Universität - Fachbereich Sprachwissenschaften - Literaturwissenschaftliches Seminar - KVV Übersicht

Vorlesungen

 

  • 07.181 Ringvorlesung
    Geschichte der neueren deutschen Literatur III: Weimarer Klassik

    Koordination: Ortrud Gutjahr, Harro Segeberg
    2st. Di 16-18 Phil A Beginn: 06.04.
  • Die Vorlesungsreihe wird von auswärtigen Gästen und Mitgliedern des Literaturwissenschaftlichen Seminars getragen und möchte sowohl zur erneuten Auseinandersetzung mit schon bekannten Texten als auch zur Entdeckung weniger bekannter Aspekte der Weimarer Klassik einladen. Vorgestellt werden neue Lesarten und Interpretationsansätze zu den kanonisierten Texten, Ansätze der Travestie oder ironischen Brechung der Klassik sowie Texte von Autoren und Autorinnen, die nicht zur Weimarer Klassik im engeren Sinne gezählt werden und deshalb bisher nur am Rande Beachtung fanden. Zur Diskussion gestellt wird die Klassik als Epochenbezeichnung, wobei sich zugleich dabei die Frage stellt, ob die Klassik nicht auch ihre eigene Unterwanderung herausfordert und damit eine Gegenklassik oder auch Anti-Klassik hervortreibt.

    06.04. Karl-Robert Mandelkow,
    Hamburg
    Weimarer Klassik. Gegenwart und Vergangenheit eines deutschen Mythos.
    13.04. Gerhard G. Kaiser, Jena Friedrich Justin Bertuch (1747-1822). Herzoglicher Privatsekretär, Literat, Verleger, Industrieller, Politiker im klassischen Weimar.
    20.04. Angelika Jacobs, Hamburg Torquato Tasso: Goethes Antwort auf Rousseau
    27.04. Reiner Wild, Mannheim Die moderne Form. Goethes Balladen von 1797 als Teil des `Projekts Klassik'
    04.05. Klaus Bartels, Hamburg Die Erhabenheit des Krieges, der Technik und des Mordes.
    Eine neue Ordnung der Dinge bei Goethe und Kleist.
    11.05. Peter Brandes, Hamburg Entstellte Klassik. Goethes "barbarische Komposition" des Faust
    18.05. Alexander Mehlmann, Wien Keine Faustregel für Mephisto - Spieltheoretische Fingerzeige zu Goethes Faust
    01.06. Bernhard Dotzler, Köln Goethe und sein Ende: Das Medium Weltliteratur
    08.06. Malte Stein, Hamburg Triumph der Galathea? Ansichten zum Eros als "Bildungstrieb" von Winckelmann bis Goethe
    15.06. Stefan Blessin, Hamburg Todesbilder in Goethes Romanen
    22.06. Waltraud Wende, Siegen Kennt Ihr das Land, wo frei die Meinung ist ...
    Goethe im Visier der Parodie
    29.06. Harro Segeberg, Hamburg Friedrich Maximilian Klinger als Romanautor.
    Ein Beitrag zur Geschichte der Gegen-Klassik.
    06.07. Wolfram Malte Fues, Basel "Wanderjahre" im Hypertext
    13.07. Ortrud Gutjahr, Hamburg Charlotte von Steins Dido - eine Anti-Iphigenie?

     

     

  • 07.182 Udo Köster
    Geschichte der neueren deutschen Literatur IV: Biedermeier, Junges Deutschland, Vormärz (1815-1848)

    2st. Di 12-14 Phil B Beginn: 06.04.

    Die Zeit zwischen dem Wiener Kongreß und der Märzrevolution ist politisch wie literarisch eine Zeit der Widersprüche. Wir werden sie in drei Zusammenhängen - einem traditionellen, einem modernen (oppositionellen) und einem ,unliterarischen" - systematisch (d.h. auch: nicht in chronologischer Reihenfolge) beschreiben. In der Wahrnehmung der Zeitgenossen dominant ist (erstens) der moderne Typus des freien Schriftstellers, der die neuen Erwerbsmöglichkeiten am expandierenden Literaturmarkt nutzt: Für ein breites, nicht immer in den Konventionen der Gebildeten sozialisiertes Publikum schreibt er ,Reflexionsliteratur", experimentiert mit kürzeren journalistischen Formen und bedient Interessen des Publikums. (Die großen Namen in diesem Zusammenhang sind Hauff, Heine, Gutzkow, Herwegh, Freiligrath). Daneben besteht (zweitens), angefochten und oft voller Selbstzweifel, die traditionelle, den Prinzipien der Kunstautonomie verpflichtete Literatur; sie pflegt das klassisch-romantische Repertoire der großen literaischen Formen (interessant für uns: der Bildungsroman), setzt sich mit den sozialen Tendenzen der Zeit (im Konfliktfeld von Adel, Bürgern und ästhetischer Bildung) auseinander und produziert ihre Texte weitgehend unabhängig von den Forderungen des Tages. Die großen Autoren dieser traditionellen Literatur - Tieck (mit seinem Spätwerk), Immermann, Mörike; Grillparzer - wurden nicht die Lieblinge des Publikums, wohl aber der Literaturgeschichtsschreibung. Daneben bestehen (drittens) ,unliterarische" Schreibstrategien von Autoren, die Literatur zu literaturfremden Zwecken, etwa zur Belehrung oder zur Verbesserung der Welt, produzieren. Sie blieben (mit Ausnahme Büchners) am Rande des literarhistorischen Interesses, obwohle einige der besten Schriftsteller der Zeit (Börne, Büchner, Gotthelf, Weerth) in diese Gruppe gehören.

    In diese systematischen, am Zusammenhang von Literaturproduktion und literarischen Formen orientierten Abschnitte der Vorlesung sind einige themenbezogene Querschnitte (über Literatur und Nation, Literatur und Zensur, Literatur und Pauperismus) eingefügt, die ihr Thema über den zeitlichen Rahmen der Vorlesung hinaus verfolgen.
    Am Ende der Vorlesung sollen die Hörer über eine genauere Vorstellung von der literarischen Produktion im sozialen Kontext dieser interesssanten, bewegten, zukunftsoffenen und zugleich langfristig wirkungsmächtigen Periode der deutschen (Literatur-) Geschichte verfügen.

    Literatur zur Einführung:
    Udo Köster: Literatur und Gesellschaft in Deutschland 1830-1848. Die Dichtung am Ende der Kunstperiode. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1984.


  • 07.183 Harro Segeberg
    Literatur im technischen Zeitalter VII: Epochen der Gegenwartsliteratur nach 1970

    2st Mo 12-14 Phil A Beginn: 12.04.
  • Die Vorlesung bildet den siebten Teil einer Vorlesungssequenz, und in ihr geht es auch jetzt darum, die Geschichte der deutschen Literatur der Neuzeit sowohl als literarisch reflektierte Technik-Geschiche wie auch als Technik- und Mediengeschichte der Literatur selber zu verstehen und - in Auswahl - zu erhellen.
    Dazu wird die Vorlesung des Sommer-Semesters als erstes die anti-autoritären Protestbewegungen der 68-Jahre als literarisch inspirierte Kultur- und Medienrevolution aus Büchern, Zeitschriften, Flugschriften Raubdrucken, Wahlreden, Kurztexten, Flugblättern, Slogans, Handzetteln, szenischen Texten, Sit-ins, Presseblockaden u.ä und auch als Versuch zur ideologiekritischen ,Aneignung` nicht-literaler technischer Medien vorstellen. Danach wird es gehen um die Wege und Irrwege einer industrie- und kapitalismuskritischen Dokumentar- und Reportagenliteratur, die in den siebziger Jahren von der Gegenbewegung einer nicht länger ideologiekritischen, sondern medienkritischen Literatur der ,neuen Subjektivität` (Peter Handke) und eines ,Neuen Realismus` (Dieter Wellershoff, Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann) abgelöst wird. Im Anschluß daran bieten sodann die achtziger Jahre das kontrastreiche Bild von Schriftstellern, die als bisher in verschiedenen Medien operierende Medienarbeiter nunmehr ins neue Integrationsmedium Fernsehen hinüberwechseln (Alexander Kluge), inmitten ihrer dezidiert antiliterarischen Pop-TV-Welt nach Strategien der literarischen ,Vertiefung" dieser Simulationswelten suchen (Bodo Morshäuser, Norbert Niemann, Rainald Goetz), in radikal-literarischen Texten Strategien einer medienkritischen Literatur der Verlangsamung vorschlagen (Sten Nadolny, Brigitte Kronauer) oder aber auch weiterhin als Exponent wie als Kritiker neokapitalistischer Bewußtseinsdustrien und immer neuer Nullmedien (H.M. Enzensberger) hervortreten. Mit einigen unvermuteten Allianzen im Übergang zu den neunziger Jahren (B. Strauß/E. Jüngr) sowie möglichst kontrastreich ausgewählten Ansichten zur Zukunft der Literatur am Ende der Gutenberggalaxis und im Übergang ins Informationszeitalter soll dieVorlesung schließen.

    Einführende Literatur: Walter Delabar, Erhard Schütz (Hrsg.): Deutschsprachige Literatur der 70er und 80er Jahre. Autoren, Tendenzen, Gattungen. Darmstadt 1997. Dirk Matejovski, Friedrich Kittler (Hrsg.): Literatur im Informationszeitalter. Frankfurt a.M./New York 1996. Renate Matthaei (Hrsg.): Grenzverschiebung. Neue Tendenzen in der deutschen Literatur. Köln 1970. Peter Paul Schneider (Hrsg.): Literatur im Industriezeitalter. Marbach 1987. Erhard Schütz (Hrsg.): HighTech-LowLit? Literatur und Technik: Autoren und Computer. Essen 1991. Und als Information zum Problemzusammenhang Literatur und Technik sowie zu den vorangegangenen Vorlesungsteilen H. Segeberg: Literatur im technischen Zeitalter. Von der Frühzeit der deutschen Aufklärung bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Darmstadt 1997.

  • 07.184 Ringvorlesung
    Radio-Kultur und Hör-Kunst. Zur Geschichte einer Medienlandschaft

    Koordination: Horst Ohde, Andreas Stuhlmann
    2st. Mo 18-20 Phil D Beginn: 12.04.

    Die Vorlesungsreihe befaßt sich mit der Geschichte und Entwicklung des Radios, sie erkundet zudem aktuelle Tendenzen und zukünftige Möglichkeiten einer erweiterten medienkulturellen Nutzung des Mediums an der Schwelle des Jahres 2000.
    Wie andere technische Medien, so hat sich auch das Radio unter dem Druck der Verschiebungen in der Medienlandschaft dramatisch verändert. Das spiegelt sich in technischen Innovationen wie der Digitalisierung und `Radio im Internet'. Es zeigt sich in medienpolitischen Entwicklungen und deren Spannung zwischen Regulierung und Deregulierung, aber auch in Ansätzen einer `anderen' Öffentlichkeit von `freien' Radios, die in verschiedenen Initiativen eigenständigen Radio-Machens eine Antwort auf medienpolitische Machtfragen suchen.
    Geschichte einer Medienlandschaft meint auch die Geschichte audio-ästhetischer Konzepte, die das Radio genutzt und dessen Wirkungsgrenzen hinausgeschoben haben. Solche audio-künstlerischen Experimente und deren konzeptionelle Begründungen erhalten in dieser und in parallelen Veranstaltungen ein Forum.

  • 12.04.

    Grußwort und Eröffnungsvortrag: "Hör-Kunst"
    Dr.Christina Weiss, Kultursenatorin.

    19.04.

    1.Teil:
    "Radiorecht und Radiopolitik auf der Schwelle zum Jahr 2000"
    Prof.Dr.Wolfgang Hoffmann-Riem, Justizsenator a.D., Hans-Bredow-Institut.
    2. Teil:
    "Radiopraxis an der Schwelle zum Jahr 2000"
    Dagmar Reim, Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg

    26.04.

    "Ars Acustica"
    Klaus Schöning, Leiter des Studios Akustische Kunst, WDR, Köln

    03.05.

    "Digital Audio Broadcasting - der Radio Highway? Technik, Digitalisierung und die
    Zukunft des Hörfunks"
    Prof.Dr. Hans J. Kleinsteuber, Arbeitsstelle Medien und Politik

    10.05.

    "Zur Geburt des Hörspiels aus dem Geist der Operette"
    Hermann Naber, freier Autor und Regisseur, Baden-Baden

    17.05.

    "Geschichte zum Hören - Hörbarmachen von Geschichte"
    Jens Sparschuh, freier Autor, Berlin, und Andreas Stuhlmann, Literaturwissenschaftliches Seminar, Universität Hamburg

    31.05.

    "Auf der Jagd nach den verlorenen Frequenzgespenstern. Zur Verräumlichung des
    Rauschens im Radio"
    Ole Frahm, Torsten Michaelsen, Literaturwissenschaftliches Seminar, Freies Sender
    Kombinat, Hamburg

    07.06.

    "Die Rolle des Radios in der Demokratiebewegung Osteuropas seit 1989"
    Tom Bass , Radiomacher, Budapest

    14.06.

    "Vortex. Ein akustisches Palimpsest". Zu einer Audio-Installation an der Universität
    Hamburg
    Ronald Steckel, freier Autor, Berlin; Einführung: Marion Fiedler, Hörspielredaktion NDR alternativ:
    "In Sack haun". Zu einer Hörspielproduktion im WDR.
    Hermann Bohlen, freier Autor, Berlin

    21.06.

    "Sound poetry goes radio" - Klaus-Peter Dencker im Gespräch mit Franz Mon
    Prof.Dr. Klaus Peter Dencker, Universität Trier, Kulturbehörde Hamburg, und Franz Mon, freier Autor, Frankfurt/M.

    28.06.

    "Radio im Netz"
    Geert Lovink, Amsterdam

    05.07.:

    "text - stimme - körper: konstruktion von geschlecht im radio"
    Christine Achinger, Dagmar Brunow, Janina Jentz, Regina Mühlhäuser, Freies Sender Kombinat, Hamburg

    12.07.:

    "The joy of Repitition - Die Lust an der Wiederholung"
    Heiner Goebbels, Frankfurt/M.

     

     

  • 07.185 Ringvorlesung
    Theater und Film - Übergänge und Anregungen

    Koordinatoren: K. Hickethier, F. Göttsche, Chr. Maintz, O. Möbert
    2st. Do 18-20 Phil A Beginn: 08.04.
    ( vortragsbegleitende Filmvorführungen im Abaton-Kino, Allendeplatz 3: Do 16-18)
  • Diese Ringvorlesung ist von Doktoranden des theater-, medien- und kulturwissenschaftlichen Teilforums des Kollegs der Promovierenden am Fachbereich Sprachwissenschaften mit Prof. Dr. Knut Hickethier konzipiert worden.
    Seit der Entstehung des Films haben sich Theater und Film gegenseitig befruchtet. Viele Regisseure aus der Anfangsphase des Films haben ihre Laufbahn im Theater begonnen. 1945, als das deutsche Filmwesen zerstört war und viele Filmschaffende zur Bühnenarbeit zurückkehrten, dankte der Regisseur Helmut Käutner dem Theater für die Anregungen, die es der Filmgeschichte geschenkt habe. Aber nicht nur der Film profitiert vom Einfluß des Theaters: auch das Theater adaptiert filmische Methoden und verändert sich auf diese Weise.
    Die Beiträge der Ringvorlesung setzen sich mit den unterschiedlichsten Aspekten des Medienwechsels von Theater und Film auseinander. Dabei sollen zum einen die Übergänge des Theaters zum Film anhand historischer und aktueller Beispiele erläutert werden. Zum anderen werden auch der Einsatz von filmischen Mitteln sowie die Umsetzung von Filmstoffen im Theater untersucht. Hierzu werden Beispiele gegeben aus den Bereichen der Schaubühne, der Musik, der Komik, der Ästhetik oder der praktischen Theaterarbeit. Begleitend zur Vorlesung werden Filme im Abaton-Kino gezeigt.


  • 07.338 Heinz Hillmann/Peter Hühn
    Der europäische Entwicklungsroman vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart

    2st. Do 18-20 Phil D Beginn: 08.04.

    Der deutsche Bildungsroman wird, um 1800, mit Goethes `Wilhelm Meister` und den romantischen Künstlerromanen konstruiert, hält sich das ganze 19. Jahrhundert hindurch und verbreitet sich auch in die Schweiz (,Grüner Heinrich") in Österreich (,Nachsommer"); er gerät um 1900 in eine schwere Krise, die er aber nicht seiner eigenenKonstruktion, sondern der poesielosen Welt ankreidet, während erst die Moderne der zwanziger Jahre die notwendige Dekonstruktion leistet (Döblins ,Berlin Alexanderplatz", ??? ,Mann ohne Eigenschaften"; aber noch in Krieg und Nachkriegszeit wird er von Thomas Mann in ,Doktor Faustus" ???) von Grass in der DDR wieder hergestellt - wir kennen meist nur das eine elegische Exemplar, `Nachdenken` über Christa T.` Das Genre ist also 200 Jahre erhalten geblieben, variiert, kontriert ???, parodiert und wieder restauriert. Ein erstaunlich stabiles Muster hierin ähnlich dem Detektivroman, der seit Poe und Doyle aus der Weltliteratur nicht mehr wegzudenken ist. Dagegen ist der Bildungsroman eine sehr deutsche Erscheinung geblieben. Man hat das auf die deutsche Innerlichkeit hin bezogen, aber ein Blick auf die zentrale Figuration zeigt eher, daß sich die Poeten hier ihren Hausgott aufgerichtet haben: Künstler und Bürger, vom `Meister` bis `Christa T.`, wobei dieser stets wenig gilt und jener alles, und er bekommt auch die exemplarische Biographie, deren Scheitern ehrenvolles Stigma ist. So erzeugt dieser Romantyp sein eigenes Problem. Das Scheitern ist einprogrammiert, aber es scheint, als sei es der Fehler der Welt, nicht des Romanes. Ein Nachklang davon, wenn Kafkas Karl Roßmann die amerikanischen Verhältnisse durch Klavierspielen ein wenig zu bessern hofft. Aber das ist, wie man sieht, schon eine sich selbst aufhebende Revision. Sicher kein Zufall, daß Kafka auch seinen Roman als Dickens-Nachahmung sieht (,David Copperfield"). Der englische Entwicklungsroman ist ganz anders kostruiert. Von Anfang an (Defoes ,Robinson Crusoe") über Dickens zu Virginia Woolf (,The Waves") und Doris Lessing (,The Golden notebook") hat jeder Mensch, auch wenn er nicht Künstler ist, auch wenn er nicht Mann ist, ein Anrecht auf eine Biographie. Im Grunde steht ihm/ nur ??? dieser englische Romantyp deshalb viel näher, ist er viel weltläufiger. Erst vor diesem fremden Konzept sieht man das eigene, deutscher???, klarer, schätzt es richtiger ein. Deshalb wollen wir diese englische in der deutschen Geschichte gegenüber erzählen. ???
    Wenn man so will: ein europäischer Versuch. Er wird ergänzt durch Vorträge von romanistischen , nordistischen und slavistischen Kollegen. Und wenn es uns gelingt, würden wir auch gern ganz andere Konzepte kennenlernen, aus der japanischen und chinesischen Kultur.


  • 08.401 Gerhard Lohse
    Homer und Homerrezeption

    2st. Do 16-18 Phil A Beginn: 15.04.

    Ilias und Odyssee stehen am Anfang der literarischen Tradition in Europa, setzen aber doch
    eine epische oral poetry voraus, in der bereits typische Erzählelemente ausgebildet worden
    sind, die im schriftlichen Epos aufgehoben und weiterentwickelt worden sind. Anhand
    ausgewählter Passagen sollen typische Erzähltechniken, Darstellungsformen und Bauelemente
    dieser archaischen Literatur vorgestellt und in den stilistischen Differenzen der beiden Epen
    von einander abgesetzt werden. Dies soll anhand der Übersetzungen von Schadewaldt
    geschehen, doch soll wenigstens exemplarisch die Möglichkeit genutzt werden, mehrere
    gängige Übersetzungen untereinander und mit dem Original zu vergleichen. Griechisch-
    kenntnisse werden dabei nicht vorausgesetzt.
    Bereits zu Petrarcas Zeiten ist Homer kaum etwas anderes als ein berühmter Name. Vergil
    gilt als das große Vorbild und Julius Caesar Scaliger empfiehlt die Aeneis, nicht etwa das
    homerische Epos, als das klassische Muster. Noch in der ersten Hälfte des 18. Jhdts. steht
    Homer im Schatten Vergils. Danach kehrt sich unter dem Einfluß Winckelmanns, Herders,
    der Dichtergruppe des "Göttinger Hains", schließlich in der beginnenden Klassik das
    Verhältnis um. Statt des nunmehr als höfisch und künstlich abgelehnten Vergil wird das
    "Naturgenie" Homers geschätzt und seine Unabhängigkeit von poetischen und
    gesellschaftlichen Regeln bewundert. Homer galt als Repräsentant einer unverbildeten,
    "natürlichen" Frühzeit.
    Seit dem Einsetzen der literar- und überlieferungshistorischen Forschung (Friedrich August
    Wolf schreibt 1795 in seinen Prolegomena ad Homerum: "tota nostra quaestio historica et
    critica") hat sich allerdings vieles als komplizierter erwiesen, als es der erste begeisterte
    Zugriff wahrhaben wollte. Dies gilt insbesondere für die Entstehung und Herkunft der
    homerischen Epen, aber auch für ihren Aufbau, das Verhältnis der beiden Epen zu einander
    und deren Verfasser. Inzwischen hat sich gezeigt, daß die Ilias und Odyssee zwar nicht in
    den geschichtslosen Idealzustand einer goldenen Zeit zurückweisen, daß sie jedoch als
    Textzeugen des ausgehenden achten / beginnenden siebten vorchristlichen Jhdts. eine frühe
    Phase in der Entwicklung des europäischen Denkens und Gestaltens kenntlich machen,
    zugleich aber über ihren historischen Ort hinaus bis in unsere Gegenwart wirksam geblieben
    sind.



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