Fachbereiche SLM I + II
I + II
Foto: UHH/Denstorf
30. April 2026
Der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil geht in diesem Jahr an die 1982 in Belarus geborene Autorin Julia Cimafiejeva. Der Preis wird von der Stadt Heidelberg gestiftet, wo er am 20. Oktober offiziell verliehen wird. Julia Cimafiejeva verbindet in ihrem Schreiben poetische und dokumentarische Formen, persönliche Erinnerungen und kollektive Geschichte. Seit 2014 erschienen von ihr fünf Gedichtbände auf Belarussisch, die Cimafiejeva als eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation etablierten. Auf Deutsch erschienen in der edition.fotoTAPETA, Berlin, die Bände „Zirkus“ (2019), „Minsk. Tagebuch“ (2021), „Der Angststein“ (2022) sowie 2025 „Blutkreislauf“, in der Übersetzung von Tina Wünschmann. Eine Sammlung von Collagen und Gedichten erschien ebenfalls 2025 unter dem Titel „Ich zerschneide die Geschichte“ (edition frölich, Berlin).
2020 musste Cimafiejeva zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Alhierd Bacharevič, Belarus aus politischen Gründen verlassen. Das Paar verbrachte anschließend im Exil Stationen in Graz, Chemnitz, Zug und Hamburg und lebt heute in Berlin. Die Jury, der neben Gregor Dotzauer, Marie-Luise Knott, Kerstin Schoor und Cornelia Zetzsche auch Doerte Bischoff angehört, würdigten insbesondere ihre lyrischen Annäherungen an Gewaltgeschichten des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart und deren Verknüpfung mit Fragen nach einer europäischen Erinnerung.