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Laufende Forschungsprojekte
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Teilprojekt
Kirchwerder
(Prof. I. Schröder, Dr. A. Bieberstedt) Wo die städtische Peripherie wie in Kirchwerder von landwirtschaftlichen Strukturen geprägt wird und eine relativ stabile Sprechergemeinschaft anzutreffen ist, wird das Niederdeutsche auch heute noch zur Bewältigung alltäglicher kommunikativer Aufgaben genutzt. Im Teilprojekt Kirchwerder soll untersucht werden, welche situativen Kriterien (Adressatengruppen, Domänen des Sprachgebrauchs) für die Sprachwahl ausschlaggebend sind. Im Mittelpunkt steht die Analyse individueller sprachlicher Register, die von den Sprechern in Abhängigkeit von der spezifischen Kommunikationssituation eingesetzt werden. Als Ergebnis soll ein Sprachsituationsmodell entwickelt werden, das die multisituative Kompetenz und den entsprechenden Sprachgebrauch abbildet. Für die Datenerhebung wurden ortsfeste Gewährspersonen mit aktiver Niederdeutsch-Kompetenz und regelmäßigem Dialektgebrauch ausgewählt. Die Kontaktierung der Gewährspersonen erfolgte durch ortskundige Vermittler, im weiteren Erhebungsverlauf mittels Schneeballprinzip. Die Gewährspersonen wurden zunächst schriftlich, anschließend nochmals telefonisch kontaktiert. Zusätzlich wurde ein Aufruf zur Projektmitarbeit in der Regionalpresse geschaltet. Als ortsfest definiert wurden Einwohner, die im Kirchwerder geboren sind und dort ihre sprachliche Primärsozialisation erfahren haben und von denen mindestens ein Elternteil ebenfalls aus Hamburg gebürtig ist. Zudem mußten die Gewährspersonen einen Großteil ihres Lebens in Hamburg verbracht haben. Ausgeschlossen blieben Informanten mit fremdsprachlicher bzw. fremddialektaler Primärsozialisation. Mit den kontaktierten Gewährspersonen wurden in einer ersten Aufnahmephase sprachbiographische Tiefeninterviews geführt, zudem wurden jeweils der intendierte Ortsdialekt (Übersetzung von Wenkersätzen, freier Monolog in formaler Aufnahmesituation) und die intendierte Standardsprache (Vorlesetext) erhoben. Die Auswertung der Tiefeninterviews diente der Konturierung variativer Sprechertypen sowie der Vorbereitung der zweiten Aufnahmephase, die den intersituativen Sprachgebrauch fokussiert. Der gegenwärtige Schwerpunkt der Arbeit liegt neben der Interviewauswertung auf der Erhebung von Datenmaterial zum intersituativen Sprachgebrauch bei ausgewählten Sprechern (sechs Repräsentanten unterschiedlicher Sprechertypen). Bereits durchgeführt wurden mehrere, z. T. mehrstündige Sprachaufnahmen von niederdeutsch-hochdeutscher Alltagskommunikation im Arbeitsbereich (Großmarkt Hamburg) sowie im Nahbereich (Familienfeiern, Gespräche unter Familienangehörigen). Erhoben wurde zudem mehrstündiges Datenmaterial niederdeutsch-hochdeutscher Kommunikation im öffentlichen Bereich. Die Aufnahmen werden fortlaufend weitergeführt und sollen im Frühjahr / Frühsommer 2006 abgeschlossen sein. Abb.: Kirchwerder (Gartenbau, traditionelle Bauernhäuser etc.) |
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Teilprojekt
Altenwerder
(Prof. Dr. I. Schröder, Dr. J. Ruge) Teile der Peripherie Hamburgs befinden sich durch den Ausbau des Hafens und der Flugzeugwerft in grundlegenden sozioökonomischen Wandelprozessen begriffen. Davon betroffen sind insbesondere die Stadtteile Altenwerder und Finkenwerder. Durch die Umsiedlung Altenwerders in den 80er Jahren ist das traditionelle kommunikative Gefüge zerstört worden. Da Sprachdaten aus der Zeit kurz vor Aufgabe des Dorfes (1979/1980) vorliegen, ist die seltene Möglichkeit einer Langzeitstudie gegeben, welche die Auswirkungen des industriellen Umbruchs auf das Sprachverhalten zu beleuchten vermag. Eine vergleichende Analyse der früheren Aufnahmen mit neu zu erhebenden Sprachdaten ermöglicht es, Veränderungen im Sprachgebrauch der letzten 25 Jahre zu beschreiben.
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Teilprojekt
Niederdeutsch im öffentlichen Raum
(Prof. I. Schröder, Carolin Jürgens, Bastian Weeke) In Hamburg spielt das Niederdeutsche als Alltagssprache im öffentlichen Raum kaum noch eine Rolle, sondern es wird primär als regionales Kulturgut rezipiert. Niederdeutsch fungiert als Abzeichen hamburgischer Identität und wird als solches in der Öffentlichkeit präsentiert. Beispiele für diese identitätsstiftende Funktion sind niederdeutsche Werbeanzeigen, Sendungen im Rundfunk und im Fernsehen, Glossen in den lokalen Printmedien, Lesungen, niederdeutsches Vereinsleben und vor allem Theateraufführungen. Eine Analyse dieses kulturellen Teilspektrums soll Aufschluss über die Funktionen des Niederdeutschen im öffentlichen Raum erbringen und vor allem der Frage nachgehen, auf welche Weise ein spezifischer identitätsstiftender Wertekanon sprachlich vermittelt wird und welche – bewussten oder auch unbewussten – Inhalte und Wertungen in Hamburg mit dem Niederdeutschen verbunden werden. Darüber hinaus soll in diesem Teilprojekt der Einfluss biographischer Faktoren auf den Sprachgebrauch von Sprechern mit einer multivariativen Kompetenz Hochdeutsch - Niederdeutsch erhoben werden. Ein erster Schritt zur Analyse biographischer Einflussfaktoren ist die Erhebung von Sprecherbiographien, die im Hamburger Archiv für Biographie und Sprache (HABS) gesammelt werden.
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| „Sprachvariation
in Norddeutschland“ (Prof. Dr. I. Schröder in Zusammenarbeit mit weiteren Universitäten) DFG-Projekt Sprachvariation in Norddeutschland (SiN) |
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„Mittelniederdeutsche Grammatik“ (Prof. Dr. I. Schröder, Prof. Dr. D. Möhn) |
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„Syntax
der mittelniederdeutschen Kanzleisprache“
(Dr. A. Bieberstedt) Literatur: Komplexe Verbalgefüge in der mittelniederdeutschen Kanzleisprache. In: Niederdeutsches Jahrbuch 128 (2005) S. 7-40. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts vollzieht sich in den städtischen Kanzleien des norddeutschen Sprachraumes der Übergang vom Lateinischen zum Niederdeutschen als Medium der schriftlichen Kommunikation. Das Niederdeutsche wird in zunehmendem Maße sowohl im externen Schriftverkehr der Städte als auch im Bereich der internen städtischen Verwaltung eingesetzt und zur Dokumentation und rechtsverbindlichen Fixierung juristischer, verwaltungs- und finanztechnischer Sachverhalte herangezogen. Die Erschließung neuer schriftsprachlicher Domänen und Funktionsbereiche und die damit einhergehende Erweiterung des Textsortenspektrums forciert Entwicklungsprozesse innerhalb des mittelniederdeutschen Sprachsystems, die Veränderungen insbesondere auf der lexikalischen und syntaktischen Ebene bewirken, deren Regularitäten allerdings gerade im syntaktischen Bereich noch immer weitgehend unverstanden sind. Untersuchungen zur mittelniederdeutschen Kanzlei- und Verwaltungssprache thematisieren überwiegend phonologische und morphologische, zum Teil auch lexikalische Fragestellungen und verfolgen häufig variablenlinguistische Ansätze. Aussagen zur Urkundensyntax beziehen sich in erster Linie auf das Textaufkommen des hochdeutschen Sprachraums, die Analyse steht dort in aktuellen Arbeiten vielfach im Kontext textlinguistischer und soziopragmatischer Problemstellungen. Vor dem Hintergrund dieses Forschungsdesiderates widmet sich das Projekt einem speziellen Teilaspekt der mittelniederdeutschen Syntax. Untersucht werden Formen, Funktionen und Verwendungsbereiche afiniter Verbalkonstruktionen der Urkunden- und Kanzleisprache des 14. und 15. Jahrhunderts. Als Datenbasis fungiert das Quellenmaterial der DFG-Atlasprojekte „Atlas frühmittelniederdeutscher Schreibsprachen“ (Universität Rostock) und „Atlas spätmittelalterlicher Schreibsprachen des niederdeutschen Altlandes und angrenzender Gebiete“ (Universität Münster), die in transkribierter, computerverarbeiteter Form zur Verfügung stehen. Bei der Auswahl des Textmaterials aus diesen Korpora fanden Aspekte der diatopischen (Einbezug von Material aus unterschiedlichen Schreiborten), diachronen (Ansetzung von vier Zeitschnitten) sowie textuellen (Einbezug unterschiedlicher Textsorten) Varianz Berücksichtigung. Gesichtet, syntaktisch ausgewertet und computertechnisch erfaßt wurden bislang ungefähr 1000 mittelniederdeutsche Texte (Stand: Januar 2006), der endgültige Korpusbestand soll ungefähr 1200 Texte umfassen. Die weitere Analyse und Auswertung erfolgen sukzessive. |
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| Impressum | Letzte Änderung: 17. Mai 2011 |