Kinderbuchsammlung Dr. Klinger
Historische Illustrationskunst – Joachim Klingers private Kinderbuchsammlung zieht in die Bilderbuchbibliothek
Gemeinsam mit seinem Team vom Arbeitsbereich Kinder- und Jugendmedienforschung freut sich Prof. Dr. Tobias Kurwinkel über eine besondere Schenkung. Aus dem Nachlass des Sammlers Joachim Klinger haben seine Töchter Nadja Murphy und Prof. Dr. Judith Klinger (Universität Potsdam) der Universität Hamburg dessen private Bilder- und Kinderbuchbibliothek gestiftet – zugleich jenem Ort, an dem Prof. Klinger studiert hat. Die Sammlung, die in über 60 ausgewählten Titeln überliefert ist, vermittelt einen historischen Einblick in rund ein halbes Jahrhundert Bilderbuchgeschichte: vom beginnenden 20. Jahrhundert bis in die späten 1960er Jahre. Darunter finden sich teils seltene und wertvolle Ausgaben. „Seine Kinderbuchsammlung lag ihm sehr am Herzen: Den Grundstock bildeten seine eigenen Kindheitsschätze, aber im Lauf der Jahre hat er die Sammlung mit einem großen Interesse an der Illustrationskunst auf- und ausgebaut“, berichtet Prof. Dr. Judith Klinger.

Dr. Joachim Klinger (1932 in Dortmund geboren, 2024 in Berlin verstorben) war promovierter Jurist, Filmreferent und leitender Ministerialrat im Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Er sammelte nicht nur Bücher, sondern schrieb und zeichnete auch selbst. Als autodidaktischer Maler, Zeichner, Karikaturist und Illustrator veröffentlichte er unter anderem bei Grupello und im Selbstverlag. Ein bedeutender Teil seines künstlerischen Nachlasses wird heute im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden aufbewahrt: Rund 7000 Aquarelle, Zeichnungen und Karikaturen dokumentieren dort die Vielfalt seines Schaffens.
Die Schenkung an die Universität Hamburg umfasst keine eigenen Werke. Gleichwohl spiegelt sich in der privaten Kinderbuchsammlung die präzise Beobachtungsgabe des Künstlers und Illustrators wider. Namen wie Carlo Böcklin, Elisabeth Schellbach, Else Wenz-Viëtor, Fritz Baumgarten, Fritz Koch-Gotha, Gertrud Caspari, Hans Bausch, Otto Speckter, Pia Roshardt und Walter Trier finden sich in Klingers Sammlung, die über Jahrzehnte hinweg sorgfältig ausgewählt und erweitert wurde. Zu den Beständen gehören Bilderbücher, in denen bis heute persönliche Widmungen – etwa Nachrichten des Patenonkels – überliefert sind. Ebenso finden sich Klassiker wie Die Häschenschule (1935), Etwas von den Wurzelkindern (1925) und Till Eulenspiegel (1922) sowie zahlreiche illustrierten Märchen von Goethe, Bechstein, Storm, Andersen und Hauff. Ergänzt wird dies durch mehrbändige Bilderbuchreihen um Professor Wüsstegern (1940er Jahre) von Hilde Bensing und durch die Kasperl-Bilder-Bücher (1911) von Böcklin-Bonus. Auch seltene Ausgaben wie das Neidteufelchen (1949) von Walther Pollatschek und Dorothea Nosbisch sowie Firleifanz (1910) von Hans Watzlik und Ernst Kutzer gehören dazu. Darüber hinaus vereint die Sammlung heute Bücher aus unterschiedlichen Epochen und Gestaltungstraditionen – darunter eine frühe Ausgabe des Gestiefelten Katers aus dem Jahr 1905.

Für die großzügige Schenkung bedanken sich die Bibliothek für Geisteswissenschaften und der Arbeitsbereich Kinder- und Jugendmedienforschung bei den Stifterinnen. Als Zeichen des Dankes wurde ein eigens gestaltetes Exlibris angefertigt, das ein Selbstporträt Klingers zeigt.
Die Sammlung eröffnet Einblicke in die private Lesegeschichte eines Künstlers und ermöglicht zugleich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Illustration, Gestaltung und Erzählformen im Kinderbuch. Nach ihrer Erschließung wird sie Studierenden und Forschenden der Universität Hamburg zur Verfügung stehen und neue Perspektiven auf die Geschichte des illustrierten Kinderbuchs eröffnen.
Hier geht es zum Download der Inventarliste zur Kinderbuchsammlung von Dr. Klinger.
