürmern, in dessen Mitte etwas Lebendiges zu sitzen scheint, das bei näherem Zusehen jedoch verschwunden ist. In den folgenden Tagen beobachtet Bernhard, wie Andreas in düsteres Grübeln versinkt, und er dringt in ihn, bis der Freund sich ihm anvertraut: Er hat vorausgesehen, dass seine ganze Familie in kurzer Zeit ausgelöscht sein wird, und der an „Tag, Licht, Vernunftglaube“ (60) orientierte Deutsche weiß ihn nicht zu trösten. Nach einem bedrückten Abschied von Dorthula reist Bernhard ab und empfängt bald darauf kurz nacheinander die Nachricht vom Tod des kranken Bruders, Dorthulas, ihres Vaters und schließlich auch die vom Ableben des Freundes. Dann bleiben die Briefe aus, aber Bernhard ist sich sicher, dass auch Andreas' Mutter inzwischen nicht mehr lebt, nur eben vergessen hat anzuordnen, dass ihr Tod dem Deutschen gemeldet wird. Lange noch trauert Bernhard um die geliebten Menschen: „Ist doch manches Leben nichts anders, als ein dauernder Kampf mit dem Schmerz“ (62).
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2004)
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4.1.4. Inhaltsangaben zu Aus Heimath und Fremde. 2 Bände. Leipzig (August Taubert) 1839
Inhaltsangabe zu: AHuFr I 1 Die seligen Fräulein. Eine Sage aus Tirol (Der vollständige Wortlaut der Novelle steht auf dieser Homepage unter Novellen. Das frühe Werk zur Verfügung)
Frau Kienz aus Lengenfeld im Oetztal geht mit ihrem kleinen Sohn den Berg hinauf, um ihrem Mann, der seit dem Frühjahr als Senner in einer Almhütte lebt, den kleinen Franz zu zeigen. Auf halbem Wege kommt die Frau an eine kleine Kapelle, stillt das Kind und betet den Rosenkranz vor der Madonna. Zu spät bemerkt sie, wie einer von drei riesigen Lämmergeiern, die über der schaurigen Bergwand der Morin kreisen, sich ihrem Kind nähert und es entführt. Verzweifelt setzt sie den Weg bergan zu ihrem Mann Josel fort, in der Hoffnung auf Rettung des Kindes durch ein göttliches Wunder. Josel schaut inzwischen mehr mit Jäger- als mit Senneraugen auf die kleine Weide oberhalb der Morin, die noch nie ein Mensch betreten hat, weil das Volk glaubt, es wohnten drei Bergfeen dort. Dabei macht er einen Geier aus, der sich mit einer großen Beute in der Nähe seiner Hütte niederlässt. Es ist das Kind, das der Senn aus den Klauen des Raubvogels befreit und seiner Frau, als sie auf der Alm eintrifft, wohlbehalten in die Arme legt.
Zwanzig Jahre später ist der Franzl zu einem feschen jungen Jäger herangewachsen, der im Gedanken an seine ungewöhnliche Rettung den Plan fasst, die geheimnisvolle Matte über der Morin aufzusuchen. Allein bricht er in aller Frühe auf und gelangt unter großen Gefahren an eine Stelle oberhalb der kleinen heiligen Wiese. Erschöpft und bedroht von der hereinbrechenden Dunkelheit lässt er sich über nackten Felsen und Geröll hinabgleiten und liegt ohnmächtig am Fuß der Bergwand.
Als er erwacht, befindet er sich in einem Palast aus durchsichtigem Eis und bunten Edelsteinen, und um sein Lager stehen drei wunderschöne junge Fräulein, die sich als Alma, Mira und Clara vorstellen und Franz als ihren Gast drei Tage lang verwöhnen. Als er scheiden muss, nehmen sie ihm drei Versprechen ab: Er darf niemandem von seinem Aufenthalt bei den seligen Fräulein erzählen, er darf kein Tier mehr jagen und schießen und er darf niemand den Weg zur heimlichen Wohnung der drei Schwestern zeigen. Dafür darf er bei jedem Vollmond für drei weitere Tage zu ihnen auf Besuch kommen.
Franz wirkt nach seiner Rückkehr ins Elternhaus noch stiller und fremder, als er schon vorher war, und meidet auch die Gesellschaft seiner jagenden Freunde. Der Liebe zu den drei überirdischen Schönen bleibt er treu, wird darüber aber auch blass und kränklich, so dass seine Eltern bald in ihn dringen, sein Geheimnis mit ihnen zu teilen. Eines Tages geht die Mutter ihm nach bis an den Felseingang des Feenpalastes und ruft ihn, als er ihn gerade betreten hat. Damit ist die erste der drei Bedingungen verletzt, und im Zorn verrät Franz, dass er im Berg gelebt und die Liebe der seligen Fräulein genossen hat. Schließlich geht er auch wieder mit den Freunden auf die Gemsenjagd, verfolgt ein schönes Tier bis in große Höhe und schießt. Doch er trifft nicht, sondern sieht die drei Fräulein vor sich schweben, die ihn die Felswand hinabstürzen lassen. Für seine Eltern und Freunde ist Franz damit verloren, niemand hat ihn wiedergesehen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: AHuFr I 2 Der Förster von Belrieht. Erzählung aus dem Werrathale (Der vollständige Wortlaut der Novelle steht auf dieser Homepage unter Novellen. Das frühe Werk zur Verfügung)
1.
Die alte Frau Holleborn, die „Hexe" von Belrieth, schwört dem jungen Förster Fritz Burkhart Rache dafür, dass er sich der Tochter des reichen Bauern Großthaler zu- und von ihrer eigenen Tochter Jette abgewendet hat. Jette selbst ist traurig, aber gefasst, sie hat beschlossen, ins Spital im nachbarlichen Grimmenthal in Dienst zu gehen.
2.
Die neue Schwiegermutter warnt Fritz vor den Hexenkünsten der alten Holleborn, aber der glückliche Bräutigam schlägt die Warnungen in den Wind. Am Hochzeitstag sitzt auch Jettes Mutter in der Kirche und lässt während des Eheversprechens ein altes Eisenschloss aus dem Erbe ihrer Mutter heimlich zuschnappen, wirft es dann im Schutz der Dunkelheit, während die Gäste des jungen Paares feiern, in den Dorfbrunnen.
3.
Schon sechs Wochen nach der Hochzeit ergreift Eva und Fritz eine unerklärliche Abneigung gegeneinander, sie haben ständig heftigen Streit, und eines Tages geht Fritz heimlich davon.
4.
Bei Jettes erstem Besuch im Heimatdorf erfährt sie von ihrer Mutter, dass die verlassene Frau des Försters am nächsten Morgen in die Stadt fahren wolle, um sich von ihrem ungetreuen Ehemann scheiden zu lassen. Mit Andeutungen über die heimliche Anwendung ihrer Zauberkünste erzürnt sie die fromme Tochter jedoch, sie will davon nichts wissen.
5.
Als die alte Frau Holleborn eine Woche später sterbenskrank darniederliegt, gibt Jette ihre Hospital-Stelle auf und pflegt die Mutter aufopfernd. Sie ruft gegen deren Willen den Pfarrer und hört in der Beichte ihrer Mutter, was diese auf ihr Gewissen geladen hat. Sofort geht sie das Schloss suchen und findet es auch in der Tiefe des Dorfbrunnens. Die Alte ist gottfroh, dass das rostige Schloss wieder da ist, aber nun lässt es sich nicht öffnen. Erst Jettes Tränen, die darauf fallen, lösen den Schlüssel. Am selben Abend kommen Eva sehnsüchtige Gedanken, und auch Fritz, der eine neue Stelle im fernen Berchtesgaden hat, fühlt die alte Liebe zu seiner Frau wieder in sich wachsen.
6.
Als Wanderer mit Tirolerhut kehrt Fritz in den Thüringer Wald zurück und spricht im Dunkel eine Unbekannte an, die er bittet, seine Frau aus dem Haus ihrer Eltern zu rufen. Es ist Jette, und sie tut den Gang mit der guten Nachricht für Eva gern. Als die beiden jungen Leute in aller Stille erneut geheiratet haben, spürt sie, dass auch ihre Liebe niemals rostet.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: AHuFr I 3 Der Geist auf Christburg. Erzählung nach einer ostpreußischen Chroniksage
1. Auf der Christburg unweit der Marienburg sitzt die schöne Waise Mechtildis von Cursin und blickt sehnsüchtig nach der Burg Finkenstein hinüber, aus der ihr Geliebter Curt zu ihr kommt. Sie lebt bei ihren beiden Onkeln, von denen der jüngere, Otto von Sangewitz, eine eher leichtlebige Natur ist, der ältere, Andreas, Komtur des Deutschritterordens, schwerblütig und resigniert erscheint.
2. Als die Polen ins Land fallen, sucht er auf der Versammlung der Ordensritter den Hochmeister zum Frieden zu mahnen, doch vergebens. Mechtild sieht den Geliebten und die Ohme ins Feld ziehen und bleibt weinend zurück, betreut nur von ihrer Zofe und dem alten Diener Rüdiger, der mit dem Komtur ein düsteres Geheimnis teilt. So weiß der Alte, warum es gelegentlich im Schlosse spukt, und auch Mechtild erlebt bald die Gegenwart der Geister, die sie aber zu schützen scheinen.
3. Inzwischen wogt die große Schlacht am Ufer der Nogat unterhalb der Marienburg und wendet sich, nachdem zunächst ein Sieg des Deutschordens zu hoffen war, endgültig zugunsten der Eindringlinge.
4. Mechtild erfährt noch am selben Tage von der Niederlage und dass ihre Onkel und der Graf von Finkenstein den Tod gefunden haben. Rüdiger trägt jetzt noch schwerer an der alten Schuld und vertraut sie einem gespenstischen Mönch im Beichtstuhl der Burgkirche an, übergibt ihm auch die gesiegelten Papiere, die der Komtur ihm anvertraut hatte. Dann rennt er wie wahnsinnig aus der Burg. Mechtild leidet unter der Besatzung der Christburg, wird jedoch von unsichtbaren Geistern vor den Nachstellungen des neuen Komturs Melchior von Frauenburg wirksam geschützt. Der junge Mann, der die Schöne in ihrer Trauer und Zurückgezogenheit mehrfach schwer beleidigt, gerät auf geheimnisvolle Weise jedesmal in unangenehme, schließlich lebensbedrohliche Situationen, so dass auch er die Burg verlässt.
5. Mechtild, die sich wieder freier im Burggelände bewegen kann, erinnert sich an einem lauschigen Platz schmerzlich an den Besuch des Ohms Andreas, der ihrer Mutter vor Jahren die Nachricht vom Tode des Mannes und Vaters Wenzeslas brachte. Bevor die Mutter aus Kummer darüber starb, versprach der alte Komtur seiner Schwester, an der jungen Tochter Vaterstelle zu vertreten. So kam sie damals auf die Christburg, in deren Hof in diesem Augenblick der wunderbar errettete Curt von Finkenstein einreitet. Die Geister der Burg führen das glückliche Paar zusammen und zeigen Curt die versiegelten Papiere im Beichtstuhl, aus denen Mechtilds Anspruch an das Erbe des Komturs Andreas hervorgeht. Er findet auch ein schriftliches Geständnis, in dem sich Andreas von Sangewitz dazu bekennt, Mechtilds Vater Wenzeslas von Cursin zusammen mit seinem Diener im Streit ermordet zu haben.
6. Rüdiger kehrt zwei Jahre nach diesen Ereignissen als Pilger auf die Christburg zurück, begegnet kurz der schönen Mechtild, die ihren ersten Sohn auf dem Arm trägt, wird aber von dem gespenstischen Priester verflucht und vom Hochmeister des Ordens zum Tode verurteilt.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: AHuFr I 4 Das Hausgesinde. Nachtstück aus Westphalen
1.
Hof des Schlosses Wittgenstein an der Lahn feiert laut und ausgelassen das Gesinde des jungen Grafen Johann von Sayn, der ins Hennbergische gereist ist, um die Tochter des Fürstgrafen Wilhelm, Margaretha zu heiraten. Bier und Wein fließen, es wird getanzt und geschäkert, kommt wohl auch zu kleinen Schlägereien. Der lauteste Schreier ist Henne (Heinrich) Kümmel, der unsaubere Freund der Melkerin Barbara, die alle die Käsemutter nennen. Er streitet sich mit Niklas, weil er der Vertraute der schönen Küchenmagd Merga ist, die er auch gern zur Freundin gehabt hätte. Dabei setzt es Schläge für Henne, aber Barb weiß ihn zu beruhigen und den vom Trunk benebelten Mann immer neu an sich zu binden.
2.
Als die junge Hausfrau mit Graf Johann auf Wittgenstein eingezogen ist, beginnt dort ein anderes Regiment. Die von der Gräfin erlassene Hausordnung nimmt dem Personal viele der gewohnten Freiheiten, und der heimliche Unwille steigert sich bis zum unverhohlenen Hass gegen sie. Besonders Barb und Henne sind so aufgebracht, dass sie an Mord zu denken beginnen.
3.
Inzwischen ist die Gräfin von ihrem ersten Sohn entbunden worden, fühlt sich aber so schwach, dass die üblichen Feiern für das Gesinde ausfallen und stattdessen gesteigerte Rücksicht von allen verlangt wird. Als es am Tauftage dennoch zu einem fast krankhaften Tanzexzess kommt, werden als Anführer wieder Henne und Barbara auffällig und für kurze Zeit in den Turm geworfen. Doch dann kehrt wieder Ruhe ein, die neue Herrschaft ist akzeptiert.
4.
Eines Tages schickt der Graf den alten Henne mit ein paar Gaben zu Merga, die das Schloss vor kurzem verlassen musste und im Nachbardorf wohnt. Zu seiner Überraschung findet der Bote dort ebenfalls ein kleines Kind in der Wiege, und die frühere Magd macht seltsame Andeutungen, den Vater des Kindes betreffend. Auf dem Heimweg kommt Henne die empörte Käsemutter entgegen und berichtet ihm von der neuesten Willkürtat der Gräfin. Da beleben sich in den beiden hilflosen Menschen die aufgeschobenen Mordpläne neu. Henne übergibt Barb das von ihm gekaufte Gift, und die Melkerin mischt etwas davon in die Morgenmilch des Grafenkindes.
5.
Als der Säugling unter Qualen gestorben ist, werden die beiden Verantwortlichen ausgeforscht, in den Kerker geworfen und von zwei Vasallen des Fürstgrafen verhört. Henne beschuldigt in seiner Panik außer der Käsmutter auch die ehemalige Magd Merga der Mittäterschaft.
6.
Ruhig wird Henne erst wieder, als ihm ein nur in Umrissen erkennbarer Fremder mit einer ihm bekannt erscheinenden Stimme in sein Verließ hinein Freiheit für den Fall verspricht, dass er Merga aus der Sache heraushält.
7.
Tatsächlich befreit ihn nach wiederholter Folter ein vermummter Unbekannter, obwohl die fürstgräflichen Richter ihn zum Galgen verurteilt haben. Doch als er das Schlossgelände hinter sich gelassen hat, fühlt er sich verfolgt. Im Wald umringen ihn plötzlich weitere Vermummte, die zum Gesinde der Grafenfamilie gehören. Diese knüpfen den aus zweifelhaften Gründen Befreiten zur Strafe für seine Übeltat neben der Käsmutter an einem Baum auf.
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Inhaltsangabe zu: AHuFr I 5 Der Zaubergarten. (Nach einer Novelle des Boccaccio.)
Es handelt sich um ein erzählendes Gedicht in sechs Abteilungen. Das Ehepaar Constantia und Carlo kommt nach Florenz und trifft den jungen Edelmann Antonio, der ihnen in seinem Schloss und dessen zauberhaft schönem Garten alle Beweise seiner idealen Freundschaft und Gastfreundlichkeit bietet. Doch er verliebt sich auch in die reife Schönheit Constanzas und zögert daher zunächst, die Gegeneinladungen des Paares anzunehmen. Doch dann kann er seiner Leidenschaft nicht mehr widerstehen und schickt eine ältere Frau, die sich in Constanzas Nähe und Vertrauen schleicht, ihr seine Geschenke bringt und eines Tages unverhohlen von seiner Liebe spricht. Constanza ist verzweifelt, fühlt sich aber ohne Schuld und lässt zornig ausrichten, wenn im Dezember ein sommerlicher Garten blühe, würde sie ihm zu Willen sein.
Der Verblendete hält dies für eine verborgene Zusage und sucht einen Zauberer auf, der ihm ein wunderschönes Frauenbild zeigt, sich aber weigert, ihm den Wintergarten zu verschaffen. Antonio bietet all sein Geld, und schließlich seine Seele als Gegengabe an. Daraufhin wendet der Magier alle seine Kräfte auf und schafft ihm den Garten, aus dessen Fülle Antonio alsbald einen Strauß an Constantia sendet. Diese beichtet ihre Notlage dem geliebten Carlo, und er tadelt ihre unbesonnene Zusage, fordert sie aber auf, zu gehen und ihr Versprechen einzulösen. Als Constanza mit Antonio ruhig durch die Wunder des neuen Gartens spaziert und dessen Schönheit mit reiner Freude genießt, wandelt sich die wilde Leidenschaft des Mannes in eine respektvolle Bewunderung. Der Magier sieht in seinem Zauberspiegel, wie Constanza dem Geläuterten in einer Grotte schwesterlich die Hand reicht. Bei einem rauschenden Fest erhellt er daraufhin die Rätsel der Vorgeschichte. Die Schöne, die er seinem Neffen Antonio im Spiegel zeigte, war nicht Constantia, wie der blind Verliebte wegen der großen Ähnlichkeit meinte, sondern die junge Tochter des Zauberers selbst, Hyazinthe, die Antonio schon früh durch das Schicksal zugedacht war, für den Fall, dass er in gefährlichen Liebesbanden entsagen lerne. Da er die Prüfung bestanden hat, darf Hyazinthe den Geliebten in die Arme schließen. Auch die Freundschaft mit den beiden C's erneuert sich, und der weise Alte freut sich am Glück der Jungen.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: AHuFr II 1 Der Pseudo-Barbarossa. Thüringische Geschichts-Sage (Der vollständige Text der Novelle ist auf dieser Homepage verfügbar: siehe TEXTE Novellen-früh)
I:
Im Jahre 1525. In seiner Schmiede vor dem Dorf Tilleda am Fuß des Kyffhäuser-Gebirges beendet der Meister Ottmar seine Arbeit an einem kostbaren Schwert, das er für den Ritter Till gefertigt hat. Er geht selbst zu dessen burgähnlichem Haus, um es zu überbringen, denn er liebt Tills Tochter Engelbertha und hofft sie zu sehen. Inzwischen bringt einer der Gesellen die Nachricht in die Schmiede, Kaiser Friedrich der Rotbart sei auf dem Berg gesehen worden, und schon ziehen Rotten von aufrührerischen Bauern vorbei, die die Herrschaft der Feudalherren beenden wollen. Ottmar findet den Ritter von Tilleda in resignierter Stimmung vor, unzufrieden wirft der Herr das neue Schwert zum Fenster hinaus. Engelbertha tröstet den Schmied und gesteht ihm ihre Gegenliebe. Nur ihre alte Amme Elfriede ist Zeugin der ersten Umarmung des jungen Paares. Draußen geht der wahnsinnige Fried als ein grauer Pilger vorbei und hebt die verschmähte Waffe auf. Dann steigt er zum Turm der alten Kyffhäuser-Burg hinauf und beklagt sein Schicksal und das seiner verlassenen Mutter. Er begegnet Ottmar, der ihn für die angekündigte Erscheinung des Kaisers Barbarossa hält und von ihm das Schwert in Empfang nimmt, mit dem er für seine unstandesgemäße Liebe zu Engelbertha kämpfen will. Am nächsten Morgen dringt ein Haufen bewaffneter Bauern in das wehrhafte Haus des Ritters Till ein, verletzt den Hausherrn und will ihn zusammen mit den beiden Frauen gefangennehmen. Ottmar erscheint in letzter Sekunde und führt die Drei auf den Kyffhäuser in ein halbverfallenes Turmgemach. Dort sind sie in Sicherheit, aber ihr Haus geht in Flammen auf. Als Till bemerkt, dass seine Tochter und sein Retter sich lieben, gerät er wegen der Standesunterschiede in furchtbaren Zorn. Da betritt ein vornehm gekleideter Fremder den Raum, den Ottmar wiedererkennt und erneut für den Kaiser Barbarossa hält. Der erinnert Till an seine eigene nicht standesgemäße Geliebte, die er verließ, als sie schwanger war. Die ihren Sohn allein in den Kellern der Kyffhäuser-Burg zur Welt bringen musste und vor vierzig Jahren mit einem Fluch auf den Lippen an derselben Stelle starb. Verstört vernimmt Till, dass ein Hirtenpaar ihm vergebens das Kind ins Haus brachte und es dann als sein eigenes aufzog. Wie es auf den Namen des Kaisers Friedrich getauft und von seinem leiblichen Vater immer wieder brutal aus dem Hause gewiesen wurde. Schließlich gibt sich der edle Fremde als sein Sohn Fried zu erkennen, und Till von Tilleda stirbt im Angesicht der Wahrheit eines plötzlichen Todes. Am nächsten Tage werden die Bauernaufstände niedergeworfen, und Ottmar heiratet seine Engelbertha.
II:
Zwanzig Jahre später. Zwei Hirtenjungen treffen den alten Fried in närrischer Verkleidung und setzen das Gerücht in die Welt, der Kaiser Barbarossa sei wieder auf dem Kyffhäuser erschienen. Am Himmelfahrtstag finden sich daher nicht nur fromme Wallfahrer in der kleinen Kreuzkapelle oben ein, sondern auch viel Volk, das dem Kaiser huldigen will. Der Pfarrer entdeckt den schlafenden Fried im Beichtstuhl und distanziert sich von dem Tumult, der alsbald um den verwirrten alten Mann entsteht. Ottmar bewohnt inzwischen mit Engelbertha Tills steinernes Haus und hat mit Elfriedes Hilfe in dessen Kellern den Goldschatz des Grafen und einen heimlichen Gang entdeckt, der die Kemnate mit der Burg auf dem Kyffhäuser verbindet. Durch diesen Gang führt er den Wahnsinnigen aus dem Trubel in die Stille seines Heims und sucht ihn mit der Hilfe seiner Frau zu beruhigen. Doch Fried entflieht und wird auf dem Berg erneut von entfesselten Volksmassen als Barbarossa bejubelt, bis die Obrigkeit davon erfährt und er gefangengesetzt wird. Er stirbt im Kerker, während Ottmar und Engelbertha in ihrem Familienglück liebevoll seiner gedenken.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: AHuFr II 2 Der Sohn der Hexe. Nachtstück aus Thüringen
Schweina, nahe Altenstein im Thüringer Wald, im Jahre 1663. Die alte Suse geht mit ihre einzigen Sohn Friedel in den Wald, um Heidekraut als Streu zu sammeln. Auf der Dorfstraße überfährt sie fast der Sohn des Schulzen, Wendel, der seiner Geliebten Klara imponieren will. Friedel ist außer sich, denn er liebt ebenfalls im Stillen die schönste der Dorfschönen. Im Gehölz treffen Mutter und Sohn andere Sammler aus den Nachbardörfern, und als eine Frau von einer Schlange gebissen wird, behandelt die Alte die Verletzte so geschickt, dass sie bald ihre Arbeit fortsetzen kann. Dieser Vorfall belebt alte Gerüchte, dass Suse eine Hexe sei. Auf dem Heimweg bedrängt Friedel seine Mutter, ihm doch etwas von ihren besonderen Künsten beizubringen, aber sie will nichts davon hören. Als ihnen erneut der Wagen des Schulzensohns begegnet, löst sich in dem Augenblick ein Rad, der Wagen samt Holzladung kippt um, und Wendel beschuldigt Suse, das Gefährt behext zu haben. Nur Klara ist freundlich und verspricht Friedel für die bevorstehende Kirmes einen Tanz. Als er aber die junge Frau an dem fraglichen Abend zur Tanzfläche führen will, gerät er mit Wendel aneinander, und eine wüste Schlägerei entsteht. Weinend bittet der Enttäuschte erneut die alte Suse um Zauberhilfe, wieder vergebens.
Wendel erhebt Klage gegen Friedel und beschuldigt ihn und seine Mutter vor Gericht, mit dem Teufel im Bund zu stehen. Auf dem Rückweg von der Verhandlung sieht Friedel den Vater des Anklägers im Feststaat aus Klaras Haus kommen; er hat dort für seinen Sohn um die junge Frau geworben. Wild entschlossen, sein Schicksal nun selbst in die Hand zu nehmen, sucht Friedel im Schutz der Nacht die Hilfe der Teufelsbarb. Diese junge Hexe bindet ihn mit ihren weiblichen Reizen und verrät ihm den Zauber, mit dessen Hilfe er den verhassten Nebenbuhler sterben" kann: Er muss 109 Tage lang den 109. Psalm beten. Tatsächlich kränkelt Klaras Bräutigam bald auf geheimnisvolle Weise und zum Entsetzen seiner Familie, die selbst an Zauber denkt und dafür sorgt, dass Suse und ihr Sohn ins Gefängnis kommen und peinlich verhört werden. Während die alte Frau angesichts der Drohungen bald bereit ist, ein Geständnis abzulegen, betet Friedel selbst unter der Folter unbeirrt seinen Psalm und nutzt schließlich das Dunkel der Nacht für heimliche Flucht. Für Barb kommt der Tag des Triumphes, als die alte Schulzin in letzter Verzweiflung nach ihr rufen lässt und, gegen reiche Bezahlung, ihre Hilfe bei der Rettung des Sohnes erbittet. Bald darauf sieht man eine verhüllte Gestalt im Schneegestöber zu einer Höhle in den Felsen oberhalb Schweinas hinaufsteigen: Barbara holt den völlig verwahrlosten Friedel aus seinem Versteck in ihre Hütte zurück. Doch will es ihr mit keinem Mittel gelingen, ihn von seinem täglichen Psalmgebet abzulenken. Würde er es nur ein einziges Mal vergessen, wäre Wendel gerettet und die versprochene Belohnung der jungen Hexe sicher. Doch Friedel weiß von ihr selbst, dass er in diesem Fall augenblicklich selbst verloren wäre.
Die alte Suse sitzt immer noch im Kerker, da der Schulze angesichts der ungeklärten Situation nicht wagt, das längst verhängte Todesurteil an ihr zu vollstrecken. Als Barbara zu ihr geht, um sie zu ihrer Muhme in Sicherheit zu bringen, verlässt Friedel heimlich die Hütte. Schicksalhaft treffen die Drei im nächtlichen Wald zusammen. Friedel hört, wie seine Mutter zugibt, ihn schon als Kind dem Teufel geweiht zu haben; in furchtbarem Zorn stößt er die alte Frau den Bergabhang hinunter, so dass sie sich zu Tode stürzt. In seine Flucht hinein hört er die Turmuhr Mitternacht schlagen. Entsetzt muss er feststellen, dass er an diesem Tag das Psalmgebet vergessen hat, und fällt zu Boden. Barb hat ihn eingeholt und wirft den Leblosen in eine tiefe Schlucht, in der ihn nie jemand auffinden wird. Die alte Suse hingegen wird am nächsten Tag vermisst, gesucht und auf dem Galgenberg eingescharrt. Wendel wird gesund und heiratet seine Klara. Barbara aber wird später als Hexe erkannt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Inhaltsangabe zu: AHuFr II 3 Der Herr von Selerinski. Erzählung nach dem Leben, aus der Provinz Westpreußen
1.
Im siebenjährigen Krieg in der Nähe der westpreußischen Stadt Elbing. Der junge Leutnant Thaddäus von Selerinski gibt seinen geringen Sold gern in bunter Gesellschaft aus und hofft im übrigen auf eine Erbschaft von seinem alten Onkel. Als er eines Tages zu diesem Oheim gerufen wird, um mit ihm ganze Stapel von Goldstücken zu zählen, fällt die Mahnung des alten Manes zu mehr Sparsamkeit auf fruchtbaren Boden.
2.
Selerinski beginnt einen schwungvollen Handel mit billig aufgekauften Pferden, die er mit Hilfe eines alten Fachbuches in einen vorübergehend besseren Zustand versetzt und weit über Preis weiterverkauft. Als sich die Klagen über seine Rosstäuschereien häufen, muss er sein Regiment verlassen, erbt jedoch von dem aus Gram über die Schande verstorbenen Onkel ein hübsches Sümmchen.
3.
Um sein Vermögen nicht für ein standesgemäßes Heim ausgeben zu müssen, bietet Thaddäus dem Pfarrer Grauberg an, in seinem Namen und mit seinem Geld das Gut Thoden zu kaufen und es als sein Pächter zu bewirtschaften. Der Pastor stimmt arglos zu, umso mehr, als nur Adlige ein solches Gut erwerben dürfen, und bereut diese Entscheidung nicht: Ein Vertrag wird unterzeichnet, der die Besitzverhältnisse regelt, und Selerinski bringt pünktlich die vereinbarten Pachtbeträge. Allerdings steckt der Pächter auch manchen Betrag aus kleinen Betrügereien in die eigene Tasche, ohne dass der heimliche Gutsbesitzer etwas davon bemerkt. Als Grauberg früh verstirbt, macht sich der Edelmann unter dem Vorwand, heiraten zu wollen, an seine Witwe heran, verschafft sich Zugang zu den Papieren des Verstorbenen und entwendet den Pachtvertrag. Daraufhin zieht er sich von der Frau wieder zurück und freut sich seines Gutsbesitzes.
4.
Zwei weitere Freier der Pastorenwitwe ahnen zwar den Betrug und suchen ihr vor Gericht zu ihrem Recht zu verhelfen, doch umsonst: Selerinski zeigt den Kaufvertrag vor, der auf seinen Namen lautet, und da sich weitere Papiere nicht finden, die beweisen, dass die Kaufsumme von Grauberg stammte, bleiben die Verhältnisse unverändert.
5.
Auf Gut Thoden lebt Thaddäus derweil mit seinem Faktotum Emerentia in Geiz und Kargheit. Gäste, die unversehens hereinschneien, speist er mit Halbwahrheiten und wertlosen Geschenken ab.
6.
Dem Justizrat, der einmal im Jahr aus dem benachbarten Elbing nach Thoden kommt, um die Bücher zu prüfen, lässt Selerinski ein Mittagsmal vorsetzen, an dem der Gast wenig Freude hat.
7.
Zwei benachbarte Gutsbesitzerinnen, die Muttersauen bei Selerinski kaufen wollen, muss er wegen eines Missverständnisses der alten Emerentia mit Kaffee bewirten und macht ein solches Theater um den „fehlenden" Zucker, dass die beiden Frauen sich ausschütten vor Lachen.
8.
Schließlich wird der alternde Herr auf Gut Thoden von einem jungen Pärchen empfindlich betrogen, das sich als Nichte und Neffe ausgibt und mit der reichen Erbschaft eines verstorbenen Bruders lockt. Das Fräulein Nichte verdreht ihm den Kopf, und als der eitle Selerinski die List durchschaut, hat er bereits viel Geld ausgegeben und noch mehr durch Diebstahl verloren.
9.
Richtig an den Kragen geht es dem Geizkragen jedoch erst, als sein Diener Toffel nachts nach seinen versteckten Schätzen sucht und ihn dabei fast erschlägt. Fremde retten den Gutsherrn, der nur überlebt, weil er sich totgestellt hat. Der drohende Prozess bleibt Toffel erspart, weil Selerinski die Gerichtskosten fürchtet. In der allgemeinen Aufregung trifft ihn der Schlag, und die lachenden Erben teilen sich seinen Reichtum.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
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Inhaltsangabe zu: AHuFr II 4 Unterirdische Liebe. Ein Phantasiegemälde
Der Erzähler, ein Forstadjunkt, berichtet von den seltsamen Gerüchten, die sich die Einwohner Erfurts über den alten Professor Diptam erzählen. Sein besonderes Interesse gilt den umfangreichen Sammlungen und dem berühmten Wurzelmännchen. Er besorgt sich einen Empfehlungsbrief und besucht den sehr zurückgezogen lebenden alten Mann. Dessen Diener führt ihn in den weitläufigen Garten, und erst nach einem langen Weg durch ein Labyrinth von beschnittenen Bäumen und wunderlichen Figuren findet er den Professor schlafend bei einem Grabmal, das die Namen Athamantha und Victorialis trägt. Altmodisch und traurig sieht er aus, aber nicht im mindesten wunderlich oder ungepflegt. Freundlich begrüßt der Greis den Gast mit seinem Namen, er hat ihn bereits erwartet und berichtet aufgeschlossen von seinem tragischen Schicksal, dem frühen Tod seiner Tochter Athamantha. Dabei trifft er auf den Respekt und die Anteilnahme des jungen Besuchers, und so zeigt er ihm alle seine Schätze, auch die seltsame Alraune in ihrem Silbersarg. Dann führt er den Gast in den kleinen Hörsaal seines Hauses, den er vom Studierzimmer aus direkt erreichen kann, und hält in eilig übergeworfenen Festkleidern eine Vorlesung aus einem kostbaren, blau-goldenen Manuskript.
Einleitende Worten gelten dem Streben des Menschen nach einer Verbindung mit den Geistern der Tiefe. Dann erzählt er die Geschichte seiner Tochter als Beispiel dafür, dass diese Verbindungen den Menschen immer verdüstert und enttäuscht zurücklassen. Diptam hat den Fehler gemacht, die schöne Athamantha vor der Welt abzuschließen und mit den Pflanzen des Gartens aufwachsen zu lassen. So konnte es geschehen, dass sie ihrem Vater, als er einmal auf Reisen war, in einem Brief von ihrer Freundschaft und Liebe zu einem Erdprinzen, dem kleinen Victorialis, berichtet. Der Vater nach anfänglichem Schwanken erzählt der Professor die Geschichte, als ob nicht er der Betroffene wäre ist entsetzt, glaubt an eine geistige Verwirrtheit des Mädchens. Doch der verwitwete Apotheker Salep tröstet ihn. Dieser hat die Nähe und Freundschaft des Professors gesucht und tauscht mit ihm naturkundliche Erfahrungen aus. Eines Tages wirbt er um die Hand der Tochter und macht einen Vorschlag, wie sie von ihrem Geisterglauben geheilt werden könnte. Er versteckt sich in der Grotte, in der Athamantha jeden Abend das trauliche Zwiegespräch mit ihrem Prinzen sucht, kann Victorialis greifen und trägt ihn aus der Grotte ans Licht. Doch da ist der kleine Geist schon leblos, die Blicke des Eindringlings haben ihn getötet, und auch seine Verlobte erwacht nicht mehr aus ihrer Ohnmacht.
In Gedanken verloren verlässt der junge Forststudent nach diesem Privatissimum das Haus des Professors. Nur ein halbes Jahr später erhält er die Nachricht, dass der alte Diptam verstorben sei, und nimmt ein Päckchen mit dem gefensterten Sarg der Alraune und dem Bericht des Apothekers über die Vorgänge in der Höhle in Empfang.
(Copyright bei Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel 2002)
Sie können sich die Texte aus „Bechstein-Novellen. Das frühe Werk " auch als PDF-Datei herunterladen.
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