Veranstaltungen
Ringvorlesung Wintersemester 2026-27
Im Sog des Krieges. Einstellungen zu Militarisierung und Bedrohung im östlichen Europa
Im WS 2026-27, mittwochs von 16.15-17.45 in ESA Ost 221 (Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hambrg)

An den östlichen Grenzen Europas machen die Menschen bereits seit mehreren Jahren traumatische Erfahrungen mit kriegerischen Auseinandersetzungen – von schwelenden Grenzkonflikten bis hin zur militärischen Invasion. Mittlerweile sind Berichte und Bilder von Krieg und Militarisierung allgegenwärtig. Die Gegenwart mit ihren neuen Bildern und Grenzerfahrungen überwältigt und verdrängt dabei die Frage nach dem mentalen und kulturellen Leben der Menschen. Wie denken die Menschen, die unmittelbar von Krieg und Militarisierung betroffen sind? Wie haben sich ihre Einstellungen und Mentalitäten in den letzten Jahren verändert?
In der Ringvorlesung werden Prozesse untersucht, die in Gang gesetzt werden, wenn Kriegslogiken allgegenwärtig werden und den Alltag beherrschen. Im Zentrum der interdisziplinären Beiträge stehen politische und kulturelle Praktiken und Ausdrucksformen sowie gesellschaftliche Positionen, die als Reaktion auf Krieg und Militarisierung entstehen. Die Vorträge beleuchten unter anderem die Problematik der russischsprachigen Minderheiten im Baltikum, dokumentarische Formen der Kriegsdarstellung in der Ukraine, die Symbolik des Militärs und die veränderten politischen Einstellungen der Menschen in Georgien. Auch die gesellschaftlichen Folgen von Krieg, etwa Traumatisierung, sowie Friedensvorstellungen sind Themen der Ringvorlesung.
Organisation:
Prof. Dr. Anja Tippner (UHH), Prof. Dr. Monica Rüthers (UHH), Prof. Dr. Jörn Happel (HSU), Prof. Dr. Kirsten Bönker (Nordost Institut/IKGN e.V.), Dr. Regina Heller (IFSH), Dr. Marina Gerber (UHH)
Programm
04.11.26
„Russian-speaking Minorities in the Baltic States: Securitization and Strain amid Geopolitical Turmoil“
Prof. Dr. Vello Pettai, Institut für Frisistik, Universität Flensburg
11.11.26
„Kein Kirschgarten. Wahrnehmungen des Krieges im ukrainischen Dokumentartheater“
Prof. Dr. Anja Tippner, Slavistik/Osteuropastudien, UHH, Lydia Nagel, Rostock
25.11.26
„Moskau, Sitz des Kriegsherrn: von der Global City zur Hauptstadt des Autoritarismus"
Prof. Dr. Monica Rüthers, Europäische Geschichte/Osteuropastudien UHH
2.12.26
„Räume des Friedens. Friedensideen in der russ. und ukrainischen Diaspora in Deutschland und ihr Potenzial für die Konflikttransformation“
Dr. Regina Heller und Dr. Christian Fröhlich, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik/Osteuropastudien UHH
9.12.26
„Between Mustaches and Sovereignty: Carrot and Stick in Russian–Georgian Relations”
David Jishkariani, Max-Weber-Stiftung, Georgien
16.12.26
„Nordisch-baltische Perspektiven und Reaktionen auf die russische Aggression gegen die Ukraine (nach 2014)“
Dr. Fredrik Stöcker, Nordost-Institut (IKGN e.V.)
13.1.27
„Political Judgements without Political Opinions: How Russians Talk About the Russo-Ukrainian War.“
Dr. Svetlana Erpyleva, Universität Bremen
20.1.27
„Traumatisierung der Gesellschaft durch Krieg“
Jurko Prochasko, Autor und Psychoanalytiker, L'viv
Čornobyl – Tschernobyl: Kulturelles Gedächtnis und kritische Infrastruktur
Offenlicher Workshop und Vorträge am 10.07.2026
Ort: Philosophenturm, Raum Phil 3002 (in der Bibliothek, 2. OG im Philturm), Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

In Bedrohungslagen und Kriegen werden Atomkraftwerke als Druckmittel eingesetzt. So ist es möglich, der Zivilbevölkerung einen immensen und langfristigen Schaden zuzufügen, ohne Atomwaffen einzusetzen. Möglicherweise ist die Wahrnehmung der Bedrohung vor allem dem historischen Reaktorunfall in Tschernobyl am 26.4.1986 geschuldet. Er hat sich tief in unser kollektives Bewusstsein eingebrannt und die europäische Literatur, den Film, die Kunst und die Fotografie geprägt. Vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitslage in Europa und auf der ganzen Welt entfaltet dieses nun 40 Jahre zurückliegendes Ereignis eine erneute Wirkungsmacht. In dem Workshop möchten wir uns aus verschiedenen Perspektiven mit den historischen sowie den aktualisierten Wahrnehmungen des Reaktorunfalls beschäftigen. Dabei werden wir unter anderem Literatur, zivilgesellschaftliche Initiativen, Sicherheits- und Friedensforschung sowie Ansätze zur nuklearen Abrüstung betrachten.
10.00-13.00: Literarische und filmische Rekonstruktion
Gemeinsame Diskussion der Lektüre von Swetlana Alexijewitsch, Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft (Berlin Verlag, 1997); Christa Wolf, Störfall. Nachrichten eines Tages (1987), (Suhrkamp, 2009).
Roman Zipperling, Osteuropastudien NF-BA, Mediale Rezeption zur HBO-Serie „Chernobyl“
14.00-14.45: PRYVIT. Hilfe für Tschernobyl-Kinder e.V.
Regina Fiebig, Vorstand von PRYVIT
15.00-16.00: Kernwaffen, Kernkraftwerke, Krieg
Prof. Dr. Moritz Kütt, Physiker, Hamburg Nuclear Disarmament Laboratory, UHH.
16.30-17.30: Revealing My Invisible Catastrophe
Serafima Bresler, Künstlerin, Hamburg.
Infostand Greenpeace Hamburg
Organisation:
Anja Tippner (Studiengangsleitung Osteuropastudien), Marina Gerber (Koordination Osteuropastudien), Benedikt Pfeiffer (FSR-Osteuropastudien).
In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg.
Ringvorlesung im Wintersemester 2025/26
Gender und Sexualität in Osteuropa, Ostmitteleuropa und im Kaukasus
Ab dem 5. November 2025 mittwochs, 16:15 - 17:45 Uhr, Hauptgebäude, Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel Ost, Raum 221
Aishah Rahman auf Unsplash
Videoproduktion: DL-Büro der Fakultät für Geisteswissenschaften (uhh.de/gw-dl-buero). Videoaufzeichnung unter Lecture2Go.
05.11.2025
Gender und Queerness im Sozialismus: Mythen, Utopien, Schweigen
Dr. Tatiana Klepikova, Institut für Slavistik, Forschungsgruppe: „Licht an! Queere Literaturen und Kulturen im Sozialismus“, Universität Regensburg
12.11.2025
In erster Linie Estinnen? Geschlecht als Kategorie der Selbstbeschreibung estnischer politischer Aktivistinnen nach der Februarrevolution von 1917
Dr. David Feest, Nordost-Institut (IKGN e.V.)
19.11.2025 — Englisch
Transitions: Examining Changing Regimes of Sexuality in Post-Soviet Muslim Republics
Prof. Dr. Timothy Nunan, Professor für Transregionale Wissenskulturen, Universität Regensburg
26.11.2025
Sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten und im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine
Patricia Konrad, Dipl.-Pol., Institut für Politikwissenschaften, Universität Hamburg
03.12.2025
Gender und Inklusion in der polnischen Sprache
Jun.-Prof. Dr. Edyta Jurkiewicz-Rohrbacher, Institut für Slavistik: Polonistik, Universität Hamburg
10.12.2025
Indigene Perspektiven auf Gender im Kontext patriotischer Diskurse in Russland
Prof. Dr. Joachim Otto Habeck, Institut für Ethnologie, Universität Hamburg
17.12.2025
Weibliche Formen des Protests in Osteuropa in historischer Perspektive
Prof. Dr. Monica Rüthers, Europäische Geschichte mit Schwerpunkt Osteuropa, Universität Hamburg
14.01.2026
Roundtable: Soziale Arbeit im Kontext der prekären Sexarbeit in Hamburg
Tim Köslich, Sozialarbeiter beim Basis-Projekt (Anlauf- und Beratungsstelle für männliche* Sexarbeitende) / mit Piotr Mondroch, Denija Redzić und Evelyne Gering (Osteuropa-Studierende), Universität Hamburg
28.01.2026
Abschlussdiskussion: Live-Podcast mit den Studierenden
Koordination: Prof. Dr. Anja Tippner, Institut für Slavistik / Dr. Marina Gerber, beide Osteuropastudien / Prof. Dr. Monica Rüthers, Fachbereich Geschichte/ Prof. Dr. Joachim Otto Habeck, Institut für Ethnologie, alle Universität Hamburg
— In Zusammenarbeit mit dem Nordost-Institut (IKGN e.V.)