Aterrizar la Decolonialidad – Grounding Decoloniality
10. und 11. April 2026, Hörsaal Phil E
Seit einigen Jahren sind dekoloniale Ansätze weltweit immer prominenter geworden und werden mittlerweile auch im sog. Globalen Norden stärker rezipiert und in akademische Aktivitäten eingebracht. Teils geschieht dies auch in einer Auseinandersetzung mit postkolonialer Theorie, u.a. mit dem Vorbehalt diese Theorierichtung sei letztlich zu abgehoben und zu sehr in klassischen Denktraditionen verhaftet geblieben, was aber für den globalen Süden nicht unbedingt zutrifft und damit eher eine Nord-Diskussion widerspiegelt. Ironischerweise wird aber auch an einem Großteil dekolonialer Arbeiten kritisiert, dass sich diese vorwiegend in einem epistemologischen Bereich bewegen oder eine systemische, oft strukturalistisch wirkende, Makroperspektive einnehmen. Zudem werden im Globalen Norden fast ausschließlich Arbeiten von Akademiker:innen wahrgenommen, die feste Positionen an „anerkannten“ Institutionen des Globalen Nordens haben. In diesem Sinne sind jene dekoloniale Debatten, die stärker rezipiert werden, fast als Teil des hegemonialen akademischen Wissenssystems zu betrachten. Wie Aura Cumes konstatiert, kommt es damit zu der absurden Situation, dass mittlerweile dekolonialen Ansätze auch im Globalen Süden oft erst dann ein Wert zugemessen wird, wenn diese aus dem Norden importiert werden.
Es gibt zwar in diesen Arbeiten auch regelmäßig Verweise auf soziale und politische Prozesse sowie konkrete Praktiken, Aktivitäten und auch Bewegungen auf anderen Ebenen, aber diese bleiben in der Regel oberflächlich und eine wirkliche Verknüpfung findet kaum statt. Gleichzeitig werden viele relevante Bereiche aufgrund eines starken Fokus auf formalisierte Institutionen und Räume sogar weiterhin übersehen werden. Es gibt zwar durchaus andere auch tiefergehende Analysen, die sich auf konkrete soziale Realitäten beziehen, aber da diese häufig von Aktivist:innen oder von Akademiker:innen aus betroffenen Gruppen stammen, werden sie in der etablierten Wissenschaft kaum wahrgenommen oder sogar als angeblich unwissenschaftlich ignoriert. Letztlich ist hiermit auch eine methodologische Debatte um Austausch und Forschungshaltungen verknüpft, indem sich vereinfacht gesagt die Frage stellt, wie die klassische Position von Informat:innen, die gewissermaßen von oben herab befragt werden, dekolonial aufgelöst und verändert werden kann.
Daher sehen wir die Notwendigkeit diese Kluft zu überwinden und laden unter dem Titel „Aterrizar la Decolonialidad – Grounding Decoloniality“ zu einem Workshop ein, der den Auftakt zu einem gemeinsamen Reflektions- und Austauschprozesses bilden soll. Hier werden wir in fünf thematischen Panels mit Vertreter:innen aus Praxis und Wissenschaft bisherige Erfahrungen, Arbeiten und Ansätze diskutieren, um diese Debatte über die Verknüpfung von eher theoretisch-abstrakten und epistemologisch orientierten Herangehensweisen mit praktischen lebens- und alltagsweltlichen Erfahrungen und Ansätzen zu führen.
Der Workshop wird als Abschluss des Aufenthalts unserer Gastprofessorin Khayaat Fakier von der Stellenbosch University (finanziert durch das Agathe-Lasch-Gastwissenschaftlerinnenprogramm) am 10. und 11. April 2026 an der Unversität Hamburg im Hörsaal Phil E des Philosophenturms (Von-Melle-Park 6) stattfinden und wird sprachlich offen sein.
Bei Fragen wenden Sie sich an: last@uni-hamburg.de
