Portrait Isabel Kreitz - Hamburg im Autoren-Comic - Rezensionen - Linkliste

Comics, Comics, überall Comics. Überall? Nein, leider nicht. In der deutschen Kulturlandschaft könnte der Bereich Comic trotz allgegenwärtiger Comic-Ästhetik leider unter der Rubrik "ferner liefen" eingeordnet werden. Der zu Beginn der 90er Jahre einsetzende Comic-Boom verlief still und heimlich im Sande, die neunte Kunst konnte sich in Deutschland auf dem freien Markt nicht etablieren. Zumindest nicht in dem selben Maß und Umfang wie in Belgien oder Frankreich. Aber es gibt sie auch hier, die Besessenen: die Liebhaber der bizarren, phantastischen, grotesken, amüsanten oder erotischen Bildgeschichte. Und in Hamburg sind davon nicht wenige zu finden.
Allein die in Hamburg vertretenen Verlage haben einige Perlen der Comic-Kunst zu bieten. Da wäre natürlich allen voran Carlsen zu nennen. Im Comicbereich großgeworden mit Klassikern wie "Tim und Struppi", ist im aktuellen Programm von Carlsen für jeden Geschmack etwas zu finden (www.carlsen.de). Die 1953 gegründete Tochtergesellschaft des dänischen Carlsen Verlages hat ihren Schwerpunkt neben Kinder- und Jugendliteratur auf das Herausgeben von Comics gesetzt und so die Comic-Landschaft Deutschlands mitgeprägt. Neben populären Heftserien wie "Elfquest" oder "Godzilla", Klassikern wie "Gaston" und Mangas jeder Couleur sind im Programm des Verlages unter der Rubrik Comic-Art auch Comics ambitionierter Zeichner wie Andreas Dierssen zu finden. Dann gibt es natürlich den Zwerchfell-Verlag, bei welchem Zeichner wie Isabel Kreitz, Eckart Breitschuh oder Uli Oesterle vertreten sind (www.zwerchfell.de). Im Programm des Zwerchfell Verlages kann man als Freund skurriler Zeichnungen und bizarrer Figuren schnell den passenden Comic finden. Alles, was das Herz eines Comicfans begehrt, kann dann bei dem ebenfalls in Hamburg ansässigen Versand Hummelcomic bestellt werden (www.hummelcomic.de). Einen bedeutenden Platz in der Hamburger Comic-Infrastruktur belegen auch die Verleger E. Sackmann und P. Hörndl. In ihrem Magazin "RRAAH!" werden alle Neuigkeiten aus der Comicszene erfasst und in ihrem Verlag Comicplus+ bringen sie Comicgeschichten vorwiegend realistischer Darstellungstradition heraus (www.comic.de).
Neben den etablierten Verlagen kann man in Hamburg auch immer wieder im Eigenverlag produzierte Hefte finden. (Beim Comichändler meines Vertrauens sind diese Werke liebevoll unter der Rubrik "Krickel-Krackel" eingeordnet.) Speziell um die FH für Gestaltung in der Armgartstrasse scheint das Comicleben zu sprießen: regelmäßig wird von Studenten ein Heft mit dem Titel "unangenehm" herausgebracht. Die ersten drei Hefte beschäftigten sich beispielsweise mit den essentiellen Themen "RocknRoll Drogen Sex". Einige der dort vertretenen Zeichner sind aus der Hamburger Comiclandschaft kaum noch wegzudenken und sind auch mit Einzelarbeiten auf dem Markt vertreten. So werden Arbeiten von Calle Claus bei Jochen Enterprises in Berlin verlegt und die Reihe "Bizarr Bazar" des Zeichners Wittek wird im Zwerchfell Verlag herausgebracht. Auch an der Universität Hamburg ist das Thema Comic kein unbekanntes, was die Arbeitsstelle für graphische Literatur und sporadisch angebotene Seminare mit Schwerpunkt Comic beweisen.
Neben der Verlagsszene, der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und dem potenziellen Nachwuchs gibt es noch etwas ebenso erwähnenswertes: die Zeichner. Von diesen haben sich im Jahre 1990 einige zusammengetan und die inc., die INITIATIVE COMIC-KUNST e.V. (www.inc-comic.org), gegründet, welche für einige der besten Veranstaltungen mit Schwerpunkt Comic in den letzten Jahren verantwortlich war (ich erinnere mich mit Vergnügen an die Ausstellung "die 4. Dimension" 1997). Der gemeinsame Grundsatz der Initiative lautet dabei "Comic ist der RocknRoll der Kunst" und das Ziel ist, die Freude an allem, was mit Comics zu tun hat, einem breiten Publikum zu vermitteln. Zum Leidwesen des Comic-Fans finden solche Veranstaltungen jedoch nur in unregelmäßigen Abständen statt, die einzig feststehende Veranstaltung in Hamburg ist die Norddeutsche Comicbörse, Termin und Ort werden in Stadtmagazinen bekannt gegeben. Da bleibt nur eins für den eingefleischten Fan: ab in den nächsten Comicladen und kaufen, kaufen, kaufen. Nach der Devise "support your local Comiczeichner" stellen wir im folgenden drei Comics vor, in welchen Hamburg nicht nur durch den Zeichner, sondern auch im Bild repräsentiert wird.
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