Im Zeichen des (Post)Digitalen: Zum Phänomen der ‚new bookishness‘ als Herausforderung für etablierte Ansätze der Intermedialitätsforschung – Prof.'in Dr. Irina Rajewsky
1. Juli 2026, von Webredaktion IfG

Foto: Arbeitsbereich KJM
Am Mittwoch, 01.07.2026 um 18 Uhr c.t. dürfen wir Prof'in Dr. Irina Rajewski im Rahmen des Kolloquiums Visuelles Erzählen digital via Zoom begrüßen. Der Vortrag findet digital auf Zoom statt.
Anmeldung unter: visuellesErzaehlen@kinderundjugendmedien.de.
Es bedarf heute keiner Diskussion mehr, dass der digitale Wandel die literaturwissenschaftlichen (und ganz allgemein die geistes- und kulturwissenschaftlichen) Disziplinen vor große Herausforderungen stellt. Die tiefgreifenden Veränderungsprozesse der digitalen Transformation von Kultur und Gesellschaft betreffen grundlegende Fragen des Gegenstandsbereichs, der Methoden sowie des Selbstverständnisses dieser Disziplinen im 21. Jahrhundert. Umso erstaunlicher ist es, dass in weiten Teilen der Forschung bisher erst ansatzweise eine Auseinandersetzung mit der Frage stattfindet, ob und inwiefern etablierte literaturwissenschaftliche Ansätze, Theorien und Modellbildungen, die ihrerseits so gut wie ausschließlich auf der Grundlage ‚traditioneller‘ Medien entwickelt worden sind, im Horizont des Digitalen nicht neu diskutiert oder ggf. auch grundlegend überdacht werden müssten. Hierfür liefert die (aktuelle) Intermedialitätsdebatte ein aussagekräftiges Beispiel, in deren Rahmen theoretisch-konzeptionelle Herausforderungen, die sich mit der Digitalisierung für herkömmliche Ansätze der Intermedialitätsforschung ergeben, noch kaum reflektiert und diskutiert worden sind. Dabei ist hervorzuheben, dass die Herausforderungen und offenen Fragen, mit denen sich die Intermedialitätsforschung in Bezug auf die gegenwärtige Medienkultur und -praxis konfrontiert sieht, keineswegs allein den sog. ‚neuen‘ Medien zuzuordnen sind. Die mit der digitalen Transformation einhergehenden Veränderungsprozesse betreffen vielmehr sämtliche Bereiche unserer Kultur und Gesellschaft, d.h. nicht nur die digitalen Medien und Technologien selbst, sondern ebenso die (künstlerische und gesellschaftliche) Auseinandersetzung mit den sog. ‚alten‘ Medien in einer radikal veränderten medialen Gesamtsituation. Zu fragen ist insofern immer auch danach, wie Digitalisierung, Medienkonvergenz, sich fortlaufend verändernde Formen der Distribution und Mediennutzung wie auch (je) neu entstehende Wahrnehmungsformen, Aufmerksamkeits- und Wissensökonomien auf den angestammten Objektbereich der Literaturwissenschaft (die Text- bzw. Buch- wie auch die Erzählkultur) zurückwirken und zu Verschiebungs-, Ausdifferenzierungs- und Emergenzprozessen innerhalb des medialen Gesamtfeldes und (bestehender) medialer Relationsgefüge führen. Fragen dieser Art wird der Vortrag anhand des Phänomens der ‚new bookishness‘ bzw. einer ‚aesthetic of bookishness‘ (Pressman 2009) genauer nachgehen. Damit ist eine seit Anfang der 2000er Jahre zu beobachtende – in der Tat bemerkenswerte – Entwicklung innerhalb des literarischen (und mit gewisser Verzögerung auch innerhalb des literaturwis-senschaftlichen) Feldes aufgerufen, die sich nicht nur in einen direkten Zusammenhang mit dem (post)digitalen Zeitalter bringen lässt, sondern, wie zu zeigen sein wird, etablierte Ansätze der (literaturzentrierten) Intermedialitätsforschung auch vor bisher kaum beachtete Herausforderungen stellt.

